Snapchat sei Dank: Schülerin macht ihre Schule um 24 Millionen reicher

Es fing vor genau fünf Jahren an. Facebook war zu diesem Zeitpunkt für die meisten Jugendlichen „out“. „Was soll ich auf einer Plattform, wo sich jetzt auch meine Eltern rumtreiben?“, so das Credo. Stattdessen war bei den meisten Teenagern eine App mit einem Geist als Logo der absolute Hit: Snapchat.

Man konnte sich Nachrichten, Fotos und Videos schicken und diese löschten sich nach kurzer Zeit ganz von allein. Auch die damals 14-jährige Nathalie Eggers snappte mit ihren Freundinnen tagtäglich, bis sie eines Tages ihr Vater Barry fragte, was sie da genau mache. „Dad, das ist die neue App. Sie heißt Snapchat“, antwortete sie.

Ihr Vater hakte nach. Er fragte, wie die App funktioniere und ob auch Jungs sie benutzen würden. Sein Sohn Andrew, der das Gespräch mit angehört hatte, kam ins Zimmer und sagte: „Ja, wir benutzen sie auch.“

Auch die Schule investiert in Snapchat

Sofort setzte sich Barry mit seinem Investitionspartner Jeremy Liew zusammen und klärte ihn über die App auf. Der war von Snapchat genauso angetan wie Eggers. Also machten sie ein Treffen mit den beiden Gründern aus, Evan Spiegel und Bobby Murphy. Die Erfinder von Snapchat studierten zu diesem Zeitpunkt noch an der Stanford University.

Ein paar Tage später überweisen Eggers und Liew den Gründern 500.000 US-Dollar. 485.000 Dollar steuerte ihre Investitionsgesellschaft bei und 15.000 die Saint Francis High School. Denn Barry hatte zuvor der Schule, auf die seine Kinder gehen, das Angebot gemacht, mit einzusteigen. Die Saint Francis überlegte nicht lange, rief Eltern auf zu spenden und stieg mit ein.

An einem Tag um 24 Millionen Dollar reicher 

Am 2. März war es dann so weit. Snapchat ging an die Börse. Durch die frühe Investition war die Schule im Besitz von zwei Millionen Aktien, die jeweils einen Wert von 17 Dollar hatten. Zwei Drittel der Aktien verkauften sie direkt am ersten Tag und strichen damit 24 Millionen US-Dollar ein.

Vom Millionengewinn profitieren jetzt vor allem die Schüler, wie der Schulleiter Simon Chui in einem Brief mitteilte. „Jeder wird verstehen, dass das unsere Schule ganz schön verändert. Es ist uns wichtig, dass wir Gottes Gnade zeigen“, schrieb Chui in einem Brief.

Wie sich die katholische Privatschule verändert, zeigen schon die Bewerbungen um einen Platz. Die sind laut „Bild am Sonntag“ seit dem Börsengewinn um 75 Prozent angestiegen.

Und alles nur, weil Nathalie ihrem Vater erklärt hat, was Snapchat ist.

21-Konkurrenz für Facebook: Snapchat auf dem Vormarsch-4810529665001

Tim Berners-Lee: Er erfand vor 28 Jahren das Internet – diese drei Dinge stören ihn heute gewaltig

Eigentlich wollte Tim Berners-Lee nur das Chaos an seinem Arbeitsplatz minimieren. Doch mit seinem Thesenpapier „Informationsmanagement: Ein Vorschlag“ schuf er im März 1989 die Grundlage für das Internet, wie wir es heute kennen. Der damalige Informatiker am Kernforschungszentrum Cern in der Schweiz träumte von einer Plattform, auf der alte Artikel, Anleitungen und Aufsätze nicht nur für alle einsehbar archiviert werden, sondern auch für alle Neulinge leicht auffindbar seien. Sein Vorgesetzter war von der Idee nicht begeistert („Vage, aber hochinteressant“), doch Berners-Lee ließ sich davon nicht abhalten. Weihnachten 1990 legte er den ersten Webserver der Welt an, am 6. August 1991 machte der damals 36-Jährige die erste Webseite im Internet öffentlich.Wozu die schwarzen Markierungen am Maßband dienen 12.55

Seitdem hat sich viel getan. Konzerne wie Google, Apple, Facebook, Netflix und Amazon dominieren das Netz. Aus dem Wissensarchiv von einst wurden das größte Unterhaltungsangebot der Welt und zahlreiche soziale Netzwerke. 28 Jahre später blickt Tim Berners-Lee in einem Gastbeitrag im britischen „Guardian“ auf das heutige Internet. „Vor allem drei Trends besorgen mich, mit denen wir fertigwerden müssen, damit das Netz sein wahres Potenzial für die Menschheit entfalten kann.“

Trend 1: Wir haben die Kontrolle über unsere persönlichen Daten verloren

Am meisten besorgt Berners-Lee die Datensammelei vieler Konzerne, die kostenlose Dienste im Austausch für persönliche Informationen der Nutzer bieten. Das Problem daran: Die Daten werden „in eigenen Silos gehortet, außerhalb unserer Sichtweite“, schreibt der Netzexperte. Eine direkte Kontrolle über die eigenen Daten sei so nicht mehr möglich. Oft könne man nicht einmal entscheiden, welche Informationen man mit Firmen teilen möchte und welche nicht – das Motto sei meist „ganz oder gar nicht“.

Das kann gravierende Folgen haben. Denn nicht nur Firmen könnten auf diese Weise beinahe jeden unserer Schritte online verfolgen, sondern auch Regierungen. In einigen Regimes werden politische Feinde und unliebsame Aktivisten auf diese Weise überwacht und anschließend eingesperrt oder gar getötet, merkt Berners-Lee an. „Doch selbst in Ländern, in denen Regierungen nur das Beste für ihre Bürger im Sinn haben, geht die Dauerüberwachung einfach zu weit.“ Das Netz sei kein Platz mehr, um sich über wichtige Themen wie Sexualität, Religion oder heikle Krankheiten zu informieren. Dabei war der freie Zugang und Austausch von Informationen eines seiner größten Anliegen.

Trend 2: Fehlinformationen verbreiten sich zu leicht im Web

„Heutzutage finden viele Menschen Nachrichten und Informationen nur noch über eine Handvoll sozialer Netzwerke und Suchmaschinen“, schreibt Berners-Lee. Auch das hat einen gewaltigen Haken: Denn viele Portale verdienen mehr Geld, je mehr Links von den Besuchern angeklickt werden. Um die Klickrate zu erhöhen, bekommen die Nutzer deshalb die Inhalte zu sehen, von denen ein Algorithmus glaubt, dass sie am wahrscheinlichsten geklickt werden.

Die Folge: Fehlinformationen oder Fake News können sich rasend schnell verbreiten. Durch immer ausgefeiltere Programme und ganze Armeen von Bots kann das System schnell manipuliert und von einigen Menschen zu politischem oder finanziellen Vorteil genutzt werden.

Trend 3: Politische Online-Werbung benötigt mehr Transparenz

„Politische Online-Werbung ist zu einer hochentwickelten Industrie geworden“, schreibt Berners-Lee. Durch die immer größere Menge an privaten Daten und mächtigen Algorithmen sei es möglich, individuell zugeschnittene Online-Werbung auszuspielen. Im US-Wahlkampf war das bereits zu beobachten. Angeblich seien rund 50.000 verschiedene Varianten von Werbeanzeigen jeden einzelnen Tag auf Facebook ausgespielt worden, „da ist eine Kontrolle beinahe unmöglich.“ Einige politische Werbekampagnen lotsen die Nutzer auch auf „Fake News“-Seiten. „Zugeschnittene Werbung erlaubt es, verschiedene, sich möglicherweise gar überschneidende Themen verschiedenen Zielgruppen auszuspielen. Ist das demokratisch?“, fragt Berners-Lee.

Lösung der Probleme

Diese Probleme seien alle äußerst komplex, dementsprechend sind auch die Lösungen nicht einfach. Berners-Lee hat gemeinsam mit seiner Web Foundation dennoch ein paar Maßnahmen und Forderungen parat. So fordert er die IT-Konzerne auf, den Nutzern wieder mehr Kontrolle über ihre Daten zu geben und alternative Geschäftsmodelle (Abonnements, Mikrotransaktionen) zu evaluieren. Die Regierungen müssen daran gehindert werden, noch umfassendere Überwachungen einzuführen. Gatekeeper wie Google und Facebook sollten noch vehementer gegen Fake News vorgehen, und wir müssen sie dabei unterstützen. Algorithmen, die unser aller Leben entscheidend beeinflussen, sollten transparenter gemacht und politische Kampagnen müssen stärker reguliert werden.

„Ich mag das Web erfunden haben“, schreibt Berners-Lee zum Abschluss. Doch erst die Millionen Blogs, Foren, Webseiten, Fotos, Videos und Tweets hätten es zu dem gemacht, was es heute ist. „Es hat uns alle gebraucht, um das Netz, das wir heute haben, aufzubauen – und jetzt liegt es an uns allen, das Netz zu bauen, das wir möchten.“Life Hack Tastatur reinigen 11.54