Angeblich von einer Polizistin: Krankenhaus angegriffen? Die dubiose Audiodatei, die G20-Fake-News verbreitete

„Die ungefilterte Kurzversion, die wahrscheinlich nicht in die Presse gelangt ist“: Mit diesen Worten kündigt eine vermeintliche Polizistin auf einer Audiodatei eine Botschaft an, die rund um den G20-Gipfel in Hamburg für Verunsicherung sorgte. Ihr gehe es gut und sie habe gerade Feierabend gemacht, erzählt die Frauenstimme auf der am G20-Freitag verbreiteten Nachricht. Dann verkündet sie ihre vermeintlichen Enthüllungen und spricht dabei von „wir“, wenn sie über die Polizei redet und von „verletzten Kollegen“.

Das Krankenhaus im Hamburger Stadtteil St. Georg sei „angegriffen“ worden und die Patienten müssten nun „ausgeflogen“ werden, berichtet die Unbekannte. Auch ein Kindergarten sei „angegriffen“ worden – wo genau, sagt sie nicht. Zudem sei eine „Kollegin entwaffnet“ worden. All das stellte sich schnell als Falschmeldungen heraus. Die Polizei dementierte, auch das Krankenhaus St. Georg widersprach gegenüber dem stern entschieden.

Sogar TV-Sender verbreitete die falschen Meldungen

Bis dahin hatte sich die Audiodatei allerdings bereits rasant über den Messengerdienst Whatsapp verbreitet. Schließlich schienen die Informationen ja direkt von der Polizei zu kommen. „Das muss dann wohl schon stimmen“, dachten sich offenbar viele und schickten die Datei an ihre Bekannten weiter. Explizit fordert die Frau am Ende der Aufnahme auch: „Das kannst du gerne streuen in deiner Umwelt, die Menschheit muss vielleicht mal mitkriegen, was noch so passiert, neben brennenden Autos.“

Auch auf Youtube wurde die Botschaft bereits am Freitag mit Krawall-Fotos versehen und als Video mit dem Titel „Ungeschönte Berichterstattung vom G20 (Polizistin spricht)“ hochgeladen. Mehr als 50.000 Menschen haben sich den Clip dort angesehen. Die Polizei wurde von besorgten Bürgern damit konfrontiert – und musste widersprechen. Selbst mindestens ein Nachrichtensender und mehrere Nachrichtenseiten verbreiteten die falschen Meldungen daraus – und mussten sich später korrigieren.Fake News_13.30

Polizei: „Damit wird sich hier nicht beschäftigt“

G20 Fake News 18.26Ob es sich bei der Frau auf der Bandaufnahme tatsächlich um eine Polizistin handelt, ob sie lediglich auf falsche Gerüchte hereinfiel und diese ungefiltert weiterverbreitete oder ob es ihr gezielt um Desinformation oder Unruhestiftung ging – all das ist unklar. Ein Sprecher der Polizei Hamburg sagt auf stern-Anfrage, er habe zwar davon gehört, der Polizei liege dieses Video aber nicht vor. Daher könne er dazu nichts sagen. Bereits am Samstag hatte ein anderer Polizeisprecher dem stern allerdings auf Anfrage bestätigt, dass zumindest die Audiodatei auch die Polizeipressestelle erreicht habe. Die Informationen darin seien „Quatsch“ und „Fake“, so die Auskunft am Wochenende. Auf Nachfrage vom Mittwoch, ob man sich denn mit dem Fall befasse und prüfe, ob die Frau tatsächlich für die Hamburger Polizei arbeitet, sagt der Sprecher: „Das ist nicht mehr verifizierbar. Damit wird sich hier nicht beschäftigt.“Hamburg räumt auf

HDR, UHD & Co.: Darauf müssen Sie beim Fernseher-Kauf achten

Ein UHD-Fernseher für 499 Euro, und das auch noch von einer bekannten Marke – derzeit überbieten sich die Elektronikmärkte wieder im Kampf um das beste Schnäppchen. Flachbild-Fernseher in allen Größen und Preisklassen werden feilgeboten – vom kleinen Schlafzimmer-TV bis zur riesigen Wohnzimmer-Glotze.

Doch worauf kommt es bei einem Fernseher an? Welche Technik ist wichtig? Und was bedeuten Abkürzungen wie 4K, SUHD und HDR? Wir erklären die wichtigsten Fernseher-Trends.

Wie groß sollte der TV sein?

Jahrelang galt die Faustregel: Die Bildschirmdiagonale sollte etwa ein Drittel des Abstands zwischen Sitzmöbel und TV betragen. Steht das Sofa also drei Meter weg, sollte die Diagonale etwa 100 Zentimeter messen (40 Zoll). Da moderne Fernseher immer schlankere Rahmen haben und das Bild schärfer wird, greifen viele Menschen zu größeren TV-Modellen. Der Durchschnitt liegt bei 55 Zoll, das sind 1,40 Meter Bilddiagonale – Tendenz steigend. 

Gibt es einen Unterschied zwischen 4K und UHD?

Ultra-HD (UHD) ist quasi der neue Standard für TV-Bildschirme, er umfasst eine Auflösung von 3840 × 2160 Pixeln. Das sind viermal so viele Bildpunkte wie bei Full-HD und 20-mal mehr als bei SD-Material. Das Seitenverhältnis beträgt bei allen Formaten 16:9. Echtes 4K dagegen ist der Standard für Digitale Kinos (DCI). Es entspricht in der Regel Auflösungen mit bis zu 4096 × 2160 Pixeln. Fernseher-Hersteller benutzen das Label aus Marketing-Gründen trotzdem gerne.

Braucht man UHD überhaupt?

Wer eine XXL-Fernseher (ab 55 Zoll) will, sollte unbedingt zu einen Modell mit Ultra-HD-Auflösung greifen. Selbst wenn man ganz nah vorm Fernseher sitzt, erkennt man dann keine Pixel mehr – vorausgesetzt, man hat auch das passende Videomaterial. Zwar übertragen Fernsehsender immer noch in HD, Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime bieten aber bereits UHD-Filme und -Serien an. Mit dem passenden Festplatten-Receiver können Sky-Kunden ebenfalls UHD-Filme empfangen. Außerdem beherrschen auch immer mehr Smartphones (etwa das Galaxy S8 oder iPhone 7) die Aufnahme von 4K-Filmen.Stiftung Warentest Preis Leistung_ 10.16

Sind QLED und OLED dasselbe?

QLED und OLED sind zwei Fernseher-Trends, die offensiv im Fachhandel beworben werden. Beide Technologien stellen besonders viele Farben dar und liefern sehr hohe Kontraste. Technisch gibt es aber Unterschiede: Bei OLED leuchten die Millionen Bildpunkte selbst, QLED ist dagegen quasi nur eine Art besseres LCD. Viele Anbieter – allen voran LG – setzen auf OLED, QLED kommt ausschließlich bei Samsungs neuesten Modellen zum Einsatz.

Viele Experten bevorzugen OLED-Displays. Zum einen bieten sie ein tieferes Schwarz, zum anderen hat sich die Technologie im Gegensatz zum recht neuen QLED bereits bewährt. Der Nachteil: OLED-Geräte sind meist teurer.

Was hat es mit HDR auf sich?

HDR steht für „High Dynamic Range“ und ist die derzeit wohl spannendste Technik im TV-Segment. Vereinfacht gesagt, stellen Fernseher durch die Technologie einen überdurchschnittlich hohen Kontrast und ein breiteres Farbspektrum dar. Dadurch wirken Filme natürlicher und in besonders dunklen oder hellen Bereichen sind mehr Details sichtbar. Vielen Experten zufolge hat HDR einen größeren Einfluss auf den Bildeindruck als UHD-Auflösung.

Wenn man sich einen UHD-Fernseher anschafft, sollte man also zu einem Modell greifen, das HDR unterstützt. Netflix und Amazon bieten auch schon Serien und Filme mit der Technik an, allerdings ist die Auswahl bislang noch überschaubar. Aktuelle UHD-Blu-rays unterstützen die Technik natürlich sowieso.

Für HDR gibt es zwei Standards: HDR10 und das technisch fortgeschrittenere Dolby Vision. Dolby Vision liefert die besseren Ergebnisse, doch es ist kostenpflichtig und wird deshalb von weniger Herstellern unterstützt. Tipp: Hat der Fernseher das Label „Ultra HD Premium“, unterstützt er sowohl die höhere UHD-Auflösung als auch HDR10. Solch einen Fernseher können Sie also bedenkenlos kaufen.

Lohnen sich Curved-Fernseher?

Vor allem Samsung warb in den letzten Jahren massiv mit Curved-TVs, das sind Fernseher mit gekrümmten Bildschirm. Die sind definitiv ein Hingucker im Wohnzimmer. Doch ein besseres Bild, wie es die Hersteller versprechen, liefern sie nicht. Das belegen Tests immer wieder. Um den perfekten Bildeindruck zu haben, muss man exakt mittig vor dem Fernseher sitzen, außerdem benötigt man riesige Bildschirmdiagonalen. Sitzt man etwas zu weit links oder rechts, nimmt die Bildqualität ab – Fußballgucken mit den Kumpels sollte man deshalb eher auf einem flachen Fernseher. Ein weiterer Nachteil: Durch die Krümmung eignen sich die Fernseher weniger für Wandhalterungen. Viele Hersteller haben die krummen TV-Modelle deshalb bereits wieder aussortiert, und auch Samsung schaltet allmählich einen Gang zurück.Smartphones unter 300 Euro 10.30

Was ist eigentlich aus 3D geworden?

Im Kino sind 3D-Filme immer noch äußerst populär, doch im Wohnzimmer ist die Technik weitgehend tot. Samsung etwa zog bereits endgültig den Stecker und unterstützt die Technik seit letztem Jahr gar nicht mehr. Einige Hersteller unterstützen 3D noch, entwickeln die Technik aber auch nicht mehr weiter. Eine Trendumkehr ist nicht zu erwarten, auch die Streaminganbieter wie Netflix oder Amazon konzentrieren sich eher auf UHD und HDR.

Brauche ich DVB-T2 HD?

DVB-T meint nichts anderes als das digitale Antennenfernsehen, der aktuelle Standard DVB-T2 HD wurde hierzulande am 29. März eingeführt. Das war bitter nötig, denn jetzt unterstützt das Antennenfernsehen auch HD-Auflösung. Um die Privatsender (RTL, Pro7 und Co.) in HD sehen zu können, benötigt man aber ein CI-Modul, außerdem gibt es eine jährliche Gebühr in Höhe von 69 Euro.

Was ist mit Ambilight?

Ambilight ist eine Technologie, die exklusiv von Philips-Fernsehern unterstützt wird. Dabei wird das Sichtfeld des Zuschauers durch farblich zum Bildinhalt angepasste Lichter vergrößert. Netter Nebeneffekt: In dunklen Räumen, in denen der Ambilight-Fernseher die einzige Lichtquelle ist, sollen Augenbeschwerden gemindert werden.

Wie viele Anschlüsse sind notwendig?

Wer Filme und Serien nur über Netflix und Co. schaut, dürfte mit zwei HDMI-Anschlüssen auskommen. Wer aber eine Playstation, einen Blu-ray-Player und womöglich noch eine weitere Konsole anschließen will, sollte besser zu einem Modell mit vier HDMI-Buchsen greifen,

Steht nicht schon 8K in den Startlöchern?

Stimmt. Auf Technikmessen werden bereits einige Fernseher mit 8K-Auflösung gezeigt. Doch erschwinglich ist die Technik frühestens in vier, fünf Jahren. Und selbst dann darf bezweifelt werden, dass es schon genügend Inhalte gibt. Viele Fernsehsender strahlen beispielsweise bis heute nicht in Full-HD aus, obwohl die Technik mehr als ein Jahrzehnt auf dem Buckel hat. Jetzt schon auf einen 8K-Fernseher sparen, ist also nicht empfehlenswert.Whatsapp Tricks_ 10.52

Smartphone-Markt: Windows Phone ist tot – so geht es für Microsoft weiter

Microsoft und Smartphones – das war nie eine Erfolgsgeschichte. Als Apple im Jahr 2007 das erste iPhone auf den Markt brachte, lachte der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer noch lauthals über das Gerät. Viel zu teuer, ohne Tastatur – so etwas würde sich im Massenmarkt nie durchsetzen, unkte Ballmer. Nach ein paar Jahren wurde er eines Besseren belehrt. Das iPhone ist das profitabelste Produkt aller Zeiten und machte Apple steinreich. Trotz aller Bemühungen und milliardenschwerer Zukäufe – etwa des finnischen Handyherstellers Nokia – konnte Microsoft im Smartphone-Markt nie richtig Fuß fassen.

Windows Phone eingestellt

Nun ist das Betriebssystem Windows Phone endgültig tot. Seit Dienstag erhalten Smartphones mit Windows Phone 8.1 keine Updates mehr, auch Sicherheitslücken werden nicht mehr gestopft. Der Microsoft-Support hilft ebenfalls nicht mehr bei Problemen weiter.Win10-News

Windows Phone 8.1 wurde im Frühjahr 2014 vorgestellt und kam im Sommer auf die ersten Geräte. Es war das erste Smartphone-Betriebssystem mit dem Sprachassistenten Cortana. Ein Jahr später wurde Windows Phone 8.1 von Windows 10 Mobile abgelöst. Das läuft immer noch auf einigen wenigen Lumia-Smartphones, diese erhalten nach wie vor Updates.

Der Smartphone-Markt ist mittlerweile klar aufgeteilt zwischen Googles offenem Android-Betriebssystem und Apples iOS. Laut NetMarketShare hat Android einen Marktanteil von 65 Prozent, Apples iOS liegt bei 31 Prozent. Windows Phone und Blackberry dümpeln bei weniger als einem Prozent in der Bedeutungslosigkeit.

Microsoft setzt auf Cloud first

Wie es bei Microsoft in puncto Smartphones weitergeht, ist nicht bekannt. Zwar produzieren vereinzelt Hersteller nach wie vor Geräte mit Windows 10 Mobile, derzeit konzentriert man sich in Redmond aber eher darauf, Microsoft-Dienste wie die Büro-Software Office bestmöglich für Android und iOS anzubieten. Das Cloud-Geschäft ist einer der vielversprechendsten Wachstumstreiber für Microsoft. Auf der Build-Konferenz vor wenigen Wochen stellte Microsoft viele neue Dienste vor – sowohl für Privat- als auch Business-Kunden.

Gerüchten zufolge arbeiten Microsofts Ingenieure in den Geheimlaboren aber längst an einem komplett neuen mobilen Betriebssystem. Die Hoffnung auf ein neues Smartphone sollten Microsoft-Fans ebenfalls noch nicht aufgeben: In einem Interview verriet Unternehmenschef Satya Nadella, dass Microsoft mit Sicherheit neue Telefone bauen werde, diese würden nur nicht mehr wie herkömmliche Smartphones aussehen, wie wir sie heute kennen. Was er damit genau meint, ließ er natürlich offen.

Windows Virenschutz 0714

Online statt Hotline: Mit dieser absurden Maßnahme will O2 sein Hotline-Problem lösen

Seit Telefónica die Töchter E-Plus und O2 letztes Jahr miteinander verschmolz, hat der Service in den Augen vieler Kunden arg gelitten. E-Mails und Faxe wurden als Kontaktform gestrichen, die Hotlines sind regelmäßig völlig überlastet, gestand ein Mitarbeiter im Herbst gegenüber dem stern. Jetzt testet O2 einen neuen Weg, das Problem anzugehen: Kunden sollen mit zusätzlichem Datenvolumen gelockt werden – und im Gegenzug auf den Hotline-Anruf verzichten.

+++ So finden Sie den besten Handy-Tarif +++

Das neue Programm nennt sich „Online statt Hotline“. Das grundsätzliche Angebot ist eigentlich recht attraktiv: Wer sich für das Online-Portal „myO2“ anmeldet, sich die O2-App herunterlädt und ein Instruktionsvideo zur Online-Rechnung ansieht, erhält jeweils 600 MB Datenvolumen zusätzlich. Ein netter Anreiz also, auf Hotline und Chat zu verzichten. „Unser Ziel ist es, noch mehr Kunden auf die Möglichkeiten unseres digitalen Self-Services aufmerksam zu machen und sie zu motivieren, diesen für sich einzusetzen“, erklärte O2 auf Anfrage. Wichtige Details, etwa ob der Bonus nur einmalig gewährt wird oder monatlich, wollte O2 uns gegenüber aber nicht verraten.O2 Erfahrung Chef_10.45

Anreiz oder Strafe?

Beim letzten Bonus zieht dieses Argument allerdings nicht. O2 spendiert noch einmal satte 1,8 GB zusätzlich – wenn man neun Monate lang nicht die Hotline anruft. Das mag in der Theorie durchaus als Anreiz durchgehen, nicht wegen jeder Kleinigkeit bei der Hotline durchzuklingeln. In der Praxis könnte es sich aber eher wie eine Strafe auswirken. Den Bonus bekommen offiziell nur Nutzer, die entweder keine Probleme haben, oder diese über die Online-Dienste lösen können. Wer vor echten Problemen steht, überlegt sich vielleicht mehrfach, ob man wirklich anrufen soll – weil man fürchtet, auf den Bonus verzichten zu müssen.

Als Abschreckungs-Maßnahme will O2 das Ganze aber nicht verstanden wissen. „Selbstverständlich können und sollen unsere Kunden auch weiterhin über die Hotline direkt mit uns in Kontakt treten“, erklärte uns eine Konzern-Sprecherin. Es gibt sogar Ausnahmen: „Kunden, die beispielsweise aufgrund von Vertragsverlängerung, Mahnung oder Kündigung bei der Hotline anrufen, (können) auch weiterhin an dem Testprojekt teilnehmen.“ Diese Anrufe zählen nicht für den Neunmonats-Zeitraum. Auch Empfangsprobleme sollen unter diese Ausnahmen fallen. Woher die Nutzer wissen sollen, welche Anrufe zählen und welche nicht, bleibt unklar.Life Hacks Wasserschaden Handy 11.00

Nur ein Test

Noch ist das Programm in der Testphase. Mitmachen kann daher nicht jeder: Auf der Internetseite kann man sich nur nach Einladung anmelden. Nach Angaben von O2 werden Kunden dafür aktuell nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, um die fehlerfreie Umsetzung zu testen. „Bei Erfolg kann das Angebot zukünftig auf weitere Kunden ausgeweitet werden.“Handytarif Vergleich So sparen Sie Geld beim Handyvertrag 1203

Besuch in Facebooks Löschzentrum: Enthauptungsvideos? "Das ist nicht mehr schlimm"

Die Arbeit in einem Facebook-Löschzentrum ist nichts für sensible Gemüter. „Ich weiß noch, das erste Enthauptungsvideo – da hab‘ ich dann ausgemacht, bin raus und hab erstmal ein wenig geheult“, erinnert sich eine Mitarbeiterin. Das sei dann aber auch ihr einziger emotionaler Ausbruch gewesen – weil man beim ersten Mal unvorbereitet dafür sei. „Jetzt hat man sich so daran gewöhnt, es ist nicht mehr so schlimm“, sagt die 28-Jährige.

Es ist das erste Mal, dass Journalisten mit drei Mitarbeitern des Löschzentrums sprechen können. Namen dürfen nicht genannt werden, um sie zu schützen. Insgesamt arbeiten hier 650 Menschen im Mehrschicht-Betrieb. Zu ihren Aufgaben gehört es, Einträge zu sichten und zu löschen, die strafbar sind oder gegen Facebook-Regeln verstoßen. Sie alarmieren Facebook, wenn aus einem Beitrag hervorgeht, dass jemand sich selbst oder anderen Schaden zufügen will. So seien durch anschließendes Eingreifen der Polizei schon Suizide verhindert worden, heißt es. Zu den weniger belastenden Aufträgen gehört die Überprüfung der Echtheit von Facebook-Profilen.

Psychologische Betreuung wird angeboten

Facebook Nachrichten Trends ManipulationIn den vergangenen Monaten hatte es kritische Medienberichte über das von der Bertelsmann-Dienstleistungstochter Arvato betriebene Zentrum gegeben. Darin beklagten sich namentlich nicht genannte frühere Mitarbeiter unter anderem darüber, dass sie mit den seelischen Strapazen des Jobs vom Arbeitgeber alleingelassen würden. „Ich als Teamleiter weiß ja nicht, ob jemand Betreuung braucht oder nicht“, sagt jetzt einer der Mitarbeiter. Man sei angewiesen darauf, dass die Leute sich selbst melden. „Gedanken lesen kann ja keiner“, stimmt ihm eine Kollegin zu. „Und die Betreuung stand ja schon damals zur Verfügung.“

An jedem Arbeitsplatz in dem Gebäude sind jetzt Aufkleber mit Kontaktdaten von Experten für psychologische Betreuung angebracht. Das sei nicht immer so gewesen, sagt Arvato-Manager Karsten König. Vielleicht hätte man von Anfang an die Angebote stärker in den Vordergrund rücken müssen, räumt er ein.

Streitgespraech-Augenzeugen-dbate 19.30h

„Ich war richtig sauer“

Die Mitarbeiter, die jetzt unter den Augen der Sprecher von Facebook und Arvato mit Journalisten sprechen, zeigen sich verletzt von den Berichten. „Ich war richtig sauer“, sagt eine von ihnen. Weil damit ein Schatten auf die Arbeit der Teams geworfen werde. „Wir retten Leben, wir versuchen, Leuten zu helfen.“ Ihre Kollegin pflichtet ihr bei: „Wir kommen uns gut dabei vor, was wir machen. Wenn ich jemandem ersparen kann durch meine Arbeit, dass er das sehen muss, dann finde ich das sehr gut.“ Wenn sie Kinder hätte, würde sie auch nicht wollen, dass diese darüber stolpern.

Ihr Arbeitsplatz sieht aus wie viele andere Großraumbüros. Lange Tischreihen, an denen sich zehn bis zwölf Menschen gegenübersitzen. Pro Raum finden rund 60 Menschen Platz. In dem frisch bezogenen Gebäude – man zog gerade erst vom Haus gegenüber um – riecht es noch nach frischer Farbe. Die weiße Wand zieren ein großer Facebook-Schriftzug sowie zwischen den Fenstern zwei „Gefällt mir“-Daumen und ein App-Icon von Instagram. Obst und Gemüse werden vom Arbeitgeber gestellt, es gibt Yoga als Entspannungsangebot und einen „Feelgood-Manager“, der sich um Probleme kümmern soll.

Facebook_loeschen 19.55h

Wie lange kann man diesen Job machen?

Von den 650 Beschäftigten kamen 106 auf Empfehlung bisheriger Mitarbeiter dazu. Alle drei Mitarbeiter, mit denen die Journalisten sprechen können, sind seit mehr als einem Jahr dabei und stießen auf der Suche nach einem stabilen Job auf die Lösch-Tätigkeit: eine Grafik-Designerin, eine Social-Media-Managerin, ein Landschaftsgärtner. Für Neuzugänge gibt es zunächst eine Woche Orientierung, dann ein mehrwöchiges Prozesstraining für bestimmte Tätigkeiten, erklärt Facebook-Manager Walter Hafner. Bevor jemand in einen neuen Bereich wechsele, laufe er erst einmal probeweise mit, „Shadowing“ heißt das hier, von Schatten.

Das Enthauptungsvideo, das die Mitarbeiterin so schockierte, bekam sie noch in der Orientierungsphase zu sehen. Später habe sie auch mit sogenanntem „High-Priority-Content“ gearbeitet – zum Beispiel Selbstverletzungen und Suizidgefahr, also Situationen, in denen schnelles Eingreifen nötig ist. „Da habe ich dann festgestellt, dass ich es nicht so gut wegstecken kann und darum gebeten, das nicht mehr machen zu müssen.“ Wie lange man diesen Job machen könne? „Jahrelang auf jeden Fall nicht, man möchte sich ja auch weiterentwickeln.“

Was Facebook-Leute an Facebook… Umfrage unter Mitarbeitern (2073990)Ihr Kollege, ein Mittzwanziger, ist härter im Nehmen. „Mich persönlich hat der Inhalt nie gestört“, sagt er. „Nicht dass ich das schön finde, aber ich konnte immer gut trennen zwischen Arbeit und Persönlichem.“ Das sei hier auch gefragt. Was er in seinem Job gesehen habe, will einer der Journalisten wissen.

Kinderpornos? „Ja.“

Tierquälerei? „Ja.“.

Mord, Totschlag? „Ja eigentlich alles.“

Einmal sei er beim Psychologen gewesen, um präventiv zu sprechen.

Menschliche Filter für den Unrat im Netz

Man kann es nicht anders sagen: Die Leute, die hier arbeiten, nehmen es auf sich, menschliche Filter für dem Unrat im Internet zu sein. Der Job verändere einen, räumen die Mitarbeiter ein. „Es sensibilisiert auf jeden Fall“, sagt eine von ihnen. Man sehe in der S-Bahn eine Frau mit Narben an der Hand, die einem vielleicht nicht aufgefallen wäre, wenn man sich nicht mit Selbstverletzungen beschäftigt hätte. „Leute tun sich grausame Sachen an“, sagt ihre Kollegin. „Ich persönlich hatte schon vorher nicht so viel Glauben in die Menschheit und jetzt so gut wie gar keinen mehr.“Photoshop Paar15.10