Pimp my Fernseher: Sonos Playbase im Test: Heimkino auf sechs Zentimetern

Im Wohnzimmer ziehen sie schon längst die Blicke auf sich: Die Rede ist von dünnen Riesenfernsehern. Häufig sind sie nur wenige Zentimeter dick, doch der Ton bleibt meist auf der Strecke. Dreht man den Sound voll auf, klingt es mitunter, als würden die Hauptdarsteller in ein Büchsentelefon brüllen.

Abhilfe schaffen Soundbars, die Kino-Atmosphäre in die eigenen vier Wände bringen sollen. Hängt der Fernseher allerdings nicht an der Wand, sondern steht etwa auf einem Sideboard, benötigt der Klangriegel viel Platz vor dem Gerät. Im schlimmsten Fall verdeckt er sogar einen Teil des Bildschirms. Letztlich tauscht man bloß einen Makel gegen den nächsten.

Das erkannte auch das US-Unternehmen Sonos, das zu den Marktführern im Geschäft mit Funklautsprechern zählt. Seit 2013 bietet der Konzern eine Soundbar (Sonos nennt sie Playbar) an, seit wenigen Wochen gibt es die Playbase. Dahinter verbirgt sich ein flaches Sounddeck, auf das man einfach den Fernseher stellt. Wir haben das Gerät getestet.

Sonos setzt auf schickes Design

Was schon beim Auspacken auffällt: Die Playbase von Sonos ist im Vergleich zu Konkurrenzgeräten extrem flach. Sie misst in der Höhe nur knapp sechs Zentimeter, das Sounddeck von Raumfeld ist mit elf Zentimetern fast doppelt so hoch. Das Sonos-Deck besteht komplett aus Kunststoff (wahlweise schwarz oder weiß) und hat stark abgerundete Ecken – damit hebt es sich auffällig vom kantigen Einerlei der Konkurrenz ab. Ob einem das puristische Design gefällt, ist Geschmackssache.Playbase-Vote

Die Playbase wurde als Untersetzer für den TV entwickelt. Doch das Konzept geht nicht immer auf: Bei sehr großen Fernsehern jenseits von 65 Zoll steht der Standfuß mitunter über, was alles andere als elegant aussieht. Und nicht bei jedem Modell kann man die Playbase unter die Füße schieben. Im Zweifelsfall sollten Sie vor dem Kauf nachmessen. Die Maße der Playbase betragen 58 x 720 x 380 Millimeter und das Gerät bringt 8,6 Kilogramm auf die Waage.

Kinderleichte Einrichtung, kein Bluetooth

Typisch Sonos: Die Einrichtung ist in fünf Minuten erledigt – Stecker rein, App starten und los geht’s. Simpler geht es kaum. Bei den Anschlüssen zeigen sich die Kalifornier aber etwas geizig. An der Rückseite gibt es drei Buchsen – einen Netzstecker, einen Ethernet-Port und einen optischen Eingang (Toslink), an den man etwa den Bluray-Player anschließt. Eine HDMI-Buchse oder einen Cinch-Eingang gibt es nicht.CES TV_17.45

Auch Funktechniken wie Bluetooth oder AirPlay werden nicht unterstützt. Das machen andere Konkurrenten (etwa Yamaha) besser. Sonos begründet die Entscheidung mit der Einfachheit für den Nutzer, erfahrene Hifi-Veteranen hätten sich aber sicherlich noch die eine oder andere Anschlussmöglichkeit gewünscht.

Immerhin: Die Sonos-App funktioniert auf Android und iOS, wird regelmäßig aktualisiert und läuft extrem stabil.

Surround-Sound

Nun zum Wichtigsten – dem Klang. In dem unscheinbaren Gehäuse steckt jede Menge Technik, insgesamt sind es zehn Lautsprecher samt Digitalverstärker: sechs Mitteltöner, drei Hochtöner und erstmals sogar ein Tieftöner. Damit liefert die Playbase bereits „out of the box“ einen satten Sound, es sind keine separaten Rücklautsprecher wie bei anderen Modellen nötig.

Musik wird dank des eingebauten Subwoofers druckvoller wiedergegeben als mit der Playbar aus eigenem Haus. Einen externen Subwoofer können sich deshalb die meisten sparen, die Nachbarn werden es einem danken. Wem die Höhen zu schrill sind, der kann den Klang in den Einstellungen an den eigenen Geschmack anpassen.FireTV Stick mit Alexa_12.15

Der Stereo-Effekt ist bei Musiktiteln deutlich wahrnehmbar und ausgewogen. Auch bei Filmen punktet die Playbase mit einem für die Größe überzeugenden Surround-Sound. An das Raumgefühl einer echten 5.1-Anlage kommt der Heimkino-Flachmann natürlich nicht heran, das kann man aber auch kaum erwarten.

Mit dem Trueplay-Feature kann man den Sound an schwierige räumliche Bedingungen anpassen. Zum Einmessen startet man auf iPhone und iPad (nicht für Android verfügbar) die entsprechende Funktion, der Lautsprecher gibt dann für rund eine Minute futuristisch anmutende Sonar-Geräusche von sich. Das integrierte Mikrofon im iPhone erkennt, wie der Schall durch Wände, Möbel und den Boden beeinflusst wird. Die App nimmt anschließend automatisch die Feinjustierung vor.

Erweiterbares Sound-Deck

Wer das nötige Kleingeld hat und echten Surround-Sound oder mehr Wumms will, kann die Anlage beinahe nach Belieben aufrüsten: Die verschiedenen Sonos-Lautsprecher sind untereinander kompatibel und können drahtlos miteinander vernetzt werden. So kann man die Playbase um einen externen Subwoofer (799 Euro) und zwei Rücklautsprecher (Play:1) erweitern. Ein Vorteil, den die meisten Soundbars nicht bieten.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal: Sonos unterstützt nativ alle populären Streamingdienste, egal ob Tidal, Apple Music, Amazon oder Spotify, verschiedene Onlineradios wie TuneIn oder Musik vom eigenes NAS-Laufwerk.Dolby Atmos_15.15

Kein DTS und Dolby Atmos

Kurios: Die Playbase unterstützt – wie schon die Playbar aus dem Jahr 2013 – nicht das Mehrkanal-Soundformat DTS. Wer meist via Amazon oder Netflix streamt, kann darüber hinwegsehen. Wer Filme aber häufig von DVD oder Blu-ray abspielt, muss deshalb unter Umständen in Stereo schauen, wenn keine Dolby-Digital-Spur vorhanden ist. Sonos begründet das gegenüber „The Verge“ damit, dass sich das Unternehmen vor allem an Streaming-Kunden richtet.

Die neue Technologie Dolby Atmos ist nicht an Bord: Mit dem 3D-Format wird der Sound nicht nur in der Breite und Tiefe des Raums abgebildet, sondern auch in dessen Höhe. Mit der richtigen Anlage scheint der Helikopter im Film dann förmlich über einem zu schweben. Das kennt man bereits aus einigen Kinos, die ersten Hersteller (etwa Samsung, Philips und Yamaha) verbauen entsprechende Lautsprecher bereits in Soundbars. Nachrüsten kann Sonos die Technik nicht, weil dafür spezielle Deckenlautsprecher benötigt werden.

Fazit: Praktisch, aber zu wenig Zukunft

Vieles hat uns an der Playbase gut gefallen. Die Einrichtung ist kinderleicht, die App läuft stabil und der Sound überzeugt sowohl im Musik- als auch im Filmmodus. Praktisch ist die Integration der zahlreichen Musikstreamingdienste und die Möglichkeit zum Ausbau des Sound-Systems mit anderen Sonos-Lautsprechern.

Das große Aber: Sonos steht für zukunftsgerichtetes Musikhören, und genau das fehlt uns bei der Playbase. Alle Features kennt man im Prinzip schon von der vier Jahre alten Playbar. Vor allem Hifi-Enthusiasten dürfte die Ausstattung zu mickrig sein: Wer sich eine Soundbase für 800 Euro zulegt, kann auch eine DTS-Unterstützung, eine HDMI-Buchse, Bluetooth und AirPlay erwarten. Andere Hersteller bieten das bei ähnlich teuren Produkten ebenfalls.

Für wen lohnt sich also die Playbase? Sie ist ein toller Heimkino-Ersatz für Menschen, die ihren Fernseher nicht an die Wand hängen wollen, aber auch keine Lust auf umständliches Strippenverlegen im Wohnzimmer haben. Wer bereits Sonos-Geräte besitzt und Filme/Serien sowieso meistens streamt, kann über die Schwachstellen hinwegsehen. Wer Wert auf neue Technik wie Dolby Atmos legt, sollte sich besser bei der Konkurrenz umschauen. Galaxy S8 Test_17.10

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