Cyber-Kriminelle: Fin7: Diese Hacker-Gang arbeitet wie eine Firma – und erbeutet Milliarden

Stellen Sie sich vor, sie betreiben ein Hotel. Sie erhalten eine Mail von einem Kunden, der nach einem sehr spezifischen Problem fragt. Etwa einem Koffer, den er im Hotel vergessen hat. Im Anhang sei ein Foto des Gepäckstücks. Würden sie es öffnen? Was, wenn der Kunde vorher bereits angerufen und nach dem Koffer gefragt hat? Und sich nachher wieder meldet, um zu erfahren, ob Sie die Mail bekamen? Spätestens jetzt hätte fast jeder den Anhang angeklickt. Und wäre in die Falle einer der smartesten Cyber-Banden der letzten Jahre getappt.

Wer von Organisierter Kriminalität spricht, hat meist keine Hacker im Sinn. Doch im Vergleich zur Hackergruppe Fin7 wirkte selbst die Mafia chaotisch. Mindestens 50 Millionen Dollar sollen die Gruppe mit Cyber-Angriffen auf Restaurantketten, Banken und viele weitere Unternehmen gescheffelt haben – monatlich. Die extreme Organisiertheit und die cleveren Angriffsmethoden beeindruckten sogar die Ermittler.

Hochkomplexe Angriffe

23-Erschreckende Macht: Drei unfassbare Hacker-Angriffe-5757001122001Fin7 hatte mehr drauf, als stumpf per Mail einzelne Bürger in die Falle zu locken. Das zeigen Erkenntnisse der Sicherheitsfirma „FireEye“. Seit mindestens 2015 nahmen die Hacker Hunderte Firmen in Europa, den USA und zunehmend Asien ins Visier, verschaffen sich Zugang zum System – und nehmen die Unternehmen und ihre Kunden aus.

Dabei gehen sie enorm kreativ vor. Anders als bei klassischen Phishing-Attacken ist jeder Angriff genau auf den Kunden zugeschnitten, ein Ansatz, der als „Spear-Phishing“ (Speer-Fischen) bezeichnet wird. Die Mails sind auf den Zweck maßgeschneidert, die Mitarbeiter zum Klicken auf manipulierte Anhänge zu bekommen. 

Dazu tarnen sich die Hacker als Kunden, Geschäftspartner oder auch staatliche Behörden. Mit perfekt kopierten Logos und Layouts und präzisen Anfragen sind die Mails kaum als Angriff zu erkennen, so Fireeye. Und wenn der erhoffte Klick nicht kommt, fragt man eben telefonisch nach. Teilweise wurde sogar der Erstkontakt mit einem Anruf hergestellt.Hacker Ethereum Millionen_13.20

Hauptziel: Kreditkarten

Einmal im System, wurde langsam aber sicher das Netzwerk übernommen. Ließt man den Bericht von Fireeye, klingt dabei durchaus Bewunderung für die enorm kreativen Ansätze der Hacker durch. Immer waren sie den Forschern einen Schritt voraus, immer wieder schafften sie es, Entdeckungs-Mechanismen auszuhebeln. Anders als viele Hacker, die sich aus den Werkzeugen anderer bedienten, scheint Fin7 seine Angriffsprogramme  zudem selbst entwickelt zu haben. Spezialitäten waren etwa der Missbrauch von Makros in Microsoft Office und besonders geschickte Angriffe über die Windows Kommandozeile.

Sea Dragon 15.12Die Beute bestand hauptsächlich aus Kreditkartendaten, die über die gehackten Kassensysteme abgegriffen wurden. Die Karten nutzten die Hacker entweder, um die Konten der Kunden leerzuräumen, oder sie verscherbelten sie im Darknet. Das scheint sich extrem gelohnt zu haben. Nach Schätzung eines Experten gegenüber „Wired“ dürfte Fin7 so im Laufe der Zeit weit über eine Milliarde Dollar eingenommen haben. Die Beute wurde dann professionell von eigenen Leuten gewaschen.

Cyber-Gangster als Bürojob

Der Arbeitsalltag scheint dabei straff organisiert zu sein. Während Hacker dem Klischee nach spätnachts alleine ihre Befehle in die Tastatur hämmern, gingen die Angestellten von Fin7 einer geregelten Arbeitswoche nach, Feierabend und freie Wochenenden inklusive. 

Das Wort Angestellte ist hier nicht übertrieben: Über die Tarnfirma Combi Security suchte die Gruppe ganz offiziell weltweit nach qualifizierten Mitarbeitern. Da die Firma offiziell nach Sicherheitslücken in Firmensystemen sucht, könnten viele Angestellte nicht wissen, dass sie bei der Arbeit Straftaten begehen. Tatsächlich waren laut Fireeye viele Kunden von Combi Security auch Opfer der Hacker-Angriffe. Cyber-Bankraub 18.00

Drei Drahtzieher verhaftet

Die Ermittler versuchen aktuell noch das Puzzle um die Gruppe zu knacken. Drei wichtige Teile haben wie bereits gefunden: Nach einem gerade vom US-Justizministerium veröffentlichten Bericht wurden drei ranghohe Mitglieder der Gruppe in Polen, Spanien und Dresden verhaftet. Den ukrainischen Staatsbürgern werden in den USA Verschwörung, Kreditkartenbetrug, Computer-Hacks, das Knacken von Bank- und Kreditkartenkonten sowie Identitäts-Diebstahl vorgeworfen, 26 Anklagepunkte liegen gegen jeden von ihnen vor.

Selbst eine Verurteilung der drei dürfte aber kaum zum Ende der Angriffe führen, vermutet FireEye. Die Experten sehen eher eine Aufteilung der Gruppe in einzelne Splittergruppen als wahrscheinlich an. Die Angriffe dürften also weitergehen.Apple iCloud Erpressung

Trotz Billionen-Bewertung: Da wird sogar Apple neidisch: Dieser unbekannte Konzern ist der wertvollste der Welt

Es war eines der spannendsten Rennen der Finanzwelt: Welches Unternehmen knackt als erstes die magische Billionen-Marke? Lange hatten sowohl Apple als auch Amazon gute Chancen, der erste US-Konzern mit einer Dollar-Bewertung mit zwölf Nullen zu werden. Dann legte Apple am Dienstag seine beeindruckenden Quartalszahlen vor – und konnte sich gestern als erster Konzern über die Billionen-Marke schieben. Was im ganzen Hype aber unterging: Der wertvollste Konzern der Welt ist Apple wohl trotzdem nicht.

Wie wertvoll ist Aramco?

Dieser Titel geht vermutlich an ein Unternehmen, von dem die meisten Menschen noch nie gehört haben dürften: Es handelt sich um Saudi Aramco, die staatliche Ölförderungsgesellschaft Saudi Arabiens. Anders als Apple wird Aramco nicht an Börsen gehandelt, sondern ist quasi Privatbesitz der saudischen Königsfamilie. Daher gilt Apple weiter als wertvollster, öffentlich gehandelter Konzern der Welt.Apple Quartalszahlen Huawei 13.10

Wie viel Saudi Aramco genau wert ist, ist nicht bekannt. Weil die Firma nicht an der Börse ist, muss sie ihre Finanzberichte nicht veröffentlichen. Nach eigenen Angaben soll der Wert ganze zwei Billionen Dollar betragen. Nach der Auswertung geleakter Dokumente kam „Bloomberg“ im April aber zum Schluss, dass der Wert eher bei 1,2 Billionen Dollar liegen dürfte. Der könnte aber noch weiter steigen: Laut „Bloomberg“ ist Aramco der profitabelste Konzern der Welt. Seitdem sind die Ölpreise sogar noch gestiegen.

Wie viel er tatsächlich wert ist, könnten wir schon bald erfahren: Der Börsengang von Saudi Aramco ist bereits in Vorbereitung, aktuell wird er für 2019 erwartet. Gut möglich, dass Apple dann ganz offiziell seinen Titel verliert.

Apple ist nicht die erste Billionen-Firma

Apple Pay Ausprobiert_11UhrTatsächlich ist Apple nicht mal der erste börsengehandelte Konzern mit Billionen-Bewertung. Als die staatliche chinesische Ölfirma PetroChina im November 2007 mit kleinen Anteilen an die Börse ging, erreichte der Konzern als erstes die damals unvorstellbare Marke von eine Billionen Dollar. Inflationsbereinigt würde es sich gar um knapp 1,7 Billionen heutige Dollar handeln. Lange hielt der Wert aber nicht an: Mit dem Platzen der US-Immobilienblase kam die weltweite Wirtschaftskrise. Bereits im April 2008 war Petrochina nur noch knapp 400 Milliarden Dollar wert. Exxon Mobil konnte sich den Thron zurückholen.

Geht man noch weiter in der Geschichte zurück, finden sich sogar noch deutlich wertvollere Firmen. Die Niederländische Ostindien-Kompanie konnte sich im im 17. Jahrhundert im Seehandel mit Indien und Asien fast ein Monopol aufbauen. Auf dem Höhepunkt war die Handelsgesellschaft mit Zentrum in Amsterdam ganze 78 Millionen Gulden wert – das entspricht heute laut der „Time“ unglaublichen 8,2 Billionen Dollar. Der britischen South Sea Company gelang beim Handel mit Südamerika ähnliches, sie soll auf dem Höhepunkt vier Billionen heutige Dollar wert gewesen sein. Beide Firmen haben übrigens eines gemeinsam: Sie basierten auf einer Blase – und deren Platzen warf die Weltwirtschaft jeweils ins Chaos.Apple Airpods Fußball WM 1955

Lausprecher-Hersteller: Sonos-Aktien bei Börsendebut in New York gefragt

Ein kräftiger Kursanstieg um fast ein Drittel hat dem Lautsprecher-Anbieter Sonos doch noch ein versöhnliches Börsendebüt beschert – nachdem die Aktien günstiger als geplant verkauft wurden.

Das Papier beendete den ersten Handelstag mit einem Plus von 32,73 Prozent auf 19,91 Dollar. Allerdings hatte die Firma aus Kalifornien den Ausgabepreis zuvor auch schon von der ursprünglich angepeilten Spanne zwischen 17 und 19 Dollar auf 15 Dollar reduziert.

Der Anbieter vernetzter Lautsprecher nahm damit rund 208 Millionen Dollar ein, insgesamt wurde Sonos beim Börsenstart mit etwa 1,5 Milliarden Dollar (1,29 Mrd Euro) bewertet. Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg von Frühjahr hatte Sonos ursprünglich eine Bewertung von 2,5 bis 3 Milliarden Dollar angestrebt. Vorstandschef Patrick Spence machte im US-Sender CNBC die allgemeine Skepsis, die Anleger derzeit bei Tech-Aktien hätten, als Belastungsfaktor aus.

Sonos, gegründet 2002, ist ein Vorreiter bei vernetzten Lautsprechern für den gesamten Haushalt. Die Firma erkannte aber recht spät den aktuellen Trend zu sprachgesteuerten digitalen Assistenten in den Geräten. Dieser neue Markt wird von Amazons Echo-Lautsprechern mit der Assistenzsoftware Alexa beherrscht, während Google und Apple auf Aufholjagd gehen. Sonos integriert inzwischen Amazons Alexa-Software in den kleinen Lautsprecher One und in die neue Soundbar Base. Der Google Assistant soll bis Jahresende folgen.

Nutzer von Lautsprechern mit Sprachassistenten hörten unter anderem häufiger Musik, sagte Top-Manager Matthew Siegel der dpa. Während er sich nicht darauf festlegen wollte, ob alle neuen Sonos-Geräte künftig Sprachassistenten an Bord haben werden, seien sie eine wichtige Priorität.

Nach Zahlen vom Frühjahr wurden mehr als 19 Millionen Sonos-Geräte in 6,9 Millionen Haushalten registriert. Die Firma rechnet für die kommenden Jahre mit einem schnell wachsenden Markt durch die verstärkte Nutzung von Musik-Streamingdiensten und Sprachassistenten. In den sechs Monaten bis Ende März machte Sonos dem Börsenprospekt zufolge einen Gewinn von 13,1 Millionen Dollar, was einem etwa 14-prozentigen Rückgang im Jahresvergleich entspricht. Der Umsatz stieg indes um 18 Prozent auf knapp 656 Millionen Dollar.

Zum Handelsstart der Aktie unter dem Tickerkürzel «SONO» läutete die traditionelle Glocke der Technologiebörse Nasdaq in einem bei Sonos entwickelten Ton. Die Nasdaq werde den neuen Sound künftig weiter nutzen, hieß es.