Cybermobbing: Ein Satz aus einem Sex-Video zerstörte das Leben dieser jungen Italienerin

Tiziana Cantone machte einen fatalen Fehler, der ihr Leben zerstören sollte. Sie schickte 2015 ein Video an mehrere Freunde, darunter ein Ex-Freund. Es war ein Rache-Video der besonderen Sorte. Um ihren Ex zu demütigen, der sie betrogen haben soll, zeigte es Tiziana Canton beim Sex mit einem anderen Mann. Der Ex-Freund schickte das Video an einige Bekannte – kurz darauf war es im Internet und ein nie enden wollender Spießrutenlauf begann.

Ein Satz in dem Clip sorgte für die tragische Berühmtheit von Tiziana Cantone. „Ma stai facendo un video? Bravo.“ – „Machst du ein Video? Super.“ Dieser Satz im neapolitanischen Akzent wurde zum Mega-Meme in Italien. Andernorts blieb er unverständlich. „Ma stai facendo un video? Bravo“ wurde zitiert, parodiert – der Satz wurde auf T-Shirts und Smartphone-Hüllen gedruckt. Später landeten noch weitere Videos im Netz; auf einem hatte Cantone Sex mit zwei Männern. Neben den hämischen Witzeleien wurde Tiziana Cantone an den digitalen Pranger gestellt und so wüst beleidigt, dass man es gar nicht wiedergeben kann.

Keine Gerechtigkeit vor Gericht gefunden

In dem folgenden Jahr soll Cantone zweimal versucht haben, Suizid zu begehen. Der dritte Versuch führte nun zum Tod. Die 31-Jährige hat zuvor alles getan, um dem Fluch des Videos zu entkommen. Sie änderte ihren Namen und führte eine Reihe von Prozessen auf das „Recht auf Vergessen“ – damit das Video nicht länger von Suchmaschinen gefunden werden konnte. „Sie war tief verletzt und suchte Trost im Alkohol. Aber sie war klar im Kopf, gesund und ein normales Mädchen“, sagte Tiziana Cantones Mutter den Ermittlern.

Cybermobbing_9UhrDen letzten Stoß habe ihr das Gericht versetzt. Sie hatte den Prozess am Ende zwar gewonnen, aber sie hat nicht verstehen können, dass sie 20.000 Euro an Gerichtskosten bezahlen sollte. Ihre Mutter sagte, das sensible Mädchen „habe unter allem gelitten, was sie sah und hörte. Aber besonders unter dem Gerichtsverfahren. Sie konnte nicht verstehen, dass das gerecht sein sollte.“

Verfahren gegen die Uploader

Italienische Medien geben ihr Recht. „Il Mattino“ aus ihrer Heimatstadt Neapel schrieb: „Warum sind diese Bilder immer noch online? Warum können immer noch Leute Häme über diese junge Frau vergießen, die ihr Leben beendete, weil sie die Erniedrigung nicht ertragen konnte.“

Ihre Freunde hatten bereits gedacht, Cantone habe die schreckliche Geschichte allmählich hinter sich gebracht, als sie die Nachricht vom Tod erreichte. Teresa Petrosino sagte dem „Corriere della Serra„: „Ich kann nicht verstehen, warum ein Mensch so gemein und so hasserfüllt gegenüber einem Mädchen sein kann, das nichts Böses getan hat. Die müssen sich alle schämen, diese Typen, die das Netz mit ihren Gemeinheiten fluten und sich dabei heimlich das Video ansehen.“ Insgesamt vier Personen werden laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa beschuldigt, das Video ins Netz gestellt zu haben. Nun wird auch wegen Anstiftung zum Suizid gegen sie ermittelt. 

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Jubiläum der Somme-Schlacht : 100 Jahre Panzer – Stahlkolosse, die die Welt veränderten

Am Morgen des 15. Septembers 1916 griffen britische Truppen die deutschen Positionen bei Flers-Courcelette im Rahmen der Somme-Offensive an. Zuvor waren nur Sturmangriffe der Infanterie nach starkem Vorbereitungsfeuer der Artillerie üblich, aber am 15. September wurden die Briten von 32 Panzern begleitet.

Angriff mit der Infanterie

Mit den schnellen hochmobilen Panzerverbänden des Zweiten Weltkriegs hatte die Attacke wenig gemein. Die Kolosse begleiteten die Infanterie, die so nicht allein mit Karabiner und Bajonett bewaffnet auf die feindlichen Gräben und ihre Maschinengewehre anstürmen musste. Die schwerfälligen Panzer wälzten sich mit den Soldaten voran und sollten ihnen mit ihren Maschinengewehren und Kanonen im Moment des Angriffs helfen.

Ein australischer Panzersoldat notierte begeistert: „Die alte Wanne machte einen plötzlichen Ruck. Oh Gott, dachte ich. Zeit, von allem Abschied zu nehmen. Aber es war nicht zu Ende. Nur ein paar deutsche Leichen, in die wir gerutscht waren. Die Deutschen schossen mit Gewehren auf uns. Das Feuer perlte ab, wie Wasser an einer Ente. Die Fritzen kamen nicht weg. Sie schossen weiter, solange bis unser Wanne über sie hinweg watschelte.“

Pic Panzer (2)

Mäßiger Erfolg, begeisterte Berichte

Wie häufig bei neuen Waffensystemen war der Einsatz nicht so erfolgreich, wie man vermuten konnte. Aber schon damals erkannten die Zeitgenossen, dass diese Schlachtschiffe zu Land den Krieg massiv verändern würden. Der „Manchester Guardian“ berichtete enthusiastisch: „Eine einzige dieser Maschinen kann ein ganzes Bataillon des Feindes angreifen, eine ganze Batterie, einen Graben gespickt mit Maschinengewehren und sie wird siegreich sein.“

Im gleichen Bericht wurden aber auch die Probleme erkannt: „Die verängstigten Deutschen konnten nichts unternehmen, aber die Lenkung versagte. Der Fahrer konnte nur noch geradeaus fahren, das tat er dann auch.“

Einsatz als Rammbock

Unter diesen Bedingungen war es kein Wunder, dass keiner der Zeitgenossen an die spätere Panzertechnik dachte, mit tiefen Vorstößen ins feindliche Hinterland ganze Frontabschnitte auszuhebeln. Keines der damaligen Modelle hätte 100 Kilometer weit rollen können, ohne liegen zu bleiben. Den Panzer sah man in der Rolle eines Begleitfahrzeuges der Infanterie. Er sollte wie ein Rammbock die feindlichen Linien durchbrechen. Die Faszination lag in seiner Unverwundbarkeit. Der überraschte Gegner besaß keine Waffen, die die Panzerung durchbrechen konnten und war praktisch wehrlos.

Auch ohne einen Durchbruch durch die deutschen Linien hatte der Einsatz an der Somme eine psychologische Wirkung. Nach den vorhergegangenen, extrem verlustreichen Angriffen der Briten besserte das Erscheinen der Tanks die Stimmung der Truppen auf. 20-Schock-Video aus Istanbul: Mann gegen Panzer 19.24

Beim ersten Einsatz blieben die Panzer allerdings in dem schweren, ungeeigneten Gelände stecken. Mechanische Fehler führten zu Ausfällen, zudem rückten die Einheiten so langsam vor, dass sich die deutsche Artillerie einschießen konnte. Dieser Misserfolg führte zu dem Paradox, dass Deutschland die Entwicklung verschlief. Man unterschätzte die Bedrohung, während die Briten die Modelle technisch verbesserten.

Möglichkeiten der Panzer nicht erkanntPutins neue Wunderwaffe Russen-Panzer Armata (2184103)

Während des ganzen Krieges erkannten die führenden Militärs nicht die Möglichkeiten ihrer neuen Waffe. Immer wieder wurden die Kolosse wie ein Hammer gegen schwerbefestigte deutsche Stellungen im ungeeigneten Gelände eingesetzt. Eines erreichten sie aber doch: Am Beginn des Ersten Weltkrieges zeigte sich nach fürchterlichen Verlusten, dass die klassischen Sturmangriffe dicht gedrängter Infanterie oder Kavallerie keine Chance gegen verschanzte Verteidiger mit automatischen Maschinengewehren hatten. Diese Dominanz der Verteidigung brach der Panzer wieder auf.

Das zweite Jahrhundert der Panzer beginnt

Noch vor wenigen Jahren nahm man an, dass das Jahrhundert der Kampfpanzer zu Ende gehen würde. Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes hoffte man auf eine Welt ohne Kriege. Diese Illusion löste sich schnell auf. Dann dachte man, dass zumindest Kriege mit Bewegungsgefechten großer Armeen der Vergangenheit angehörten. Auch da ist man sich heute nicht mehr so sicher.

Technisch gesehen waren die Kolosse gegenüber den Lenkwaffen der Infanterie sehr verletzlich geworden. Aber neue Panzerungen und aktive Verteidigungssysteme scheinen das Blatt gewendet zu haben. Der russische T-14 Armata ist so gesehen der erste Panzer für das zweite Jahrhundert der Panzer. Die westlichen Gegenstücke sind bereits angekündigt.

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Facebook-Seite "Gegen Rockmusik": "Jesus liebt dich, solange du keine Rockmusik hörst"

Damit hat Daniel H. nicht gerechnet. Vor einer guten Woche hat er die Facebook-Seite „Gegen Rockmusik – zum Schutz unserer Kinder und Kultur“ erstellt und inzwischen fast 10.000 Fans. Der 45-jährige Düsseldorfer hat keine Ahnung, wieso die User so durchdrehen. 300 private Nachrichten erhält er täglich über den Messenger, zwei Millionen Seitenaufrufe hat er inzwischen und zig Menschen haben kommentiert, geliked und vor allen Dingen abgekotzt. „Da komme ich gar nicht mehr hinterher, das alles zu lesen“, sagt Daniel, der erstmal noch anonym bleiben möchte, dem stern

In der Beschreibung von „Gegen Rockmusik“ heißt es: „Rockmusik ist Teufelswerk, führt zur Verrohung der Seele, zu Gewalt und Kriminalität. Lasst uns gemeinsam dagegen ankämpfen! In jugendgerechter Sprache“. Doch handelt es sich dabei nicht um Propaganda für die AfD, sondern um ziemlich gut getarnte Satire. Zu gut getarnt für viele Leser, verrät ein Blick in die Kommentare, denn es wird sich richtig aufgeregt. Unter dem Posting „Jesus liebt dich … solange du keine Rockmusik hörst!“, echauffiert sich etwa ein User: „Ich finde es als Gläubiger Christ unglaublich asozial das sie für ihre lächerlichen Anti-Rock Parolen den Namen Jesu nutzen. Jesus liebt alle Menschen! Daher bitte ich sie inständig mal das neue Testament zu lesen…“ [sic]. 867 User geben ihm bislang Recht. 

Auf die Frage, wie er auf die Idee für seine Seite gekommen ist, antwortet Daniel: „Das ist ja nicht die erste Satireseite, die es bei Facebook gibt. Der ‚Postillon‘ ist da zum Beispiel sehr bekannt, aber es gibt auch Seiten wie ‚Tattoofrei‘, ‚Gegen Kinder‘ oder ‚Gegen Hunde‘, die alle nach dem Prinzip funktionieren, dass die Leute sich sofort aufregen.“ Und tatsächlich sitzt im Moment noch der überwiegende Teil der Kommentatoren den Provokationen auf. Sie können kaum fassen, was da im Namen des Herrn für ein Unfug getrieben wird.

Die Reizthemen: Rock und Religion

Daniel wollte sich Themen vorknöpfen, bei denen er sich gut auskennt. Einerseits Punk- und Rockmusik-Fan, andererseits geprägt durch sein christlich-orthodoxes Elternhaus, dachte er, das ist eine Mischung, über die man was machen kann. Dabei ging es Daniel nicht darum, „das Christentum zu verballhornen, das hat sich einfach so von selbst ergeben“. Er hat keine Rechnung offen in puncto Religion, er will einfach nur spielen – mit ziemlich heißen Eisen: „Ich will mich gar nicht persönlich darüber lustig machen. Ich mache das, um die Leute zum Nachdenken zu bringen, damit sie mal hinterfragen, was sie alles so von sich geben.“

Was seine Rechte und Pflichten bei Facebook angeht, hofft er, alles richtig zu machen. „Ich weiß gar nicht, was ich darf und was nicht“, bekennt er. „Was ich zum Beispiel an Bildern aus dem Netz nehmen darf, habe ich nachgelesen. Da hieß es, wenn man die Bilder satirisch verändert, darf man sie verwenden.“ Wenn das mal stimmt.

Alles noch geheim

Auch wenn der plötzlich ausgebrochene Stress ganz schön anstregend ist, macht Daniel die Seite Spaß. Er hat im Moment die Zeit, sich dort auszutoben und darauf einzulassen – schafft es aber trotzdem nicht, jeden einzelnen Kommentar zu lesen. Was sagen seine Freunde zu dem Satire-Hit, den er geschaffen hat? „Weiß noch gar keiner. Habe ich keinem erzählt“, sagt Daniel. Mal sehen, wie lange er das noch durchhält.

Oberhausen: Morddrohung per Whatsapp-Nachricht – Grundschüler in Todesangst

Kettenbriefe auf Whatsapp entwickeln sich zunehmend zur Plage. Warnte erst kürzlich eine vermeintlich offizielle Mitteilung des Unternehmens davor, der Kurzmitteilungsdienst solle künftig wieder kostenpflichtig werden, versetzen Unbekannte aktuell Kinder und Jugendliche in Oberhausen auf besonders perfide Art und Weise in Angst und Schrecken.

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Wie die Polizei Oberhausen mitteilte, haben dort vor allem Grundschüler eine von einer weiblichen Computerstimme gesprochene Sprachnachricht erhalten, die den Kindern unter anderem mit Mord droht, sollte die Audiodatei nicht umgehend an weitere fünf Kinder weitergeleitet werden. Bekannt wurde die vorrangig an Grundschulen kursierende Drohung, nachdem sich gleich mehrere besorgte Eltern bei den Beamten gemeldet hatten. Die Polizei versuche derzeit zu klären, woher die Sprachnachricht stammt, wie viele Kinder betroffen sind und ob sich das Phänomen nur auf Oberhausen beschränkt, hieß es. Gleichzeitig räumte man jedoch ein, es sei schwierig, die Absender solcher Nachrichten zu ermitteln, gerade wenn diese von ausländischen Providern versendet würden.

Whatsapp-Morddrohung schon 2013 im Umlauf

Wie gefährlich ist Whatsapp Gold?Neu ist die nun in Oberhausen aufgetauchte Sprachnachricht indes nicht. Bereits 2013 warnte das Landeskriminalamt Niedersachsen vor einer ähnlichen Drohungnachricht im Sprachformat. Während Erwachsene solche Botschaften jedoch als Spaß erkennen würden, könnten Kinder sie nicht immer als Scherz und unbedeutenden Kettenbrief entlarven, hieß es damals in der Pressemitteilung. Kinder fühlten sich durch die die Nachricht tatsächlich bedroht und seien verängstigt, so die Beamten.

Eltern betroffener Schüler rät die Polizei, das Phänomen und dessen Hintergründe mit den Kindern im Gespräch zu klären. Zudem sollten entsprechende Whatsapp-Nachrichten umgehend gelöscht werden, um eine weitere Verbreitung zu unterbinden.
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Akku-Probleme: Für Samsung wird es ernst: Galaxy Note 7 in USA offiziell zurückgerufen

Mit Samsungs zurückgerufenem Smartphone Galaxy Note 7 gab es deutlich mehr Zwischenfälle als bisher bekannt geworden war. Allein in den USA seien Samsung 26 Verbrennungen und 55 Fälle von Sachbeschädigung gemeldet worden, hieß es in der Nacht zum Freitag beim offiziellen Rückruf über die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC. Insgesamt sei 92 Mal gemeldet worden, dass sich das Smartphone überhitzt habe. Bei Ankündigung der freiwilligen Rückrufaktion wegen Brandgefahr vor rund zwei Wochen hatte Samsung noch von 35 bestätigten Zwischenfällen weltweit gesprochen.

Eine Million Note 7 zurückgerufen

In den USA seien rund eine Million Geräte vom offiziellen Rückruf betroffen, erklärte die CPSC (Consumer Protection Safety Commission). Mit dem CPSC-Rückruf darf das Gerät in den USA überhaupt nicht mehr verkauft werden, auch nicht von Privatleuten. Samsung hatte die Besitzer eines Galaxy Note 7 bereits weltweit aufgefordert, das Gerät nicht mehr zu nutzen. Sie sollten ihr Note 7 ausschalten und es so bald wie möglich umtauschen.

Samsung kündigte an, in den USA sollen Ersatzgeräte spätestens am 21. September verfügbar sein, teilte Samsung mit. Auf der US-Website von Samsung können Besitzer eines Note 7 online überprüfen, ob ihr Gerät zu der fehlerhaften Charge gehört. Dazu müssen sie die Seriennummer oder International Mobile Station Equipment Identity (IMEI) eingeben und bekommen dann angezeigt, ob das Note 7 betroffen ist.

Weniger Konkurrenz für das iPhone 7

Das „Phablet“, eine Mischung aus Smartphone und Tablet-Computer, wurde zwei Wochen lang in mehreren Ländern ausgeliefert. Es soll nach bisherigen Informationen um rund 2,5 Millionen Geräte gehen, die umgetauscht werden müssen. In Deutschland sollte der Vertrieb gerade beginnen, als die Umtausch-Aktion bekanntgegeben wurde.

CPSC-Chef Elliot Kaye erklärte dem Finanzdienst Bloomberg zufolge, nach Angaben von Samsung sei die Batterie etwas zu groß für ihren Platz im Gehäuse gewesen – und durch das Zusammendrücken beim Einbau habe sich das Risiko von Kurzschlüssen in den Akkus erhöht.

Das Note 7 ist Samsungs frischestes Spitzen-Smartphone, das der Marktführer aus Südkorea ins Rennen gegen das neue iPhone 7 von Apple schickte.

Neues Apple-Smartphone: iPhone 7 im Test: Lohnt sich das kleine Schwarze?

Was für eine Aufregung! Eine Woche kannte das Internet kein anderes Thema als die gestrichene Kopfhörerklinke im iPhone 7. Dagegen verblasste sogar das Galaxy Note 7, von dem sich einige Modelle weltweit in einem Akt spontaner Selbstentzündung spektakulär von der Bildfläche verabschiedeten. Was in all dem Trubel unterging: Das iPhone 7 hat noch mehr Neuerungen als den Wegfall einer mehr als 50 Jahre alten Buchse zu bieten. Der stern hat das Gerät eine Woche vor dem offiziellen Verkaufsstart getestet und sagt, ob sich ein Kauf lohnt.

Optik und Design

Auch wenn der Name „iPhone 7“ eine Generalüberholung suggeriert, optisch hat sich kaum etwas im Vergleich zur 6er-Generation geändert. Das Smartphone ist ein paar Gramm leichter, die Plastik-Antennenstreifen auf der Rückseite sind an den Gehäuserand gerutscht und der Kameraknubbel ist etwas dezenter. Er verschmilzt jetzt quasi mit der Rückseite. Auch wenn das Design schon etwas in die Jahre gekommen ist, das iPhone 7 ist immer noch eines der schicksten Smartphones am Markt. Schade nur, dass Wireless Charging, also das drahtlose Aufladen wie bei der Apple Watch Series 2, nicht unterstützt wird.iphone7-klinke

Keine Kopfhörerbuchse

Die wichtigste Änderung findet sich auf der Unterseite: Der Kopfhörereingang wurde wie eingangs erwähnt gestrichen. Dort, wo früher das Loch für den Klinkenstecker war, befinden sich jetzt Mikrofone, rechts daneben der Lautsprecher.

klinke-ProContraDoch wie hört man jetzt Musik? Ganz einfach: entweder per Lightning-Kabel oder via Bluetooth. Für die meisten Nutzer dürfte das kein Problem sein, in diesem Jahr war mehr als die Hälfte der verkauften Kopfhörer Bluetooth-tauglich. Wer standesgemäß die neuen, kabellosen Apple Airpods nutzen will, kann ab Oktober 179 Euro auf den Tisch legen. Günstige Bluetooth-Kopfhörer gibt es aber bereits ab 20 Euro.

Im Lieferumfang sind ein Kopfhörer mit Lightning-Anschluss sowie ein Adapter (Lightning auf Klinke) enthalten. Man kann also auch mit alten Kopfhörern sofort weiterhören, der Klang wird davon nicht hörbar beeinträchtigt. Dennoch: Wer Kopfhörer mit Strippe nutzt, für den wird es etwas unkomfortabler.

iPhone 7: Farben

Neben Silber, Gold und Roségold gibt es das iPhone 7 in zwei neuen Farbtönen: ein mattes Schwarz und ein auf Hochglanz poliertes Diamantschwarz. Letzteres ist mit seiner filigranen Verarbeitung und der spiegelnden Rückseite ein echter Hingucker. Leider ist es wie alle auf Hochglanz polierten Geräte eine Fingerabdruckfalle, die leicht zerkratzt – Apple warnt selbst auf seiner Webseite davor. Am Ende ist das iPhone 7 in Diamantschwarz nur in einer Schutzhülle oder Vitrine wirklich gut aufgehoben, oder man muss mit Kratzern leben. Das matte Schwarz dagegen ist deutlich alltagstauglicher und ebenfalls schick anzuschauen.iphone7-diamantschwarz

Selfies im Pool? Kein Problem

Glaubt man diversen US-Studien, ist die Todesursache Nummer eins zahlreicher Smartphones ein unfreiwilliges Bad in der Toilettenschüssel. Hierzulande dürfte das nicht anders sein. Für all jene, die anschließend verzweifelt versuchen, ihr Smartphone im Reisbad wiederzubeleben, gibt es eine gute Nachricht: Das iPhone 7 ist wasserdicht. Zwar nicht ganz so umfassend wie das Galaxy S7, immerhin übersteht das iPhone nun maximal 30 Minuten in einem Meter Wassertiefe. Aber man kann unter der Dusche den Instagram-Feed checken, und wie einige Tests zeigen, sogar Unterwasser-Selfies knipsen – allerdings auf eigene Gefahr. Denn Wasserschäden werden von Apples Garantie nicht abgedeckt.

Dennoch: Endlich müssen iPhone-Nutzer nicht mehr Angst haben, dass das Smartphone im strömenden Regen oder beim Sturz in die Pfütze den Geist aufgibt. An dieser Stelle eine wichtige Warnung: Nach dem Bad sollte das iPhone nicht sofort wieder ans Ladegerät gestöpselt werden. Am besten wartet man ein paar Stunden.iphone7-homebutton

Der neue Home-Button rüttelt

Der Home-Button auf der Unterseite wirkt auf den ersten Blick vertraut. Doch in Wirklichkeit handelt es sich um keinen echten Knopf mehr, sondern eine drucksensitive Fläche, unter der eine Taptic Engine arbeitet. Diese kennt man bereits vom Trackpad des Macbook. Kurz gesagt: Sobald man auf den Home-Button drückt, löst der Mini-Motor eine Vibration aus und simuliert das Gefühl, einen echten Knopf zu drücken.

Der wirkt bei der Inbetriebnahme des Geräts befremdlich, man gewöhnt sich aber schnell daran, außerdem kann man die Rüttel-Stärke in den Einstellungen anpassen. Wie ein echter Knopf fühlt es sich jedoch nie an. Durch den Schritt merzt Apple aber eine bekannte Fehlerquelle aus, denn bei vielen Nutzern quittierte der Home-Button nach einigen Jahren den Dienst und musste repariert werden.7 Tricks ios 10

Die Taptic Engine gibt dem Nutzer aber auch in anderen Bereichen Feedback: Zieht man etwa die Mitteilungszentrale vom oberen Bildschirmrand nach unten, rüttelt der Home-Button, sobald das Fenster unten „aufschlägt“. Das braucht kein Mensch, fühlt sich aber cool an. Apps von Drittanbietern können ebenfalls auf die Schnittstelle der Taptic Engine zugreifen – man darf gespannt sein, ob andere Entwickler die Funktion unterstützen werden.

iPhone 7: Kamera-Vergleich

Für die meisten Nutzer ist die Kamera das entscheidende Kaufkriterium. Die Kamera des iPhone 7 ist noch einmal in Details verbessert worden: Sie nimmt mehr und detailliertere Farben auf und die f/1.8-Blende ist lichtdurchlässiger als beim letztjährigen Modell (f/2.2). Das macht sich vor allem bei schummrigem Licht bemerkbar, hier wirken die Fotos heller und viel besser. Unterstützt wird es bei Nachtaufnahmen von einem überarbeiteten Vierfachblitz. Außerdem gibt es nun einen optischen Bildstabilisator, der vor groben Verwacklungen schützt. Den gab es bislang nur im großen Plus-Modell. Gute Nachrichten für Selfie-Freunde: Die Frontkamera knipst nun mit 7 statt 5 Megapixeln.

Wer weniger an technischen Daten und mehr an Bildeindrücken interessiert ist, der findet in dieser Fotostrecke eine Gegenüberstellung der Kamera des iPhone 7 mit dem Galaxy S7. Fazit: Tagsüber machen beide Smartphones exzellente Fotos, bei schlechten Lichtbedingungen fällt das Ergebnis je nach Belichtung unterschiedlich aus. Insgesamt befinden sich beide Kameras auf Augenhöhe. Das Galaxy S7 macht mit seinen leuchtenden Farben und satten Kontrasten optisch viel her, vor allem auf dem knalligen AMOLED-Display des S7. Realistischer sind die Farben meist beim iPhone. Wirklich besser ist keines der beiden Geräte. Fotostrecke-iphone7Galaxy

Flinker Prozessor

Schon das iPhone 6s zog die Android-Konkurrenz ab, in puncto Performance hat Apple beim iPhone 7 hat Apple noch einmal eine Schippe draufgelegt, wie diverse Benchmark-Apps (spezielle Programme zur Ermittlung der Leistungsfähigkeit) zeigen. Der brandneue A10 Fusion hat vier Kerne: Zwei Rechenkerne werden für anspruchsvolle Anwendungen wie 3D-Games genutzt, die anderen beiden sind akkuschonender und kommen bei wenig rechenintensiven Anwendungen zum Einsatz. Der A10-Chip dürfte genug Rechenpower für die nächsten Jahre besitzen. iphone7-akku

iPhone 7: Akkulaufzeit

Trotz mehr Leistung verspricht Apple beim iPhone 7 zwei Stunden mehr Akku-Laufzeit, beim großen iPhone 7 Plus ist immerhin eine Stunde mehr drin. Riesensprünge sind aber nicht zu erwarten, Dauerläufer sind auch die neuen iPhones nicht.

Im Alltagstest ist uns kein großer Unterschied zum Vorjahresmodell aufgefallen. Bei normaler Nutzung kommt man mit dem iPhone 7 locker über den Tag. Wer viel surft oder daddelt, muss schon früher an die Steckdose oder Powerbank. Geladen werden muss das Smartphone jeden Tag.

Eine Schnellladefunktion, wie sie viele andere Flaggschiff-Handys besitzen, unterstützt Apple nicht. Bei anderen Smartphones mit QuickCharge-Technik kann man mit passendem Ladegerät die Hälfte des Akkus in einer halben Stunde vollpumpen. Beim iPhone bleibt einem nur der Griff zum deutlich potenteren iPad-Netzteil, wenn man schneller laden will.

Endlich mehr Speicher

Speicher kann man bekanntlich nie genug haben, und endlich hat Apple das 16-Gigabyte-Einsteigermodell eingestampft. Los geht’s jetzt bei 32 Gigabyte, das mittlere Modell wächst auf 128 Gigabyte und das Premium-Modell bietet sogar 256 Gigabyte! Damit dürften selbst Musik-Horter lange über die Runden kommen. Ein microSD-Steckplatz ist wie immer nicht an Bord – man sollte vor dem Kauf also genau überlegen, wie viel Speicher man braucht. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte 110 Euro mehr in die Hand nehmen und das 128-GB-Modell kaufen. Im Zeitalter von 4K-Filmen läuft der Speicher schneller voll, als einem lieb ist.

iPhone 7: Display mit mehr Farben

Das Display des iPhone 7 misst weiterhin 4,7 Zoll, das große iPhone 7 Plus hat einen 5,5-Zoll-Bildschirm. Die Kontraste sind exzellent, außerdem kann es wie das iPad Pro oder das Galaxy Note 7 einen erweiterten Farbraum (DCI-P3) darstellen. Allerdings hält Apple beim kleinen Modell weiterhin an der Auflösung (1334 x 750 Pixel) der Vorgänger fest. Damit sieht man zwar keine Pixel, für Virtual-Reality-Anwendungen taugt das iPhone 7 aber nur bedingt. Andererseits: Weniger Pixel bedeuten aber auch weniger Stromverbrauch, und nur wenige Menschen nutzen wirklich regelmäßig VR-Programme. phone7-stereo

Stereo-Lautsprecher an Bord

HTC verbaut schon seit Jahren Stereo-Lautsprecher in seinen Smartphones, nun springt auch Apple auf den Zug auf. Ein Lautsprecher befindet sich wie bisher auf der Unterseite, der andere befindet sich neben der Frontkamera. Die Lautsprecher sind deutlich lauter als bisher, an die Qualität von Kopfhörern oder gar Boxen kommen sie natürlich nicht heran. Um ein YouTube-Video mit Freunden anzusehen, reichen sie allemal.

Fazit: Gelungenes Upgrade, aber wenig Wow

Der große Wurf mit völlig neuem Design wird beim iPhone erst im kommenden Jahr erwartet, wenn das Apple-Smartphone seinen zehnten Geburtstag feiert. Das iPhone 7 ist dementsprechend ein Übergangs-Modell: Die Optik ist weitgehend gleich geblieben, allerdings gibt es viele neue Funktionen unter der Haube. Besonders gut gefallen hat uns die Kamera, die bei schummrigem Licht gute Bilder knipst. Der verdoppelte Speicher und das wasserdichte Gehäuse dürften ebenfalls viel Anklang finden und mit dem pfeilschnellen Prozessor ist man für einige Jahre gerüstet. Ob die fehlende Kopfhörerbuchse stört, muss jeder für sich entscheiden. QuickCharge und ein erweiterbarer Speicher sind nicht an Bord. Und der Preis ist natürlich gesalzen, für das größte Speichermodell sind fast 1000 Euro fällig. Mit Kompromissen bekommt man einen guten Androiden schon für die Hälfte.

Für wen lohnt sich das iPhone 7?

Wer ein iPhone 6 oder iPhone 6s besitzt, muss nicht wechseln, sondern kann bedenkenlos noch ein Jahr warten – außer man will unbedingt die neue Kamera. Für Besitzer des iPhone 5s oder älterer Modelle ist das iPhone 7 dagegen ein lukratives Upgrade. Es bietet nicht nur einen größeren Bildschirm, sondern auch mehr Speicher, Rechenpower und Megapixel.

Das iPhone 7 kann man aktuell vorbestellen und kommt am 16. September in den Handel.

Preise

Speichergröße

iPhone 7

iPhone 7 Plus

32 GB

759 Euro

899 Euro

128 GB

869 Euro

1009 Euro

256 GB

979 Euro

1119 Euro

Die technischen Daten im Überblick

 

iPhone 7

iPhone 7 Plus

Maße (in Millimetern)

138 x 67 x 7,1

158 x 78 x 7,3

Gewicht (in Gramm)

138

188

Sprechzeit

bis zu 14 Stunden

bis zu 21 Stunden

Standby

bis zu 10 Tage

bis zu 16 Tage

Bildschirm-Diagonale

4,7 Zoll

5,5 Zoll

Auflösung

1334 x 750

1920 x 1080

Prozessor

2,33 GHz Quadcore

2,33 GHz Quadcore

Arbeitsspeicher

2 GB

3 GB

Speicher

32/128/256 GB

32/128/256 GB

Erweiterbarer Speicher

nein

Nein

Kamera (Rück/Front)

12 MPx / 7 MPx

2 x 12 Mpx / 7 Mpx

Mobilfunk

LTE-Advanced

LTE-Advanced

Wlan

802.11 a/b/g/n/ac

802.11 a/b/g/n/ac

Sonstiges

NFC, Barometer, Fingerabdrucksensor, wasser- und staubdicht

NFC, Barometer, Fingerabdrucksensor, wasser- und staubdicht, Dualkamera

Apple Watch Test 15.50h