Brief an US-Kongress: Apple weist Bericht über Spionage-Chips erneut zurück

Apple hat den Bericht über angeblich vom Konzern entdeckte Spionage-Chips aus China in einem Brief an den US-Kongress noch einmal mit Nachdruck zurückgewiesen.

Der Konzern habe nie bösartige Chips, Hardware-Manipulationen oder absichtlich platzierte Schwachstellen in irgendeinem Server gefunden, betonte Apple in dem Schreiben, das von der US-Website «Axios» veröffentlicht wurde. Auch habe man nie das FBI wegen solcher Sicherheitsbedenken kontaktiert oder sei von der Bundespolizei wegen entsprechender Ermittlungen angesprochen worden, bekräftigte der Konzern.

Der Finanzdienst Bloomberg hatte berichtet, dass chinesische Hacker entsprechende Computerchips direkt in die Elektronik von Servern einer amerikanischen Firma eingebaut hätten, deren Rechner in großen US-Konzernen sowie Behörden genutzt werden. Die winzigen Bauteile erlaubten es Angreifern, die Kontrolle über die Server zu übernehmen und Informationen abzuzapfen, hieß es unter Berufung auf anonyme Quellen. Bis zu 30 Unternehmen seien betroffen, namentlich genannt wurden Apple und Amazon, die die Berichte allerdings ungewöhnlich scharf dementierten.

Dem Bloomberg-Bericht zufolge laufen bereits seit drei Jahren geheime Ermittlungen der US-Behörden im Zusammenhang mit den Spionage-Chips. Die Ermittler hätten herausgefunden, dass sie in Fabriken in China in die Elektronik der Server der Firma Super Micro eingeschleust worden seien und vermuteten chinesische Militärhacker dahinter.

Das Dementi von Apple in dem Brief an den Kongressausschuss für Handel und Energie war noch ausführlicher als in den bisherigen Stellungnahmen. So habe die Überwachung der ausgehenden Datenverbindungen von Servern nie irgendwelche verdächtigen Übertragungen festgestellt. Apple überprüfe zudem die Sicherheitsinfrastruktur seiner Zulieferer, bevor man eine Geschäftsbeziehung mit ihnen eingehe. Bloomberg habe auf vielfache Nachfragen keine konkreten Angaben zu den angeblichen Spionage-Chips machen können, kritisierte der Konzern. Bloomberg hatte nach den Dementis vergangene Woche erklärt, man stehe weiterhin hinter dem Bericht.

Online-Netzwerk: Google Plus schließt für Verbraucher nach Datenpanne

Eine Software-Panne bei der Online-Plattform Google Plus hat App-Entwicklern unberechtigten Zugang zu einigen privaten Nutzerdaten gewährt. Als eine Reaktion wird das 2011 als Konkurrenz für Facebook gestartete Online-Netzwerk für Verbraucher dichtgemacht.

Durch die Software-Panne hätten App-Entwickler auf den Namen, die E-Mail-Adresse sowie Beschäftigung, Geschlecht und Alter von Nutzern zugreifen können, räumte Google ein. Der Fehler sei im März 2018 entdeckt und umgehend behoben worden.

Die Lücke habe aber bereits seit 2015 bestanden, berichtete das «Wall Street Journal» kurz davor unter Berufung auf interne Unterlagen des Internet-Konzerns. Google habe zwar keine Hinweise auf einen Datenmissbrauch, habe aber auch nicht genug Informationen, um ihn vollständig auszuschließen, heiße es darin. Der Konzern habe sich im März dagegen entschieden, die Öffentlichkeit gleich über die Entdeckung zu informieren.

Facebook, Twitter und Co.: Verbraucherschützer beklagen Datenschutz bei sozialen Medien

Nutzer der populärsten sozialen Netzwerke können trotz der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) nach wie vor kaum nachvollziehen, wie ihre Daten verarbeitet werden.

Zu diesem Schluss kommen Verbraucherschützer der Verbraucherzentrale NRW in einer am Montag in Berlin veröffentlichten Studie. Sie kritisieren, dass datenschutzrelevante Voreinstellungen nicht immer datenschutzfreundlich gestaltet seien, obwohl die DSGVO das bindend vorschreibe.

So bemängeln die Datenschützer, dass Facebook, Instagram, WhatsApp, Twitter, Snapchat und LinkedIn die Benutzer auffordern, die Kontakte auf dem Smartphone an den Anbieter zu übertragen. Die Voreinstellungen seien dabei durchgängig nicht datenschutzfreundlich. WhatsApp könne ohne eine Kontaktsynchronisation überhaupt nicht genutzt werden. Nur Pinterest und YouTube fordern die Anwender nicht dazu auf, die Kontakte abzugleichen.

Kritisch sehen die Verbraucherschützer auch die Praxis von bestimmten sozialen Netzwerke, nach den Mobilfunk-Nummern der Anwender zu fragen. In der Regel verfügten die User nur über eine einzige Mobilfunknummer für private Zwecke, während ein und dieselbe Person ohne viel Aufwand verschiedene E-Mail-Adressen für unterschiedliche Dienste nutzen könne. Mit der Mobilfunknummer könnten die Anwender über mehrere Dienste hinweg eindeutig identifiziert werden.

Der Grundsatz der Datenminimierung in der DSGVO schreibe aber vor, dass die erhobenen personenbezogenen Daten für die Zwecke, zu denen sie verarbeitet werden, «angemessen und erheblich sowie auf das für die Zwecke ihrer Verarbeitung notwendige Maß beschränkt» sein sollen. Die Angabe der Mobilfunknummer sei in den meisten Fällen für die Registrierung nicht erforderlich und erschwere darüber hinaus die pseudonyme Nutzung des Dienstes.

WhatsApp schneidet in der Studie nur bei der Nutzung von Tracking-Daten für personalisierte Werbung positiv ab, weil der Dienst noch ohne Reklame auskommt. Hier kritisieren die Verbraucherschützer die Voreinstellungen der Apps von Facebook, Instagram, Pinterest, Snapchat und YouTube als nicht datenschutzfreundlich. Eine Ausnahme bildet hier nur Twitter.

Insgesamt sehen die Verbraucherschützer «wesentliche Probleme in Bezug auf den Umgang von Anbietern Sozialer Medien mit Vorschriften der DSGVO». Auch nach dem Inkrafttreten der europäischen Verordnung blieben wesentliche Aspekte der Datenverarbeitung intransparent für den Nutzer. Den Nutzern werde nach wie vor erschwert, die Kontrolle über ihre personenbezogenen Daten zu behalten.

Sprachenvielfalt: Verlagschef will Milliarde für maschinelle Übersetzungen

Der Verlagschef und Internet-Experte Wolfgang Blau hat vor einer «digitalen Ausrottung» europäischer Sprachen gewarnt. Für viele Softwarehersteller und Inhalte-Anbieter lohne es sich nicht, Sprachversionen für kleine Länder oder Sprachräume anzubieten.

Die Europäische Union sollte daher eine Milliarde Euro in maschinelle Übersetzungen investieren, forderte Blau in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur: «Europa sollte dem Internet noch die fehlende Übersetzungsschnittstelle anbieten.»

Dies könne nicht nur die Sprachenvielfalt sichern, sondern auch «die Sichtbarkeit europäischer Inhalte und die digitale Auffindbarkeit und Verfügbarkeit europäischer Dienstleistungen dramatisch erhöhen». Blau, der als President von Condé Nast International in London arbeitet, ergänzte: «Die Sprache beziehungsweise der fragmentierte Sprachraum ist der eigentliche Flaschenhals des europäischen Binnenmarkts und auch journalistisch das größte Hindernis für das Entstehen einer europäischen Öffentlichkeit.»

Wer zum Beispiel eine E-Commerce-Website in Deutschland oder in Kroatien produziere, erreiche wegen der Sprachbarriere bisher nur einen Bruchteil der Verbraucher in Europa. Viele europäische Start-up-Unternehmen versuchten daher in Amerika zu wachsen statt in Europa, erklärte Blau.

Der gebürtige Stuttgarter war von 2008 bis 2013 Chefredakteur von «Zeit Online», anschließend Direktor Digitalstrategie bei der britischen Tageszeitung «Guardian». Bei der Medienkonferenz «Challenging (the) Content» am Montag und Dienstag in Wien, organisiert vom österreichischen EU-Ratsvorsitz, ist er einer der Hauptredner.