Klimawandel: Sage mir, wann der Regen kommt

Moussa Waongo kennt diese Unsicherheit seit seiner Jugend. Er weiß noch genau, wie es sich anfühlte, wenn er spät dran war. Wenn seine Setzlinge, Mais und Sorghum, längst hätten gepflanzt sein müssen, die Regenzeit in Burkina Faso aber noch nicht eingesetzt hatte. Dieser ewige Zwiespalt: Wenn er zu früh pflanzte, riskierte er, die Setzlinge zu verlieren. Pflanzte er zu spät, würde die Reifephase zu kurz.

Wann? Wann kommt der Regen?

Waongo wusste es nicht, seine Nachbarn wussten es nicht, und Millionen afrikanischer Bauern wissen es nicht – bis heute. „In den letzten 20 Jahren hat sich der Beginn des Regens im Schnitt um drei Wochen verschoben“ , sagt Waongo. Damals, als junger Mann, beschloss er, etwas gegen das Unwissen zu tun.

Er wurde Forscher. Ein Wetter- und Klimaspezialist. Seine Suche nach verlässlichem Regen führte ihn in die Alpen und wieder zurück. Und er fand in Deutschland: eine neue Technik, die seinen einstigen Nachbarn und den Millionen Bauern künftig den ewigen Zwiespalt ersparen könnte.

Klimawandel trifft die Schächsten zuerst

Riesiger Eisberg Antarktis bricht ab 20.50hDer Klimawandel, so heißt es, werde zuerst die Schwächsten treffen. Südlich der Sahara sind das vor allem die Kleinbauern. Deren Erträge reichen bestenfalls, sich selbst und die Familie zu ernähren. Fällt die Ernte aus, stehen die Familien vor dem Nichts. „Ich war der Erste in unserem Dorf, der beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen“ , sagt Waongo. Vor sieben Jahren, er hatte sein Studium in Burkina Faso abgeschlossen, erfuhr er von einem Promotionsstipendium für talentierte Forscher in Deutschland. Er bewarb sich bei Harald Kunstmann in Garmisch-Partenkirchen.

Kunstmann ist stellvertretender Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung. In Garmisch, mit Blick auf die schroffe Alpenkulisse des Wettersteingebirges, hat sein Team eine revolutionäre Methode zur Regenmessung entwickelt. Der Schlüssel ist das Handynetz.

Kunstmanns Innovation beruht auf einem physikalischen Phänomen, das schon in den 40er Jahren bei der Nachrichtentechnik, später auch bei der Radarforschung entdeckt wurde: Regentropfen dämpfen Mobilfunksignale. Zwar muss es schon aus Kübeln schütten, um ein Handytelefonat zu unterbrechen. Doch die Schwächung der Signalstärke lässt sich schon bei kleinen Schauern präzise beziffern.

Und so können Kunstmann und sein Team die Niederschlagsmenge ausrechnen, die zwischen zwei Sendemasten niedergeht. Alles, was sie dazu brauchen, sind Daten der Sende- und Empfangsleistung von Mobilfunkanbietern.

Regen mit dem Mobilfunknetz messen

Trump Klimawandel freie Wissenschaft 1838Im September 2016 konnten die Wissenschaftler in Deutschland bereits 3300 Masten für ihre Forschung nutzen. Das Team hofft auf eine bundesweite Abdeckung noch in diesem Jahr. Schon zu Beginn des Projekts stimmten die Messungen mittels Funknetz zu über 80 Prozent mit den Werten der konventionellen Regenmessung überein. Und die ist in Deutschland perfekt organisiert: Etwa 2000 Regenmesstöpfe sind laut Deutschem Wetterdienst von der Nordsee bis zur Zugspitze verteilt, knapp die Hälfte davon funktioniert vollautomatisch. Hinzu kommen 17 Regenradargeräte. „In Deutschland ist unsere Methode allenfalls eine Ergänzung“, sagt Kunstmann, „aber etwa in Bergregionen oder in Städten könnte sie auch hier sinnvoll sein.“

Denn mit den Regentöpfen sind nur punktuelle Messungen möglich, und ein Radar sieht Regenzellen in großer Höhe, sagt aber nicht, welche Regenmenge auf dem Acker ankommt. „Mit Mobilfunksignalen“ , erklärt Kunstmann, „können wir Regen über große Entfernungen entlang bodennaher Strecken messen.“ Ob Sprühregen oder Wolkenbruch – die Größe der Tropfen hat keinen Einfluss auf die Genauigkeit der Vorhersage. Nur Schneeflocken lassen sich nicht erfassen. Verglichen mit den in Europa üblichen Instrumenten mutet die Regenmessung in Burkina Faso bisher vorsintflutlich an: ein einziges Regenradar am internationalen Flughafen von Ouagadougou; 140 Regenmesstöpfe, ganze zehn davon übermitteln ihre Daten automatisch. Die übrigen Messwerte speichert man noch in Aktenordnern.

Vergleichbar rückständig ist die gesamte Infrastruktur in Westafrika und südlich der Sahara. Befestigte Straßen finden sich bestenfalls in den Innenstädten und zwischen den Metropolen. Die meisten Bauern sind von der Stromversorgung ausgeschlossen und haben keinen direkten Zugang zu sauberem Trinkwasser. Für sie ist das Radio die wichtigste Verbindung zur Außenwelt. Und das Mobiltelefon. Von den etwa 18 Millionen Einwohnern Burkina Fasos nutzten bereits 2015 fast 15 Millionen ein Handy, Tendenz steigend.

Afrikas Mobilfunknetz weit verbreitet

93 Prozent der Fläche Afrikas wird vom Mobilfunknetz abgedeckt, auch in Burkina Faso.

David gegen Goliath – Anden-Bergführer klagt wegen CO2 gegen RWEHier liegt für die Forscher aus den Alpen der Reiz ihres Projekts – und eine Chance für diesen riesigen Kontinent. „Der große Vorteil unserer Methode ist, dass keine zusätzlichen Geräte installiert werden müssen“, sagt Harald Kunstmann. Und auch die Instandhaltung bereite keine Probleme, denn die werde ohnehin von den Anbietern erledigt, ein störungsfreier Betrieb liege ja in deren eigenem Interesse.

Im Sommer 2012, die Regenzeit in Burkina Faso hatte schon Wochen zuvor eingesetzt, griff eine Forschergruppe der Universität Ouagadougou die neue Methode auf und startete einen ersten Feldversuch – mit Erfolg: Die Wissenschaftler konnten über 95 Prozent der Regenfälle messen, die eine zum Vergleich durchgeführte Regentopfmessung ergab. Doch erst eine länderübergreifende Vernetzung ermöglicht es, aus den vielen lokalen Messungen eine Vorhersage zu entwickeln: Die Bauern in Burkina Faso müssen wissen, wann die südlichen Nachbarn – Ghana, Togo, Elfenbeinküste – die einsetzende Regenzeit melden.

Um die überlebenswichtige Regenmessung auf ganz Westafrika auszuweiten, ist entscheidend, die Provider zur Kooperation mit den meteorologischen Diensten und den Forschungsinstituten der Region zu bewegen. Einen direkten Mehrwert für die Unternehmen gibt es nicht. Aber auch keinen nennenswerten Mehraufwand.

Bevölkerung auf Klimawandel vorbereiten

In Burkina Faso stoßen die Forscher auf offene Ohren. Neben Telecel Faso, das 450 Sendemasten betreibt, haben sie sich jüngst mit Telmob, dem größten Mobilfunkbetreiber des Landes, auf ein Kooperationsabkommens verständigt.

Kunstmanns Projekt ist Teil einer Initiative namens WASCAL (West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use), die von zehn westafrikanischen Staaten sowie dem Bundesforschungsministerium auf den Weg gebracht wurde. Ziel ist, die Bevölkerung möglichst umfassend und praxistauglich auf den Klimawandel vorzubereiten. Dafür sollen Klimakompetenzzentren in Westafrika aufgebaut und afrikanische Wissenschaftler an deutschen Instituten ausgebildet werden.

Über diese Brücke zwischen den Kontinenten ging auch Moussa Waongo.

In das Projekt investieren auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Energiestiftung Baden-Württemberg und die Helmholtz-Gemeinschaft. Teile der Förderung laufen demnächst aus, doch Kunstmann ist optimistisch, neue Mittel bewilligt zu bekommen. „Die Frage, wie wir uns an den Klimawandel anpassen können, ist von so großer gesellschaftlicher Bedeutung, dass wir für den wichtigsten Wirtschaftszweig Afrikas, die Landwirtschaft, alle technischen Möglichkeiten nutzen sollten. Unser Projekt zeigt, dass das auch ohne teure Investitionen möglich ist.“ Moussa Waongo sät und erntet längst nicht mehr selbst. Er wurde zum Chef der Agrarklimatologie beim nationalen Wetterdienst ernannt. Doch wichtiger als Karriere sei etwas anderes, sagt er: „In Zukunft werden wir bessere Regenvorhersagen haben, und unsere Bauern werden hoffentlich wieder sichere Ernten einfahren. Dazu möchte ich beitragen.“

ING_HamburgUnterWasser

Smarte Haushaltsgeräte: Tod im Whirlpool: Alexa, wer ist der Mörder?

Im November 2015 fand man den 47-jährigen Victor Collins tot in der Wanne von James Bates in der US-Kleinstadt Bentonvilla. Bates hatte nach eigenen Aussagen seinen Freund dort entdeckt und die Polizei gerufen. Spuren an der Leiche und Blut neben dem Pool deuten auf ein Gewaltverbrechen hin. Die Polizei ermittelt, Bates wird zum Hauptverdächtigen. Und eine noch relativ junge Technik könnte ihn überführen: Der intelligente Lautsprecher Echo von Amazon. Dieser stand in der Nähe der Badewanne und könnte den mutmaßlichen Tathergangs aufgezeichnet haben. Einen Täter durch einen Sprachdienst zu überführen – das wäre bislang einmalig.Amazon Echo Alexa Mord 15.15

Doch Amazon wehrt sich gegen die Herausgabe der Daten, die von den Behörden verlangt wird. Die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Georgia hat einen Durchsuchungsbefehl für den Amazon Echo erwirkt. Amazon will davon nichts wissen und hat einen Antrag auf Aufhebung des Beschlusses eingereicht. Das Unternehmen verschanzt sich hinter dem ersten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung. Demnach sind private Gespräche besonders geschützt. „Das Herzstück des ersten Zusatzartikels ist Schutz vor Durchsuchung von meinungsstarken Aussagen oder Materialen“, so Amazons Anwälte in einem Schreiben. Der Echo könnte beispielsweise private Informationen über den Gesundheitszustand oder die politische Einstellung enthüllen. Davor seien die User zu schützen.

Amazon führt über Alexa Privatgespräche mit Usern

Eine eigenwillige Interpretation des amerikanisches Rechts, findet Jason Schulz, Jurist an der New York University. „Das ist eine interessante Argumentation, die sicherlich neu ist. Niemand hat bisher so vor einem Gericht argumentiert. Aber es gibt definitiv Fälle, die logische Vorläufer für diese Erweiterung des ersten Zusatzartikels sind“, so Schultz zu „Wired„. Amazon ziele darauf, dass das Unternehmen über den Echo ein privates „Gespräch“ mit dem User halte. “ Ich habe durch Alexa ein Gespräch mit Amazon. Und der erste Zusatzartikel hat ein Interesse daran, dass Unterhaltungen privat und vor neugierigen Augen geschützt sind. Amazon sagt aber nicht nur, dass es sich hier um einen Fall von Redefreiheit handelt, sondern auch um Privatsphäre“, so Schultz weiter in dem Interview. Amazon Echo für jeden erhältlich – lohnt er sich? 10.45

Toni Massaro, Jura-Professor an der Universität von Arizona, sagt, dass die Argumentation von Amazon plausibel sei. „Amazon hat auch das Recht der freien Rede. Und wenn Alexa als Amazon angesehen werden kann, dann handelt es sich um einen zu schützenden Sprecher, so Massaro zum US-Magazin „Forbes“.Amazons Sprachassistentin Alexa kommt auf den TV-Bildschirm

Smarte Haushaltsgeräte als Zeugen

Ein verzwickter Fall für die US-Justiz. Amazon hat klar gemacht, dass sie die Daten nicht ohne weiteres rausrücken. Dafür müsste nachgewiesen werden, dass die Beamten die Informationen nicht auf anderem Wege beschaffen könnten und die Alexa-Daten für die Ermittlungen dringend notwendig seien. Klar ist aber, dass die smarten Geräte im Haushalt nicht nur die Diskussion über Datensicherheit, sondern auch über Datenschutz und die Herausgabe der gesammelten Informationen neu entfacht. Ein anderer Hersteller zeigte sich in dem Mordfall weniger zimperlich als Amazon. Der Wasserzähler hatte nämlich Informationen geliefert, dass nachts rund 530 Liter Wasser verbraucht wurden. Die Leiche wurde im Whirlpool gefunden – die Ermittler gehen davon aus, dass durch die Wassermassen Spuren verschwinden sollten.Selfiesisters_20.30

Unsoziale Netzwerke: Warum Social Media manche Menschen unglücklich macht

Über soziale Netzwerke kann man mit Freunden in Kontakt bleiben, Meinungen austauschen oder Nachrichten lesen – oder das eigene Profil pflegen. Dass alle dabei die bestmögliche Version ihrer selbst darstellen, ist klar. Und das kann unglücklich machen, denn die meist sorgfältig ausgewählten Fotos, Postings und Orte, an denen man gewesen ist, stehen selten repräsentativ für das Leben, das wirklich geführt wird. Eine Umfrage des Softwareunternehmens Kaspersky unter fast 17.000 Befragten aus 18 Ländern weltweit zeigt, warum sich viele nach der Nutzung von Social Media schlechter fühlen.

funny Messenger appFür 61 Prozent der Befragten ist das der Fall, wenn sie jemand „entfreundet“ hat. 59 Prozent schlägt es auf das Gemüt, wenn sie ein Foto von einer Party sehen, zu der sie nicht eingeladen waren. Und ganze 57 Prozent haben generell das Gefühl, dass das Leben der anderen besser ist, wie die Grafik von Statista zeigt. Social Media hat zwar das Potenzial Menschen näher zusammenzubringen – nur glücklicher sind sie dabei nicht unbedingt.

Serverstörung: Amazon-Mitarbeiter schaltete aus Versehen das halbe Internet ab

Stellen Sie sich vor, Sie wollen im Garten etwas Laub verbrennen und fackeln in der Folge aus Versehen die ganze Straße ab. Einem Amazon-Mitarbeiter ist am Dienstag etwas Ähnliches passiert, nur in sehr viel größer: Er habe bei Wartungsarbeiten etwas Speicherkapazität abschalten wollen, erklärte der Online-Händler und Cloud-Anbieter am späten Donnerstag. Durch einen fehlerhaft eingegebenen Befehl seien jedoch auf einen Schlag zu viele Server des Amazon-Speicherdienstes S3 vom Netz gegangen.

Das habe eine Kettenreaktion in anderen Systemen ausgelöst, die dadurch einen Neustart benötigten. Eines der Untersysteme verwaltete die Informationen zum Speicherort aller Dateien in der Region, was auch das Ausmaß der Probleme erklärt.

Die Störungen dauerten rund vier Stunden. Probleme hatten unter anderem die Foto-App Snapchat, die Reise-Website Expedia, Medien-Websites wie „Buzzfeed“ oder „Medium“. Nutzer berichteten auch, dass Amazons sprechende Assistenz-Software Alexa in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Auch die Amazon-Seite, auf der Störungen angezeigt werden, funktionierte nicht mehr.

Viele Unternehmen nutzen Amazon S3

Amazon ergriff Konsequenzen. Durch eine Änderung kann nun nicht mehr so viel Speicherkapazität auf einmal vom Netz genommen werden, dass die Systeme unter ein bestimmtes Funktionsniveau rutschen. Außerdem soll dafür gesorgt werden, dass die Störungsanzeige stets korrekte Informationen anzeigt.

Viele Start-ups und auch etablierte Unternehmen holen sich Rechenleistung bei Amazons Cloud-Sparte AWS mit dem Speicherdienst S3. Deswegen sind Ausfälle oft weit spürbar. Zuletzt hatte eine größere Störung 2015 unter anderem Netflix und den Wohnungsvermittler AirBnB ausgebremst.01: Störung bei Amazons WebService behindert viele Websites – 7e66a7e20bb692c9