Mittendrin statt nur dabei: Playstation VR im Test: Sonys Wohnzimmer-Matrix

Zwei weiße Striche, die auf und ab fahren, dazwischen ein weißer Punkt: Mit „Pong“ begann 1972 der weltweite Siegeszug der Videospiele. In den folgenden 40 Jahren veränderte sich die Gaming-Landschaft rapide: In den Achtzigern wurden Spiele komplexer („Zelda“, „Monkey Island“), in den Neunzigern konnte man erstmals durch dreidimensionale Welten hüpfen („Super Mario 64“) . In den 2000er Jahren erschienen die ersten Konsolen mit HD-Auflösung und Online-Multiplayer-Gefechte wurden salonfähig.

Glaubt man den Herstellern, startet nun die nächste Gaming-Revolution: Virtual-Reality-Brillen gelten als das nächste große Ding. Und mit der Playstation VR steht nun die erste erschwingliche Lösung in den Regalen der Händler, die zu Weihnachten wohl unter vielen Tannenbäumen liegen dürfte. Doch was kann die Datenbrille?

Was ist Playstation VR überhaupt?

Playstation VR (abgekürzt PS VR) ist ein Virtual-Reality-Set, das aus mehreren Komponenten besteht. Das Herzstück ist die VR-Brille: Setzt man diese auf, blickt der Nutzer mit jedem Auge auf ein eigenes Display. Das Bild ist auf beiden Augen leicht unterschiedlich, wodurch ein 3D-Effekt entsteht. Verschiedene Sensoren und eine Kamera registrieren die Kopf- und Körperbewegungen des Nutzers, daraufhin wird der Blickwinkel in die virtuelle Welt verändert – man taucht quasi direkt in die 3D-Welt ein und kann sich in ihr bewegen. Dazu benötigt man aber speziell angepasste Spiele, dazu später.playstation-vr-3

Einrichtung: So viele Kabel!

Doch bevor man in virtuelle Welten abtauchen darf, muss man das VR-System erst einmal mit der Playstation 4 verbinden. Und das ist aufwendiger, als man denkt: Hat man das volle Set beisammen (Prozessorbox, Kamera, Headset, zwei Move-Controller), verlegt man gefühlt ein Dutzend Strom- und Verbindungskabel. Die beigelegte, bebilderte Anleitung erklärt aber jeden Schritt idiotensicher, sämtliche Kabel sind durchnummeriert. Planen Sie für den Aufbau etwa 15 Minuten ein. An die kleine, schwarze Prozessorbox wird über ein anderthalb Meter langes Kabel das VR-Headset angeschlossen. Der Woman-Acceptance-Faktor fällt damit nicht gerade groß aus („Jetzt liegt hier so eine Schnur quer durchs Wohnzimmer?“).

Kamera: Leider nicht im Paket enthalten

Zwingend erforderlich ist die Playstation Kamera, die allerdings nicht im Lieferumfang enthalten ist und separat gekauft werden muss (knapp 60 Euro). Das könnte zu Weihnachten für lange Gesichter sorgen, wenn Oma nur die PS VR Box schenkt, aber die Kamera nicht kauft. Die Platzierung der Kamera gestaltet sich unter Umständen schwierig: Sie darf nicht zu weit weg von der Couch stehen, sonst erfasst sie die neun in der Brille eingebauten LEDs nicht korrekt. Dann kommt es zu Problemen mit der Positionsbestimmung und Aussetzern – da hilft im schlimmsten Fall nur eine Neukalibrierung.

Generell ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkter als beim Konkurrenzsystem HTC Vive, dafür muss man bei der Playstation aber auch keine zusätzlichen Tracking-Kameras im Zimmer aufhängen. Ein wirklich raumgreifendes Erlebnis bietet die PS VR nicht, sie ist eher auf Sofa-Daddler ausgelegt.psvr-kamera

Der Helm: Echt bequem

Ist alles angeschlossen, kann es losgehen. Das VR-Headset von Sony wirkt gut verarbeitet. Wie stabil der Kunststoffhelm wirklich ist, werden Langzeittests zeigen. Trotz des Gewichts von 600 Gramm sitzt er angenehm auf dem Kopf, der Schwerpunkt ist gut ausbalanciert und das Kopfband lässt sich an die jeweilige Kopfform anpassen. Justiert wird das Playstation-Headset mit zwei Drucktasten, mit denen man Umfang und Displayposition reguliert – simpler geht es nicht. Auch Brillenträger können das Headset problemlos aufsetzen.

Display: Da hatten wir mehr erwartet

Dass man bei einem Verkaufspreis von 399 Euro Abstriche bei der Technik machen muss, ist klar. So ist die Auflösung der OLED-Displays im Helm niedriger als bei der Oculus Rift und HTC Vive. Das macht sich in Spielen mit einer konstanten Unschärfe oder einem leichten Fliegengittereffekt bemerkbar. Vor allem zu den Rändern hin wird das Bild bei schnellen Spielen unscharf. In Rennspielen wie „Driveclub VR“ erkennt man nur schwer, was einen in der nächsten Kurve erwartet. Bei einigen Spielen gibt es auch ein nerviges Kantenflimmern.

Dass die Immersion trotzdem gut funktioniert, verdankt die PS VR dem weiten Blickwinkel und der hohen Bildwiederholfrequenz von 120 Hertz (zum Vergleich: die Vive liefert 90 Hertz). Es gibt keine störenden Ruckler, alle getesteten Spiele laufen flüssig. Das Display liefert außerdem echte RGB-Pixel und ist sehr hell. Und der 3D-Effekt ist bei einem richtig justierten Display sehr überzeugend. Allerdings kann es trotzdem zur sogenannten Motion Sickness kommen. Durch die Trennung von optischer und körperlicher Wahrnehmung entsteht bei einigen Spielern ein Übelkeitsgefühl, ähnlich der Seekrankheit.

Unser Test zeigte: Wer noch nie eine Virtual-Reality-Brille ausprobiert hat, war von der PS VR zunächst begeistert. Erfahrene Gamer störten sich jedoch schnell an der vergleichsweise schlechten Grafik („Erinnert mich an einen Röhrenfernseher“). Fairerweise muss man aber sagen, dass auch die Vive und Oculus Rift keine Wunder vollbringen – die Virtual-Reality-Technik steckt noch in den Kinderschuhen. Bei der nächsten Konsolengeneration sind einige dieser Schwachstellen sicherlich behoben.playstation-vr-1

Steuerung: Mehr Spaß mit Move

Die meisten VR-Spiele werden mit dem standardmäßigen Gamepad gesteuert, den Dualshock4-Controller. Das ist bequem, lässt aber nicht das Gefühl aufkommen, eine fremde Welt zu entdecken. Besser gefällt uns die Steuerung mit den optional erhältlichen Move-Controllern (Doppelpack etwa 80 Euro). Die Stäbe mit einer bunten Kugel an der Spitze erinnern an den Wii-Controller und ermöglichen genauere Bewegungen in der Virtuellen Realität.

In „Until Dawn: Rush of Blood“ werden die Stäbe etwa zu virtuellen Waffen, in „Batman Arkham VR“ zu den Fäusten des Dunklen Ritters. Letzteres setzt die Move-Controller zwingend voraus und zeigt eindrucksvoll, wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen könnte. Generell ist die Immersion mit den Wackel-Controllern deutlich stärker, wodurch die Optik etwas in den Hintergrund gerät. Unklar ist allerdings, warum die Move-Controller noch den betagten Mini-USB-Anschluss und nicht den Micro-USB-Port der Controller verwenden – so hat man noch mehr Kabel herumliegen.

Spiele: Wenige Highlights

Derzeit arbeiten mehr als 200 Entwicklerstudios an Spielen für die PS VR. Die Qualität der Spiele ist sehr unterschiedlich: Meist handelt es sich nur um Technikdemos und einfache Minispielchen (etwa Headmaster VR), an denen man sich schnell sattgespielt hat. Im Lieferumfang der PS VR ist eine Demo-Disc mit acht Spielen vorhanden, außerdem kann man sich im Playstation Network noch einige Demos herunterladen. Richtige Vollpreistitel a la „Resident Evil“ kommen erst in den nächsten Wochen und Monaten.

Gut gefallen haben uns bislang folgende Spiele:

  • „Batman Arkham VR“, ein Detektiv-Abenteuer in Gotham City
  • „Eve Valkyrie“, ein packender Weltraum-Shooter
  • „Until Dawn: Rush of Blood“, ein Grusel-Railgun-Shooter, der definitiv nichts für schwache Nerven ist (Gruselclowns!)
  • das VR-Level von „Rise of the Tomb Raider“ (hier unser Test)playstation-vr-6

Fazit: Ein Erlebnis, aber kein Must-Have

Die Playstation VR hat bei uns gespaltene Eindrücke hinterlassen. Technisch hatten wir uns mehr erhofft, das Kantenflimmern und die Unschärfe trüben den Spieleindruck. Ist das Spiel aber packend designt, sieht man über die technischen Unzulänglichkeiten hinweg. Derzeit fehlen noch echte Blockbuster im Kaliber eines „Uncharted 4“ und die Technik muss erst noch beweisen, was sie leisten kann. Deshalb können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine klare Kaufempfehlung aussprechen.

Wer aber Lust auf Virtual-Reality und sowieso schon eine Playstation 4 daheim hat, kommt bei keinem anderen System günstiger davon. Das PS-VR-Set kostet 399 Euro, die zwingend nötige Kamera noch einmal 60. Für die Vive legen Sie dagegen knapp 700 Euro auf den Tisch, allerdings mit Controllern. Dazu brauchen Sie noch einen extrem schnellen PC. Wenn möglich, sollten Sie die PS VR vor dem Kauf bei Freunden oder im Elektrofachmarkt ausprobieren.

Die Gamer-Oma: Mit 80 Jahren zum Zocker-Star auf Youtube

Sie ist berühmt geworden als „Grandma Gamer“ – die Zocker-Oma aus Virginia. Die 80-jährige Shirley Curry liebt Videospiele. Und als wäre das noch nicht ungewöhnlich genug, spielt sie nicht allein im stillen Kämmerlein, sondern online. Sie hat einen eigenen Youtube-Kanal, auf dem sie schon über 300 Videos von sich beim zocken gepostet hat. Über 190.000 Fans hat Shirley Curry, die ihr regelmäßig beim Spielen von actionreichen Rollenspielen zusehen. 

Die Zocker-Oma ist beiweitem kein Neuling in der Online-Spielewelt. Seit mehr als 20 Jahren zockt sie schon, wie sie der Tageszeitung „Irish Examiner“ verriet. Als ihr erstes Video seinen Weg durch die Sozialen Netzwerke nahm, war sie überrascht von der vielen Aufmerksamkeit. „Ich dachte, nur die paar Leute die mich danach gefragt hatten, würden es sich ansehen. Inzwischen habe ich Zuschauer und Kommentatoren aus der ganzen Welt. Es ist umwerfend“, sagte sie der Zeitung. „Meine Video-Interviews werden von Tausenden Menschen angesehen. Manchmal denke ich, dass die Menschen da draußen ein Leben bräuchten – mich eingeschlossen“, verriet sie mit einem Lachen.

Spielen für’s Gehirn

Doch Shirley Curry gibt zu, dass sie gar nicht mehr ohne die Spiele und ihre Videos leben könnte. Es gehört für sie einfach dazu, seitdem ihr Sohn ihr damals den ersten Computer geschenkt hat. Inzwischen verdient sie mit der ganzen Aufmerksamkeit auch ein bisschen Geld und bessert so ihre Rente auf. Und trainiert ihr Gehirn: Für die neunfache Oma ist es klar, dass sie auch wegen der vielen Spiele noch so gut drauf ist. „Es ist besser für dich, als vor dem Fernseher zu sitzen und dir irgendwelchen Mist anzusehen.“

Aber die 80-Jährige hat noch mehr Hobbys. „Ich liebe es, Steppdecken zu nähen, mit meinen Freunden zusammen zu sein und einzukaufen oder essen zu gehen. Außerdem lese ich sehr gerne und gehöre dem Förderverein unserer Bibliothek an.“

Datenhandel im Netz: Achtung: Dieses Browser-Plugin verrät alle Ihre Geheimnisse

Wenn man sich die Nutzungsbedingungen von Internet-Angeboten anschaut, findet sich dort fast immer die Zustimmung, Daten an Dritte weiterzugeben. Das kann zu Werbezwecken sein, viele Dienste verdienen sich mit dem Verkauf von Nutzerdaten im Paket aber ein nettes Zubrot. Eigentlich sollen die Daten anonymisiert sein und sich nicht mehr einzelnen Nutzer zuordnen lassen. Nun zeigt eine Recherche des NDR: Die Datenpakete erlauben intimste Einblicke in Ihr Leben.

Um an solche Sammlungen von Nutzerdaten zu kommen, gründeten die NDR-Reporter eigens eine Scheinfirma. Die sollte vorgeblich mit der Massenverarbeitung von Daten Geld verdienen, der so genannten „Big Data Analyse“. Tatsächlich wollte man aber Angebote von Datenhändler auswerten. Und die hatten es in sich.Amazon Echo Google Apple Datensammler_10.30

Daten von drei Millionen Deutschen

In einer Gratisprobe erhielten die Reporter den Browserverlauf von knapp drei Millionen deutschen Internetnutzer – mehr als zehn Milliarden aufgerufene Internetseiten. Darunter fanden sie auch hochbrisante Inhalte wie interne Umsatzzahlen eines Medien-Unternehmens, den Sado-Maso-Vorlieben eines Richters und Suchen nach Drogen und Prostituierten.

Die meisten der gesammelten Daten stammen wohl von einer Browser-Erweiterung, die ausgerechnet mehr Sicherheit im Netz verspricht – und dann die Nutzerdaten verhökert. „Web of Trust“ wurde weltweit bereits mehr als 100 Millionen mal heruntergeladen. Eine Goldgrube für die Entwickler.

Besonders dramatisch ist allerdings, dass die Daten nur vordergründig anonymisiert waren. Vermutlich waren sie nur um allzu offensichtliche Nennungen von Nutzernamen bereinigt worden. Dabei stecken in den aufgerufenen Webseiten ja oft deutlich persönlichere Daten.Das weiß Google über Sie 12.56

Identitätsdiebe jubeln

Als sich die Reporter die aufgerufenen Links im Detail anschauten, erkannten sie oft sehr wohl, wessen Browser-Verlauf sie da vor sich hatten. Ein Mann aus Hamburg hatte etwa Dateien aus seinem Online-Speicher über den Browser abgerufen. Darunter befanden sich detaillierte Pläne zum Bau seines Hauses, Kontoauszüge, Lohnabrechnungen, eine Kopie des Personalausweises, Kreditunterlagen sowie sämtliche Kontaktdaten des Nutzers und seiner Frau. Nicht auszudenken, was Kriminelle mit solchen Daten anstellen könnten – von der Erpressung mit intimen Daten bis zum vollständigen Identitätsdiebstahl.Dümmste passwörter 2015_12.15