Teuerstes Rüstungsprojekt überhaupt: Billionen-Dollar-Jet F-35A bereit für den Kampf

Zweifler mögen nicht mehr damit gerechnet haben: Der US-Kampfjet der fünften Generation, die F-35 Lightning II, hat den sogenannten IOC-Status innerhalb der US-Streitkräfte erreicht. Dies bedeutet so viel, dass der moderne Tarnkappenjet nun genug Tests durchlaufen hat und offiziell bereit für Kampfeinsätze ist. General Hawk Carlisle vom US-Luftkampfkommando gab an: „Ich bin stolz, bekanntgeben zu dürfen, dass dieses mächtige neue Waffensystem Kampfbereitschaft erreicht hat. Die F-35A wird das dominanteste Flugzeug in unserem Inventar sein, weil es dorthin fliegen kann, wo unsere älteren Maschinen nicht hingelangen. Es wird unserer Führung die Fähigkeit verleiht, auf dem modernen Schlachtfeld zu bestehen.“ Letzte Woche stellte die F-35 erstmals unter Beweis, dass sie kampfbereit ist, indem sie erfolgreich eine Drohne mit einer Rakete abschoss.

Doch einen einfachen Weg hat das sogenannte „Joint Strike Fighter“-Programm der US-Streitkräfte mit Sicherheit nicht hinter sich. Im Gegenteil, seit seinen Anfängen vor über 15 Jahren wurde das teuerste Rüstungsprojekt der Menschheitsgeschichte immer wieder von Rückschlägen überschattet. Nach einer jahrelangen Ausschreibungsphase, in der verschiedene Flugzeugbauer um den Zuschlag für den US-Kampfjet der nächsten Generation kämpften, fiel zum Schluss die Wahl auf die Plattform des Konzerns Lockheed-Martin. Mitbewerber Boeing hatte das Nachsehen. Die sehr lange Entwicklungszeit, die 2001 begann, hat zweifelsohne auch mit der extremen hohen Vielseitigkeit und der Flexibilität zu tun, die sich das US-Verteidigungsministerium von der F-35 verspricht. Denn das Kampfflugzeug soll gleich mehrere Jets der US-Streitkräfte wie beispielsweise das alternde Arbeitstier F-16 oder den Senkrechtstarter AV-8B Harrier II ersetzen.

F-35 soll auch bei Verbündeten dienen

Um die Vielzahl verschiedener Aufgaben von gleich mehreren Kampfjets zu übernehmen, wurde ein revolutionärer aber auch überaus komplexer Weg beschritten: Die F-35 wird in gleich drei Versionen gebaut (F-35/A/B/C), die zwar auf derselben Plattform basieren, jedoch gleichzeitig auch grundverschieden sind. Ziel ist es, gleich drei der fünf Teilstreitkräfte des US-Militärs mit einem modernen Kampfflugzeug auszurüsten, dass die Lufthoheit der USA in verschiedensten Kampfgebieten für die nächsten Jahrzehnte sichern soll. Hinzu kommt, dass die F-35 über Stealth-Technologie verfügt. Die Tarnkappenfähigkeit macht das Flugzeug fürs gegnerische Radar fast unsichtbar. Langfristig ist es das Ziel der US-Streitkräfte, durch eine zentrale Flugzeug-Plattform Kosten bei Ausbildung, Wartung und Material zu sparen. Die Frage bleibt allerdings, ob diese Rechnung am Ende aufgeht.

F-35_A_B_C_Config

Die seit kurzem kampfbereite F-35A ist die Variante der U.S. Air Force. Die US-Luftwaffe plant 1763 Flugzeugen anzuschaffen, das wäre dann der Großteil der insgesamt 2443 F-35-Kampfjets, die das Pentagon geordert hat. Auch deshalb ist die Kampfbereitschaft der F-35A der vielleicht wichtigste Meilenstein des gesamten Programms.

Im Wesentlichen hebt sich die Variante F-35A durch eine intern verbaute Kanone vom Typ GAU-22/A von ihren Geschwistern ab. Zudem ist es die kleinste und leichteste der drei Varianten. Auch im Hinblick auf den Export ist es für die USA wichtig, dass die F-35A nun Kampfbereitschaft erlangt hat – schließlich soll die F-35 auch in zehn weiteren, verbündeten Luftwaffen dienen.

Skepsis hält sich – trotz erfolgreicher Probephase

Die übrigen Maschinen sollen in der Variante F-35B (U.S. Marine Corps) und F-35C (U.S. Navy) ausgeliefert werden. Die Version F-35B ist die Senkrechtstarter-Variante, die auf einer extrem kurzen Distanz abheben und senkrecht landen kann. Somit kann sie auf konventionelle Landebahnen verzichten und soll somit das U.S. Marine Corps bei Invasions- und Landeoperationen unterstützen. Die Version F-35B hat seine Kampfbereitschaft bereits im Juli letzten Jahres erreicht. Die F-35C ist die trägerbasierte Version der U.S. Navy. Um von den Flugzeugträgern der US-Marine starten und landen zu können, verfügt sie unter anderem über größere Flügel, die sich auch zusammenklappen lassen, um an Deck der Träger Platz zu sparen. Die Navy-Version der F-35 ist quasi der Nachzügler des Trios – es wird erwartet, dass sie 2018 den Status „kampfbereit“ erreichen wird.

„Die F-35 wird für Jahrzehnte das Rückgrat der Luftüberlegenheit sein und Kampfpiloten die Möglichkeit geben, Gegner als erste zu sehen und rigoros durchzugreifen“, so der F-35-Programmleiter Chris Bogdan gegenüber CNN. Auch nach der erreichten Kampfbereitschaft haftet dem Mammutprojekt F-35 jedoch immer noch ein gewisses Maß an Skepsis an. Dabei hatte jede einzelne Variante über die Jahre eine Reihe von Problemen – sowohl im Bereich Software als auch mit der Hardware. Diese haben dazu geführt, dass es zu beträchtlichen Verzögerungen innerhalb des Programms kam – und die Kosten um viele Milliarden in die Höhe schossen. 2014 wurde die gesamte F-35-Flotte mit einem Startverbot belegt, nachdem es bei einem Test zu einem Triebwerksbrand kam.

F-35 überzeugt nicht in jedem Vergleich

Probleme bei der Entwicklung tauchen bei den meisten großen Rüstungsprojekten an einem gewissen Punkt auf. Doch ließ ein weiterer, zentraler Punkt das F-35-Programm über die Jahre zum Sorgenkind der US-Streitkräfte heranwachsen: Kann eine Flugzeug-Plattform tatsächlich eine Vielzahl verschiedener Kampfjets ersetzen, die sich über Jahrzehnte in Kampfeinsätzen bewährt haben? Bis heute gibt es viele Zweifler. Kein Wunder, bei unvorstellbaren Gesamtkosten von 1,5 Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2070.

In den letzten Jahren musste sich die F-35 mit verschiedenen Kampfjets im direkten Luftkampf messen. Prominentes Beispiel ist hier das Duell mit der F-16, die in ihrer ersten Variante bereits seit 1979 in den US-Streitkräften dient. In einem direkten Schlagabtausch zwischen den beiden Maschinen zog die F-35 klar den Kürzeren, wie ein Testpilot damals urteilte. Ein norwegischer Testpilot kam bei einem diesjährigen Test hingegen zu einem positiven Urteil, was die Flugdynamik der F-35 anbelangt. Offenbar ist die F-35 unter Piloten auch Geschmackssache.

ING Kampfjet 22.00

Mancher Experte glaubt zudem, dass europäische und russische Modelle wie der Eurofighter Typhoon oder die Sukhoi SU-34S ein deutlich besseres Preis/Leistungsverhältnis haben. Nur in Sachen Tarnkappentechnologie haben die USA seit jeher eine Vorreiterrolle. Doch die Vorteile der Technologie sind ebenfalls umstritten. Hinzu kommt noch die Grundsatzfrage, wie zukunftsfähig bemannte Kampfflugzeuge mit so einem immensen Preisschild generell sind. Schließlich investieren Streitkräfte weltweit Milliarden in Drohnen-Programme. Die nächsten Jahrzehnte werden zeigen, ob die Rechnung der US-Militärs aufgeht und man tatsächlich einen Kampfjet geschaffen hat, der eine Vielzahl verschiedener Aufgaben übernehmen kann. Oder ob ein Flugzeug entwickelt wurde, das alles ein bisschen kann, aber eben nichts richtig.

Flugzeugträger Gerald R Ford 18.34

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