Facebook-Skandal: Was Mark Zuckerberg zum Facebook-Skandal sagt – und was er lieber verschweigt

Es ist einer der größten Skandale in Facebooks Firmengeschichte. Die umstrittene Firma Cambridge Analytica soll die Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern abgestaubt haben, um sie im Wahlkampf von Donald Trump zu benutzen. Besonders heikel ist, wie die Firma an die Daten kam. Mehr dazu erfahren Sie hier. Obwohl Facebook in einem Sturm der Kritik stand, schwieg Chef Mark Zuckerberg tagelang. Nun hat er eine Reihe von Interviews gegeben. Wir fassen zusammen, was er darin sagte – und wozu er lieber schwieg.

Entschuldigung – und Schuldzuweisung

Im Interview mit CNN und auch bei anderen US-Medien entschuldigte sich Zuckerberg klar. „Was passiert ist, tut mir leid“, gab er sich reumütig. Die Schuld in dem Skandal sieht er aber nicht bei Facebook – sondern bei Cambridge Analytica. Die Firma hätte sich nicht an bestehende Regeln gehalten. „Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist. Aber ich vertraue in eine Person, die etwa rechtlich bindend zugesagt hat, dass sie sich auch daran hält. Zurückblickend war das sicher ein Fehler.“Facebook: So sehen Sie, welche Apps Zugriff auf Ihre Daten haben_10.40

Man sei bei der Abwägung zwischen der Privatsphäre der Nutzer und der Option, durch frei verfügbare Daten eine andere Nutzungserfahrung zu ermöglichen, zu optimistisch gewesen, erklärte er „Recode“. „Ich war da vielleicht zu idealistisch, dass leicht verfügbare Daten zu besseren Nutzungserfahren führen – und das taten sie ja auch oft. Aber das klare Feedback unserer Community ist, dass Privatsphäre den höheren Stellenwert hat.“

Auch die Entscheidung, die Täuschung durch Cambridge Analytica nicht weiter zu untersuchen, sieht Zuckerberg im Nachhinein als Fehler. Facebook wusste bereits 2015, dass die Firma die Daten nicht, wie angegeben, für reine Forschungszwecke nutzen wollte. Man hätte das wohl weiter verfolgen müssen, so Zuckerberg. Eine sehr späte Erkenntnis, die zudem nicht erklärt, wie es zu diesem Totalversagen bei der Aufklärung kommen konnte. Zudem bleibt die Frage, warum ein Sprecher des Unternehmens gegenüber einer Kommission des britischen Parlaments behauptete, die Daten stammten sicher nicht von Facebook, wenn das Unternehmen es besser wusste. 

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So will man die Nutzer schützen

Facebook gibt negativen Einfluss zu 1345Um es in Zukunft besser zu machen, will Facebook 5000 neue Stellen schaffen. Knapp 15.000 Mitarbeiter kümmerten sich aktuell um die Sicherheit der Nutzer, sagte Zuckerberg der „New York Times“. 20.000 sollen es noch dieses Jahr werden. Zudem sollen die Daten-Zugriffe für Drittanbieter-Apps eingeschränkt werden, die Entwickler der Daten sollen den Zugriff zudem verlieren, wenn der Nutzer die App mehr als drei Monate nicht nutzt. Wer von dem Leak betroffen war, soll das über eine eigene Anwendung bei Facebook herausfinden können.

15 weitere Änderungen zum Datenschutz habe man nicht im Detail angekündigt, sagte Zuckerberg gegenüber „Wired“. Dabei gehe es vor allem um Nuancen und schwer zu erklärende Änderungen im Detail, so der Facebook-Chef. Ob wir jemals erfahren, was sich wirklich ändert, lässt er offen.

Gibt es noch andere Fälle?

Wie viele andere Fälle es gibt, weiß der Konzern nach Zuckerbergs Angaben gar nicht. „Wir müssen sichergehen, dass es da draußen nicht noch andere Cambridge Analytica gibt“, sagte er „Wired“. Die Analyse-Firma hatte sich zunutze gemacht, dass man zwischen 2010 und 2015 über Apps nicht nur die Profile von Nutzern der App abgreifen konnte, sondern auch die ihrer Freunde. 

Facebooks Problem: Die so abgegriffenen Daten liegen gar nicht beim Netzwerk selbst – sondern auf den Servern der Datenräuber. Deshalb will Facebook auch bei Datenhändlern nach Kopien suchen. Ein fast aussichtsloses Unterfangen.

Regulierung? Höchstens ein bisschen

Facebook kopierte Profile 20.30hStaatliche Regulierung will Zuckerberg aber trotzdem eher vermeiden. „Ich bin unsicher, ob wir nicht reguliert werden sollten“, sagte er CNN – um dann stark einzuschränken, dass er bei der Transparenz von Werbung durchaus eine staatliche Regelung befürworten würde. Das hatte er aber schon in der Vergangenheit befürwortet. 

Der bereits existierenden Regulierung durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz konnte er aber nichts abgewinnen. Er sieht einen flexibleren Umgang mit Hetze und „Hate Speech“ als sinnvoller an, zieht Richtlinien Gesetzen vor. Das deutsche Modell sieht er als zu starr. „Das geht in mancher Hinsicht nach hinten los“, sagte er „Wired“. Man würde die deutschen Gesetze einhalten, dadurch aber für Deutschland einen anderen Weg gehen als im Rest der Welt. Dort will man Hetze und Beleidigungen mit künstlicher Intelligenz erkennen. Hierzulande müsse man es aber händisch am Einzelfall entscheiden.

Das Wichtigste fehlt

Einige wichtige Dinge sprach Zuckerberg lieber nicht an. Etwa, dass Facebooks Geschäftsmodell die Firma zu einem fast unmöglichen Spagat zwingt. Einerseits muss sie gegenüber den Nutzern Verständnis zeigen und Datenschutz zusichern, damit diese nicht reihenweise dem Netzwerk den Rücken kehren.

Anderseits basiert das gesamte Geschäftsmodell auf genau dieser Verletzung der Privatsphäre. Schließlich verdient Facebook sein Geld damit, unsere Daten zu verkaufen. Werbekunden bekommen zielgenaue Eingrenzungen versprochen, wer ihre Werbung zu sehen bekommt. Die kann Facebook aber nur liefern, wenn man weiter fleißig Daten über die Nutzer sammelt.

Bisher ließen sich die Nutzer immer wieder mit Datenschutz-Versprechen auf der Plattform halten. Das Ziel von Zuckerbergs Medienkampagne ist ganz klar, dass das so bleibt. Da kann man die Nutzer natürlich nicht mit unbequemen Wahrheiten verschrecken.Facebook Cambridge zuckerberg_14.30

Datenskandal: Ministerin Barley zitiert Facebook zu sich

Im Facebook-Skandal um millionenfach angezapfte Nutzerprofile will die neue Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) eine Erklärung des sozialen Netzwerks erzwingen. Das Facebook-Management in Europa müsse „zu diesem Skandal“ umfassend gegenüber der Bundesregierung Stellung beziehen, sagte Barley den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sie werde deshalb Vertreter des Unternehmens in das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz laden.

Man könne nicht hinnehmen, dass Nutzer in sozialen Netzwerken „gegen ihren Willen ausgeleuchtet werden, um sie ganz gezielt mit Wahlwerbung oder Hass gegen den politischen Gegner zu bombardieren“, kritisierte Barley. Solche Wahlkampfmethoden seien „eine Gefahr für die Demokratie“. Es müssten klare Regeln gelten.

Europa habe beim Datenschutz ein sehr viel strengeres Recht als die USA, betonte die Ministerin. Entscheidend sei die Einwilligung der Nutzer, die immer nur wirksam sein könne, wenn die Betroffenen genau wüssten, was mit ihren Daten passiere. Das künftige europäische Datenschutzrecht, das ab Mai gelte, sehe bei Verstößen empfindliche Sanktionen bis zu 4 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg gesteht Fehler ein, 21.50Auch die neue Staatsministerin für Digitales im Bundeskanzleramt, Dorothee Bär (CSU), kritisierte das Verhalten von Facebook und forderte rasche Aufklärung. „Facebook muss endlich realisieren, dass sein wichtigstes Kapital nicht die Werbeeinnahmen sind, sondern das Vertrauen seiner Nutzerinnen und Nutzer“, sagte Bär dem Magazin „Focus“.

Die bald in Kraft tretende europäische Datenschutzgrundverordnung schaffe „einen einheitlichen Rechtsrahmen für Datenschutz in allen EU-Mitgliedstaaten“, sagte Bär. Damit habe Europa künftig einen deutlich längeren Hebel. „Nichtssagende Antworten und der Verweis auf das amerikanische Hauptquartier reichen dann nicht mehr.“

Facebook-Chef Mark Zuckerberg räumt „Vertrauensbruch“ ein

In dem Skandal um mutmaßlichen gigantischen Datenmissbrauch für den US-Wahlkampf hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg zuvor in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme seine persönliche Verantwortung eingeräumt. Sein Unternehmen habe „Fehler“ begangen und einen „Vertrauensbruch“ im Verhältnis zu seinen weltweit zwei Milliarden Nutzern verursacht. Facebook wolle „aus dieser Erfahrung lernen“ und sein Online-Netzwerk sicherer für die Nutzer machen. 

21-Cambridge Analytica hat Chef suspendiert-5755414271001Das Unternehmen steht seit dem Wochenende in der Kritik, nachdem bekannt geworden war, dass die britische Analysefirma Cambridge Analytica laut Medienberichten die Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump eingesetzt haben soll. In den USA und Großbritannien leiteten die Behörden Untersuchungen gegen Facebook ein. Auch wollen mehrere Parlamente Zuckerberg zu dem Skandal befragen.

Fünf Fragen zum Facebook-Skandal, 20.20

Daten-Skandal: Facebook-Chef Zuckerberg räumt Fehler ein – entschuldigt sich aber nicht

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat im Skandal um den Missbrauch von Nutzerdaten durch die Firma Cambridge Analytica Fehler eingeräumt. Das Vertrauen der Nutzer, die ihre Daten dem Online-Netzwerk anvertrauen und erwarten, dass sie sicher sind, sei verletzt worden, schrieb Zuckerberg am Mittwoch in einer ersten Reaktion auf die seit dem Wochenende bekannten Enthüllungen. „Ich habe Facebook gestartet und am Ende des Tages trage ich die Verantwortung dafür, was auf unserer Plattform geschieht.“ Zugleich enthielt der lange Beitrag des Facebook-Chefs keine ausdrückliche Entschuldigung.

Daten bei Facebook wurden widerrechtlich weitergegeben

Zuckerberg verwies darauf, dass die Analyse-Firma Cambridge Analytica, die unter anderem für das Wahlkampfteam von Donald Trump arbeitete, unrechtmäßig an die Daten gekommen sei. Ein britischer Professor hatte eine Facebook-App mit einer Umfrage zu Persönlichkeits-Typen auf die Plattform gebracht – und dann Daten daraus heimlich an Cambridge Analytica weitergegeben. Medienberichten zufolge waren Informationen von rund 50 Millionen Nutzern betroffen; Zuckerberg nannte keine genaue Zahl, sondern sprach lediglich von mehreren Dutzend Millionen Nutzern.

Fünf Fragen zum Facebook-Skandal, 20.20

Mark Zuckerberg will Nutzerdaten besser schützen

Der Facebook-Chef versprach, die Nutzerdaten besser zu schützen. Ein Großteil der von ihm dafür angekündigten Maßnahmen zielt darauf, den Zugriff von App-Entwicklern einzuschränken. So sollen Facebook-Apps, die man drei Monate lang nicht genutzt hat, automatisch die Zugangsberechtigung verlieren.

21-Cambridge Analytica hat Chef suspendiert-5755414271001

Nach Daten-Skandal: Whatsapp-Gründer ruft auf: Löscht endlich Facebook

Mark Zuckerberg dürfte schon schönere Tage erlebt haben. Nach den Enthüllungen um missbrauchte Facebook-Daten (hier erfahren Sie mehr) steht der Konzern seit Tagen in einem immer lauter werdenden Sturm der Kritik. Die Folge: Eine ständig wachsende Anzahl von Nutzern wollen ihre Facebook-Accounts löschen. Nun hat die Bewegung einen prominenten Unterstützer: Ausgerechnet der Whatsapp-Gründer ruft ebenfalls zur Löschung auf.

+++ Sie wollen Ihren Facebook-Account löschen oder deaktivieren? So geht es Schritt für Schritt +++

„Es ist Zeit. Löscht Facebook“, schreibt Brian Acton knapp auf seinem Twitter-Account. Dabei verwendet er das Hashtag der jungen Bewegung #deletefacebook. Der Schritt ist insofern drastisch, weil Facebook Acton zum Milliardär machte. Er hatte 2009 gemeinsam mit dem deutlich bekannteren Jan Koum Whatsapp entwickelt. 2014 wurde das junge Unternehmen für unglaubliche 19 Milliarden Dollar an Facebook verkauft. Acton soll damals 20 Prozent der Firma besessen haben, dürfte also knapp 5 Milliarden Dollar für den Verkauf bekommen haben.Whatsapp Gründer Facebook Facebook: So sehen Sie, welche Apps Zugriff auf Ihre Daten haben_10.40

Verschlüsselung statt Datensammelei

Tatsächlich arbeitete er nach der Übernahme weiter an Whatsapp. Auch unter Facebooks Führung kümmerte er sich fortwährend um die technische Umsetzung des Messengers, bis er das Unternehmen Ende letzten Jahres verließ.

Ganz überraschend ist sein Löschaufruf aber trotzdem nicht. Während Facebook als Datensammel-Konzern Erfolg hatte, scheint Acton die Nutzer eher schützen zu wollen. So soll er es gewesen sein, der im Hintergrund leidenschaftlich die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Whatsapp vorantrieb, die dann 2016 eingeführt wurde. Auch Facebook soll seitdem die Nachrichten nicht mehr mitlesen können.

Ob sein Verlassen des Konzerns ebenfalls mit Datenschutz-Bedenken zu tun hat? Darüber kann man nur spekulieren. Es spricht aber einiges dafür. Seine nach dem Weggang gegründete gemeinnützige Organisation widmet sich dem Datenschutz, steckte etwa 50 Millionen Dollar in den offenen Verschlüsselungs-Messenger Signal. Erst vor wenigen Wochen wurde zu diesem Zweck die Signal Foundation gegründet. Vielleicht ist sein Aufruf also auch als Werbung für den Whatsapp-Konkurrenten zu verstehen. Oder Acton will einfach seinem alten Arbeitgeber eins auswischen.Whatsapp Warum ich gerne telefoniere 8.20