Gespräch mit Tim Cook: Apple-Chef: "Wir wollen nicht, dass die Menschen unsere Produkte zu viel benutzen"

Wenn Tim Cook auf Deutschlandbesuch ist, kann er sich die Stationen aussuchen. Große Dax-Unternehmen? Traditionsfirmen? Weltweit bekannte Marken? Die Türen würden sie ihm wohl alle weit aufsperren. Doch der Apple-Chef entschied sich im Rahmen seiner aktuellen Deutschlandreise für einen Besuch bei den Gründern der Yoga-App Asana Rebel. Der stern war dabei und konnte mit Cook über Fitness-Trends, die Bedeutung von Achtsamkeit und die Entwicklung der Apple Watch sprechen.

Stark ist das neue Schlank

Dass der Chef des wertvollsten Unternehmens der Welt ausgerechnet ein Start-up in Berlin-Kreuzberg aufsucht, mag auf den ersten Blick verwundern. Doch die Geschichte von Asana Rebel, das Ende 2015  in einer kleinen Wohnung gegründet wurde, ist eine Erfolgsgeschichte. Innerhalb von drei Jahren wurde die App zum Weltmarktführer im Yoga-Segment, die Hälfte der Nutzer lebt in den USA. Für Cook ist das die Blaupause eines modernen Start-ups: „Es ist eine Geschichte von der Macht des App Stores. Sie zeigt, dass ein leidenschaftlicher Mensch aus irgendeinem Land der Welt ein Business starten und nach kurzer Zeit weltweit aktiv sein kann. Mein Herz hüpft vor Freude, wenn ich so etwas sehe“, sagt Cook dem stern.21: AppleChef DSGVO Vorbild für globalen Datenschutz – 900713b51e3ed066

Die App profitiert wie viele andere auch von einem neuen Schönheitsideal – Menschen wollen stark sein, nicht mehr nur schlank. Ein Trend, der von sozialen Netzwerken, Fitness-Firmen wie Asana Rebell und auch Apple befeuert wurde. „Wir beide versuchen, dass die Menschen gesünder leben. Was das heißt, definiert jeder für sich“, so Cook. „Wir wollen die Menschen motivieren, häufiger aufzustehen, sich mehr zu bewegen und mehr Sport zu treiben. Menschen auf der ganzen Welt werden sich bewusst, dass sie mehr Verantwortung für sich übernehmen müssen. Dass Gesundheit mehr bedeutet, als einmal im Jahr zum Arzt zu gehen.“

Achtsamkeit als Trend

Doch es geht nicht nur um die Optimierung des Körpers, sondern auch des Geists. Achtsamkeit-Apps wie Calm oder Balloon (entwickelt von Gruner + Jahr, dem Verlag, in dem auch der stern erscheint) sorgen für ein besseres Körpergefühl. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Zahl der Neuinstallationen bei den populärsten Selfcare-Apps stieg innerhalb eines Jahres um 36 Prozent, die Ausgaben der Nutzer sogar um 40 Prozent, wie Apptopia errechnet hat. Und auch die Zahl an Apps nimmt zu. Das Bedürfnis nach einem kurzen Moment Ruhe wird offenbar immer größer.

Das sieht auch Tim Cook so: „Ich denke, die Menschen sind heutzutage gestresster. Es passieren einfach viele Dinge in der Welt, die einen ablenken. Es gibt so viel Unruhe. Familien sind getrennt, manchmal über Länder hinweg, ständig prasseln die Nachrichten auf einen ein. All das summiert sich, sodass wir uns mehr Zeit nehmen müssen, um wieder zu uns zu finden.“

„Ich war überrascht, wie oft ich mein Telefon pro Tag in die Hand nehme“

Der Konzern ist daran nicht ganz unschuldig. Mit dem iPhone machte Apple das Smartphone salonfähig, und damit viele Dienste, die heute um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Mit dem Betriebssystem iOS 12 hat Apple nun eine Funktion namens „Bildschirmzeit“ eingeführt, die einen detaillierten Überblick über die eigene Smartphone-Nutzung gibt. Apple will damit Menschen animieren, bewusster über ihren Konsum nachzudenken.iOS 12: Das bringt Apples neues System 11.48

„Wir wollen nicht, dass die Menschen unsere Produkte zu viel nutzen. Das war nie unsere Absicht“, erklärt Cook. Es gehe darum, Kreativität zu fördern und den Nutzern neue Möglichkeiten zu bieten. „Aber sie sollen unsere Produkte nicht die ganze Zeit benutzen.“ Mit Bildschirmzeit habe man den Menschen nun ein Tool gegeben, das ihnen hilft zu verstehen, was sie tun.

Die Funktion hat auch dem Apple-Chef die Augen geöffnet: „Ich war überrascht, als ich gesehen habe, wie oft ich mein Telefon pro Tag in die Hand nehme.“ Die genaue Zahl verrät er zwar nicht  („sie ist zu hoch“), aber sie hat für ein Umdenken gesorgt. Er habe die Zahl der Mitteilungen reduziert und wird nun mit einem Report auf dem Laufenden gehalten.

Die neue Funktion sei vor allem für Eltern ein Gewinn, so Cook: „Man ist nun sogar in der Lage, zu sehen, was die Kinder mit dem Telefon anstellen.“ Zuletzt gab es in Deutschland eine Debatte über Eltern, die im Schwimmbad häufiger auf das Display ihres Telefons als nach ihren Kindern sehen. Viele Erwachsene kommen ihrer Aufsichtspflicht nicht mehr nach, beschwerten sich Bademeister. Cook rät solchen Eltern, die Prioritäten zu überdenken:Kinder sind nur einmal jung. Und nichts in der virtuellen Welt übertrumpft die Beziehungen in der echten Welt und den menschlichen Austausch.“

„Für eine neue Produktkategorie braucht man Geduld“

Mehr Zeit für die wichtigen Menschen im Leben, und trotzdem alles Wichtige mitbekommen – diesen Spagat wollten Apple mit der ersten Apple Watch schaffen, als sie vor dreieinhalb Jahren auf den Markt kam. Damals gab es viele Mitbewerber. Die meisten sind allerdings wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Dass man sich durchgesetzt habe, liege an Apples langfristiger Ausrichtung, so Cook: „Wenn man in eine komplett neue Produktkategorie vorstößt, braucht man Geduld. Das Geschäft ist nicht über Nacht riesig! Und du musst massiv investieren.“

Ein gutes Gerät zu bauen, das reiche auf Dauer nicht. „Am Ende ist das Gesamtpaket aus Hardware, Software und den entsprechenden Diensten entscheidend.“ Die Apple Watch, anfangs von Kritikern als Flop belächelt, hat sich zu einer wichtigen Erlösquelle des Unternehmens entwickelt. Apples weltweiter Marktanteil bei den Fitnesstrackern liegt bei 17 Prozent.Apple Watch 4 Test_12.00

Viele Analysten glauben, dass Wearables – also mit Sensoren ausgestattete Uhren, Armbänder, Kopfhörer und Co. – der nächste große Wachstumsmarkt sind. Die Experten von CCS Insight glauben, Wearables könnten 2022 für bis zu 30 Milliarden Dollar jährlichen Umsatz sorgen. Die Analysten von Forrester sind zurückhaltender und schätzen das Marktvolumen auf neun Milliarden. Einig sind sich beide darin, dass Smartwatches die großen Wachstumstreiber sind. Betrachtet man nur dieses Segment, sind die Unterschiede sogar noch größer: Jede dritte smarte Uhr stammt aus Cupertino.

Tim Cook über die EKG-Funktion

Mit der jüngst vorgestellten Apple Watch Series 4 betrat Apple Neuland: Es ist die erste Uhr, die ein eingebautes EKG bietet und von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FCC zugelassen wurde. Noch ist die Funktion nicht verfügbar, sie wird im Laufe des Jahres zunächst in den USA via Software-Update nachgeliefert. Cook nutzt die Funktion bereits auf seiner Uhr: „Nun kann ich etwas, das ich erst wenige Male in meinem Leben gemacht habe, jeden Tag nutzen. Sogar mehrmals am Tag, wenn es nötig ist.“

Für ihn ist das erst der Auftakt einer umfangreichen Überwachung des Körpers. „Wir tun das bei Autos, die überall Sensoren haben und bei denen Lichter angehen, die uns bestimmte Dinge verraten. Aber bei unserem Körper machen wir das nicht. Jetzt haben wir etwas, das uns hilft. Ich bin wirklich zuversichtlich, was diese Produktkategorie angeht und glaube, wir sind erst ganz am Anfang.“Tim Cook Reportage

Tim Cook in Berlin: Apple-Chef: DSGVO Vorbild für globalen Datenschutz

Apple-Chef Tim Cook hat die Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union (DSGVO) als Basis für einen weltumspannenden Datenschutz gelobt.

«Ich bin ein großer Fan der DSGVO. Sie stellt aber noch nicht alles dar, was gemacht werden muss», sagte er am Sonntag in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. «Wir würden es gerne sehen, wenn nicht nur die USA, sondern auch viele andere Länder der Führungsrolle Europas folgen und vielleicht sogar darüber hinausgehen würden.»

Gerade in Deutschland gebe es bei den Bürgern ein profundes Wissen und ein ausgeprägtes Bewusstsein für den Schutz der Privatsphäre, das nicht in allen Teilen der Welt existiere, sagte Cook – auch weil die Deutschen ihrer Geschichte «einige der schändlichsten Dinge gesehen haben, die passieren können».

Der Weg zu einem besseren Datenschutz sei wie eine Reise, sagte Cook. «Ich weiß nicht, wie lange die dauern wird.» Die Menschen erlebten aber fast jeden Tag Verletzungen ihrer Privatsphäre. «Die Menschen sind dann schockiert über einige der Dinge, die passieren.» Deshalb werde sich die Welt als Ganzes in Richtung Datenschutz bewegen. «Sie erkennen das vielleicht nicht so schnell, wie ich es möchte, aber sie werden die schrecklichen Folgen erkennen und Maßnahmen ergreifen.»

Zuvor hatte sich Cook am Brandenburger Tor das Projekt «MauAR» zeigen lassen. Die App des Berliner Entwicklers Peter Kolski lässt mit Hilfe von «Augmented Reality» (erweiterte Realität) die Berliner Mauer an ihrem historisch korrekten Ort wieder sichtbar werden. In der Anwendung, die am 9. November zum Jahrestag des Mauerfalls erscheinen wird, ist es möglich, virtuell vor der Mauer zu stehen, ihren Verlauf zu sehen und um sie herumzulaufen. «Vor allem bekommt man ein Gefühl dafür, wie es gewesen sein muss, als die größte Metropole Deutschlands durch den Kalten Krieg geteilt war», sagte Kolski. Das Projekt arbeitet eng mit der «Stiftung Berliner Mauer» zusammen. Cook sagte, «MauAR» helfe den Menschen dabei, einen wichtigen Abschnitt der Zeitgeschichte besser zu verstehen.

Um Augmented Reality ging es dann auch beim Start-up Asana Rebel aus Berlin-Kreuzberg. Die Firma bietet eine auch in den USA äußerst erfolgreiche Fitness-App für Smartphones und Tablet-Computer an, die Yoga-Übungen vorführt und die Anwender zum Mitmachen animiert. In einer neuen AR-App können die Anwender virtuell um den Yoga-Trainer laufen und schauen, wie er bestimmte Bewegungen macht. Firmen-Mitbegründer Robin Pratap diskutierte mit dem Apple-Chef Strategien, um das Berliner Jungunternehmen zu einem globalen Player im Fitnessmarkt zu machen. Cook sagte, Asana Rebel sei ein gutes Beispiel dafür, wie man mit Technologie Menschen dabei helfen könne, ein besseres Leben zu führen.

Unterwegs mit dem Apple-Chef: Rebellen unter sich – warum Tim Cook in Berlin ausgerechnet bei Yoga-Pionieren vorbeischaut

Kreuzberg. Natürlich. Wo sonst, wenn nicht im hipsten Stadtteil Berlins, startet man eine Revolution gegen das etablierte System. Das Alte völlig neu zu denken, das war für Pascal Klein und Robin Pratap ein verlockender Gedanke. Beide gründeten 2015 das Start-up Asana Rebel, um das traditionelle Yoga ins 21. Jahrhundert zu hieven. Sie verzichteten auf Spirituelles, kombinierten Dehnübungen mit Krafttraining und bündelten all das in einer schicken App. Für ihre wilde Mischung mussten sie in den Anfangstagen reichlich Kritik einstecken. Doch der Erfolg gibt den beiden Recht, sie betreiben die derzeit populärste Yoga-App weltweit.

Der Aufstieg der jungen Berliner blieb auch in Kalifornien nicht unbemerkt. Mehrfach platzierte Apple die Anwendung prominent im App Store. An diesem Sonntag ist Tim Cook auf Stippvisite in Berlin – es überrascht wenig, dass er sich Zeit für das Start-up genommen hat. Denn das junge Unternehmen verkörpert viel von dem, was dem Apple-Chef wichtig ist: Männer und Frauen arbeiten gleichberechtigt, die Teammitglieder kommen aus allen Ecken der Welt, von Brasilien bis Taiwan. Sie setzen sich mit dem Trend-Thema Gesundheit auseinander. Und sie haben Durchhaltevermögen bewiesen. Gründer Klein sagt von sich: „Vor uns gab es Tausende Yoga-Apps, die aber niemanden erreicht haben. Das Alte nehmen und es einfach aufs Handy packen, das hat nicht funktioniert.“ Zwar gibt es die App für alle gängigen Plattformen, 80 Prozent der User tummeln sich jedoch auf Apple-Geräten.

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Vom Rebell zum Marktführer

In gerade einmal drei Jahren wurden die Berliner zum globalen Player der modernen Fitnesswelt. „Es ist eine Geschichte von der Macht des App Stores. Sie zeigt, dass ein leidenschaftlicher Mensch aus irgendeinem Land der Welt ein Business starten und nach kurzer Zeit weltweit aktiv sein kann“, schwärmt Cook. Die Zahlen sind beeindruckend: Acht Millionen Downloads, 300.000 zahlende Kunden, die Hälfte davon aus den USA. Und Asana Rebel scheint nun erst richtig Fahrt aufzunehmen. Die Gründer haben weitere 15 Millionen Dollar eingesammelt, um auch in Asien durchzustarten. Der Besuch des Apple-Chefs dürfte ihnen nun weitere Aufmerksamkeit einbringen.

Cooks Tag in Berlin ist durchgetaktet. Vor den Yoga-Rebellen trifft der Apple-Chef den Entwickler einer Augmented-Reality-App am Brandenburger Tor. Die Technik (mehr dazu hier) ist eines seiner Herzensthemen. Das weiß auch das Team von Asana Rebel, weshalb sie dem 57-Jährigen ebenfalls eine neue Funktion der Yoga-App demonstrieren, an der sie gerade mit Hochdruck arbeiten. 181021_TC_Berlin_BK_53589

Mit Hilfe des Smartphones kann man sich von einer virtuellen Sportlerin die korrekte Ausführung von Yoga-Figuren demonstrieren lassen. Das ist ganz nach Cooks Geschmack. Während der Apple-Chef fasziniert um die Yogamatte geht, ergreift einer der Entwickler das Wort: „Das würde großartig aussehen, wenn man es auf eine Brille bringen würde“ – eine Anspielung auf das Gerücht, dass der Konzern in seinen Geheimlaboren an einer AR-Brille tüftelt. Cook reagiert nur mit einem herzhaften Lachen. Man kann es ja mal versuchen.

Cooks Berlin-Besuch ist ein Signal

Cook ist nicht zum ersten Mal als Apple-Chef in der Bundeshauptstadt. 2015 traf er Angela Merkel, im vergangenen Jahr besuchte er die Berliner Philharmoniker und backte Pfannkuchen beim Kochvideo-Start-up Kitchen Stories. Solche Termine gehören zum Alltag von CEOs, vor allem wenn sie die mächtigsten Konzerne der Welt leiten. Die Fotos und Selfies, die dabei entstehen, gehen um die Welt und laden das Image auf. Und Apple lebt wie kein zweites Unternehmen von der Strahlkraft seiner Marke. Am Sonntag postet Cook auf Twitter ein Bild seines Berlin-Trips, im Hintergrund ist das Brandenburger Tor zu sehen.Cook-Tweet

Für den Apple-Chef ist der Besuch ein Signal: Ohne die frischen Ideen von Entwicklern aus der ganzen Welt wäre seine Firma nicht da, wo sie jetzt ist. Denn erst die kleinen App-Kacheln machen das Smartphone zu dem Alleskönner, das es heute ist. Zugleich sind die Mini-Programme eine wichtige Erlössäule – für Apple, aber auch für die Entwickler. Dem Konzern zufolge arbeiten hierzulande mehr als 250.000 Menschen in der App-Branche, knapp 71.000 davon allein in Berlin. Und 50 davon bei Asana Rebel. „Mein Herz hüpft vor Freude, wenn ich so etwas sehe. Sie stellen immer mehr Menschen ein, ihr Produkt ist großartig und sie helfen Menschen“, sagt Tim Cook im Gespräch mit dem stern.10 Jahre Apps – Onepager_9.15

Am Sonntagabend steht jedoch nicht nur das Business im Vordergrund. Cook lässt sich knapp 40 Minuten durch das 300 Quadratmeter große Loft führen. Der hintere Teil des Raums wird von einem blauen Neon-Schriftzug dominiert: „Be a rebel“, sei ein Rebell, steht in großen Lettern an der Wand hinter den Schreibtischen der iOS-Entwickler. Es ist ein Motto, das Cook an die wilden Anfangstage von Apple erinnern dürfte. Denn auch Apple positionierte sich früher als Querdenker und Außenseiter „Warum der Marine beitreten, wenn man ein Pirat sein kann“, fragte einst Steve Jobs.

Der Apple-Chef scheint sich hier in Kreuzberg sichtlich wohlzufühlen. Er, der sonst immer mit Fragen gelöchert wird, kann nun Zuhörer sein. Immer wieder hakt er interessiert nach, gibt den Entwicklern Feedback. Vor allem aber möchte er die Menschen hinter der Technik kennenlernen. Und mehr über Berlin erfahren: Erfreut nimmt er zur Kenntnis, dass jungen Tech-Talenten der Einstieg in die Berufswelt hier mittlerweile leichter gemacht werde. Cook war einer der Vorreiter im Kampf gegen Trumps geplante Abschaffung des Dreamer-Programms, durch die Hunderte junger Einwanderer die USA hätten verlassen müssen.

„Es passieren einfach viele Dinge, die einen ablenken“

Dass Tim Cook bei einem Unternehmen vorbeischaut, das der Yogabranche neue Impulse verleiht, hat auch einen anderen Hintergrund: Vor elf Jahren krempelte sein Konzern mit dem iPhone die Mobilfunkbranche um, nun will er mit der Apple Watch zum Taktgeber der Fitnesswelt werden. „Wir versuchen, dass die Menschen gesünder leben. Was das heißt, definiert jeder für sich. Wir wollen die Menschen motivieren, häufiger aufzustehen, sich mehr zu bewegen und mehr Sport zu treiben.“

Anfangs wurde Apple für die Uhr belächelt, mittlerweile dominiert sie den Markt, den viele Experten als Wachstumsmotor der Zukunft sehen. Pro Jahr werden im Geschäft mit Wearables – also tragbarer Technik – Wachstumsraten von 20 Prozent und mehr erwartet. Wäre die Uhr eine eigene Firma, sie wäre schon jetzt eine der 300 größten Firmen der Welt, erklärte Cook vor einigen Monaten.Cook-Interview

Und es gibt noch viel Luft nach oben. Die Menschen geben immer mehr Geld für Wellness und Fitness aus. Die Nutzerzahlen von Achtsamkeit-Apps wie Calm oder Balloon (entwickelt von Gruner + Jahr, dem Verlag, in dem auch der stern erscheint) wachsen rasant. „Ich denke, die Menschen sind heutzutage gestresster. Es passieren einfach viele Dinge, die einen ablenken“, so der Apple-Chef zum stern. Es gebe so viel Unruhe, ständig würden Nachrichten auf die Nutzer einprasseln. „All das summiert sich, sodass wir uns mehr Zeit nehmen müssen, um wieder zu uns zu finden“, fordert der 57-Jährige.

Der globale Umsatz der Fitnessindustrie liegt mittlerweile bei 87,2 Milliarden Dollar. In Deutschland explodiert die Zahl der Fitnessstudios, die Mitgliederzahlen schnellten hierzulande von 4,4 Millionen im Jahr 2003 auf 10,6 Millionen im Jahr 2017. Wer nicht im Bauch-Beine-Po-Kurs schwitzt, schnürt immer häufiger zuhause die Turnschuhe, geht joggen oder turnt abends im Wohnzimmer Übungen von Video-Coaches nach.

Womöglich bald auf einer weißen Matte von Asana Rebel. „Bislang gibt es noch keine weißen Yoga-Matten“, erklärt Pratap. „Die Menschen haben Angst, dass sie schmutzig wird. Aber wir denken uns: Warum nicht? Warum sollte man keinen Fußabdruck hinterlassen?“ Tim Cook Yoga

Die Rebellion breitet sich aus

Und wenn man schon einmal einen erfahrenen Manager da hat, bitten die Asana-Rebel-Gründer den Apple-Chef auch in einer anderen Sache um Rat. „Unsere von Yoga inspirierte Fitness ist erst der Anfang. Wir denken noch viel größer.“ Bislang würden die Menschen Gesundheit und Fitness getrennt sehen. „Aber Ernährung, Achtsamkeit, Fitness, all das ist miteinander verbunden. Wir wollen gesunden Lifestyle in einem Produkt abbilden.“

Nur, wie erklärt man das völlig neue Konzept den Menschen, die Neues erfahrungsgemäß argwöhnisch betrachten? Pratap und Cook stehen grübelnd vor dem Whiteboard. Rebellen unter sich. Doch wie nennt man etwas, das man noch gar nicht kennt? Die beiden werfen sich Ideen zu, eine Antwort auf die Frage finden sie an diesem Tag nicht. Revolutionen brauchen nun einmal ihre Zeit.

stern-Redakteur testet Sturzfunktion der Apple Watch

Displayschaden oder anderer Defekt: Bloß nicht fallen lassen! So teuer ist eine Reparatur der neuen iPhones

An diesem Freitag (26. Oktober) startet Apple offiziell den Verkauf des neuen iPhone XR. Bislang konnten Kunden das dritte auf der Keynote im vergangenen September vorgestellte Smartphone nur vorbestellen, nun also kann das neue Einstiegsmodell auch in den Geschäften ausprobiert und erworben werden. 

Preislich ist das iPhone XR zum Teil deutlich unter den Top-Handys iPhone XS (1149 bis 1549 Euro je nach Version) und iPhone XS Max (1249 bis 1649 Euro) angesiedelt. So gibt es das Gerät mit 64-Gigabyte-Speicher bereits für 849 Euro. Auch die 128-GB-Version bleibt mit 909 Euro noch dreistellig beim Preis, während für 256 GB Speicherkapazität dann 1019 Euro fällig werden.

Schäden am iPhone: So viel kostet die Reparatur

iPhone XS und XR: Für wen lohnen sich die neuen iPhones?_17.25So oder so: Will man eines der aktuellsten Apple-Smartphones besitzen, muss man tief in die Tasche greifen. Das gilt auch für etwaige Reparaturen, wie eine jüngst veröffentlichte Preisliste des Unternehmens zeigt. Demnach schlägt ein Displayschaden beim iPhone XR mit satten 221,10 Euro zu Buche. Zum Vergleich: Für einen kaputten Bildschirm beim iPhone 8, dem letztjährigen Einsteigermodell, sind „lediglich“ 171,10 Euro fällig, also genau 50 Euro weniger. Alle anderen Schäden am iPhone XR kosten den Kunden außerhalb der Garantie 431,10 Euro (iPhone 8: 381,10 Euro), was fast der Hälfte des Neupreises entspricht.

Noch saftiger fällt die Rechnung bei Schäden an den Top-Smartphones aus. Hier sind bei zerstörtem Display 361,10 Euro (iPhone XS Max) beziehungsweise 311,10 Euro (iPhone XS) zu entrichten. Sonstige Schäden beziffert Apple mit 641,10 Euro beziehungsweise 591,10 Euro. Im Fall des kleineren iPhone XS orientieren sich die Preise also an denen des inzwischen aussortierten 2017er-Topgeräts iPhone X.

Vergünstigte Reparaturen durch Apple Care Plus

iPhone XS und iPhone XR: Das kosten die neuen iPhones_12.05Wer sich derartige Kosten ersparen möchte, sollte über die Zusatzversicherung Apple Care Plus nachdenken. Für die sind einmalig zwar 229 Euro zu zahlen, dafür schlägt ein Bildschirmschaden mit nur 29 Euro und jeder andere Defekt mit 99 Euro Selbstbeteiligung zu Buche.

Die Versicherung verlängert die zwölfmonatige Herstellergarantie um ein weiteres Jahr und beinhaltet zwei Reparaturen.

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Rechte weichen auf vk.com aus: Jugendschutzgesetz soll auch für Facebook und Co. gelten

Die geplante Neugestaltung des Jugendschutzgesetzes soll nach dem Willen von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) auch für ausländische Internet-Dienste greifen.

«Die Regeln müssen so aufgestellt sein, dass sie für alle gelten – egal ob der Anbieter in Rheinland-Pfalz sitzt oder in Kalifornien», sagte Giffey bei einem Besuch der Zentralstelle jugendschutz.net in Mainz.

Die Ministerin nannte zwei Bausteine für den Kinder– und Jugendschutz. Auf der einen Seite müssten Prävention und Monitoring gestärkt und Kinder und Jugendliche fit gemacht werden gegen Hass und Propaganda. Auf der anderen Seite gehe es um wirksame gesetzliche Schutzmaßnahmen.

Das zuletzt 2002/2003 neugefasste Jugendschutzgesetz stamme noch aus dem «Zeitalter von CD-Rom und Videokassette». Ob die Neufassung schon im kommenden Jahr dem Kabinett vorgelegt werden könne, sei noch nicht absehbar. Geplant sei aber eine Fertigstellung deutlich vor dem Ende der Legislaturperiode 2021.

Mitarbeiter von jugendschutz.net zeigten der Ministerin, wie Rechtsextremisten angesichts verstärkter Kontrollen bei Facebook oder Twitter auf das russische Online-Netzwerk vk.com ausweichen. Dieses Angebot gelte in der Szene als «sicherer Hafen», da der Betreiber strafrechtlich relevante Inhalte selten lösche, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht von jugendschutz.net. Mittlerweile sei dort «das gesamte Spektrum des Rechtsextremismus» vertreten. Ohne Alterskontrolle könnten dort auch «rechtsextreme Tötungsvideos» abgerufen werden.

Das seit einem Jahr wirksame Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) habe rechtsextreme Akteure veranlasst, alternative Plattformen zu suchen, erklärte jugendschutz.net. Das NetzDG sei ein Anfang, sagte Giffey. Nun müsse überlegt werden, welche Nachbesserungen sinnvoll seien.

Die Mitarbeiter von jugendschutz.net erfassten im vergangenen Jahr 37 500 Hinweise auf Darstellungen sexueller Ausbeutung Minderjähriger, rund neun Mal so viele wie 2016. Bei rechtsextremer Propaganda registrierten sie 1340 Gesetzesverstöße, darunter 595 Mal wegen Volksverhetzung und 451 Mal wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. In über 88 Prozent der Fälle sei eine Löschung oder Sperrung erreicht worden. Diese Quote erreichte bei YouTube 98 Prozent, bei Twitter 97 Prozent, bei Facebook 95 Prozent und bei vk.com 36 Prozent.

Die Anbieter reagierten bei Meldungen von jugendschutz.net eher als bei Meldungen einfacher Nutzer, sagte der stellvertretende Leiter Stefan Glaser. Das gemeinnützige Unternehmen wurde 1997 in Mainz als gemeinsames Kompetenzzentrum von Bund und Ländern gegründet.