Speicher-Türme : Haben Schweizer das größte Problem sauberer Energie gelöst?

Gas- und Kohlekraftwerke können genau dann in der Leistung hochgefahren werden, wenn besonders viel Strom benötigt wird. Sinkt der Verbrauch, produzieren sie weniger Energie.  Bei der sauberen, erneuerbaren Energie ist das leider nicht so. Solarstrom gibt es, wenn die Sonne scheint, abends sieht es mit der Energieerzeugung im wahrsten Sinne zappenduster aus. Ähnlich die Windenergie: Bei Flaute stehen ganze Parks still.

Öko-Strom ist billiger 

International können Windkraftwerke inzwischen Energie billiger herstellen als fossile Kraftwerke. Die größte Frage der Energiewende lautet daher: Wie kann man diese natürliche Energie speichern? Angedacht im Labor sind zahlreiche Varianten. Im großen Maßstab erprobt ist nur eine einzige: Überschüssige Energie wird verwandt, um spezielle Wasserkraftwerke rückwärts laufen zu lassen. Sie pumpen Wasser in einen hoch gelegenen Stausee, bei Strombedarf stürzt dieses Wasser dann zu Tal, und treibt die Turbinen des Kraftwerks an. Fusion 10.43

Meister dieser Technik sind die Schweizer, denn dort gibt es zahlreiche hoch gelegene Stauseen, die sich eignen, diese Energie zu speichern. Wie kann man dieses Prinzip nutzen, wenn kein Gebirge und kein See vorhanden ist, fragte sich die Schweizer Firma Energy Vault und präsentiert eine Lösung für das globale Problem: Es ist ein gigantischer Turm in dem riesige Metallblöcke an Kabeln bewegt werden. Das Video demonstriert das System. Video

Erstaunliche Leistungsdaten

Mit der Windenergie werden die Blöcke in die Höhe gehievt, dann werden sie an Stahlseilen wieder herabgelassen und aus ihrer Fallenenergie erneut Strom gewonnen.  Die Speicherenergie des Systems ergibt sich aus Gravitationskraft, Fallhöhe und Masse der Blöcke. Bewegt wird das Mobile aus Quadern von einem sechsarmigen Kran. Der Turm ist 33 Stockwerke hoch und benötigt die Fläche eines Fußballfeldes. Insgesamt werden 5000 Betonblöcken bewegt. Das ganze wird von Algorithmen gesteuert, damit die Lade- und Entladebewegung möglichst effizient ablaufen.

Weiterer Vorteil des Systems: „Diese Türme werden typischerweise in der Nähe von Windparks oder Solaranlagen errichtet“, sagte Robert Piconi, der Geschäftsführer von Energy Vault, zu „Tech Crunch„. Der Strom muss also nicht über das Netz an einen entfernten Speicherort gebracht werden. Ebenso speist der Turm seine Energie über den vorhandenen Anschluss des Windparks in das Stromsystem ein.

„Vor einigen Jahren wurde uns klar, wie wichtig die Speicherung sein würde“, so Piconi. Die drei Gründer untersuchten mehrere Wege, um die Idee mit den Stauseen auf andere Materialien zu übertragen. „Wir haben uns zuerst einen Stahlturm angesehen, aber das war zu teuer. Wir dachten dann daran, Wasser in einem Turm zu pumpen, aber dort hatten wir Effizienzprobleme. Dann erst kamen wir zu den Betonsteinen und dem Kran.“Teure Wissenschaftprojekte 20.15h

Ein einzelner Turm hat eine Kapazität von 35 Megawattstunden, dabei kann er eine Leistung von 4 Megawatt abgeben. Die Latenz ist sehr kurz. In nur Millisekunden startet der Turm, in 2,9 Sekunden kann der Turm seine Abgabe auf 100 Prozent hochfahren. Das Hochheben und Absenken der Blöcke und die Verwandlungskette von Strom zu gespeicherter Energie zu Strom soll laut Energy Vault sehr wenig Verluste mit sich bringen. Die Firma gibt eine Effizienz von 90 Prozent an.

Höhere Lebensdauer als Akku-Technik

Ein weiterer Vorzug des Systems ist die lange Lebenszeit von 30 bis 40 Jahren. Die lange Lebensdauer ist wichtig, damit ein Speichersystem überhaupt einen vertretbaren ökologischen Fußabdruck hinterlässt. Ein moderner Lithium-Ionen Akku hält zwar auch bis zu 15 Jahren, verträgt aber nur etwa 1000 Ladezyklen, bevor seine Leistung merklich abfällt. Im Betrieb so einer Anlage wäre der Akku nach drei Jahren verschlissen. 

Die Energie-Türme sind mehr als nur eine Planungsidee. Neben dem Hauptsitz des Unternehmens in Lugano steht eine kleine Demonstrationsanlage, um Kunden die Machbarkeit zu zeigen. Das erste 35-MWh- System soll 2019 in Indien für The Tata Power Company eingesetzt werden. Damit kann der Tagesbedarf von 35.000 Vier-Personen-Haushalten komplett zwischengespeichert werden. 

Das System ist vergleichsweise billig. Ein Turm soll höchstens acht Millionen Dollar kosten. Energy Vault und der Geldgeber Idealab Inkubator aus Pasadena, Kalifornien, gehen von einer stürmischen Geschäftsentwicklung aus. Geschäftspartner Cemex, einer der größten Zementhersteller der Welt, sieht in den Türmen eine „disruptive“ Technologie, die die Spielregeln der Energieherstellung grundlegend ändern wird. In den nächsten zwei Jahren sollen zwischen 500 MWh und einem GWh Speicherkapazität gebaut werden. Das entspricht 14 bis 29 Türmen. Windkraft Vögel

Rüstung-Technik : Militärpannen 2018: Durchlöcherter Flugzeugträger, Fregatten auf Irrfahrt und ein Schusswechsel im Hangar

In den Werbevideos des Militärs funktionieren Soldaten und Ausrüstung stets mit tödlicher Präzision. In Wirklichkeit rammt eine moderne Fregatte einen unbeweglichen Tanker, ein Kran plumpst auf einen Flugzeugträger und ein Mechaniker zerschießt aus Versehen einen Kampfjet.

«Gefährliche Illusionen»: Trendforscher Horx: Künstliche Intelligenz wird überschätzt

Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx hält das Thema Künstliche Intelligenz für ziemlich überschätzt. Es sei «eine Art Fetisch geworden – ein Hype, der gefährliche Illusionen schafft».

«Die meisten realen Probleme sind viel zu komplex und «lebendig», als dass sie von Datensystemen gelöst werden können», sagte der Soziologe und Leiter des Zukunftsinstituts in Frankfurt am Main in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Das gelte auch fürs autonome Fahren.

Es sei Zeit für eine «digitale Ehrlichkeit»: «Computer und Roboter können weder die Pflege regeln, noch Armut mildern, noch den Verkehr entstauen. Dazu brauchen wir intelligentere soziale, humane Systeme.»

Die Social-Media-Kanäle sieht Horx in einer digitalen Krise. «Die sozialen Medien machen Menschen süchtig nach sozialer Bestätigung. Der «Like»-Button wirkt auf die Seele etwa so wie Zucker auf den Organismus», sagte er. «Aber das sind leere seelische Kalorien. Sein Leben auf dem Netz auszubreiten, führt irgendwann zu einem Selbstdarstellungs-Narzissmus, der schnell in Depression und Selbstzweifel umkippt.»

Hinzu kämen in den Sozialen Netzwerken Hass und Angriffe auf die Demokratie. «Deshalb verlieren Facebook und Co. derzeit viele Millionen Nutzer. Der Höhepunkt der digitalen Illusion ist überschritten, jetzt geht es um eine neue Phase, eine humanistische Digitalisierung», sagte Horx.

Der Forscher sieht auch einen Trend zur radikalen Ehrlichkeit. Firmen versuchten, radikal ehrlich mit sich selbst und ihren Mitmenschen umzugehen. «Dazu gibt es bereits eine gleichnamige Psychologiebewegung, aber auch in den Firmenstrategien wird der Trend sichtbar, besonders nach den Erfahrungen mit den Banken und dem Dieselskandal. Immer mehr Firmen überprüfen ihre ökologische, kommunikative, substanzielle Glaubwürdigkeit. Weil sie sonst schweren Schiffbruch erleiden», befand Horx. Als Beispiele nannte er die Deutsche Bank oder VW. «Ehrlichkeit ist aber wahnsinnig schwer, weil wir den ganzen Tag damit beschäftigt sind, uns selbst und anderen etwas vorzumachen.»

Horx hofft nach eigener Aussage darauf, dass im neuen Jahr statt «Hysterie- und Populismus-Themen wie «Terror/Armut/Migration»» positive Faszinations-Themen hervorkommen. «Im Jahr 2019 jährt sich die Mondlandung zum 50. Mal. Ich kann mir vorstellen, dass eine neue Weltraumsehnsucht aufkommt, ein Space Age 2.0. Menschen suchen wieder den Weg ins Offene», sagte er.

Der sehr heiße Sommer 2018 habe vielen Menschen klargemacht, dass die globale Erwärmung etwas in deren Leben verändere. «Vor allem Jüngere sind heute änderungsbereiter denn je, was Ernährung, Lebensstil und Mobilität betrifft», sagte Horx. «Und sie haben auch Lust auf diese Veränderung, nicht nur Angst oder Unwille. Es wird in den nächsten Jahren eine neue Jugendrevolte mit ökologischen Themen geben.»

Der Zukunftsforscher sieht zudem eine Bewegung in Richtung Landleben: «Das ist die progressive Provinz: Nach dem Trend in die Städte geht es in der nächsten Phase wieder zurück aufs Land, in Regionen, die sich weltoffen und kreativ zeigen», sagte er.

Chaos Communication Congress: Mit dem Tretroller in den Hackerspace

Die Welt ein bisschen besser zu machen, gehört seit jeher zum Anspruch der Hackerszene, die sich vier Tage lang auf dem Leipziger Messegelände tummelt.

Mal geht es um die Rettung der Demokratie in den USA, mal um die Not von Flüchtlingen im Mittelmeer oder um die Freiheit der Wissenschaft. Der Chaos Computer Club (CCC) hat zum 35. Mal gerufen – und Tausende strömen am Donnerstag zum Chaos Communication Congress, kurz 35c3 genannt. Damit die Weltverbesserung nicht zu anstrengend ist, darf der Spaß nicht zu kurz kommen.

So haben einige Hacker Tretroller dabei, um sich im ausgedehnten Messegelände schnell von einer zur anderen Halle bewegen zu können – zum nächsten Vortrag, hier schlicht Talk genannt, oder zum Workshop, um endlich einmal richtig löten zu lernen. Auch CCC-Sprecher Linus Neumann kurvt mit einem Tretroller herum, an dessen Unterseite ein kleiner Controller farbige Lämpchen zum Leuchten bringt.

Einplatinen-Computer wie der Arduino oder der Raspberry Pi liegen auf den Tischen im Hackerspace, in dem sich etliche Werkstatt-Ecken für die elektronischen LED-Kunstwerke eingerichtet haben. Programmiert wird hier mit Skriptsprachen wie Python, einfach zu erlernen und mit sofort vorzeigbaren Ergebnissen. Einiges mehr an Aufwand hat Tim Drocki betrieben, um einen 3D-Drucker zu entwickeln, der einen Flaschenhalter mit dem Emblem des Kongresses produziert. Der muss dann natürlich um eine Flasche mit Mate gelegt werden – die Koffein-Limo ist für Hacker immer noch das erste Getränk der Wahl.

Florian ist aus Nürnberg gekommen, wo er sich in der Computergruppe K4 engagiert, kurz K4CG genannt. «Mir geht es vor allem ums Lernen und um Verbindungen zu Menschen aufzubauen», sagt der 18-Jährige. Sein eigenes Projekt ist die Arbeit an einem Notebook, auf dem er das Unix-System OpenBSD eingerichtet hat und nun weiterentwickeln will. «Ich möchte das System noch besser verstehen.»

Wummernde Bässe eröffnen den Kongress, dann verkündet eine Computerstimme das diesjährige Motto: «Refreshing Memories» – die Szene will Kraft aus ihrer eigenen Geschichte schöpfen. Zwei junge Hacker, die sich nur als rufus und rixx vorstellen, stimmen die Menschen in der voll besetzten Halle auf das viertägige Treffen ein.

Jetzt hätten alle «das heilige Fest des Computerreparierens» hinter sich gebracht – an Weihnachten waren viele findige Talente in der Familie gefordert, um beispielsweise den Eltern technische Unterstützung zu geben; jetzt aber sei wieder «Kongresszeit». Rufus fordert die mehr als 16 000 erwarteten Teilnehmer auf, sich Gedanken zu machen, «wie wir den Planeten vom Abgrund wegrollen können».

Nichts weniger als die Lösung der Klimakrise stellt denn auch die Meteorologin und Bibliothekswissenschaftlerin Claudia Frick vom Forschungszentrum Jülich in den Mittelpunkt ihres Vortrags. Man stelle sich vor, jemand habe diese gefunden und wolle das Forschungsergebnis in einer Fachzeitschrift publizieren, führt Frick aus und spannt einen Bogen zur Forderung nach «Open Access», dem ungehindertem Zugang zu Forschungsergebnissen, für die alle Steuerzahler mit der öffentlichen Förderung der Hochschulen ohnehin schon gezahlt hätten.

Das offene Teilen von Erkenntnissen ist ein Kern der Hackerethik, deren Erneuerung ebenfalls auf der Tagesordnung des ersten Kongresstages steht. Die ersten dieser Leitlinien hat der Journalist Steven Levy 1984 veröffentlicht. Es lohne sich, diese Grundlagen für den schöpferisch-kritischen Umgang mit Technologie für die aktuellen Herausforderungen anzupassen, sagt CCC-Sprecher Frank Rieger in einem Vortrag.

Der 47-jährige Hacker und Autor trifft auf dem Kongress viele junge Gesichter. Mit Schulprojekten und einem Junghackertag wendet sich der CCC gezielt an Jüngere. Erstmals bekommen Einsteiger in «foundation talks» Grundlagen vermittelt – aber auch erfahrene Besucher können dort ihr Wissen auffrischen.

Ökotest: Böse Überraschung: Nur ein einziger Staubsauger reinigt Teppiche und harte Böden gut

Die Hersteller träumen zwar davon, dass in Zukunft nur noch Roboter-Sauger und Akkugeräte im Einsatz sind. Tatsächlich haben die Sauger ohne Stecker derzeit aber noch deutlich zu wenig Power. Entweder hapert es an der Saugkraft oder sie halten nicht lange durch.

Wer viel Schmutz in die Wohnung trägt, sei es durch Kinder, Hunde oder einen Garten, kommt an einen Staubsauger mit Kabel derzeit nicht herum. Die Zeitschrift „Öko-Test“ hat daher zwölf Geräte getestet – sechs davon mit Beutel, sechs ohne. Wie bei den Öko-Testern zu erwarten wurden bei den Testergebnissen besonderer Wert auf eine ökologische Verträglichkeit gelegt. Dazu zählt aber nicht allein ein geringer Stromverbrauch, auch die Lautstärke, die Hygiene und die Filterleistung in Sachen Feinstaub waren wichtig.

Schwachstelle Saugen

Zentraler Punkt ist das Saugergebnis auf verschiedenen Böden. Zusammen macht das Thema Saugen 50 Prozent des Testergebnisses aus. Doch ein Gut beim Saugen schafften nur vier von zwölf Geräten – darunter nur ein Sauger ohne Beutel.AR Warentest Akkusauger_13Uhr

Die Geräte scheiterten schon an simplen Aufgaben, etwa Reis und Linsen von einem harten Boden aufzusaugen. Einige Sauger saugten 95 Prozent davon auf, andere ließen die Hälfte liegen. Auch beim Thema Feinstaub gab es unangenehme Überraschungen, viele Sauger spuckten weit mehr Staub aus als sie dürften, wenn man nach der Einstufung geht. Weiteres Problem: Nur ein einziger Sauger erzielte auf Hart- und Teppichböden zugleich gute Ergebnisse.

Nur ein wirklich guter Sauger

Testsieger wurde der Miele Complete C3 Total Care Eco Line SGJP3. Das Gerät kostet stolze 281 Euro. Es bietet einen geringen Stromverbrauch und erreicht die Bewertung 2,5 beim Thema Saugen. Das beste Gerät glänzt auf Hartboden, fährt auf Teppich aber nur eine befriedigende Note ein.

Mit der Note 1,8 liegt das drittplatzierte Gerät in der Disziplin Saugen deutlich vor dem Testsieger. Der Siemens Q 8.0 Autocontrol VSQ8AC342 ist das einzige Gerät, das auf Hartboden und Teppich entweder sehr gut oder gut abschneidet. Dafür verraucht es etwas mehr Strom. Der Sauger von Siemens kostet aber auch 309 Euro.

Den detaillierten Test mit allen Ergebnissen können Sie hier bei „Ökotest“ gegen Gebühr einsehen.

Staubsauger 20.00