Alltags-Phänomen: Experte erklärt: Darum ist der Tür-zu-Knopf in Fahrstühlen oft nutzlos

Als Placebo bezeichnet man in der Medizin ein Scheinmedikament, das keine wirksamen Bestandteile enthält. Ähnlich könnte man auch den Tür-zu-Knopf in Fahrstühlen umschreiben: Er sieht aus wie ein normaler Knopf, fühlt sich auch so an, doch wenn man drauf drückt passiert – nichts. Das zumindest schreibt die renommierte US-Zeitung „New York Times“, die darüber wiederum mit Karen Wilbur Penafiel gesprochen hat. Und sie muss es wissen, denn Penafiel ist die Vorsitzende der „National Elevator Industry Inc“, einem Verband der Gebäudetransport-Industrie.

Buttons seit 1990 ohne Funktion

Der Tür-schließen-Knopf sei seit dem Jahr 1990 wirkungslos, erklärt Penafiel. In diesem jahr wurde in den Vereinigten Staaten der „Americans With Disabilities Act“ verabschiedet. Dieser schreibt vor, dass Fahrstuhltüren lang genug geöffnet bleiben müssen, damit Menschen, die auf Krücken, Gehstöcke oder Rollstühle angewiesen sind, ebenfalls problemlos den Aufzug betreten können. „Die laufende Öffentlichkeit ist nicht in der Lage, die Türen schneller zu schließen.“

Fahrstuhl twitter_11.30Einzige Ausnahme: Feuerwehrleute und Mitarbeiter der Gebäudetechnik können mit den richtigen Schlüsseln oder Codes die Türen wirklich schließen. Vereinzelt dürfte es noch Aufzüge mit funktionieren Tasten geben, doch diese werden immer seltener. Denn die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Fahrstuhls beträgt 25 Jahre, schreibt die „New York Times„. Und allmählich dürften die meisten älteren Modelle durch ein neues ausgetauscht worden sein.

Wie ist es bei deutschen Fahrstühlen?

Doch wie sieht es in Deutschland aus? Denn hierzulande gilt der  „Americans With Disabilities Act“ nicht. Der „Zeit“-Kolumnist Christoph Drösser fragte 2014 bei zwei Herstellern nach. Diese betonten, dass die Knöpfe hierzulande gar nicht vorgeschrieben seien, ganz im Gegensatz zur Tür-öffnen-Taste. Doch wenn diese verbaut seien, hätten sie auch eine Funktion. „Von reinen Placebo-Knöpfen ist uns zumindest bei unseren Aufzügen nichts bekannt“, erklärte Jan Steeger von der Firma Schindler der „Zeit“.

Die Fahrstühle seien mittlerweile aber intelligenter geworden und würden die Türen nicht in jedem Fall schließen. Nähert sich etwa ein Mensch dem Aufzug oder befindet sich sogar schon der Fuß in der Tür, wird die Lichtschranke unterbrochen – und der Knopf in diesem Moment wirkungslos. Steigt man jedoch allein in die Fahrstuhlkabine und meilenweit ist kein Mensch in der Nähe, dürfte die Tür zeitnah nach Betätigung des Knopfs schließen.ING Riesenfahrstuhl

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