Apple stellt neue Software vor: Siri ist jetzt überall – und mächtiger denn je

Eines muss man Apple ja lassen: Auch wenn bei der Keynote zur Eröffnung der WWDC 2016 keine neue Hardware zu sehen war, aus Software-Sicht war die Präsentation ein Fest. Neue Schnittstellen allerorten, jede Menge nützlicher neuer Features. Und natürlich eine deutlich verbesserte Siri – die nun auch den Sprung auf den Mac geschafft hat.

Denn ob iOS oder das frisch umgetaufte macOS: Apple hat sich zu einem gewagten Schritt entschlossen – und den Entwicklern mehr Zugang gegeben als jemals zuvor. Gerade das ehemals beinahe hermetisch abgeriegelte iOS bietet Entwicklern seit heute Abend mehr Möglichkeiten, als sie je zu träumen gewagt hatten. Ob die Apple Maps oder Siri: Nahezu alle Kernfeatures lassen sich nun endlich auch direkt in die Apps einbauen oder sogar selbst erweitern. Die Nutzer dürften davon schnell profitieren, wenn iOS 10 und macOS Sierra im Herbst auch für sie bereit stehen. Vor allem von der schlaueren Siri.Live-Blog Apple Event WWDC 18.33

Comeback mit Pauken und Trompeten

Denn Apples Sprachassistentin hatte in den letzten Jahren mächtig an Boden verloren. Einst beim iPhone 4s als revolutionäres Feature eingeführt, hatten die Konkurrenten Google Now, Cortana (Windows), Alexa (Amazon) und zuletzt das von einem Siri-Miterfinder entwickelte Viv Apples Siri nicht nur eingeholt, sondern waren längst an ihr vorbeigezogen. Heute hat Apple die Rückrunde eingeläutet.

Die neue, schlauere Siri soll dank „Deep Learning“-Techniken dazu in der Lage sein, Anfragen besser zu verstehen und proaktiv auf sie einzugehen. So schlägt sie nun auf Basis etwa des Standortes und aller möglichen anderen, ihr vorliegenden Informationen Handlungen vor, versucht zu erraten, was der Nutzer gleich tun oder schreiben will und verbindet Informationen und Anfragen sinnvoll miteinander. Und wie Microsofts Cortana tut sie das nun auch auf dem heimischen Rechner. Wie gut das im Alltag funktionieren wird, ist natürlich noch offen. Das Gezeigte machte aber wirklich Lust auf mehr.iPad pro Test 16.20

Verständnis und dumme Sprüche

Dass Apple dazu Siris Leistung aufbohren musste, liegt auf der Hand. Explizit wurde die deutliche Verbesserung allerdings nicht beworben. Das ist durchaus ungewöhnlich für den Konzern, der gerne mit Superlativen um sich wirft. Die angepriesenen Features deuten allerdings darauf hin, dass der von Apple aufgekauften Dienst VocallQ als Grundlage für die neue Siri dient. Der ermöglicht mit Deep Learning und einer Speicherung einzelner Abfragen deutlich komplexere Befehle, als Siri sie vorher beherrschte.

So lassen sich nun Nachfragen zu einer Suche hinzufügen, einzelne Teile der Anfrage zurücknehmen oder verfeinern. Zudem versteht Siri nun deutlich umgangssprachlichere Antworten – und kommentierte während der Präsentation einige Anfragen mit frechen Sprüchen. Die waren allerdings nur mäßig witzig, auf Dauer könnten sie durchaus nerven. Immerhin kamen sie nicht bei jeder Suche sondern blieben die Ausnahme.Screenshot 2016-06-13 22.22.34

Siri für alle

Der wichtigste Schritt ist allerdings, dass Apple Siri jetzt für alle Entwickler freigibt. Sollten die wirklich davon Gebrauch machen, können sich die Nutzer nun endlich darauf verlassen, dass Siri ihnen in nahezu jeder Situation zur Seite steht – und nicht nur dann, wenn man auch die wenigen Apple-Apps benutzt.

Ob die Menschen den Sprachassistenten deswegen häufiger nutzen werden, ist offen. Die meisten fühlen sich immer noch unwohl, in der Öffentlichkeit mit dem Smartphone zu sprechen. Darauf deuten allerlei Umfragen hin. Immerhin beherrscht Siri nun einen stillen Modus, in dem sie nur mit Textanzeigen antwortet. Stille Befehle wie bei Facebooks Messenger-Bots scheinen aber noch zu fehlen.Facebook Bots_11.15

Apple macht seine Hausaufgaben

Ebenfalls gelungen: Die deutlich tiefere Verknüpfung der Apple-Geräte untereinander. Mit der geteilten Ablage lassen sich nun etwa Links, Textteile oder auch Fotos auf dem Mac kopieren und dann Sekundenbruchteile später auf dem iPhone oder iPad einfügen. Ein extrem nützliches Feature für jeden, der gleich mehrere Geräte mit dem Apple-Logo sein eigen nennt.

Auch sonst hat Apple seine Hausaufgaben gemacht. Der überarbeitete Streaming-Dienst Apple Music räumt das völlig überladene Interface auf. Die Fotos-App lernt nun ebenfalls, die Bilder sinnvoll zu sortieren und das Stöbern zu erleichtern. iMessage zieht mit beliebteren Messaging-Apps wie Whatsapp oder Line mit – oder überholt sie gar. Auch die schlauere Karten-App gefällt. Apple zieht in vielerlei Hinsicht mit den Konkurrenten nach oder überholt sie knapp, auch wenn der Konzern wenig von Grund auf neu erfindet.iPhone SE Test 17.00

Privatsphäre als Verkaufsargument

Einen Vorteil hat Apple allemal: Während Google, Facebook und Co. seinen Nutzern kostenlose, sehr gut gemachte Apps und Dienste anbieten, dafür aber ihre Daten sammeln und verwerten, kann Apple einen anderen Weg gehen. Der Konzern kann es sich erlauben, auf die Einnahmen aus dem Datengeschacher zu verzichten – und die geschützte Privatsphäre der Kunden als Verkaufsargument für seine Hardware nutzen. Das Apple dabei glaubwürdig bleibt, verdankt der Konzern auch seinem öffentlich ausgetragenen Konflikt mit dem US-Geheimdienst FBI.

Mit dem heutigen Abend hat Apple wieder einmal gezeigt, dass der Konzern bereit ist, konsequent an sich und seinen Produkten zu arbeiten. Weltbewegend waren alle Teile für sich nicht. Zusammen erzeugen sie allerdings durchaus einen beeindruckenden Fortschritt. Und vielleicht fangen nun viele der Sprachsteuerungsmuffel nun doch mal einen Plausch mit Siri an. Life Hacks Handyhalterung Auto 16.14h

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