1000 Euro für ein Telefon: Wozu braucht man überhaupt noch ein teures Smartphone?

Am Galaxy S9 kommt man derzeit kaum vorbei. Samsungs neues Smartphone prangt auf fast jeder verfügbaren Werbefläche, sei es Litfaßsäule oder Online-Banner. Im Fernsehen, auf Zeitschriften, in den Schaufenstern der Mobilfunkshops – auf allen Kanälen wird für das Telefon getrommelt. Mit bedingtem Erfolg: Glaubt man aktuellen Medienberichten, liegen die Vorverkaufszahlen unter dem Vorjahresmodell. Auch Apple kämpft mehreren Analysten zufolge mit einer sinkenden Nachfrage beim iPhone X. Premium-Telefone waren nie so begehrt wie jetzt, und gleichzeitig hatten sie es noch nie so schwer.

Das zeigte sich erst vor wenigen Tagen in Barcelona. Für wenige Tage wurde die katalanische Metropole zum Technik-Mekka. Viele namhafte Smartphone-Hersteller – darunter Samsung, Sony, Acer und Nokia – zeigten ihre neuen Geräte. Große Revolutionen suchte man jedoch vergebens. Stattdessen setzten sich zwei Trends weiter fort: Telefone werden immer größer, und die Preisausschläge immer extremer.

Man bekommt mittlerweile sehr gute Smartphones für wenig Geld. Gleichzeitig werden Premiummodelle immer teurer. Das jüngste Beispiel ist das Galaxy S9 Plus, das in der größten Variante 1049 Euro kostet. Zum Vergleich: Vor wenigen Jahren verlangte Samsung für sein Spitzenmodell 699 Euro. Apple verlangt für sein iPhone X sogar bis zu 1319 Euro.

Teure Technik

In modernen Smartphones stecken hochwertige Kameras, komplexe Sicherheitssysteme und Displays, die es in puncto Bildqualität mit Fernsehern aufnehmen können. Aus technischer Sicht sind die hohen Preise deshalb durchaus gerechtfertigt. Mit dem Knacken der 1000-Euro-Marke zählen Smartphones mittlerweile zu den teuersten Haushaltsgeräten überhaupt. Einige Kunden sind bereit, das zu zahlen. „Smartphones werden immer essenzieller für den Alltag, die Preissensitivität lässt daher nach“, sagte Verkaufsexperte Jared Wiesel kürzlich der „New York Times“.

Doch vielen Menschen reicht ein Gerät, das nicht state of the art ist, wenn es dafür nur die Hälfte oder gar ein Drittel kostet. Der chinesische Hersteller Huawei, mittlerweile die weltweite Nummer drei, verdankt sein Wachstum vor allem dem Einsteiger- und Mittelklasse-Segment. Das Huawei Smart P für knapp 220 Euro schnitt in unserem Test sehr gut ab. Insgesamt kann man sagen, dass ein Telefon für 250 Euro heute das kann, wofür man vor drei Jahren noch um die 600 Euro auf den Tisch legen musste.

Worauf muss man bei Billig-Phones verzichten?

Doch in welchen Bereichen muss man Abstriche machen – und wo sind Billig-Boliden fast gleichauf mit den Premium-Phones?

Punkt 1: die Kamera.

Bei Tageslicht gelingen mit fast allen Geräten gute, hochauflösende Fotos. Bei schummrigem Licht trennt sich jedoch die Spreu vom Weizen, hier verrauschen die Bilder. Generell sollte man bei günstigeren Modellen die Ansprüche herunterschrauben. Der Auslöser reagiert meist nicht so schnell, einen optischen Bildstabilisator (minimiert Wackler bei Videos) gibt es nur in Ausnahmen. Einige Einsteigermodelle haben mittlerweile auch Doppelkameras, etwa das Honor 6x. Die sind aber häufig nicht mehr als ein Gimmick, wie unser Test zeigt. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wer auf Konzerten filmen oder nachts auf Fototour gehen will, kommt um Premium-Geräte nicht herum.

Pixel 2 gegen iPhone 8 Plus

Punkt 2: der Bildschirm.

Die Displaygröße hat mit dem Preis nichts zu tun. Selbst 6-Zoll-Telefone bekommt man für unter 300 Euro (etwa das Xiaomi Mi Max 2). Allerdings haben diese Geräte meist eine niedrigere Auflösung (Full-HD statt 2K) und nicht ganz so knackige Farben. Die teuren OLED-Bildschirme bleiben der Spitzenklasse vorbehalten, etwa dem iPhone X oder den Galaxy-Smartphones. Doch zum Surfen, Chatten oder Fotos anschauen reichen die günstigeren LCD-Screens. Nur im direkten Sonnenlicht leidet häufig die Lesbarkeit.

Punkt 3: Prozessor und Speicher.

Klar, die teuersten Modelle haben die schnellsten Rechenchips. Doch wenn man nur telefonieren, surfen oder Musik hören will, reicht ein Einsteigergerät. Selbst Mittelklassegeräte bis 250 Euro haben genug Power, die meisten 3D-Anwendungen ohne Ruckler darzustellen. Die Größe des Speichers ist dank Cloud und microSD-Erweiterungen (nicht beim iPhone verfügbar) vernachlässigbar. LTE unterstützt jedes Einsteiger-Smartphone. Bluetooth und Wlan sind sowieso an Bord, auch wenn nicht immer der neuste Standard unterstützt wird.

Punkt 4: Komfort-Features.

Vor ein paar Jahren musste man bei Budget-Smartphones noch auf viele nützliche Funktionen verzichten. Mittlerweile haben selbst günstige Modelle einen Fingerabdruckscanner. Nur technisch aufwendige Extras, etwa das Gesichtserkennungssystem Face ID im iPhone X oder der Stylus im Galaxy Note, bleiben der Oberklasse vorbehalten.

Punkt 5: Updates.

Diesen Punkt vernachlässigen die meisten Kunden bei der Kaufentscheidung, dabei ist er essenziell. Viele Einsteigertelefone bekommen – wenn überhaupt – nur ein paar Monate lang Updates vom Hersteller spendiert. Spätestens nach einem bis anderthalb Jahren ist der Ofen aus. Das ist gefährlich, denn es fehlen nicht nur wichtige Features, sondern auch wichtige Sicherheits-Updates.

Welches Gerät man am Ende kauft, muss jeder selbst entscheiden. Eine Auswahl der besten Smartphones unter 200 Euro finden Sie hier.

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Zudem haben wir hier eine Übersicht unserer Smartphone-Tests – von 200 bis 1000 Euro.

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