20 Jahre OSI: Keine Angst mehr vor dem «Krebsgeschwür» Open Source

Das Urteil von Steve Ballmer fiel vernichtend aus. Das offene Betriebssystem Linux sei «ein Krebsgeschwür», das «alles befällt, was es berührt», sagte der damalige Microsoft-Chef im Jahr 2001 in einem Zeitungsinterview.

«Die Art und Weise, wie die Lizenz formuliert wurde, sorgt dafür, dass Sie Ihre gesamte Software als Open-Source-Software deklarieren müssen, sobald sie irgendeine Open-Source-Software verwenden.»

Linux war zu diesem Zeitpunkt bereits zehn Jahre alt und wurde von Ballmer längst als Bedrohung des Geschäftsmodells von Microsoft empfunden. Zuvor hatte bereits ein anderes Projekt mit akademischen Wurzeln den Softwareriesen aufgeschreckt. 1993 hatte Marc Andreessen an der University of Illinois den ersten Mosaic-Browser entwickelt und sich später mit Netscape daran gemacht, seine Software zur führenden Plattform im World Wide Web zu machen. Microsoft-Gründer Bill Gates nahm die Herausforderung an, ließ den Internet Explorer entwickeln und zettelte damit den «Browser-Krieg» an, in dem Netscape dann den Kürzeren zog.

Netscape ging in der Niederlage gegen Microsoft aber nicht spurlos unter, sondern hinterließ der Szene den Quelltext des Netscape Navigators, der wirtschaftlich scheinbar nicht mehr zu verwerten war. Aus diesem Code entstand dann später das äußerst erfolgreiche Mozilla-Projekt mit dem Firefox-Browser. Die Netscape-Führung ließ sich bei ihrer Entscheidung maßgeblich von dem Essay «Die Kathedrale und der Basar» leiten, das die US-Hacker-Legende Eric S. Raymond erstmals auf einem Linux-Kongress am 22. Mai 1997 in Würzburg öffentlich vorgetragen hatte.

In dem Text beschreibt Raymond die Vor- und Nachteile der im Open-Source-Bereich inzwischen weit verbreiteten Entwicklungsmethode des «Basars» gegenüber der traditionellen Methode, die er «Kathedrale» nennt. «Nach Auffassung der Erbauer der Kathedrale sind Programmierfehler und Entwicklungsprobleme knifflige, tief gehende und heimtückische Erscheinungen.» Es dauere Monate der Analyse, um Zuversicht in die Fehlerfreiheit des Codes zu bilden. «Daher die langen Intervalle zwischen den Freigaben und die langen Gesichter, wenn eine lang erwartete Release nicht fehlerfrei ist.» Auf dem Basar funktioniere das ganz anders. «Man geht davon aus, dass Fehler ein sehr triviales Phänomen sind, (…) wenn (der Code) tausend begeisterten Mit-Entwicklern ausgesetzt wird, die nach jeder neuen Release darauf herum trampeln.»

Vor 20 Jahren, am 3. Februar 1998, traf sich Open-Source-Vordenker Raymond mit anderen Aktivisten in Palo Alto im Herzen des Silicon Valley, um die Open Source Initiative (OSI) als gemeinnützige Organisation zu gründen. Seitdem wacht die OSI über die Grundprinzipien: Der Quellcode (Source Code) von Software darf kein Betriebsgeheimnis sein, sondern wird allen Interessierten offen bereitgestellt. Dann können andere den Code verbessern und ergänzen, müssen ihn aber wieder für die Community bereitstellen.

Diese Grundidee von freier Software schien über Jahre hinweg mit dem kommerziell betriebenen Software-Geschäft kaum vereinbar. Wie kann man mit «freier» Software das Geld verdienen, wenn diese in der Regel kostenlos verteilt wird? Und wie funktioniert ohne klassische Hierarchie-Strukturen eine Qualitätskontrolle? Die Aktivisten fanden darauf jedoch Antworten. So wurden beispielsweise Firmen wie SuSE und Red Hat auch kommerziell erfolgreich, weil sie kostenpflichtige Dienstleistungen rund um die offene Software bereitstellen. Google erwirtschaftet seine Werbe-Milliarden auch auf der technischen Basis von Open-Source-Projekten.

Die etablierten Softwarekonzerne taten sich aber schwer mit der Idee. Der damalige Microsoft-Boss Ballmer erhielt damals auch von anderen kommerziellen CEOs für seine Verdammung der offenen Software als «Krebs» viel Beifall. Die Open-Source-Kritiker konnten aber nicht verhindern, dass offene Projekte wie das Betriebssystem Linux, die Software-Entwicklungsplattform Git oder die inzwischen zu Oracle gehörende Datenbank MySQL quasi flächendeckend eingesetzt werden.

Ballmer-Nachfolger Satya Nadella hat auch längst seinen Frieden mit den Open-Source-Plattformen geschlossen. So sorgte er dafür, dass in der Microsoft-Cloud-Plattform Azure auch Linux – und nicht nur das hauseigene Betriebssystem Windows – einen sicheren Platz finden kann. Als Nadella auf der Konferenz «Build» 2016 eine Kooperation mit dem Linux-Anbieter Red Hat ankündigte, erschien hinter ihm eine Folie, auf der «Microsoft loves Linux» zu lesen war. Ein Kommentator auf Twitter fasste seine Verwunderung so zusammen: «(Das Linux-Tool) Bash auf Windows muss für Microsoft so sein wie für Star Trek, als zum ersten Mal Klingonen mitfliegen durften.» Und das Fachmagazin «PC World» meinte schockiert: «Die Hölle friert zu.»

Unitymedia: Irres Urteil: Warum Ihr Router jederzeit zum öffentlichen Wlan-Hotspot werden kann

Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia darf nach einem Gerichtsurteil die seinen Kunden zur Verfügung gestellten Router für den Aufbau eines flächendeckenden WLAN-Netzes nutzen. Eine ausdrückliche Zustimmung der Kunden sei nicht erforderlich, entschied am Freitag das Oberlandesgericht Köln und hob eine gegenteilige Entscheidung der ersten Instanz auf.

Da der Kunde jederzeit Widerspruch gegen die Nutzung seines Routers einlegen könne, sei das Vorgehen von Unitymedia für ihn keine unzumutbare Belästigung, entschied der 6. Zivilsenat (Az.: 6 U 85/17). Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung ließ das OLG die Revision zum Bundesgerichtshof zu. +++ Welcher DSL-Anbieter der beste ist, erfahren Sie hier +++Stiftung Warentest Router 11.58

Nicht im selben Wlan

Unitymedia aktiviert auf den WLAN-Routern ein zweites Signal, um WiFi-Spots aufzubauen. Dagegen hatte die Verbraucherzentrale NRW mit Verweis auf das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb geklagt. Das Landgericht Köln hatte der Verbraucherzentrale Recht gegeben. Der Kunde müsse der Nutzung seines Routers ausdrücklich zustimmen, hatten die Richter der ersten Instanz entschieden.

Das sahen die Richter des OLG anders. Unitymedia habe ein berechtigtes Interesse, sein Dienstleistungsangebot durch Zusatzfunktionen auszuweiten. Außerdem gebe es ein Interesse der anderen Kunden, Wifi-Hotspots auch außerhalb der Privatwohnung zu nutzen. Die Software könne ohne Mitwirkung oder Störungen der Kunden aufgespielt werden. Anhaltspunkte für eine Sicherheitsgefährdung seien nicht vorgetragen worden. 

Unitymedia ist in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg aktiv. Über die Hotspots können andere Unitymedia-Kunden kostenlos ins Internet gehen und Mobilfunkdatenvolumen sparen. Google Wifi Test 6.25

Apple verkündet Rekordgewinn: Das iPhone X ist ein Verkaufs-Hit – aber bleibt das auch so?

Im September zeigte Apple erstmals sein iPhone X und Begeisterung und Zweifel hielten sich die Waage. Das iPhone X ist schick, schnell – und mit mindestens 1149 Euro unfassbar teuer. Würden die Kunden einen solch hohen Preis akzeptieren? Apple-Chef Tim Cook hat sich bei der Verkündung der aktuellen Quartalszahlen das erste Mal dazu geäußert – mit einem klaren „Ja“: Das iPhone X ist seit November das meistgekaufte iPhone-Modell. 

Der Konzern blieb sich zwar treu und nannte keine genauen Zahlen zum Verkauf einzelner iPhone-Versionen. Doch der Sprung beim durchschnittlichen iPhone-Verkaufspreis von 695 auf 796 Dollar ist ein klarer Hinweis: Das bisher teuerste Apple-Handy war zunächst einmal ein Hit. 

Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma Strategy Analytics gelang es Apple mit 77,3 Millionen verkauften iPhones auch wieder einmal, in einem Weihnachtsquartal an Samsung vorbei an die Spitze des Smartphone-Marktes vorzurücken.iPhone X Test NICHT VERÄNDERN

Bleibt das iPhone X ein Hit?

Die Frage ist nur: Geht das so auch weiter, über das Weihnachtsgeschäft hinaus, in dem das Geld möglicherweise lockerer sitzt als sonst? Zuletzt häuften sich Berichte von Analysten und Medien, denen zufolge Apple den Fertigungsauftrag an die Zulieferer deutlich gesenkt habe, was als Zeichen für eine sinkende Nachfrage interpretiert wurde. Solche Informationen aus der weit gefächerten Zuliefererkette hatten sich in der Vergangenheit aber auch schon als wenig verlässlich herausgestellt. Der Ausblick von Apple selbst lieferte jetzt widersprüchliche Signale.

Die Umsatzprognose von 60 bis 62 Milliarden Dollar für das laufende Vierteljahr enttäuschte die Analysten – sie hatten eher mit 65 Milliarden gerechnet. Zugleich versicherte Finanzchef Luca Maestri, dass die iPhone-Umsätze auch in diesem Quartal prozentual zweistellig wachsen werden. Allerdings rechne Apple auch mit einem stärkeren Abfall des durchschnittlichen iPhone-Preises als sonst üblich.

Analyst Tim Long von BMO Financial rechnet auf dieser Basis mit 51 bis 54 Millionen verkauften iPhones im laufenden Quartal, deutlich unter der am Markt erwarteten Prognose bei 58 Millionen Geräten. iPhone X: Für wen lohnt es sich?_17.40

Der Markt schrumpft

Apple-Chef Tim Cook wurde von einem Analysten denn auch gefragt, ob man davon ausgehen könne, dass künftige iPhone-Modell an das X mit seinem flächendeckenden Bildschirm und Technik wie Gesichtserkennung anknüpfen werden. Cook, der üblicherweise für Äußerungen über künftige Produkte gar nicht zu haben ist, gab einen eher deutlichen Hinweis. Apple habe zum Start gesagt, dass es das iPhone für das nächste Jahrzehnt ist, und stehe dazu, sagte Cook.

Zugleich schränkte der Apple-Chef ein, dass die Entwicklung im Smartphone-Markt insgesamt derzeit schwer vorherzusagen sei. In vielen Ländern behielten Verbraucher ihre Smartphones länger, bevor sie ein neues Geräten kauften – auch weil Subventionen bei Mobilfunk-Anbietern zurückgefahren worden seien. Strategy Analytics ermittelte für den gesamten Markt den bisher höchsten Rückgang von neun Prozent auf 400 Millionen Smartphones. Wenn Apple seine Marktanteile in Zukunft noch steigern wolle, müsse der Konzern dafür günstigere statt teurere Modelle auf den Markt bringen, sagte Analyst Neil Mawston. Apple fuhr bisher aber eher konsequent die Strategie, die Preise zu halten und lieber auf Marktanteile als auf Gewinne zu verzichten. iPhone Preise_17.15