Dating-Portale im Streit: Parship vs. LoveScout24: Wer ist hier die größte?

Wer ist hier die Nummer eins? Das Oberlandesgericht (OLG) München entscheidet einen Streit zwischen den Dating-Portalen Parship und LoveScout24 um Werbesprüche. Es geht dabei um die Frage, ob Parship sich als «Deutschlands größte (Online-)Partnervermittlung» bezeichnen darf oder nicht.

LoveScout24 hatte gegen den Werbespruch auf Unterlassung geklagt und vom Landgericht München I Recht bekommen. Gegen die Entscheidung zog Parship in die nächste Instanz.

In diesem Rechtsstreit geht es um die Frage, wer ganz oben steht im Geschäft mit der Liebe im Netz, wer als großer, wenn nicht größter Player gilt in der seit Jahren wachsenden deutschen Online-Dating-Branche mit einem Umsatz von rund 210 Millionen Euro. Seit 2014 wächst der Markt jedes Jahr um rund fünf Prozent. «Da geht es darum, wer die Marktführerschaft hat», sagt Andrea Langbein, Sprecherin des Testportals «Singlebörsen-Vergleich.de». «Das zieht schon, wenn man sagt, man ist die größte Single-Börse.» LoveScout24 nennt sich «Deutschlands Datingportal Nr. 1».

Laut der Studie «Der Deutsche Online-Dating-Markt 2017/2018» haben beide Portale jeweils mehr als zehn Millionen Mitglieder. Insgesamt haben sich seit 1998 deutschlandweit mehr als 135 Millionen Mitgliedschaften (Profile) in den verschiedenen Portalen und Apps angehäuft, von denen zwar nur ein Bruchteil genutzt wird. Allerdings liegt die Zahl der aktiv genutzten Profile demnach auch schon bei 8,6 Millionen. Zum Vergleich: 2003 waren es nur 3,5 Millionen.

Auch wenn inzwischen Apps wie Tinder den Markt aufgemischt hätten – was den Umsatz angeht, könnten diese mit Parship und LoveScout24 nicht mithalten, sagt Langbein.

Parship wurde 2001 gegründet und gehört seit zwei Jahren zusammen mit dem kleineren Schwesterunternehmen Elite-Partner zum Fernsehkonzern ProSiebenSat.1. Ein guter Deal: Die Sendergruppe wirbt auf ihren Kanälen kräftig für die eigenen Firmen. Der Konzern nutzt dafür auch nicht verkaufte Werbezeiten und lernt zudem durch Abgleich der Werbe- und Online-Nutzungs-Daten, die Kunden immer zielgenauer anzusprechen.

Die Parship-Elite-Gruppe mit Sitz in Hamburg beschäftigt 230 Mitarbeiter und hat 2017 mehr als 120 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Als Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen blieben 30 Prozent davon übrig. LoveScout24 beantwortet die Frage nach dem Umsatz nicht.

Bisher ist Parship in 13 Ländern aktiv, wagte im Oktober sogar den Sprung über den Atlantik und übernahm zusammen mit der ProSiebenSat.1-Tochter NuCom die große US-Partnervermittlung Eharmony.

Das Landgericht München I untersagte Parship, sich als «größte Partnervermittlung» Deutschlands zu bezeichnen. Das Unternehmen begründete seinen Anspruch beispielsweise mit der höheren Zahl der zahlenden Premium-Mitglieder. Das war eine Argumentation, der das Gericht nicht folgen wollte: Der Verbraucher unterscheide nicht zwischen kostenlosen Mitgliedschaften und Premium-Angeboten. Daher sei die Zahl von Premium-Kunden nicht das einzige maßgebliche Abgrenzungskriterium.

Parship kostet im Jahresabo rund 660 Euro und arbeitet statt freier Suche durch die verschiedenen Profile mit Partnervorschlägen, die sich aus Persönlichkeitstests ergäben. Es funktioniert damit anders als LoveScout24, das laut Online-Dating-Expertin Langbein «ein klassisches Kontaktanzeigenportal» ist. Diese Feinheiten seien für die breite Masse aber einfach zu fein, meinte das Landgericht. Partnervermittlung, Partnerbörse, Singlebörse – die Allgemeinheit mache da keine Unterschiede.

TwitchCon: Tod im Hotelzimmer: Fortnite-Profi Bogdan Akh stirbt mit 21 Jahren nach großem Turnier

Zwei Monate lang hatte sich Bogdan Akh täglich mit seinem Teampartner auf das Turnier vorbereitet. Auf der TwitchCon in San Jose, Kalifornien, einer Messe für die Live-Streaming-Plattform Twitch.tv, trafen sie sich zum ersten Mal IRL, in real life, im echten Leben. Für den 21-jährigen Schweden und seinen Partner Dominik Bergmann stand einiges auf dem Spiel: Die beiden Battle-Royale-Profis hatten viel Geld investiert, sowohl in Fortnite als auch in ihre Reise in die USA, das sie in den Finals von „Fall Skirmish“ unbedingt wieder herausspielen wollten. Sie standen unter Druck – und schafften es bis auf Platz 18, was ein Preisgeld von 10.000 US-Dollar bedeutete. Doch der verpasste Hauptgewinn, den die beiden mit gemeinsamen Ausflügen in Kalifornien feiern wollten, hat nun keine Relevanz mehr. Bogdan verstarb noch in der Nacht in seinem Hotelzimmer, das er mit Bergmann teilte. Unter seinem letzten Tweet kondolieren seine Fans und Fortnite-Freunde.Letzter Tweet

Die Ursache für Bogdans Tod ist bislang noch nicht offiziell bekannt. Bei Reddit, wo die Fortnite-Community in Teilen sehr aktiv ist, heißt es, dass möglicherweise Herzprobleme die Ursache waren. Bestätigt ist das jedoch nicht.

Bergmann setzte ein paar Tage später eine Nachricht ab, in der er sein Bedauern über den Tod seines Kumpels ausdrückt. In der heißt es:

Ruhe in Frieden, Bogdan

Ich habe niemandem davon erzählt und es nicht getwittert, weil ich so eine große Reichweite habe und aus Respekt vor seiner Familie und seinen engen Freunden wollte, dass sie es von jemandem erfahren, der sich mit so etwas auskennt – und nicht über das Internet. Bogdan und ich haben in den letzten zwei Monaten jeden einzelnen Tag Fortnite gespielt, um für die TwitchCon in Amerika, in San Jose, zu trainieren. Ich habe jede Sekunde genossen, weil er ein sehr netter und super witziger Mensch war. Die Reise nach San Jose war für Bogdan und mich die erste in die USA und ich erinnere mich, wie gestresst wir davon waren, möglicherweise nicht in die Finals zu kommen, weil es so viel Geld gekostet hat, dorthin zu kommen. (…) Es wurde es die beste Reise aller Zeiten. Wir wussten, dass wir die Reisekosten drin hatten und konnten nun einfach das Leben genießen. Am Tag des Endspiels sagten wir uns, dass es uns egal ist, was passiert. Ob wir gewinnen oder verlieren, es ist egal. Nach dem Endspiel wollten wir ein paar interessante Orte besuchen. Wir sind also ins Bett gegangen, ich ein wenig früher als Bogdan. Aber als ich am nächsten Tag aufwachte und versuchte, seinen Arm zu bewegen, der auf meiner Bettseite lag, stellte ich fest, dass er von uns gegangen war 🙁 Ich habe ihn nur so kurz gekannt, aber er hatte sich bereits einen großen Platz in meinem Herzen gesichert. Ich werde dich nie vergessen, Bogdan. Es tut mir leid, dass ich der letzte Mensch war, mit dem er geredet hat. Ich wünschte nur, ich könnte das ändern, sodass er seine Familie hätte besuchen können, statt die letzten Minuten seines Lebens mit mir zu verbringen. All meine Gedanken und Gebete gehen an seine Familie und Freunde. Mögest du in Frieden ruhen, Bogdan!Fortnite verbieten_13.00

Ein anderer Freund von Bogdan, Kevin Sundqvist, hat eine Petition gestartet, die sich an Epic Games und Fortnite richtet. Er wünscht sich, dass dem Profi-E-Sport-Spieler in Fortnite, das mittlerweile von über 100 Millionen Menschen aktiv gespielt wird, ein kleines Denkmal gesetzt wird. Jedes Mal, wenn Bogdan einen Spieler aus dem Feld geräumt hatte, habe er „Back to Lobby“ (etwa „Zurück auf Anfang“) gesagt, erklärt Sundqvist. Er wünscht sich deshalb von den Spielentwicklern, dass diese Catch-Phrase als Emote in Fortnite eingebaut wird. Knapp 9000 Menschen haben die Petition bereits unterzeichnet.

Quellen: Fox Sports, Game Reactor

Farbloses Regal 7.45

Notfalls Kooperationspflicht: Altmaier will beim neuen Mobilfunkstandard 5G Druck machen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will beim Ausbau superschneller Funknetze Druck machen und Netzbetreiber notfalls zur Kooperation verpflichten. «Die Funklöcher entlang von Landstraßen und Autobahnen nerven – zu Recht – viele Menschen», sagte der CDU-Politiker der «Bild».

Bei der Versteigerung der neuen Frequenzen für den Mobilfunkstandard 5G müsse von Anfang an garantiert werden, dass der Netzausbau im geplanten Zeitrahmen erfolge und der schnelle Mobilfunk in Echtzeit in nächster Zeit verfügbar sei: «Wir brauchen da mehr Marktwirtschaft und politischen Druck, mehr Konkurrenz, damit neue Anbieter eine Chance haben.»

Wenn die vertraglich zugesicherten Ausbauverpflichtungen absehbar nicht erfüllt werden, müssen die Netzbetreiber nach den Worten Altmaiers «per Roaming kooperieren, so dass alle Kunden versorgt sind».

Die Regeln für die Versteigerung der 5G-Frequenzen legt die Bundesnetzagentur fest. Nach einem ersten Entwurf müssen die Netzbetreiber bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte mit einer Datengeschwindigkeit von mindestens 100 Megabit pro Sekunde im Download versorgen. Bei den verbleibenden zwei Prozent handelt es sich um Haushalte in schwer zugänglichen Gebieten, meist im ländlichen Raum, wo sich der Ausbau für die Konzerne kaum rechnet.

Teile der Wirtschaft und der Kommunen bemängeln, dass die Netzagentur keine lückenlose Versorgung vorschreiben will. Eine Entscheidung über die Regeln bei der im kommenden Jahr geplanten Versteigerung soll im November fallen. Die Koalition von Union und SPD will bis 2025 ein flächendeckendes schnelles Internet.

100 Jahre Bestehen: "Samurai-CEO" und neue Ideen: Wie Panasonic sich vor dem Absturz retten will

In der Technikgeschichte stand Panasonic oft genug auf der Gewinnerseite. Der japanische Unternehmer Matsushita Konosuke erkannte vor hundert Jahren den Bedarf nach Fassungen für Glühbirnen und gründete unter dem Namen Matsushita Electric Housewares Manufacturing Works die Firma, die seit 2008 Panasonic heißt. Nach dem Aufstieg mit Fahrradlampen, Waschmaschinen, Radios, monochromen Fernsehern, automatischen Reiskochern und Heimklimaanlagen setzte der Konzern später in der Ära der Unterhaltungselektronik mit der VHS-Videokassette und der Blu-ray auch auf die richtigen Pferde.

Bei der Suche nach der besten Technik für die hochauflösenden Fernseher verkalkulierten sich die Manager unter dem damaligen Konzernchef Fumio Ohtsubo jedoch total. Die Plasma-Technik bot im Systemstreit bei den HD-Bildschirmen zwar bestimmte Vorteile und konnte beispielsweise in Spielfilmen schwarze Flächen wirklich satt dunkel ohne Grauschleier darstellen. Trotzdem entschieden sich die meisten Kunden für die stromsparenderen Plasma-Alternativen LCD oder LED. Die Auswirkungen für Panasonic waren fast fatal, denn der Konzern war auch der Hersteller der meisten Produktionsanlagen für Plasma-Bildschirme insgesamt.Fernseher bei Warentest: Gute Modelle gibt es schon ab 370 Euro 8.44 Uhr

Notbremse bei Plasma-TVs

In den Geschäftsjahren 2011 und 2012 schien es so, als könnte der Riese Panasonic von der Bühne verschwinden: Es türmten sich Verluste von umgerechnet fast 15 Milliarden Euro auf – auch weil der Konzern sich 2008 mit der Übernahme von Sanyo verschluckt hatte. Es folgte ein radikaler Schrumpfkurs. 2013 zog die Konzernspitze auch bei den Plasma-Bildschirmen die Notbremse und stellte die Produktion ein. „Aufgrund der Einbußen in den Geschäftsjahren 2011 und 2012 waren wir gezwungen, unsere strategische Ausrichtung zu überdenken“, sagt der Topmanager für den deutschsprachigen Raum und die Niederlande, Kai Hillebrandt. Jetzt sei man aber wieder die Nummer zwei im deutschen TV-Geräte-Markt.

Panasonic schrumpfte sich gesund, ist aber immer noch ein weltweit führender Elektronikkonzern mit über 250.000 über den Globus verteilten Mitarbeitern, darunter über 1500 in Deutschland. In der Wendephase gelang es den Japanern auch, bestimmte Wachstumsfelder neu zu besetzen. So konnte Panasonic sein Know-how in der Batterietechnik bei der Megafactory des US-Elektrobauers Tesla unterbringen. Lange Zeit waren sich die Analysten nicht sicher, ob die Produktionsschwierigkeiten bei Tesla überwunden werden können. Ein Scheitern von Tesla-Chef Elon Musk hätte auch Panasonic mit in den Abgrund reißen können. Zuletzt häuften sich jedoch die Hinweise, dass die große Rechnung von Tesla auch für die Japaner aufgehen wird.

Der Samurai packt an

Auf dem Abschluss der monatelangen Hundertjahrfeier zeigte sich Konzernchef Kazuhiro Tsuga trotz der Sanierungserfolge jedoch nicht richtig zufrieden. Panasonic müsse über die Massenproduktion von Haushaltsgeräten hinausgehen und intelligente Produkte entwickeln, sagte er auf dem „Cross-Value Innovation Forum“ in Tokio, einem Haus-Kongress mit rund 50.000 Besuchern. 

Der Panasonic-Chef, der in Japan wegen seiner anpackenden Art auch „Samurai-CEO“ genannt wird, haderte dabei auch mit der japanischen Ingenieurs-Tradition, erst dann mit einem Produkt in den Verkauf zu geben, wenn es komplett ausgereift erscheint – während Konkurrenten aus den USA oder China mit Produkten in der „Beta-Phase“ den Kontakt zu den Verbrauchern aufnehmen. „In Zukunft wird Panasonic auch mit unvollkommenen Produkten auf den Markt kommen – mit dem vollen Wissen, dass sie absichtlich unvollständig sind“, sagte der Konzernchef. „Das bedeutet nicht, dass sie defekt sind, sondern vielmehr, dass wir den Spielraum haben, sie an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kunden anzupassen.“BioBunker

Rettung durch Unausgereiftes

Auf dem Panasonic-Kongress wurden bereits etliche Projekte vorgestellt, die noch nicht völlig ausgereift sind, etwa ein Gewächshaus für die Anzucht von Salatpflanzen für die heimische Küche. Oder ein Wohnzimmertisch, der mit einem Sprachassistenten das Gesprächsthema der Runde erkennt und entsprechende Bilder auf die Tischoberfläche zaubert. Präsentiert wurden auch Sensoren, die die Stimmung der Bewohner eines Smart Homes erkennen und automatisch Licht und Raummusik auswählen können.

Letztlich versucht Panasonic, eine Alternative zum Sprachassistenten Alexa von Amazon, Siri von Apple oder dem Google Assistent am Markt zu etablieren. Auf dem Kongress in Tokio zeigte Panasonic mit HomeX ein System, dass nicht nur ein Rezept aus dem Internet hervorzaubern kann, sondern direkt mit einer vernetzten Küche verbunden ist, um Temperatur und Zubereitungszeit auf dem Panasonic-Herd zu kontrollieren. Der japanische Konzern ist dabei nicht einmal unbedingt darauf angewiesen, dass die Bewohner eines Smart Homes sich bewusst für die Panasonic-Lösung entscheiden. Die Japaner sind auch einer der großen Anbieter von Fertighäusern in China und Japan.110898905

Einkaufen der Zukunft

Ähnlich wie Amazon hat Panasonic auch den Supermarkt der Zukunft im Visier. In Japan kooperiert der Konzern bereits mit der Supermarktkette Trial. Im Februar wurde in Fukuoka auf der südlichsten der japanischen Hauptinseln ein Smart Store eröffnet, in dem rund 100 Kameras von Panasonic zum Einsatz kommen, um das Verhalten der Kunden zu beobachten. Weitere 600 Kameras von Sony haben ausgewählte Regale im Blick und melden, ob bestimmte Waren nachgefüllt werden müssen. Laufen Kunden an einem Regal vorbei, erkennen die Kameras Alter und Geschlecht der Käufer und blenden auf LED-Bildschirmen dazu (mutmaßlich) passende Sonderangebote ein. Ein Einsatz dieser Technik in Deutschland ist in absehbarer Zeit nicht geplant. Zunächst müssten noch Datenschutzfragen geklärt werden, sagte ein Panasonic-Sprecher.

Ausstellung «Out of Office»: Roboter und KI: In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

«Hallo Pepper!» – «Hallo Mensch!», «Wie geht es Dir?» – «Mir geht es gut. Und Dir?», «Mir geht es auch gut.» – «Das freut mich zu hören.» – So beginnt der Dialog zwischen Mensch und Maschine.

Wobei Pepper, der 1,20 Meter große Roboter mit den niedlichen Kulleraugen, die blinken, wenn er sich mit jemandem unterhält, absolut nichts Bedrohliches an sich hat. In Japan wird er bereits in der Kundenberatung einer Telekommunikationsfirma eingesetzt, und auch bei der deutschen Telekom kann man sich einen Einsatz gut vorstellen.

Pepper ist der heimliche Star der Ausstellung «Out of Office. Wenn Roboter und KI für uns arbeiten» im Hamburger Museum der Arbeit, die sich bis zum 19. Mai mit der Zukunft der Arbeit beschäftigt.

Können uns Roboter und Künstliche Intelligenz (KI) das Leben erleichtern? Oder sind sie eine ernstzunehmende Gefahr für die Menschheit? Auf diese Fragen wollen die Ausstellungsmacher Anregungen geben. «Keiner kennt die Wahrheit. Ob optimistisch oder apokalyptisch – die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte», sagte Daniel Opper vom Bucerius Lab der Zeit-Stiftung, das die Schau mitorganisiert hat, am Dienstag in Hamburg. Ziel der Ausstellung sei es, die Dimension der mit der Digitalisierung der Arbeitswelt verbundenen Veränderungen zu erkunden und den Besuchern eine Orientierung zu geben.

Zu bewundern ist auch Paro, eine Roboter-Robbe, die erfolgreich in der Betreuung von Demenzkranken eingesetzt wird. «In Japan gibt es auch schon Roboter, die Menschen beim Sterben begleiten», erklärt Kurator Mario Bäumer. «Die Frage ist nur: Wollen wir das? Darüber müssen wir dringend eine gesellschaftliche Debatte führen», meinte Bäumer.

Schon jetzt gebe es Unternehmen, in denen Bewerbungsgespräche von einem Roboter geführt werden, der mit einem Algorithmus den perfekten Kandidaten auswählt. «Für mich ist nicht die Frage entscheidend, wie menschlich die Maschinen werden, sondern dass die Menschen nicht immer mehr wie Maschinen werden», sagte der Kurator.

An einer von elf Stationen schlüpft eine Schauspielerin in Berufe, die unterschiedliche Entwicklungstrends darstellen. Während Berufe wie Softwareentwicklerin und Mediendesignerin profitierten, werde es Berufe wie Busfahrerin oder Supermarktkassiererin bald nicht mehr geben. Aber auch qualifizierte Berufsgruppen müssten sich in Zukunft umstellen. «Auch Ärzte und Juristen werden ihren Job verlieren, wenn sie sich weigern, mit KI zusammenzuarbeiten», sagte Bäumer.

Laut Prognosen könnten in zehn Jahren 95 Prozent der Supermarktkassiererinnen ersetzt werden. «Die Frage ist nur: will man das auch?», meinte Bäumer. Schon jetzt gebe es Bereiche, die eine persönliche Ansprache für sehr wichtig erhalten – zum Beispiel bei Banken. Die Berufe müssten sich nur dementsprechend wandeln.

Und dann gebe es noch die Berufe, bei denen Empathie, Kreativität und menschliche Beziehungen gefragt sind, und die nur sehr schwer zu ersetzen sind. Als Beispiel nannte Bäumer den Beruf der Erzieherin, der Pflegerin oder der Kellnerin – schließlich erfordere er eine hohe Kompetenz im Auswerten von menschlicher Mimik und Gestik.