Pay-TV: Netflix von links, DAZN von rechts: Skys heißer Herbst

Elke Walthelm ist eine der mächtigsten Frauen im deutschen Fernsehgeschäft. Die smarte Programmchefin von Sky Deutschland hat gerade die dritte Staffel der hochgelobten und international preisgekrönten Serie „Babylon Berlin“ in Auftrag gegeben. „Damit haben wir die Latte auf ein komplett neues Niveau gelegt“, sagt sie. In dieser Liga soll es weitergehen. Der deutsche Film-Klassiker „Das Boot“ geht in Serie. „Acht Tage“ erzählt von Menschen im Berliner Umland, die sich auf einen Meteoriteneinschlag einstellen, „eine umgekehrte, atemberaubende Refugee-Geschichte“, kündigt Walthelm an.h18406696_1069128492_L 

Die Stoffe sind stark und die Schauspieler spielen in der ersten Liga: Devid Striesow, Marc Waschke, Henry Hübchen und Christiane Paul. Die dritte neue deutschsprachige Sky-Serie „Der Pass“ basiert auf „Die Brücke“ aus Skandinavien mit Nikolas Ofczarek und Julia Jentsch als Ermittlerteam. Selbstbewusst setzt Walthelm einen Seitenhieb auf ARD und ZDF: „Wir haben eine Kriminalgeschichte auf Hollywood-Niveau produziert – da können normale deutsche Serien nicht mithalten.“ Große Worte, aber es geht noch größer: „Das nächste Game of Thrones soll aus Deutschland kommen“, beschreibt Walthelm ihre „Vision“. Das ist die weltweit beliebteste Serie überhaupt. Der Fernsehherbst wird heiß.Fussi gucken kompliziert_9.40Uhr

Sky hat einen Lauf: 200.000 neue Kunden sind dazu gekommen, seit einiger Zeit tröpfeln Gewinne. Die Formel aus Sport, Serien und Spielfilmen zahlt sich für den Pay-Anbieter Sky endlich aus. Der gestylte Showroom, in dem Manager Besucher empfangen, der elegante Neubau für Hunderte Mitarbeiter in Unterföhring vor den Toren Münchens mit einem gläsernen Newsroom des 24-Stunden-Kanals „Sky Sport News HD“ – Sky strahlt nach Jahren mit roten Zahlen in der Bilanz mehr Selbstbewusstsein aus. Aber die Herausforderung durch Streamingdienste wird immer größer.

Cristiano Ronaldo wirbt für DAZN

Es ist ein Unterschied wie zwischen Bundes- und Regionalliga: Die DAZN-Mannschaft arbeitet in einem bescheidenen Medienpark im Nachbarort Ismaning. Hingen nicht die überlebensgroßen Fotos von NBA-Spielern, Jürgen Klopp oder Cristiano Ronaldo an den Wänden, könnten die Büros auch ein Call Center beherbergen. Der erste Eindruck täuscht gewaltig. „DAZN“ hat Großes vor. Der Name – gesprochen „da zone“, abgeleitet von „in the zone“, einem Ausdruck aus dem Baseball – muss weltweit funktionieren, denn der Anbieter startet in immer mehr Ländern, zuletzt in Japan und Italien. Gerade wurde Cristiano Ronaldo als Werbefigur vorgestellt.Netflix-neustarts im September_10.25

Geld ist reichlich vorhanden: Hinter der britischen Muttergesellschaft Perform Group steht der russischstämmige, geschätzt zwanzigfache Milliardär Leonard Blavatnik aus London. Milliarden von Euro fließen in Übertragungsrechte und Marketing – aber anscheinend nicht in schicke Büros. Die Stars bei DAZN sind die Sportler auf dem Rasen, nicht die Moderatoren. Die Verpflichtung von Per Mertesacker als Experte für die kommenden Spielzeiten von Champions- und Europa-League ist die einzige Ausnahme.  

Auf einer der drei Büroetagen arbeiten kurz vor dem Saisonstart in den großen Fußballligen Trockenbauer und Elektriker. Schnitträume und Kommentarstudios werden verkleinert. Die Mitarbeiter müssen enger zusammenrücken. Bis zu 15 Sportereignisse gleichzeitig werden von für den Zuschauer unsichtbaren Kommentatoren auf deutsch begleitet, der Rest auf englisch. In der Spitze laufen 44 Sport-Livestreams simultan über die Website oder die DAZN-App. Ein feuchter Traum für Fans der Top-Ligen aus Großbritannien, Spanien oder Italien. Dazu kommen American Football, Basket- und Baseball sowie das zunehmend beliebte Darts. Und das sind noch nicht einmal alle verfügbaren Sportarten.

DAZN legt ein hohes Tempo vor. Die wenigen deutschen Manager sitzen in Berlin. Der neue Chef Thomas de Buhr spricht erst zum Saisonstart der Champions League mit Journalisten. Er ist gerade erst von Twitter Deutschland gewechselt. „Männer von 14 bis 45 sind unsere Kernzielgruppe“, sagt der 40-jährige Pressesprecher Matthias Folkmann. Kostenlose Spieleclips streut DAZN großzügig über soziale Netzwerke wie Instagram und Facebook, sogar auf YouTube lassen sich kostenlos DAZN-Videos anklicken. Exklusive Dokus über Mario Götze oder Fanvereine zielen auf Leser von „Kicker“  und „Elf Freunde“, Fans mit Anspruch.h18406699_1069128187_L 

Die Feuerprobe für DAZN steht kurz bevor. Denn die Champions League wird neben Sky erstmals auch bei DAZN laufen. Die Europa League läuft sogar bis auf wenige Spiele beim RTL-Ableger Nitro fast komplett bei DAZN. Auch das öffentlich-rechtliche ZDF ist aus dem Spiel. Oliver Welke kann sich aufs Sprüche klopfen in der „heute-show“ konzentrieren. Serverprobleme aus der Frühzeit wie bei der Übertragung von Spitzenspielen wie dem „Clasico“ zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona scheint DAZN überwunden zu haben. Eigene Glasfaserleitungen sollen die ständige Versorgung sicherstellen, die Techniker vor den Monitorreihen wirken entspannt.

Warum findet Streaming immer mehr Fans? Ein Streaming-Abo kostet so viel wie ein guter Burger: Für Zehn Euro im Monat bei jederzeitig möglicher Kündigung ist DAZN preislich vergleichbar mit dem Streaming-Giganten Netflix. Selbst wer aus Netflix und DAZN ein Serien-Sport-Paket schnürt, zahlt also weniger als für das günstigste Sky-Abo nach der Schnupperpreis-Periode und er muss sich nicht lange binden. Was spricht da noch für das klassische Pay-TV?

Die Top-Ligen laufen jetzt bei mehreren Sendern

Früher warb Sky mit dem Slogan „Alle Spiele, alle Tore“ um Fußballfans. Das Versprechen kann der Sender in diesem Herbst nicht mehr halten. „Wir werden viel Aufklärungsarbeit leisten müssen,“ sagt Sky-Marketing-Chef Marcello Maggioni. Die Werbekampagne läuft bereits. Der genaue Verteilschlüssel der Partien ist komplex. Außerdem ändert er sich je nach Verlauf der Saison und der Wünsche der Sender nach Spielen mit deutscher Beteiligung.

Die Sky-Vollpension mit allen verfügbaren Paketen kostet nach den ersten zwölf Monaten mit Rabatt immerhin rund 70 Euro im Monat. Dafür können Zuschauer allerdings auch bei Sky anrufen und sich etwa erklären lassen, „wo die Taste für die Tonauswahl sitzt oder wann Spider-Man läuft“, sagt Marcello Maggioni. In charmantem Business-Englisch preist der Norditaliener Sky als „überlegenes“ Unterhaltungsprodukt. Selbst die bekannte Casting-Show „X-Factor“ läuft gerade exklusiv bei Sky: „Wie sich die Juroren Sido und Thomas Anders über Musik unterhalten – „unbezahlbar“, fügt er auf deutsch an und grinst. Sky befriedigt alle Wünsche einer vielköpfigen Familie, auch Erotikkanäle gibt es weiterhin.h18406697_1069128404_L 

Der Receiver für den Kabel- und Satellitenempfang wurde aufgewertet: Extrem hoch aufgelöste Sportübertragungen oder Filme in Ultra-HD/4k laufen über die schwarze Empfängerbox „Sky Q“. Sendungen lassen sich anhalten zurückspulen, unterbrechen und auf anderen Geräten weiterschauen. Künftig soll die Fernbedienung auch auf Sprachbefehle reagieren. Eine ergänzend erhältliche „Soundbox“ erkennt automatisch welche Sky-Sendung läuft und liefert den entsprechenden 360-Grad-Raumklang. Tennisfans hören das Plopp beim Aufschlag und Fußballfans den Wumms, wenn der Torhüter den Ball abschlägt.Netflix DVDs, 21.20

Streaminganbieter machen sich sogar im Allerheiligsten von Sky breit: Sky-Kunden können über ihren Receiver direkt auf eine Netflix-App zurückgreifen, den direkten Konkurrenten oder die Mediatheken von ARD und ZDF. Eine Wetter-App lässt sich auf dem geteilten Bildschirm aufrufen, während daneben das Sky-Programm weiterläuft. Kein Kundenwunsch bleibt ungestillt. Und so bequem wie möglich soll es sein. 

Als Alternative zum Abo gibt es „Sky Ticket“

Gleichzeitig hat sich Sky auch als Streamingdienst neu erfunden, mit Serien, Livesport und Filmen auf Abruf. Für überschaubare Beträge ab zehn Euro und bei monatlicher Kündigungsfrist konkurriert „Sky Ticket“ mit den reinen Streaming-Anbietern wie „Netflix“, „Amazon Prime“ oder „EntertainTV“ von der Telekom. Mit eigener App laufen all diese Angebote auf dem Smartphone, dem Tablet, dem Laptop oder der Spielkonsole. Ein preisgünstiger Sky-TV-Stick für den Fernseher kommt bald in die Läden. Wer mag sich da noch für zwei Jahre binden wie beim klassischen Sky-Vertrag?

In USA geht der Pay-TV-Konsum bereits zurück. Und in Deutschland wird Streaming immer beliebter. Fast jeder zweite Zuschauer (42 Prozent) ruft regelmäßig Sendungen als Video on Demand ab. Das Zeitbudget für Streaming ist in den vergangenen Jahren zwei Jahren um 44 Prozent gestiegen. Fast jeder Dritte (30 Prozent) hat ein Abo von Netflix oder Amazon oder schaut Videos bei Youtube. Auch die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender erreichen fast jeden dritten Zuschauer. Dem Streaming scheint die Zukunft zu gehören.  babylon-berlin_16.10Uhr                 

Nur wer Live-Sport partout nicht extra zahlen möchte, muss erfinderisch sein: Weil Sky die Europa-League-Spiele und zahlreiche Champions-League-Spiele mit deutschen Teams nicht mehr alle selbst übertragen kann, hat man sich einfach mit dem Konkurrenten DAZN zusammengetan. In Sky-Sportsbars laufen dafür zwei DAZN-Kanäle. Und selbst wer kein Streaming-Abo abgeschlossen hat, profitiert von dem Serienboom, den Sky, Netflix und Co. ausgelöst haben. Die erste Staffel der von der ARD und Sky produzierten Serie Babylon Berlin läuft Ende September auch in der ARD.Netflix – Twitter-Reaktionen 22.15

iPhone XS: Das Ende des kleinen Smartphones

Als Apple-Gründer Steve Jobs vor fast 12 Jahren das erste iPhone vorstellte, staunten die Zuschauer. Ein solch riesiges Handy-Display hatten damals nur wenige zu Gesicht bekommen. Sagenhafte 3,5 Zoll zog sich der Touchscreen über die Front von Apples erstem Smartphone. Ein größeres Modell würde nie jemand kaufen, behauptete Jobs noch 2010. Nun hat Apple die größten iPhones aller Zeiten vorgestellt – und gleichzeitig das Ende des kleinen Smartphones besiegelt.

Schon lange war Apple der einzige Hersteller, der noch auf kleine Modelle als Standard setzte. Das iPhone 8 war das letzte Top-Modell mit einem Display unter 5 Zoll, das Modell mit 5,5 Zoll galt bei Apple schon als Plus-Size. Bei den anderen Herstellern war es genau anders herum. Die „normale“ Variante hatte bei Samsung und Co. schon seit Jahren 5 Zoll und teils deutlich mehr, nur gelegentlich gab es eine Mini-Variante mit weniger. Meist aber mit abgespeckter Leistung. Einzige Ausnahme: Sonys Compact-Reihe bekam trotz kleiner Display-Diagonale in der Regel Top-Technik. Das aktuelle Modell Xperia XZ2 Compact bringt es allerdings auch schon auf 5 Zoll. iPhone XS Max Handson_9.45

Schluss mit Klein-Klein

Und nun auch Apple. Nachdem letztes Jahr mit dem iPhone X und seinem fast randlosen 5,8-Zoll-Display der größte iPhone-Bildschirm aller Zeiten vorgestellt wurde, ist dieser Superlativ nur ein Jahr später schon wieder passé. Das ebenso große iPhone XS ist von den drei nun vorgestellten Modellen das kleinste. Mit 6,1 Zoll (iPhone XR) und 6,5 Zoll (iPhone XS Max) sind die anderen beiden deutlich größer. Der Standard erreicht nun bei Apple also ebenfalls um 6 Zoll.

Auch in anderer Hinsicht zieht Apple einen Schlussstrich. Mit dem iPhone SE wurde das letzte iPhone aus dem Programm gestrichen, dass noch die Maße der ersten Größenanpassung hatte. 2012 wurde nach Steve Jobs‚ Tod das erste Mal eine neue Größe gewagt und mit dem iPhone 5 das Display auf 4 Zoll gezogen. Das iPhone SE verkaufte sich nicht nur wegen des geringeren Preises gut. Viele schätzten es als kleine Alternative zu den zahlreichen großen Smartphones.

Vor allem in Deutschland erfreuten sich sich die kleineren Modelle noch lange großer Beliebtheit. „Unsere kompakten Modelle wie zum Beispiel das aktuelle Xperia XZ2 Compact verkaufen sich hierzulande sehr gut“, erklärte Sony auf Anfrage. Die Entwicklung geht aber klar in eine andere Richtung. „Wir beobachten weltweit eher einen Trend hin zu größeren Displays“.Apple iPhone XS Apple Watch Series 4 Event

Die Welt will Riesendisplays

Die Statistiken bestätigen das. In Asien geht der Trend schon seit Jahren zum immer größeren Smartphone, der Rest der Welt zieht immer weiter nach. Schon 2018 soll der Anteil der Smartphones mit Display-Größen unter 5 Zoll mit 150 Millionen Geräten nur noch knapp zehn Prozent der weltweiten Smartphone-Verkäufe ausmachen, schätzt Statista. Bis 2022 soll er auf unter 25 Millionen und damit unter zwei Prozent Marktanteil fallen – während knapp 40 Prozent der verkauften Geräte über 6 Zoll mitbringen.iPhone XS und XR: Für wen lohnen sich die neuen iPhones?_17.25

Und auch die Deutschen ziehen mit. „Der Trend zum immer größeren Smartphone-Display war in den vergangenen Jahren auch in Deutschland zu beobachten“, erklärt Christoph Krösmann, Pressesprecher des Verbandes Bitkom. Viel weiter muss es nach Ansicht der Deutschen aber nicht mehr wachsen: „Nach einer Bitkom-Umfrage wünschten sich im Februar 2018 nur 8 Prozent der Nutzer beim nächsten Handy-Kauf ein größeres Display, ein Jahr zuvor waren es noch 16 Prozent“, so Krösmann. „Sobald Nutzer aber eine Weile ein Smartphone mit größerem Bildschirm in Gebrauch haben, möchten die meisten nicht mehr auf ein kleineres Gerät zurückwechseln.“

Apple liegt also voll im Trend. Tatsächlich dürfte der Konzern für den Umschwung aber auch noch weniger offensichtliche Gründe gehabt haben. Nachdem man jahrelang von Wohl und Gedeih des iPhones abhängig war, baut der Konzern in letzter Zeit vermehrt die Service-Sparte weiter aus – und die profitiert besonders von den großen Bildschirmen. Warum genau, erfahren Sie in diesem Artikel. Der Hauptgrund dürfte aber natürlich trotzdem sein, dass sich mit den größeren Modelle einfach höhere Verkaufszahlen bei sehr hohen Preisen erzielen lassen. Die Kunden wollen eben große Bildschirme. Auch, wenn Apple-Ikone Steve Jobs das damals anders sah.Apple neue iPhones_11.40

Bessere Datenpolitik: Wikimedia: Daten sind das neue Grundwasser

Mit Hilfe einer «Datenpumpe» will der Verein Wikimedia für ein anderes Verständnis von Daten und eine bessere Datenpolitik werben. Bislang dominiere in der Datenpolitik die Frage, wer auf welche Weise damit Geld verdienen könne.

Das sagte John Weitzmann, Politik- und Rechtsexperte bei Wikimedia. Der Gedanke an das Gemeinwohl gehe dabei oft unter. Aber wem könnten öffentliche Daten nutzen und wie könnten sie geschützt werden? Daten seien nicht das «neue Öl», sagte Weitzmann. Sie seien vielmehr wandelbar wie das Grundwasser, ohne jemals verbraucht zu werden. Zur Visualisierung dieser Metapher präsentierte die gemeinnützige Organisation, die das Online-Lexikon Wikipedia unterstützt, ihren Eigenbau einer «Daten-Grundwasserpumpe» in Berlin.

Auf der Oberfläche des «Wasserbeckens» ist die Datenpumpe mit einem Display ausgestattet. Durch Handbetrieb des Schwengels werden dort ausgewählte Daten aus der freien Wissensdatenbank Wikidata aufgespült – auch für die entsprechenden Geräusche haben die Tüftler gesorgt. So erfährt man etwa anhand einer Weltkarte, wo die meisten Astronauten geboren wurden oder wie viele Flughäfen weltweit nach einer Frau benannt sind. Im Inneren des Beckens selbst arbeitet ein Computer, der über das WLAN auf die Datenbank zugreifen kann. Öffentliche Premiere soll das Gerät kommende Woche auf einer Netzpolitik-Konferenz in Berlin feiern.

Experten zu Videomaterial: Das Viadukt von Genua trotzte der Schwerkraft – der kühne Bau wurde zur Brücke in den Tod

Das Unglück von Genua schockte die Welt. Auf den ersten Blick sah es nach einer „italienischen Katastrophe“ aus. Eine vernachlässigte, alte Brücke, vermutlich Pfusch am Bau und Verdrängung der notwendigen Reparaturen. Tatsächlich war die Brücke alles andere als ein zusammengeschustertes Bauwerk. Von 1963 bis 1967 errichtete Riccardo Morandi die schönste Brücke seines Lebens. Das Polcevera-Viadukt war nicht weniger als ein Sinnbild des modernen Italiens, das das Elend der Nachkriegsjahre hinter sich gelassen hatte. Und doch brach der einstige Traum der Modernität in sich zusammen. Die „New York Times“ hat nun erstmals das Videomaterial einer Sicherheitskamera ausgewertet. Dieses Material wurde nicht veröffentlicht, der New York Times wurde es detailliert von zwei hochrangigen Mitgliedern der Untersuchungskommission geschildert.

Ablauf auf Video

Wie konnte es laut dem Videomaterial zu dem Unglück kommen? Zuerst brachen die Kabel in den südlichen Streben der Brücke, ohne den Stahl gaben die Streben nach. Einzelne Segmente der Straße begannen, sich zu senken. Die Fahrbahn selbst konnte ihr Gewicht nicht ohne die Streben halten. Sie begann zu zerbrechen und verlor damit ihren statischen Zusammenhang. Das Gewicht der Konstruktion belastete nun die nördlichen Streben, sie brachen unter der Belastung zusammen. Am Ende kollabierte der fast 100 Meter hohe Mittelturm.

Das Desaster begann also an den südlichen Streben. Genau dort hatte Carmelo Gentile, Professor für Bauingenieurwesen, im vergangenen Oktober Anzeichen von Korrosion und weiteren Schäden entdeckt. Er warnte den Betreiber, Autostrade per l’Italia, doch es wurde weder eine umfassendere Untersuchung durchgeführt, noch wurde die Brücke mit permanenten Warnsensoren ausgerüstet. Die Untersuchung befindet sich noch in einem frühen Stadium, sodass die „NYT“ nur vorläufige Erkenntnisse präsentieren konnte. Das Rumpeln, welches die Opfer vor dem Einsturz hörten, wird vermutlich von den reißenden Stahlseilen in den Stützen hervorgerufen worden sein, so Professor Gentile zu dem Blatt.

Die kühne Zeit des Aufbruchs

Die Brücke selbst war zu kühn, zu selbstsicher ausgelegt. Als sie in den 1960er Jahren gebaut wurde, machte das Viadukt von Genua den Designer Riccardo Morandi in Architektur- und Ingenieurkreisen auf der ganzen Welt bekannt. Heute urteilt Antonio Brencich, Professor für Bauwesen an der Universität Genua, im Gespräch mit der „FAZ“ nüchtern: „Diese Konstruktion verwendete Tragseile, die im Voraus zusammengepresst worden waren, nach einem Patent des Brückenarchitekten Riccardo Morandi. Das System wurde nur für wenige Brücken von Morandi benutzt und dann nie wieder. Diese Art des Brückenbaus war zum Scheitern verurteilt, man baute nur drei davon, und das will etwas heißen.“Genua LKW-Fahrer_11.35

Den Konstruktionen der damaligen Zeit folgend, wurden die tragenden Elemente auf wenige, prägnante Strukturen zurückgeführt. Der Brücke verlieh diese Architektur etwas Schwebendes, als würden tausende Tonnen von Stahl und Beton sich mühelos durch die Luft strecken. Sie bestand aus nur drei schmalen Türmen, von fast 100 Meter Höhe und an nur zwölf Stützen hing die Fahrbahn. Die Hamburger Köhlbrandbrücke, eine ebenfalls kühne Konstruktion aus den frühen 70er Jahren, vertraut auf immerhin 88 Stahlseile.

FS E 39 Norwegen Konstruktionen wie in Genua streiften die Limitierungen der Gesetze der mehr als tausendjährigen Architekturgeschichte ab. Es schien keine Grenzen für die Kombination von Stahl und Beton zu geben und für die Männer, die damit planten. Das waren ganz andere Visionen, als die Verhaue von Stahlstreben, aus denen die Brücken Ende des 19. Jahrhunderts angelegt worden sind. Und auch ganz anders als die Bauten der Römer, die von unglaublichen Mengen immer gleicher Bögen getragen wurden.

Die Selbstsicherheit dieser Architektur hat allerdings ein Problem: Versagt auch nur ein einzelnes tragendes Element, gerät die ganze Struktur in Gefahr.

In der Grundidee der Reduktion auf wenige kühne Elemente, war die Brücke von Genua herausragend, lag jedoch im Geist der Zeit. Erst später erkannte man die Gefahr einer Brücke, die nur so wenige Stützen hatte. Das führte zu zwei Problemen: Die Konstruktion hatte keine Redundanz und daher keine Reserven, sollte ein Teil ausfallen. Und zum anderen bestand der überspannende Teil der Brücke aus einem riesigen Element. Als sich tausende von Tonnen unkontrolliert in Bewegung setzten, hatten die Brücke und die Menschen auf ihr keine Chance mehr. Es dauerte nicht länger als drei oder vier Sekunden, bis die anderen Elemente der Brücke unter der Belastung zusammenbrachen. Andrew Herrmann, der ehemalige Präsident der American Society of Civil Engineers, beschrieb die Gefahr gegenüber der „NYT“ in drastischen Worten: „Wenn sie nur einen einzigen Halt verlieren, kommt die ganze Geschichte runter.“

Bei einem Viadukt der Römer wären bei einem Versagen eines tragenden Teils vermutlich nur ein paar Steine in die Tiefe gefallen, eventuell hätte ein Bogen nachgegeben und einen Karren mitgerissen. Das Viadukt als Ganzes wäre jedoch stehen geblieben.

Bau ohne Sicherheitsnetz 

Das ist der Preis der Kühnheit. Fatal wirkte ein weiterer Irrglaube der Ingenieure der Zeit. Sie nahmen an, dass Beton quasi ewig leben würde. Tatsächlich kann Beton Jahrtausende überdauern, das haben die Römer vorgemacht – etwa in der gewaltigen Kuppel des Pantheons. Die tragenden Stahlseile in Genua wurden daher von einer Betonhülle umgeben, sie sollte den Stahl vor Umwelteinflüssen schützen. Eine Vorstellung, die viele Stahlbetonbauten der Zeit leitete. Doch tatsächlich trotzt der heutige Beton Zeit und Witterung bei weitem nicht so, wie das Material, welches die Kaiser Trajan und Hadrian im Pantheon verwenden ließen.

Unser Beton erweist sich häufig als sehr anfällig. Vor allem, wenn Elemente aus Beton, wie die Streben in Genua Bewegungen und Schwingungen ausgesetzt sind. Anstelle von tausenden von Jahren bröselt das Material bereits nach 20 Jahren. Hier ließen Risse in der Betonhülle Wasser eindringen. Heute vermutet man, dass dieser Prozess wohl schon mit der Fertigstellung der Brücke begonnen hatte. Besonders tückisch: Die eigentlichen tragenden Seile waren im Beton verborgen, es konnte keine Sichtkontrolle stattfinden.

Dann geschah nichts

Doch Ende der 70er Jahre – kaum 15 Jahre nach der Fertigstellung – waren die Betonschäden bereits offensichtlich. 1979 und 1981 führte der Konstrukteur Morandi selbst Messungen durch und war der Meinung, dass Fahrbahn und Elemente der Türme beschädigt waren. Ende der 90er Jahre waren die Probleme am Ost-Turm so groß, dass die Stützen endlich saniert wurden. Aus bisher nicht bekannten Gründen wurden diese Arbeiten allerdings nie an den beiden anderen Türmen durchgeführt – weder damals, noch in den Jahren danach.

Erst 2017 wurde Professor Gentile mit einer Untersuchung betraut. Er maß die Schwingungsgeräusche der Brücke. An zwei Türmen fand er harmonische Klänge, die auf intakte Seile hindeuteten, im Südturm stieß er auf Missklänge, die Seile klangen wie beschädigte Saiten. Er empfahl, die Brücke dauerhaft mit Sensoren auszustatten und zusätzliche Studien durchzuführen, doch die Firma, die ihn beauftragt hatte, meldete sich nie wieder bei ihm.Genua Heftstück 7.34 Uhr

Apple: iPhone XS und XR: Für wen lohnen sich die neuen iPhones?

Seit gestern ist die Welt um drei neue iPhone-Modelle reicher. Das iPhone XR, das iPhone XS und das iPhone XS Max sind schick, schnell – und zum Teil extrem teuer. Ab Freitag den 14. September kann man das iPhone XS und das iPhone XS Max vorbestellen, das iPhone XR folgt erst im Oktober. Natürlich sind die neuen iPhones die schnellsten und besten auf dem Markt, soviel ist klar. Aber sie sind eben auch die teuersten Smartphones auf dem Markt. Wir erklären, für wen sich der Kauf lohnt – und wer sein Geld lieber behalten sollte.

Zunächst einmal der offensichtlichste Tipp: Wer ein iPhone X besitzt, mit Größe und Performance zufrieden ist und nicht dringend das neueste Apple-Smartphone braucht, kann sich den Kauf sparen. Alle neuen Modelle orientieren sich klar an Apples Spitzenmodell vom letzten Jahr, das iPhone XS ist sogar der direkte Nachfolger im gleichen Gehäuse. Ein echtes Plus gibt es für iPhone-X-Besitzer nur, wenn sie auf die verbesserte Leistung des neuen A12-Chip angewiesen ist, eine noch bessere Kamera benötigen – oder ein größeres Display möchten. In den ersten beiden Fällen lohnt sich das iPhone XS, im letzteren kommt man am iPhone XS Max nicht vorbei. iPhone XS Max Handson_9.45

Wie groß soll es sein?

Alle anderen müssen schon mehr Faktoren abwägen. Ist man bisher iPhone-Nutzer, könnte alleine das deutlich größere Display ein Kauf-Grund sein – oder ein Gegenargument. Nachdem letztes Jahr das iPhone X mit 5,8 Zoll das größte iPhone-Display aller Zeiten bekam, bringt dieses Jahr das iPhone XS mit der gleichen Diagonale unter den drei Neulingen den kleinsten Bildschirm mit. Mit 6,1 Zoll (iPhone XR) und 6,5 Zoll (iPhone XS Max) sind die anderen beiden Modelle ein gutes Stück größer. Wer also auf ein großes Display wartete, hat nun die volle Auswahl.

Genau das Gegenteil trifft auf potenzielle Kunden zu, die kleinere Displays bevorzugen. Sie bekommen dieses Jahr nicht nur kein neues iPhone angeboten, sondern sogar eines gestrichen. Das kleine iPhone SE ist seit gestern aus dem Angebot verschwunden. Wer nun ein halbwegs aktuelles iPhone unter 5 Zoll möchte, muss beim iPhone 7 oder iPhone 8 zuschlagen.Apple iPhone XS Apple Watch Series 4 Event

Analyse Rieseniphones_10.30Genug Leistung für alle

Von der reinen Performance betrachtet sind die neuen iPhones für absolut jeden Smartphone-Nutzer ein Upgrade. Der neue in allen drei Modellen verbaute A12-Chip soll noch deutlich schneller sein als der A11. Und der wurde schon von keinem Android-Smartphone erreicht. Im Alltag dürfte man von das Plus an Performance allerdings nicht unbedingt spüren, auch ältere iPhones oder gute Android-Smartphones schaffen die meisten Aufgaben längst mühelos. Die zusätzliche Leistung soll allerdings in Bezug auf Künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten bieten. 

Die sollen etwa bei der Kamera deutliche Verbesserungen bringen. Neben einem neuen Bildsensor hat Apple seine Knipsen nämlich vor allem softwareseitig verbessert. Durch clevere Nachbearbeitung sollen die Bilder noch plastischer, kontrastreicher und schärfer werden. Ob das stimmt, muss ein Test zeigen. Erfahrungsgemäß gehören die iPhone-Kameras aber zu den besten, wer wegen der Kamera den Kauf eines der neuen Geräte erwägt, dürfte also zufrieden sein. Alternativ könnte man sich aber Konkurrenten wie das Huawei P20 Pro oder das kommende Pixel 3 ansehen. Wichtig: Nur die XS-Modelle haben eine Doppelkamera und erlauben optischen Zoom.

Als Alleinstellungsmerkmal hat das iPhone XR seine große Farbpalette vorzuweisen: Mit Schwarz, Weiß, Rot, Gelb, Blau und dem knallig-orangen Farbton Koralle hat das XR so viel Farbauswahl wie lange nicht mehr. Wer unbedingt ein gelbes Smartphone braucht, dürfte sonst wenig Auswahl haben. Bei den beiden iPhone XS ist ein Goldton als neue Farbvariante hinzugekommen.

Die teuersten iPhones aller Zeiten

Bei den Preisen trennt sich allerdings die Spreu vom Weizen: Zwischen 849 Euro und 1649 Euro verlangt Apple für seine neuen iPhones – und reißt so tiefe Löcher ins Portmonee (Hier finden Sie alle Preise in der Übersicht). Zum Vergleich: Selbst Samsungs gerade erschienenes Spitzen-Smartphone Galaxy Note 9 (hier bei uns im Test) gibt es teilweise bereits für unter 800 Euro. Andere Topgeräte wie das Galaxy S9 (ab etwa 500 Euro) oder das Huawei P20 pro (ab etwa 580 Euro) kosten noch weniger. Bis die neuen iPhones günstiger werden, dürfte es noch dauern. Wie lange, erklärt dieser Artikel. Rein preislich sind Apples neue iPhones also nicht zu empfehlen.Apple Watch Handson 7.40 Uhr

«Bessere Plattformen verdient»: Rocksänger Michael Stipe will nicht mehr auf Instagram sein

Der einstige Leadsänger der Rockband R.E.M., Michael Stipe, will nicht länger auf Instagram sein. «Es war lustig und albern und manchmal klug», schrieb Stipe (58, «Losing My Religion») am Mittwoch zu zwei kurzen Videoclips mit zirpenden Zikaden. «Ich behaupte, dass wir bessere Plattformen verdienen, um uns auszudrücken und zusammenzukommen.»

Er wünsche sich öffentliche und private Räume, in denen «wir uns treffen und miteinander reden können». Seinen Followern gibt er mit auf den Weg, sie sollten wählen gehen, um gehört zu werden. «Stelle alles in Frage, nichts ist echter außer das Offensichtliche. Stelle sogar das in Frage.»

Er wisse, dass jemand bald eine Plattform der nächsten Stufe präsentieren werde – «und ich kann es kaum erwarten, wieder an dem Gespräch teilzunehmen». Viele Fans äußerten Verständnis, zeigten sich aber auch traurig über Stipes Entscheidung.

Der Musiker hatte Ende August in der BBC angekündigt, sich aus dem Netzwerk Instagram zurückzuziehen. Er begründet dies damit, dass Medienplattformen «verändern, wie wir aufeinander zugehen und wie wir uns mit Problemen auseinandersetzen».

Die Politik sei davon geformt worden, jedenfalls in den USA. «Wir haben einen Oberbefehlshaber, der, statt Interviews von Angesicht zu Angesicht zu führen, lieber nur twittern möchte, was ich abstoßend und herablassend finde», sagte der 58-jährige Stipe, dem bei Instagram 113.000 Menschen folgten, über US-Präsident Donald Trump.