Anonymous-Angriff: Hacker legen ein Fünftel des Darknets lahm

Das Darknet gilt als anonymer Ort im Internet, wo unter anderem Waffen oder Drogen gehandelt werden – quasi ein Schwarzmarkt des Netzes. Dieser Markt hat sich am vergangenen Freitag schlagartig verkleinert: Etwa 10.000 Websites des Hosting-Diensts Freedom Hosting II sind jedenfalls verschwunden, nachdem Mitglieder der Hackergruppe Anonymous dort auf kinderpornografisches Material gestoßen waren. 

Rund 20 Prozent des gesamten Darknets, auch Hidden-Services genannt, wurden durch den Angriff offline genommen. Obwohl Freedom Hosting II angibt, kinderpornografische Inhalte nicht zu tolerieren, entdeckte die Hacker-Gruppe Unmengen solchen Materials. In einem Interview mit der Zeitschrift „Vice“ gab ein Hacker an, dass die Gruppe auf mehrere Websites gestoßen sei, die Gigabytes an Darstellungen von Kindesmissbrauch enthielten.

Anonymous straft Darknet-Hoster ab

Waffen Darknet 13.03Der Hosting-Dienst stellt normalerweise jedoch lediglich ein Kontingent von 256 Megabyte, und damit wesentlich weniger Speicherplatz zur Verfügung. Die Schlussfolgerung der Hacker: Der Betreiber müsse für die höheren Datenmengen bezahlt werden und somit Kenntnis über die Inhalte haben. Nach dieser Entdeckung wurden kurzerhand alle Seiten von Freedom Hosting II vom Netz genommen.

Seitdem erhalten Nutzer, die die besagten Seiten aufrufen wollen, eine für Anonymous typische Nachricht, die über den Hack aufklärt. Diese veröffentlichte die Gruppe auch auf ihrem Twitter-Account. Der beteiligte Hacker zeigte sich zufrieden: „Sollte sich jemals wieder so eine Chance bieten, würde ich nicht zögern, es wieder zu tun“. Er räumte gegenüber „Vice“ aber ein, dass die Aktion nicht geplant gewesen sei. 

Hacker stahlen auch Nutzerdaten

Die Daten der Websites stellten die Hacker vor der Aktion sicher. Neben dem Bildmaterial stahlen sie auch Nutzerdaten inklusive Nutzernamen und E-Mail-Adressen. Diese Informationen sollen an Ermittlungsbehörden weitergeleitet werden. Ob die Aktion bei den Behörden aber auf Freude stößt, bleibt abzuwarten, da deren jahrelange Arbeit, etwa eingeschleuste Maleware, nun ebenfalls offline ist. 

Schon 2013 wurde Freedom Hosting I, ein Vorgänger des nun gehackten Hosting-Dienstes, im Rahmen einer Poizeiaktion wegen Kinderpornografie vom Netz genommen. Die Forscherin Sarah Jamie Lewis erstellte jüngst eine Übersicht über die aktuell stillgelegten Seiten. 

Anonymous setzt sich nach eigenen Angaben für Informationsfreiheit und Menschenrechte ein, Websites mit Kinderpornografie aber auch Scientology, Regierungsbehörden und US-Präsident Donald Trump fielen der Gruppe schon zum Opfer. 15-Hacker stahlen Daten von einer Milliarde Yahoo-Nutzern-5248950992001

Mobilfunk: Warum ausgerechnet T-Mobile in den USA eine coole Trend-Marke ist

Werbung mit kiffenden Rap-Größen, Sex-Sprüche gegen die Konkurrenten bei Twitter: Das freche Image der US-Tochter T-Mobile könnte sich die deutsche Mutter Telekom nie erlauben. In den USA ist die Strategie dagegen ein voller Erfolg, T-Mobile ist absolut hip, die Kundschaft ausgesprochen jung. Die Telekom als Jugendphänomen? Für deutsche Kunden eine skurrile Vorstellung. 

Gerade in den letzten Tagen machte T-Mobile US mit mächtig Marketing-Lärm auf sich aufmerksam. Da tanzte Justin Bieber durch die Werbung, während des Super-Bowls saß Rapper Snoop Dogg in einem Clip auf der Couch der Fernseh-Mutti Martha Stewart und tauschte mit ihr Wortwitze über seinen Marihuana-Konsum aus. Unterdessen lieferte sich der offizielle Twitter-Kanal Seite an Seite mit T-Mobile-Chef John Legere eine Tweet-Schlacht mit Konkurrent Verizon – in der beide Seiten irgendwann Sex-Anspielungen austauschten. Sehr zum Vergnügen der Kunden.Mobilfunk Netztest Chip 13.03

Etablierte und Rebellen

Natürlich haben Konzernmutter und -tochter ein völlig unterschiedliches Standing bei den Kunden. Die Telekom ist hierzulande immer noch Marktführer, T-Mobile dagegen im Angriff. Die Mutter ist das Establishment, die Tochter muss sich erst noch beweisen. Deshalb bietet T-Mobile im Vergleich deutlich attraktivere Tarife, wirbt mit der schnellsten Geschwindigkeit und unlimitiertem Datenvolumen, alles zum günstigen Preis. Vor allem hat Chef Legere aber eines geschafft: T-Mobile ist cool.

Das war die Telekom noch nie. Der ehemalige Monopolist in Magenta war halt immer irgendwie da, bietet für recht hohe Preise Zuverlässigkeit und guten Service. Oma war schon immer bei der Telekom. Junge Leute bleiben meist nur, weil der Empfang der günstigen Konkurrenz in der eigenen Wohngegend zu schlecht ist. Nicht aus Leidenschaft. In den USA sehnen sich ebenfalls viele danach, wechseln zu können. Die wollen allerdings endlich zu T-Mobile. Es hätte aber auch anders kommen können. iPhone 8 Ticker (NICHT ÄNDERN) 12.05

Keine Erfolgsgarantie

Bereits 2001 stieg die Telekom mit dem Kauf von US-Anbieter Voicestream in den Mobilfunkmarkt der Vereinigten Staaten ein. Während die Konkurrenten AT&T und Verizon immer mehr Fahrt aufnahmen, konnte T-Mobile trotz bester Hoffnungen nie so richtig mitziehen. 2011 wollte die Telekom die Tochter sogar an Konkurrent AT&T verschachern, die Kartellbehörden schoben dem einen Riegel vor. Dann übernahm John Legere das Ruder. Und verpasste T-Mobile ein neues Image.

Legere, der früher beim Konkurrenten AT&T und bei Dell arbeitete, hatte vor seinem Wechsel an die Spitze von T-Mobile gerade den Telekommunikationskonzern Global Crossing vor dem Konkurs gerettet. Der gerne in Magenta gekleidete, laute Chef führte bei T-Mobile ein neues Tarifmodell ein, dass den Kunden deutlich mehr Flexibilität bot, drückte die Preise und trommelte so laut es ging für die Änderungen. T-Mobile nannte sich unter ihm in Abgrenzung zum in den USA gängigen Begriff „Carrier“ (Provider, wörtlich „Träger“) als „Un-carrier“.

Die Preise können sich ebenfalls sehen lassen. Bei T-Mobile gibt es einen Tariff mit Flats für Telefon und SMS sowie unbegrenztes Internet für 70 US-Dollar. Bei Verizon und AT&T bekommt man zu diesem Preis gerade mal 8-10 Gigabyte inklusive. Für Familien wird’s sogar noch billiger: Wer gleich ein Viererpakert bucht, zahlt für die unbegrenzten Anschlüsse insgesamt 160 Dollar.

Mit lautem Angriff zum Erfolg

In Kampagnen wird die Konkurrenz immer wieder hart angegangen, ein aktueller Clip spielt etwa mit der Idee, dass sich die Beziehung zwischen Kunden und Verizons Kundenservice nur mit einer Lust am Leid erklären lässt. Bei Twitter und Co. feiert Legere die Aktion frenetisch. T-Mobile habe den Super-Bowl-Werbekampf gewonnen, Verizon sei so neidisch, dass sie die Eifersuchtsskala zerstört hätten.

Die Masche hat mächtig Erfolg. Die Kunden sind glücklich. Sie feiern die Preise, wählten T-Mobile bei der Service-Zufriedenheit auf den ersten Platz. Seit letztem Jahr ist das Unternehmen mit knapp 71 Millionen Kunden offiziell der drittgrößte Anbieter auf dem US-Markt. Die Verkaufspläne sind längst vom Tisch. „Wir sind nicht in der Stimmung zu verkaufen“, erklärte Telekom-Chef Tim Höttges im November gegenüber Reuters. Kein Wunder, bei dem Erfolg.Nicky-Wlan-Klo_14.40

Silicon Valley vs. US-Präsident: Offener Kampf gegen Trump: Der gefährliche Spagat der Tech-Konzerne

Seit Sonntag Abend ist es offiziell: Der Silicon Valley ist endgültig im Clinch mit dem US-Präsidenten.  97 US-Konzerne, darunter Riesen wie Apple, Google, Facebook, Microsoft und Netflix, beteiligen sich mit einem sogenannten Amicus-Curiae-Brief an einem Gerichtsverfahren gegen Donald Trumps Einreiseverbot für sieben, vorwiegend muslimische Staaten. 30 weitere unterschrieben den Brief am Montag. Die Firmen haben gute Gründe dafür. Dabei wagen sie einen riskanten Spagat.

Am Anfang sah es eigentlich noch gut aus: Als der da noch designierte Präsident im Dezember die Tech-Größen zu sich einlud, kamen sie noch alle. Selbst Amazon-Chef Jeff Bezos saß mit am Tisch, obwohl er und seine Zeitung „Washington Post“ für Hillary Clinton getrommelt hatten. Mit Paypal-Gründer Peter Thiel, Tesla-Chef Elon Musk und dem Uber-CEO Travis Kalanick hatte Trump auch Tech-Bosse in seinem Berater-Team. Begeisterung gab es zwischen Trump und dem Valley zwar wenig, man konnte sich aber arrangieren. Dann kam die erste Woche im Amt. Und mit ihr der Einreisestop.Trump Smartphone_14.30

Silicon Valley – ein Einwanderer-Traum

Der hat die Tech-Szene im Kern getroffen. Sie will die ganze Welt mit Technologie besser machen, da ist kein Platz für Angst vor Multi-Kulti. Vor allem ist sie eine Branche, die wie keine andere weltweit von kreativen, hochtalentierten Migranten geprägt ist. Ob Google-Gründer Sergey Brin, der aktuelle Chef des Suchmaschine-Riesen Sundar Pichai oder Microsoft-Chef Satya Nadella: Wie viele ihrer Angestellten kamen sie einst als Einwanderer in den Silicon Valley.

Auch der gemeinsame Brief beschwört diesen Gedanken: „Die Erfahrung und Energie von Menschen, die in unser Land kommen um ein besseres Leben für sich und ihre Kinder zu finden , den Amerikanischen Traum zu verfolgen, sind tief in das soziale, politische und wirtschaftliche Wesen dieser Nation verankert.“Betsy DeVos 16.31

Tech-Konzerne auf der Straße

Trump hatte im Silicon Valley nicht viele Unterstützer, er bekam in Palo Alto, dem Herzen des Silicon Valley, gerade mal 18 Prozent der Stimmen. Bei Google, Twitter Microsoft und Facebook organisierte sich wohl auch deswegen schnell Protest gegen Trumps Dekret, die Angestellten trugen ihre Wut über das Einreiseverbot in Demonstrationen auf die Straße. Auch bei ihren Arbeitgebern machten sie Druck: Microsofts erste Reaktion fiel noch sehr vorsichtig aus, nach einem Treffen der Angestellten habe sich der Ton deutlich verschärft, berichtet die „New York Times“.

Für viele Konzerne mindestens ebenso wichtig: Auch für das Geschäft hat das Verbot klare Folgen. Es betrifft nicht nur Touristen sondern auch Menschen mit Arbeitserlaubnis und festem Wohnsitz in den USA. Auf einmal konnten wichtige Mitarbeiter nicht mehr einreisen, 26 sind es etwa alleine bei Microsoft. 

Noch weniger dürfte den den Unternehmen der Druck der Straße geschmeckt haben. Als Gerüchte aufkamen, dass der Fahrdienst Uber von dem Verbot profitieren wollte, platzte vielen Kunden der Kragen. Zumal der Chef sogar noch Trump beriet. Das Hashtag #deleteuber (Etwa: löscht die Uber App) verbreitete sich rasant, am Ende trat CEO Kalanick aus Trumps Team aus, um den Schaden zu begrenzen. Da hatten schon 200.000 Nutzer ihren Account gelöscht, berichtete der britische „Independent“. Donald Trump Dauerticker 13.17

Aktionäre wollen keinen Ärger

Die Konzerne lehnen sich mit ihrer Unterstützung trotzdem überraschend weit aus dem Fenster. Die Tech-Firmen sind börsennotiert, gehören zu den wertvollsten Konzernen der Welt. Auch wenn die Kriegskassen für einen langen rechtlichen Konflikt ausreichend gefüllt sind: Die Anleger wollen lieber Gewinne sehen als politisches Engagement. Selbst wenn man es als Markenbildung verkauft.

Schließlich können nicht nur Gegner des Einreiseverbots zum Boykott aufrufen. Sollten die Trump-Anhänger wirklich und ausdauernd einige der Marken boykottieren, könnte das auch bei starken Unternehmen für Unmut bei den Aktionären sorgen. Kostspielige Gerichtsverfahren dürften sie ebenfalls nicht gerade mit Freude goutieren. 

Nicht alle Tech-CEOs befinden sich in einer so bequemen Position wie Amazon-Chef Jeff Bezos, der als fünftreichster Mensch der Welt seine eigene Firma leitet und offen Politik betreiben kann. Viele sind einfach nur die höchsten Angestellten ihrer Milliarden-Unternehmen. Selbst Ikonen wie Apple-Gründer Steve Jobs wurden schon aus geringeren Gründen vom Thron geschubst. Insofern ist es durchaus bemerkenswert, dass nun fast 130 Unternehmen so deutlich Flagge zeigen.lustige Trump Memes 21.05h