Konkurrenz für Echo und Sonos: Apples Homepod im Test: Der Siri-Lautsprecher klingt großartig – aber reicht das?

Mehr als ein Jahr hat es gedauert, seit Montag ist Apples HomePod in Deutschland erhältlich. Mit der Siri-Box – quasi ein iPod für die eigenen vier Wände – will Apple auf dem umkämpften Markt der Sprachlautsprecher mitmischen: Platzhirsch ist seit Jahren Amazon mit seiner Echo-Familie, zweitgrößter Player ist Google mit seinen Home-Modellen. Der Markt der Netzwerk-Lautsprecher wird wiederum von Sonos dominiert.

Obwohl Apple ein paar Jahre zu spät zur Party erscheint, gibt man sich selbstbewusst:  „Wir wollen das Musikhören zuhause neu erfinden“, verkündete Marketing-Chef Phil Schiller vollmundig im vergangenen Jahr. Unser Test verrät, ob das gelungen ist und wie sich der HomePod im Alltag schlägt. Denn mit 349 Euro ist er einer der teuersten Smart Speaker am Markt.

Optik und Einrichtung

Beim Auspacken fällt auf: Apples HomePod ist mit 17,2 x 14,2 Zentimeter ziemlich kompakt. Und er ist schwer: Fast 2,5 Kilogramm bringt er auf die Waage, rund 700 Gramm mehr als der ähnlich große Sonos One. Im Inneren verbirgt sich aber auch mehr Technik (dazu später mehr). Homepod-11

Während die meisten Hersteller auf Plastikgehäuse setzen, wählt Apple ein feinmaschiges Netzgewebe, das dem Lautsprecher ein elegantes Äußeres verleiht. Den HomePod gibt es in zwei Farben, Schwarz und Weiß. Auf der Oberseite befindet sich ein Touch-Display, auf der Rückseite kommt ein 1,90 Meter langes Stromkabel aus dem Gehäuse. Einen Ein/Aus-Schalter gibt es nicht. Im Standby zieht der HomePod sparsame 1,6 Watt (Sonos One: 3,8 Watt). Der Silikonstanduß sorgte nach dem Marktstart in den USA für Schlagzeilen, weil er auf Holzmöbeln weiße Ringe hinterließ. Wir konnten nach einer Woche nichts dergleichen feststellen. Wer sichergehen will, sollte einen Untersetzer oder eine Nicht-Holzoberfläche wählen.

Die Einrichtung ist kinderleicht, man benötigt jedoch zwingend ein iPhone oder iPad mit iOS 11.2.5 oder neuer. Das iOS-Gerät hält man mit eingeschaltetem Bluetooth neben den Lautsprecher, anschließend beantwortet man ein paar Fragen (wo steht der HomePod, will man auf Nachrichten, Notizen oder Erinnerungen zugreifen etc.). Praktisch: Zugangsdaten für das Wlan-Netzwerk zieht sich der Lautsprecher direkt vom iPhone/iPad. Zwischen Auspacken und der ersten Musikwiedergabe vergehen keine fünf Minuten, hier punktet Apple mit Einfachheit.Homepod-4

Bedienung und Musikwiedergabe

Die Sprachsteuerung des HomePod aktiviert man auf zwei Arten: Entweder tippt man auf das Display, sobald Siri aktiviert ist, leuchtet ein farbiger, wabernder Kreis. Alternativ ruft man „Hey Siri“. Anschließend gibt man die üblichen Befehle, die man vom iPhone kennt. Allerdings werden noch nicht alle unterstützt: Das Erstellen von Erinnerungen, das Versenden von Nachrichten oder das Führen von Telefonaten klappen problemlos, Termine lassen sich auf dem HomePod jedoch noch nicht in den Kalender eintragen. Das wird Apple bald per Update nachliefern.

Der HomePod selbst bezieht sämtliche Songs ausschließlich aus dem Streamingdienst Apple Music, per AirPlay aus iTunes oder der eigenen iCloud-Mediathek. Die mehr als 500.000 iTunes-Podcasts werden ebenfalls unterstützt. Konkurrierende Streamingdienste wie Deezer, Spotify oder Tidal können hingegen nicht nativ per Sprachbefehl gestartet werden. Wer diese Dienste abonniert hat, muss die Musik via AirPlay auf den Siri-Lautsprecher streamen – Bluetooth wird nicht unterstützt. Schade: Radiosender via TuneIn können ebenfalls nicht per Sprachbefehl gestartet werden. Fragt man nach einem Radiosender, bekommt man nur den firmeneigenen Sender Beats1 zu hören. 

Wünschenswert wäre, dass Apple seinen Sprachlautsprecher in Zukunft weiter öffnet. Denkbar wäre ein eigener App Store mit Anwendungen wie Amazons Hörbuchdienst Audible oder dem Fahrdienst myTaxi. Ähnliches bietet Amazons Echo mit seinen Skills.Homepod-Galerie

Sound

Kommen wir nun zum Wichtigsten: dem Klang. Und der ist brillant. Es ist erstaunlich, was Apples Ingenieure aus so einem kleinen Lautsprecher herauskitzeln. Verantwortlich für den vollen Klang sind sieben kreisförmig angeordnete Hochtöner, die 360-Grad-Sound liefern sowie der darüber verbaute, nach oben gerichtete Tieftöner. Im Echo stecken gerade einmal ein Subwoofer und ein Hochtöner. Klanglich trennen den HomePod Welten von einem Echo oder Google Home.

Doch auch im Vergleich mit einem Sonos One (229 Euro) hat die Siri-Box eindeutig die Nase vorn. Der Bass bei Jason Derulos „Want to Want Me“ drückt kraftvoll, ohne Details zu übertönen. Adeles „When We Were Young“ klingt, als würde sie bei einem Privatkonzert nur ein paar Meter entfernt stehen. Mark Knopflers Gitarrensolo in „Redbud Tree“ passt perfekt zu seinem rauchigen Timbre. Auch Queens „Bohemian Rhapsody“ – mit seinen A-Cappella-Passagen, Gitarrenriffs und Klaviermusik ein komplexer Allrounder – meistert der HomePod ohne Ausfälle.

Wer zwei Exemplare besitzt, kann diese zu einem Stereopaar koppeln und den Sound somit noch verbessern. Dank des mit iOS 11.4 eingeführten Funkstandards AirPlay 2 ist auch eine Multiroom-Wiedergabe möglich. Damit kann man zu Hause raumübergreifend dieselben Songs streamen oder in jedem Raum andere Musik abspielen lassen. Eine ähnliche Technik beherrschen aber auch Konkurrenten wie Sonos und Raumfeld.Homepod-7

Beamforming

Ein Alleinstellungsmerkmal ist die Beamforming-Technik, durch die der HomePod den Klang an seine jeweilige Position anpasst. Denn so sehr die Ingenieure den Sound eines Lautsprechers im Labor auch optimieren – am Ende kommt es darauf an, wo er platziert wird. Steht er frei auf einem Tisch oder eingepfercht in einer Ecke? Schlucken schwere Gardinen die hohen Frequenzen? Um das herauszufinden hören sechs Mikrofone im HomePod nicht nur auf das Codewort „Hey Siri“, sondern empfangen und analysieren permanent Schallwellen. Der verbaute A8-Prozessor (der etwa auch das iPhone 6 antreibt) misst so den Raum aus und passt daraufhin in Echtzeit den Klang der Lautsprecher und des Subwoofers an.

Das klingt trivialer als es ist: Bei Sonos (dort heißt die Technik TruePlay) muss man etwa vor der ersten Inbetriebnahme eine solche Messung mit einem iPhone durchführen und dabei den gesamten Raum ablaufen, Yamaha-Systeme benötigen ein spezielles Mikrofon und eine aufwendige Prozedur. Beim HomePod muss sich der Nutzer dagegen um nichts kümmern, alles passiert im Hintergrund.

Der Frequenzverlauf wird auch an die Lautstärke angepasst: Läuft der HomePod sehr leise, werden Bass und Höhen stärker betont, wodurch der Sound wuchtiger klingt – Beats lässt grüßen. Ein weiterer Trick: Steht der HomePod nah an einer Wand, werden die Klanginformationen unterschiedlich ausgegeben: Stimmen und Gitarren werden frontal ausgespielt, weniger wichtige Klangelemente und Hintergrundgeräusche (etwa Applaus) werden über die Wände ausgegeben und dort reflektiert. Das gesamte Prozedere läuft innerhalb der ersten Sekunden der Musikwiedergabe vollautomatisiert ab. Die Technik hat sich Apple in mehreren Patenten sichern lassen.

Händisch kann man die Klangcharakteristik übrigens nicht anpassen – auch nicht, wenn man Musik via AirPlay 2 überträgt.Homepod-10

Siri

Erfreulich gut funktioniert die Spracherkennung der Mikrofone: Der Befehl „Hey Siri“ wird auch auf mehrere Meter Entfernung trotz Babygeschrei (und es war wirklich laut) zuverlässig erkannt , akkurater als bei einem ähnlich weit entfernten Echo. Zudem gibt es seltener Fehlalarme wie bei Alexa, die jedes Mal anspringt, wenn nur etwas ähnlich Klingendes gesagt wird. Befinden sich mehrere Apple-Geräte im Raum, springen übrigens alle auf das Codewort „Hey Siri“ an und aktivieren den Bildschirm. In der Regel antwortet der HomePod, es sei denn, es geht um eine nicht unterstützte Funktion, dann übernimmt automatisch das iPhone/iPad. Clever!

Ansonsten ist clever kein Attribut, das man mit der deutschsprachigen Siri in Verbindung bringen würde. Sie kann keine echten Gespräche führen und keine komplexen Zusammenhänge erkennen. Apples Sprachassistentin kann weder Rezepte aus dem Internet heraussuchen noch eine Serie auf dem Apple TV wiedergeben – eine Aufgabe, die für Amazons und Googles Geräte mittlerweile eine Selbstverständlichkeit sind. Siri kann auch (noch) keine verschiedenen Stimmen unterscheiden. Das kann zum Problem werden: Erlaubt der Besitzer dem HomePod den Zugriff auf iMessages, kann sich jeder X-Beliebige im gleichen Haushalt die Nachrichten vorlesen lassen. Apple, bitte nachbessern!

Alle Daten und Anfragen werden laut Apple übrigens verschlüsselt auf die Server übertragen und können keiner Person zugeordnet werden. Das Bekenntnis des Unternehmens zum Datenschutz ist in vielerlei Hinsicht ein Pluspunkt, vor allem bei einem Gerät, das permanent in den eigenen vier Wänden mithört. Doch während die Konkurrenz ihre Assistenten unermüdlich mit neuen Daten speist, kommt Siri deshalb nicht so recht voran. Sie ist und bleibt Apples größte Baustelle. Man darf gespannt sein, wie sich die Änderungen in iOS 12 (unter anderem die Shortcuts-App) auswirken werden.

Smart Home

Die meisten Menschen dürften den HomePod als Musikabspielgerät verwenden. Als Nebenjob lässt sich die Siri-Box aber – ebenso wie ein Apple TV oder ein iPad mit angeschlossenem Netzteil – als Schaltzentrale für die Smart-Home-Plattform HomeKit einsetzen. So kann man unterwegs mit kompatibler Hardware das Licht ausmachen oder die Heizung hochfahren, indem man die passenden Siri-Befehle ins iPhone spricht. 

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Fazit: Toller Klang, aber noch nicht flexibel genug

Gut gefallen hat uns beim HomePod die simple Einrichtung, der sehr gute Klang und die sensible Spracherkennung. Man merkt, dass bei Apple weniger die smarten Features, dafür mehr die intuitive Bedienung und der Sound im Vordergrund stehen. Das ist für ein Unternehmen, das Musik als wesentlichen Teil seiner DNA begreift und sich an den Mainstream richtet, nachvollziehbar. Zumal die meisten Menschen ihre Sprachlautsprecher nicht für komplexe Anfragen sondern simple Alltagsdinge nutzen, wie eine Studie zeigt: Allgemeine Fragen beantworten, Musik abspielen, den Wetterbericht vorlesen, einen Timer stellen, das Smart Home steuern, Nachrichten vorlesen. Das meiste davon kann man mit Siri problemlos erledigen, der cleverste Lautsprecher am Markt ist der HomePod aber definitiv nicht.

Luft nach oben gibt es in punkto Konnektivität. Mit einem eigenen App Store, mehr unterstützten Streamingdiensten, Bluetooth und einer Android-App würde Apple zu Sonos und Co. aufschließen. Der HomePod klingt toll – doch um den Markt der Smart Speaker aufzurollen, muss Apple nachlegen.

Kaufempfehlung

Der HomePod ist wie kaum ein anderes Gerät auf das Apple-Ökosystem ausgerichtet. Insofern ist der Lautsprecher eine gute Ergänzung, wenn man bereits mehrere Apple-Geräte und -Dienste nutzt und Wert auf guten Klang legt. Mit 349 Euro ist er allerdings kein Schnäppchen.

Wer dagegen nicht nur Apple-Geräte zuhause besitzt oder eine größere Flexibilität erwartet, sollte sich bei der Konkurrenz umsehen. Amazons Echo klingt zwar schlechter, ist mit 100 Euro aber auch deutlich günstiger. Der Sonos One (229 Euro) ist nicht so intuitiv wie der HomePod und hat weniger Tricks auf Lager, dafür ist er extrem vielfältig einsetzbar und kann sogar zu einem vollwertigen 5.1-System ausgebaut werden.

Apple stellt iOS 12 vor 8.25

Messenger: Diese Daten gibt Whatsapp an Facebook weiter – und so widersprechen Sie

Es war die große Befürchtung als Facebook Anfang 2014 Whatsapp kaufte: Hat der Internet-Riese damit auch alle Fotos und Chats des Messengers? Seit einigen Wochen hat Facebook im Rahmen der DSGVO tatsächlich begonnen, die Daten zu übernehmen. Hier erfahren Sie, welche Daten übertragen werden – und wie man sich dagegen wehrt.

Tatsächlich gibt sich Facebook bei der Datenübertragung sehr transparent. Auf einer eigenen Seite zeigt das Unternehmen auf, welche Daten konkret von Whatsapp an den Mutterkonzern weitergegeben werden. Man speichere die Telefonnummer, Geräteinformationen wie das Modell, die Betriebssystem- und die App-Version, Netzwerkinformationen sowie einige Nutzungsinformationen. Als Beispiele werden der letzte Nutzungszeitpunkt, das Account-Alter und die Art und Häufigkeit der Nutzung genannt.Facebook Messenger Videowerbung Datenvolumen_15.10

Was macht Facebook mit den Daten?

Wie genau Facebook die Daten auswertet, ist weniger klar. Man brauche die Daten, um zuverlässig arbeiten zu können, dem Nutzer Sicherheit zu bieten, erklärt das Netzwerk. Zudem nennt man das Teilen von Facebook-Links über Whatsapp und die Kommunikation mit Unternehmen als Vorteile. Das ist reichlich schwammig. Einer Bitte um genauere Erklärung kam der Konzern bis zur Veröffentlichung leider nicht nach. Immerhin betont Facebook in seinem Post, was es nicht mit den Daten tun will: Man nutze sie derzeit nicht für personalisierte Werbung. Die Formulierung lässt aber die Möglichkeit offen, dass sich das in Zukunft ändern könnte.

Wohl auch um Ängste zu nehmen, betont Facebook zudem, dass keine der privaten Whatsapp-Nachrichten bei Facebook öffentlich zu sehen sein werden. Das hat aber wohl auch niemand ernsthaft erwartet. Auf die Chats sollte Facebook ohnehin keinen Zugriff haben: Sie sind seit 2016 Ende-zu-Ende verschlüsselt, also nur für die Teilnehmer lesbar.

Dass die Daten überhaupt weitergegeben werden, ist wohl die Schuld der Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO. Die soll eigentlich die Daten der Bürger schützen, sorgt aber auch dafür, dass nicht mehr die deutschen Datenschützer für Facebook verantwortlich sind, sondern die in Irland. Dort hat der Konzern seine europäische Zentrale. Die deutschen Datenschützer hatten Facebook die Übernahme der Whatsapp-Daten mehrfach gerichtlich untersagen lassen.Schluss mit Whatsapp im Beruf?

So widersprechen Sie der Weitergabe

Andererseits sorgt die DSGVO aber dafür, dass die Nutzer der Weitergabe widersprechen können. Wie das geht, erklärt Facebook auf einer eigenen Seite. In etwas schiefem Deutsch erläutert der Konzern dort, welche Informationen man für den Widerspruch benötigt. Einige liegen auf der Hand: Facebook braucht den vollständigen Namen, die E-Mail-Adresse, die für Whatsapp genutzte Telefonnummer und das Wohnland. Dann wird es unklarer. 

„Gegen welche Datenverarbeitungsaktivität(en) möchtest du Widerspruch einlegen? Bitte erläutere, welche Auswirkungen diese Verarbeitung für dich hat. Welche Rechte und Freiheiten werden deiner Meinung nach durch die Verarbeitung beeinträchtigt und warum? Stelle uns bitte alle weiteren Informationen zur Verfügung, die uns deiner Meinung nach dabei helfen, deinen Widerspruch zur prüfen“, heißt es dort. Ganz einfach kommt man also nicht aus der Sache heraus.Facebook sammelt diese Daten 11.54

Nur Löschen ist sicher

Tatsächlich sollte man aber ausführlich antworten – denn Facebook behält sich vor, den Widerspruch abzulehnen. Der Nutzung für Direktmarketing kann man ohne weiteres widersprechen. Schwieriger wird es bei Daten, die Facebook für andere Zwecke erhebt. Hier kann der Konzern erklären, dass seine legitimen Interessen, etwa für Sicherheitsfeatures nicht vom Datenschutz nicht überwogen werden. Nach einer Ablehnung hilft nur eine Meldung an die Datenschützer in Irland – oder das Löschen des Whatsapp-Kontos.

Wie viele Anträge Facebook erhalten hat und ob denen auch nachgekommen wird, wollte uns der Konzern nicht mitteilen. Auch die Frage, warum sich der Nutzer für den Widerspruch rechtfertigen muss, blieb offen.02-Facebook entwickelt Dating-App für langfristige Beziehungen-5779197422001

Zahlende Zuschauer: YouTube erlaubt Abo-Gebühren und Verkauf von Fanartikeln

YouTube gibt Anbietern von Videos auf seiner Plattform Möglichkeiten, zusätzliches Geld mit Abo-Gebühren und dem Verkauf von Fanartikeln zu verdienen.

Betreiber von YouTube-Kanälen mit mehr als 100 000 Abonnenten sollen künftig Mitgliedschaften für 4,99 Dollar bzw. Euro in Europa pro Monat verkaufen können. Die zahlenden Zuschauer können dann Zugang zu zusätzlichen Inhalten wie zum Beispiel Livestreams erhalten. Zunächst in den USA werden Video-Anbieter zudem direkt bei YouTube Fanartikel verkaufen können. Der Google-Videodienst kooperiert dafür mit der Online-Handelsplattform Teespring.

YouTube ist mit mehr als einer Milliarde Nutzer die Nummer eins bei Online-Videos, konkurriert aber um Autoren unter anderem mit Instagram. Der zu Facebook gehörende Dienst knackte ebenfalls die Marke von einer Milliarde Nutzer und kündigte diese Woche mit IGTV seine erste Plattform für längere Videos an.

Dort können Videos eine Laufzeit von bis zu einer Stunde haben. Sie sind mit einem vertikalen Format fürs Ansehen auf dem Smartphone gedacht. Instagram schaltet zunächst keine Werbung bei IGTV, betrachtet Anzeigen aber für die Zukunft als eine Einnahmequelle für die Autoren.

YouTube hatte Anfang des Jahres die Hürden für Videoautoren zum Geldverdienen auf der Plattform hochgesetzt. Zuvor konnte ein YouTube-Kanal nach 10 000 Videoaufrufen Anzeigen schalten, jetzt braucht man dafür mindestens 1000 Abonnenten und die Videos müssen in den vergangenen zwölf Monaten mindestens 4000 Stunden lang angesehen worden sein.

Der Schritt war auch eine Reaktion auf die Unzufriedenheit von Werbekunden, deren Anzeigen zum Teil neben zweifelhaften oder extremistischen Videos auftauchten.

Leistungsschutz und Netzneutralität: Wie die EU und Trump das Internet zerstören

Das Internet hat die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft befeuert wie kaum eine Erfindung zuvor. Mit seiner nahezu ungezügelten Freiheit hat es Unmengen an Möglichkeiten hervorgebracht zu kommunizieren, zu handeln, zu konsumieren und sich auszudrücken. Jetzt könnten zwei Gesetze in den USA und der EU das für immer verändern. Mit tiefgreifenden Folgen – von Porno bis Nachrichten.

In den USA ist es das gerade in Kraft getretene Ende der Netzneutralität, in Europa eine Überarbeitung des Urheberrechtes, das gerade im Rechtsausschuss des Europaparlaments beschlossen wurde. Beide Regelungen haben gemein, dass sie Geschäftsinteressen weniger Firmen durchsetzen wollen – und dabei mit von uns als selbstverständlich empfundenen Grundlagen des Internets kollidieren. Trump iPhone Twitter_16.20

Nachvollziehbare Probleme

Dabei haben beide Regelungen grundverschiedene Probleme zur Grundlage. Bei der Netzneutralität handelt es sich um das Prinzip, dass Daten egal welchen Ursprungs von den Internet-Providern gleich behandelt werden. Weil aber Dienste wie Netflix mit ihren gigantischen Datenmengen mehr Kosten verursachen, wollen die Internet-Provider sie dafür zur Kasse bitten. Das sogenannte Leistungsschutzrecht wiederum soll Content-Produzenten wie Verlage davor schützen, dass Google, Facebook und ähnliche Unternehmen mit ihren Inhalten Geld verdienen. Auch die Verlage wollen dafür entschädigt werden. Zudem sollen Inhalte von Video- und Fotoproduzenten besser geschützt werden.

… mit fragwürdigen FolgenNetzneutralität: Warum das Internet wie wir es kennen gerade gestorben ist_16.15

Was in beiden Fällen grundsätzlich nachvollziehbar ist, löst mit seiner Umsetzung in Gesetzesform eine gigantische Lawine von Konsequenzen aus, die weit über das ursprüngliche Problem hinausgehen. 

Die Netzneutralität machte das Netz, wie wir es heute kennen, erst möglich. Heutige Giganten wie Google, Amazon und Facebook konnten nur entstehen, weil sie als Newcomer die gleichen Chancen hatten wie etablierte Firmen. Im Herbst hat der von Donald Trump eingesetzte Chef der Regulierungsbehörde das Gesetz gekippt. Nun wird es für die Provider möglich sein, einige Daten schneller durch das Netz zu schicken als andere – und sich dafür bezahlen zu lassen. Was für die etablierten Firmen ein Ärgernis ist, wird für kleine Start-Ups zur unüberwindbaren Hürde. Ohne die Netzneutralität würden wir wohl heute noch AOL und Yahoo nutzen statt Google und Facebook.

Obwohl das Gesetz nur in den USA gilt, werden auch die europäischen Nutzer nicht an den Folgen vorbeikommen. Ob Netflix die Zusatzkosten für seine gigantischen Datenmengen alleine übernimmt oder die Kunden zur Kasse bittet, wird sich zeigen müssen. Bei kostenlosen Streaming-Angeboten ist die Lage noch dramatischer. Mit zusätzlicher Werbung werden sich die Kosten kaum auffangen lassen. Wohl auch deswegen kämpften Pornogiganten wie Pornhub in vorderster Front gegen das Gesetz. Gut möglich, dass etwa die Ära der werbefinanzierten Pornographie bald vorbei ist.NEON_UW_Facebook

Wem gehören Inhalte?

Während die Abschaffung der Netzneutralität ein ganz grundsätzliches Problem darstellt, dürfte beim von der EU beschlossenen Leistungsschutzrecht vor allem die aktuell beschlossene Umsetzung für Ärger sorgen. Inhalte-Produzenten wie Verlagen oder TV-Sendern stößt sauer auf, dass Aggregatoren wie Google oder Facebook ihre Seiten mit Inhalten füllen, für die sie nicht zahlen. Etwa mit von den Zeitungen und Newsseiten geschriebenen Überschriften oder die Teaser genannten Textanrisse, die dann per Link auf die Seiten der Newsmedien führen. Auch das routinierte Hochladen kopiergeschützter Videos und Bilder bei Youtube und Co. sorgt nachvollziehbarerweise für Ärger.

Wie sich das Problem lösen lässt, ist umstritten. Der gestern im Rechtsausschuss beschlossene Kompromiss dürfte aber nur einer Minderheit gefallen. Nutzer werden vor allem die sogenannten Upload-Filter ärgern. Die EU verpflichtet damit Seiten wie Facebook, automatisch sämtliche hochgeladenen Inhalte auf ihr Copyright zu prüfen – und das Hochladen gegebenenfalls zu verhindern. 

Weil auch bekannte Bilder wie Memes oder ein Clip aus einem Fußballspiel darunter fallen, dürfte sich die Anzahl der Medien in den Netzwerken drastisch verringern. Eine Lösung über das Zitatrecht – wie sie etwa in den USA über eine Fair-use-Lösung praktiziert wird – hätte dieses Dilemma auflösen können.Twitter-Crimestory ESP 0830

Auch bei den Nachrichten werden wohl Einschränkungen kommen. Durch das Leistungsschutzgesetz werden fünf Jahre lang sämtliche Texte von Verlegern geschützt und müssen erst lizensiert werden, um sie nutzen zu dürfen. Ohne Bezahlung dürfen also weder Überschrift noch Anriss von Texten verbreitet werden. Selbst reine Links werden zum Problem, wenn sie Teile der Überschrift enthalten. In der Praxis könnte das bedeuten, dass für jeden Link bezahlt werden muss – und damit eine Art Linksteuer entsteht. Wie nach Inkrafttreten noch Nachrichten verbreiten werden und welche konkreten Auswirkungen die Upload-Filter haben, ist aktuell noch kaum abzusehen.

Es gibt noch Hoffnung bei der EU-Regelung

Noch ist der EU-Beschluss nicht Gesetz. Anfang Juli soll das EU-Parlament darüber entscheiden, im Herbst treffen sich die Verhandler des Parlaments, der Kommission und des Rates um die Regelungen endgültig zu beschließen. Bis dahin kann zwar noch viel passieren. Aktuell sieht es aber so aus, als würden die Regelungen weitgehend so umgesetzt werden. In den USA ist es ohnehin zu spät: Die letzte Frist zur Rettung der Netzneutralität ist am 11. Juni abgelaufen. 

Die Folgen der Maßnahmen für das Internet, wie wir es kennen, werden weitreichend sein. Durch den Wegfall der Netzneutralität in den USA dürfte es für kleine Firmen deutlich schwieriger sein, im US-Markt Fuß zu fassen. Vor allem dort entstanden aber in den letzten Jahrzehnten die größten Taktgeber. Ob EU-Firmen die Lücke schließen können oder die Giganten aus China in die Bresche springen, wird sich zeigen müssen. Durch Upload-Filter und Leistungsschutzrecht wird sich wohl die Art, wie wir Nachrichten und Inhalte miteinander teilen, massiv verändern. Die Freiheit der Informationen, die alle gleich behandelt werden, hatte das Internet einst groß gemacht. Nun steht sie vor dem Ende.Amazon Trump 18.30

Chinas Aufrüstung: Typ 055 – diese Raketenzerstörer sollen den Pazifik beherrschen

Früher hieß es „Britannia rule the waves“, im Pazifik kann das patriotische Lied allerdings bald umgetextet werden, denn hier greift Peking nach der See-Herrschaft. Ein wichtiges Instrument sind die Raketenzerstörer vom Typ 055. Sie sind weltweit die modernsten und mächtigsten Schiffe ihrer Klasse.

Im Juli 2017 wurde in China der erste Zerstörer des Typs 055 vom Stapel gelassen, in diesem Jahr folgte der zweite. Nummer drei und vier werden in wenigen Monaten zu Wasser gelassen. Fünf und sechs sind auf Kiel gelegt. Die Daten über den Stealth-Zerstörer sind geheim, aber dennoch sind im Laufe des letzten Jahres einige Details durchgesickert. Die Länge von Typ 055 liegt bei 180 Metern, die maximale Breite bei etwa 21 Metern. Anders als zunächst angenommen dürfte die Wasserverdrängung nicht bei 10.000 Tonnen liegen. 13.000 Tonnen dürften eher zutreffen. Typ 055 ist deutlich größer als die US-Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse mit ihren 9100 Tonnen. Und kann entsprechend mehr Lenkwaffen mit sich führen. Weltweit wachsen die Schiffsklassen, im zweiten Weltkrieg hätte man Schiffe von dieser Größe nicht Zerstörer sondern schwere Kreuzer genannt. „The Diplomat“ vermutet, dass die chinesischen Medien penetrant die Bezeichnung von 10.000 Tonnen vorziehen, weil diese Zahl im ziffernverliebten China eine besonders triumphale Bedeutung habe.

Keine redundanten Aufbauten

B-21 Raider_12.20Der Typ 055 folgt dem üblichen Stealth-Design. Auffällige Strukturen wie Ankerketten werden verborgen, um den Radarschatten zu reduzieren. Typ 055 besitzt nur einen Kommandoaufbau. Die Chinesen setzen nicht auf zwei Aufbauten für die Kommandobrücke wie die deutsche F125. Doppelte Aufbauten sollen dafür sorgen, dass das Schiff auch bei einem Treffer einsatzfähig bleibt.

Die Hauptbewaffnung eines Zerstörers besteht in Raketen. Bislang gibt es keine Anzeichen, dass Peking den Weg der Zumwalt oder der F125 folgen wird. Beide Schiffe setzten auf das Konzept mit einer reichweitengesteigerten Bordkanone, die auch Landziele angreifen kann.FS Kriegsschiffe Einhänger

Typ 055 setzt den chinesischen Standard-Starter (VLS) für Lenkwaffen ein. Das ist eine Art schlanker genormter Container, der mit verschiedenen Waffen bestückt werden kann.

Davon kann das Schiff 128 Stück aufnehmen, in zwei Batterien von je 64 Startzellen. „The Diplomat“ nimmt an, dass alle 128 Starter die maximale Länge von neun Metern besitzen. Der Einsatz des Universalstarters VLS macht es möglich, dass 055 alle Peking zur Verfügung stehenden Raketen nutzen kann. Das Schiff ist nicht auf einen bestimmten Waffentyp festgelegt. Vermutlich können auch Module ausgetauscht werden, damit die Zerstörer später mit Impuls-Waffen oder elektromagnetischen Kanonen ausgerüstet werden können.

Bündel mächtiger Raketen für China

Zum Start wird Typ 055 ein ganzes Bündel hochwirksamer Waffen an Bord haben. HQ-19 SAMs können gegnerisches Raketen und sogar niedrig fliegende Satelliten abschießen. Flugzeuge und Cruise Missiles sollen von der China-Variante der russischen S-300 abgeschossen werden. Die chinesische Anti-Schiffs-Rakete (YJ-18) erreicht dreifache Schallgeschwindigkeit und kann einen 300 kg schweren Gefechtskopf 540 Kilometer weit tragen.

China entwickelt derzeit fieberhaft besonders schnelle Hypersonic-Raketen und entsprechenden Cruise Missiles. Es ist anzunehmen, dass 055 mit diesen Waffen ausgerüstet wird, sobald sie verfügbar sind. Zusätzlich ist eine Kanone im Kaliber von 130 Millimeter an Bord, dazu kommen Torpedorohre und Systeme, die Unterwasser- und Luftziele auf kurze Distanz abwehren sollen.Neuer chinesischer Zerstörer wird enthüllt

In den aktiven Dienst werden die Zerstörer der Klasse zusammen mit dem Flugzeugträger Typ 001 gehen. In chinesischen Medien hieß es: „China baut jetzt Zerstörer vom Typ 055, von denen zwei als „Kaiserliche Leibwächter“ für den ersten selbst gebauten Träger auf hoher See konzipiert sind. Aber China wird mehr Zerstörer bauen, um die steigende Nachfrage der Marine nach modernen Kriegsschiffen zu befriedigen.“ Bis 2025 will China vier Trägergruppen im Dienst haben. Allein dafür würde Peking mindestens acht Typ 055 benötigen. Es ist aber zu erwarten, dass das kampfstarke Schiff in weit größeren Stückzahlen gebaut wird und die älteren Zerstörer der chinesischen Marine ablösen soll.

Elektronisches Warn- und Feuerleitsystem

U-Boot – 5800 kmh unter Wasser 13.50hInternational gilt Typ 055 als großer Erfolg. Die entscheidenden Fähigkeiten des Kommandoschiffs liegen in der elektronischen Kriegsführung. Die USA und ihre Verbündeten arbeiten mit dem Aegis-Kampfsystem (Aegis Combat System). Das ist ein elektronisches Warn- und Feuerleitsystem. Beobachter nehmen an, dass Pekings Elektronik die bisherigen Systeme überflügeln soll. Allerdings ist ein System für den vernetzten Datenaustausch verschiedener Waffen sehr komplex. In den USA wurde mehrfach die Hoffnung geäußert, China sei mit der Entwicklung eines solchen Systems überfordert. Irgendwelche Anzeichen, die diese Ansicht stützen, gibt es jedoch nicht.

Typ 055 trifft die USA in einer schwierigen Phase. Die USA wollten mit der Zumwalt-Klasse die älteren Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse ablösen. Ursprünglich sollten 32 Schiffe gebaut werden, doch die Zumwalt-Klasse erwies sich als kompletter Fehlschlag, es werden nur drei Schiffe fertiggestellt. Die derzeit unbrauchbare USS Zumwalt hat übrigens 4,4 Milliarden Dollar gekostet, Peking soll für ein Schiff vom Typ 055 nur 800 Millionen bezahlt haben.

Absehbar ohne Widerpart

Russland kündigt regelmäßig den Bau von Raketenzerstören der Lider-Klasse an, doch dieses Projekt verzögert sich dann ebenso regelmäßig. Das Magazin „Military Watch“ befürchtet, dass Peking eine ganze Flotte top-moderner Zerstörer auf See haben wird, denen der Westen nur die alten Schiffe der Arleigh-Burke-Klasse entgegenstellen kann, die erstmals 1991 in Dienst gestellt wurden.

Bis ein Ersatz entwickelt und gebaut wäre, würden Jahre vergehen. Abgesehen von den Flugzeugträgern wären die Schiffe vom Typ 055 dann lange Zeit die mächtigsten Überwasser-Kampfschiffe der Welt. Angesichts des Streits um die Hoheitsrechte im Südchinesischen Meer sind das keine guten Aussichten für die stolze US-Navy.China-Subs17h