Gerüchte: Groß, schnell, drei Modelle: Das wissen wir zu Apples Nachfolger des iPhone X

Gut ein halbes Jahr ist das Jubiläums-Modell iPhone X mittlerweile auf dem Markt. Bei Apple laufen die Vorbereitungen zu den Nachfolgern auf Hochtouren. Doch was wird Apple im September zeigen? Wir fassen die wichtigsten Gerüchte zum neuen iPhone für Sie zusammen.

Statt einem Nachfolger wird Apple wohl gleich drei zeigen. Wie die heißen werden, weiß aktuell noch niemand. Nach dem Apple mit dem iPhone X („Ten“ ausgesprochen) die Nummer 9 übersprang, erscheint es unwahrscheinlich, dass die alten Namenskonventionen beibehalten werden und es nun einfach beim iPhone 11 weitergeht. Beim iPad hat Apple begonnen, wie beim Mac auf einen eigenen Namen zu verzichten. Gut möglich, dass die neuen Modelle einfach „iPhone“ heißen. Doch was können die Geräte?iphone xl 20.05

iPhone 2018: Groß, größer, riesig

Zum einen ist da der direkte Nachfolger des iPhone X, der wie sein Vorgänger ein Display mit 5,8 Zoll Diagonale mitbringt. Das Design soll praktisch unverändert bleiben. Inklusive der Aussparung, Notch genannt, am oberen Display-Rand. Zusätzlich gibt es wohl ein Plus-Modell. In einem Gehäuse, das in der Größe dem iPhone 8 Plus entspricht, soll es ganze 6,5 Zoll Display unterbringen. Damit wird die Plus-Version wieder zum Spitzenmodell.

Und dann ist da noch die Spar-Variante. Statt wie in den letzten Jahren den Vorgänger günstig anzubieten, soll Apple das iPhone X ganz offiziell einstampfen. Statt es mit einem kleinen Modell wie dem iPhone SE zu ersetzen, setzt Apple aber auch hier auf Größe: Mit einem 6,1-Zoll-Display ist das neue Spar-iPhone größer als das teurere Modell.Homepod

Neues iPhone: Das Design bleibt

Alle drei Modelle haben gemeinsam, dass die Displays nahezu die ganze Front bedecken. Dazu setzt Apple bei allen auf die Gesichtserkennung FaceID – der bei vielen Fans heißgeliebte Fingerabdrucksensor TouchID wird dann offiziell beerdigt. Bei den Displays selbst gibt es aber Unterschiede: Während die teuren Modelle wie beim iPhone X auf OLED setzen, nutzt das Sparmodell LCD. Apple setzt dabei Berichten zufolge auf LGs MLCD-Technologie, die fast so gut wie OLED aussieht.

Auch an anderer Stelle soll gespart werden: Während die teuren Modelle wieder Glasrückseiten und Edelstahlrahmen spendiert bekommen, soll das kleine nur einen Alurahmen besitzen. Dafür soll es als einziges Modell den in Asien so wichtigen Support für zwei Sim-Karten bieten. 

Neue iPhones: Zwischen einer und drei Kameras

Wie viel Apple steckt im iPhone X?_11.30Bei der Kamera soll aber wieder gespart werden: Wie das iPhone 8 soll das Einsteiger-iPhone nur eine einfache Kamera mitbringen. Die beiden großen Modelle sollen beide mindestens eine Doppelknipse bekommen, für das große wird auch schon mal eine Dreifach-Knipse wie im Huawei P20 Pro gemunkelt. Die wird aber erst für nächstes Jahr erwartet.

Auch sonst hat sich bei den Kameras einiges getan. Die Technologie hinter FaceID, die TrueDepth-Kamera soll Apple überarbeitet haben. Erwartungsgemäß soll FaceID nun Gesichter noch schneller erkennen. Zur Frage, ob die Technik und damit auch die Notch schrumpft, gibt es widersprüchliche Berichte. Denkbar wäre es zudem, dass nur die teuren Modelle den neuen Sensor bekommen und die Käufer der Sparversion weiter mit der – nicht besonders langen – Verzögerung beim Entsperren leben müssen.

Auch die Frage, ob es TrueDepth auch auf die Rückseite schafft und die Hauptkamera damit 3D-Aufnahmen lernt, ist in der Gerüchteküche noch umstritten. Angesichts Apples Drängen in den Augmented-Reality-Bereich (hier erfahren Sie mehr dazu) würde es aber Sinn ergeben.iPhone X Falltest_16Uhr

iPhone 2018: Alles schneller

Im Inneren gibt es natürlich ebenfalls Neues. Der A12-Chip dürfte wieder zu den schnellsten Prozessoren der Welt gehören, ob er spezielle Optimierungen wie für Künstliche Intelligenz oder Augmented Reality mitbringt, wird sich zeigen. Spannend wird auch, ob das günstige Modell den Spitzenchip bekommt oder den A11 des iPhone X auftragen muss. Eine Schande wäre es nicht: Der Chip ist auch im Vergleich zu den meisten Spitzenmodellen anderer Hersteller immer noch rasend schnell.

Schneller werden die neuen iPhones wohl auch bei den Datenverbindungen. Dank neuer LTE-Chips sollen sie nun noch rasantere Datenverbindungen unterstützen – solange der Provider die anbietet. Auch das Aufladen, ob mit oder ohne Kabel, soll flotter von Statten gehen.Mit diesen Fehlern machen Sie Ihren Akku kaputt_10.30

Große Akkus, neue Kabel

Über die Akkukapazität ist aktuell wenig bekannt, die größeren Modelle dürften etwas mehr Kapazität mitbringen als das kleine. Wie beim iPhone X soll Apple auf eine L-förmige Akku-Anordnung und eine zweischichtige Hauptplatine setzen, um den Innenraum zu optimieren. Zumindest bei den teureren Modellen. Die Sparversion soll wie etwa das iPhone 8 Plus klassischer aufgebaut sein, könnte also trotz ähnlicher Gehäuse-Maße eine schlechtere Laufzeit bieten.

Trotz Berichten, dass das Spar-Modell kein kabelloses Laden unterstützt, erscheint das unwahrscheinlich. Apple setzt seit dem iPhone 7 auf weniger Kabel, bietet mit AirPower demnächst eine eigene Ladematte an. Da wäre es merkwürdig, ein neues Modell ohne die Technik anzubieten.

Trotzdem gibt es auch beim Kabel Neuigkeiten: Apple setzt endlich auf den Standard USB-C – wenn wohl auch anders als von vielen erhofft. Der Lightning-Anschluss am Gerät selbst bleibt wohl erhalten. Nur die Netzteile bekommen den neuen Standard. Damit sind sie endlich wieder mit Apples eigenen Notebooks kompatibel – die schon seit einigen Jahren keine herkömmlichen USB-2-Buchsen mehr mitbringen.

Neues iPhone: Gibt es neue Farben?

Bei der zweiten Auflage eine iPhone-Designs bietet Apple in der Regel immer auch eine neue Farbe an. Schließlich kann man so trotz gleichbleibendem Designs zeigen, dass man das neue Modell herumträgt. Beim kommenden iPhone soll das wohl zusätzlich zu Silber uns Spacegrau ein goldenes Modell werden. Das wurde schon im letzten Jahr gemunkelt, der Farbton soll einen leichten Kupferstich haben.Interview Sandra Grujovic_14.39

Was kostet das neue iPhone?

Bei den Preisen sind sich die Beobachter mit Abstand am unsichersten. Einige behaupten, dass Apple den hohen Preis des iPhone X behält, damit würde der Nachfolger weiter ab 1149 Euro kosten. Das Plusmodell würde demnach noch teurer. Andere Beobachter vermuten eine andere Strategie. Demnach wird das günstige Modell den Platz des iPhone 8 einnehmen, dürfte dann also knapp 780 Euro kosten. Die Version in 5,8 Zoll könnte dann auf den Platz des aktuellen Plus-Modells rücken, das ab 909 Euro kostet. Und das neue Plus würde dann den Preispunkt des iPhone X besetzen.

Wann kommen die neuen iPhones?

Seit 2012 zeigt Apple die neuen iPhones stets an einem Dienstag im September, die Vorbestellungen beginnen dann in der Regel am folgenden Freitag, noch eine Woche später erscheinen die Geräte. Auch diesmal dürfte also spätestens Anfang Oktober das neue iPhone im Handel stehen.

Was zeigt Apple noch?

Die iPhones sind nicht die einzigen Geräte, bei denen ein Update ansteht. Fans warten auch auf überarbeitete iPads mit FaceID und neue Airpod-Kopfhörer.iPad 2018 Test 7.23

IBM-Rechenanlage «Summit»: «Top 500»: USA holt sich Krone bei Supercomputern zurück

Die USA haben sich die Krone im Wettstreit um die schnellsten Superrechner der Welt nach mehr als fünf Jahren von China zurückerobert. Mit «Summit» von IBM steht wieder eine US-Rechenanlage an der Spitze der «Top 500»-Liste der weltweit mächtigsten Supercomputer.

Sie verdrängte mit einer Leistung von 122,3 Petaflops (Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde) den chinesischen Superrechner «Sunway TaihuLight», der mit 93 Petaflops am Nationalen Supercomputing Center in Wuxi arbeitet und seit zwei Jahren die Liste angeführt hatte.

Vier der fünf schnellsten Rechner seien komplett neu gebaut oder substanziell aufgerüstet worden, teilten die Herausgeber der Liste mit. Auf den dritten Platz kam ebenfalls ein Neueinsteiger. «Sierra» ist am Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien im Einsatz. Die chinesische Anlage «Tianhe-2A» rutschte vom zweiten auf den vierten Platz, obwohl ihre Leistung fast verdoppelt wurde. Neu unter den Top fünf ist «AI Bridging Cloud Infrastructure» vom japanischen Forschungsinstitut AIST.

Schnellster Superrechner aus Deutschland ist das modulare System «Juwels», das am Jülicher Supercomputing Centre (JSC) unter anderem für komplexe Berechnungen und Simulationen in der Hirnforschung eingesetzt wird. Die neue Anlage, die aus einem deutsch-französischen Projekt entstand, rangiert mit 6,2 Petaflops auf Platz 24. Vor einem Jahr noch war «Hazel Hen» aus dem Höchstleistungsrechenzentrum HLRS in Stuttgart die schnellste Anlage aus Deutschland. Mit 5,6 Petaflops fiel sie nun vom 19. auf den 28. Platz zurück. Insgesamt schaffte es Deutschland mit 21 Systemen in die Liste.

Mit seiner Architektur sei «Juwels» ein «Meilenstein hin zu einer neuen Generation» von Supercomputern, teilte das JSC mit. «Das modulare Supercomputing ist für uns der Schlüssel zu einer zukunftsträchtigen, bezahlbaren und energieeffizienten Technologie», sagte Thomas Lippert, Direktor des Zentrums.

Trotz ihrer Rückkehr an die Weltspitze brachten es die USA aktuell nur auf 124 Systeme in der Liste, ein neuer Tiefstand. Sechs Monate zuvor waren die USA noch mit 145 Systemen vertreten. China hielt seine Präsens mit 206 Systemen etwa auf gleichem Stand (202 im November 2017). An der Gesamt-Leistung (Performance) der Systeme haben die die Anlagen aus den USA jedoch einen Anteil von 38,2 Prozent und übertreffen damit wieder jene aus China (29,1 Prozent).

Insgesamt 95 Prozent aller in der Liste aufgeführten Anlagen arbeiten laut Intel mit Prozessoren des kalifornischen Herstellers. Seit 2017 sei das ein Zuwachs von 2,4 Prozent. Mit 23,8 Prozent verwenden nach Angaben der Organisationen fast ein Viertel der Supercomputer Systeme des chinesischen Computer- und Hardware-Herstellers Lenovo. 122 der 500 leistungsstärksten Anlagen sind demnach Lenovo-Installationen.

Mit Supercomputern lassen sich komplexe Simulationen etwa in der Klimaforschung, Medizin oder in der Genetik erstellen, neue Medikamente entwickeln oder Molekülbewegungen bestimmen. Sie werden aber auch in der Wirtschaft oder für die Berechnung von Verkehrsströmen genutzt. Bei vielen neuen Anwendungen etwa für künstliche Intelligenz oder maschinelles Lernen, geht es jedoch nicht nur um die schnelle Abarbeitung einfacher Rechenschritte. Modulare Systeme sollen deshalb ermöglichen, dass für unterschiedliche Aufgaben jeweils auf die optimalen Module oder Prozessorbereiche zugegriffen werden kann.

Die Liste der «Top 500» wird halbjährlich auf der Internationalen Supercomputing Conference veröffentlicht, die diesmal in Frankfurt stattfindet. Seit 25 Jahren misst sie die Leistung der Superrechner nach dem sogenannten Linpack-Benchmark. Viele Experten halten diesen Wert jedoch für nicht mehr zeitgemäß, da zum Beispiel die Effizienz von Berechnungen nicht erfasst wird.

Mobile Payment: Wie die Deutschen beim Bezahlen die Zukunft verpassen

Bar oder Karte – diese Frage stellen in Deutschland täglich Millionen Supermarkt-Kassierer, Kellner, sonstige Verkäufer. Und die Deutschen entscheiden sich in der Regel klar: Münzen und Scheine sind selbst Jahrzehnte nach der Einführung der EC-Karte das Zahlungsmittel Nummer eins. Im Vergleich zum Rest der Welt wirkt das reichlich altbacken. Nun will Google in Deutschland das mobile Zahlen durchsetzen. Die Chancen stehen eher schlecht.

Dabei ist Googles Angebot auf den ersten Blick durchaus attraktiv: In Google Pay lassen sich neben den Konten auch Kreditkarten, die Ikea- oder Paybackkarte hinterlegen. Zum Bezahlen muss man nur das Smartphone ans Terminal halten. Das Portemonnaie kann also zu Hause bleiben. Doch die Deutschen scheinen das in der Mehrheit gar nicht zu wollen.Rewe Paypal Smartphone Kontaktlos 1735

König Bargeld

Im Alltag ist Bargeld weiter der König. Ob an der Kasse, im Parkhaus oder beim Trinkgeld: Das Bezahlen ohne Bargeld ist oft überhaupt nicht möglich. Selbst das in den meisten westlichen Ländern selbstverständliche Bezahlen per Karte setzt sich in Deutschland erst langsam gegen das geliebte Bargeld durch: 2017 wurden ganze 74 Prozent aller Einkäufe in Bar bezahlt, ermittelte die Bundesbank. Bei Beträgen unter 5 Euro waren es gar 96 Prozent. Erst bei Beträgen zwischen 50 und 100 Euro wird die Debit-Karte bevorzugt, besser bekannt als die klassische EC-Karte. Die Werte haben sich seit 2014 kaum verändert.

Die Gründe sind vielfältig. Im von den Schnüffeleien der NS-Zeit und der Stasi geprägten Deutschland stehen viele Menschen der Datenspur der Karten nach wie vor skeptisch gegenüber. Hinzu kommt, dass sich für kleinere Läden die Zahlung per Karte wegen der Gebühren kaum lohnt und deswegen erst ab bestimmten Summen erlaubt ist. Den Banken ist das Bargeld dagegen ein Dorn im Auge. Sie versuchen mit verschiedenen Tricks, das Abheben teurer zu machen.

Im Rest der Welt sieht das ganz anders aus. In den USA zahlt man seit Jahrzehnten selbst den Coffee to Go mit Kreditkarte. Auch im Rest Europas setzen die meisten Kunden auf Karten. Nur in Malta, Zypern und Italien ist Bargeld ähnlich beliebt wie hier, ermittelte die Europäische Zentralbank. Die kontaktlosen Karten – die auch in Deutschland immer beliebter werden – haben für einen weiteren Schub des bargeldlosen Zahlens gesorgt. In Nordeuropa und Asien ist man noch weiter und bezahlt mit dem Smartphone. In Asien funktioniert das über QR-Codes, in Dänemark etwa über die kontaktlose NFC-Technologie.26: Google bringt SmartphoneBezahldienst nach Deutschland – a638f2d3e9e664da

Google will an deutsche Kassen

Die steckt auch hinter Google Pay und dem etwa in den USA extrem erfolgreichen Konkurrenten Apple Pay. Beide Anbieter funktionieren sehr ähnlich: Die Kunden bekommen von der Bank eine Art digitale Karte freigeschaltet, schon lassen sich die Geräte an sämtlichen kontaktlosen Terminals benutzen. Wer Apple Pay in den USA benutzt, kann damit auch in Deutschland bei Aldi bezahlen. 

Ob die Deutschen das wollen, steht auf einem anderen Blatt. Nur 33 Prozent könnten sich überhaupt vorstellen, mit dem Smartphone zu zahlen, ermittelte eine Studie der Beraterfirma Oliver Wyman im April. 44 Prozent lehnen das dagegen ab.

Dass Google Pay diese Einstellung ändern kann, erscheint da unwahrscheinlich. Aktuell stehen die Chancen wohl eher schlecht. Mit der Commerzbank, ihrer Tochter Comdirect und der Online-Bank N26 unterstützen aktuell nur drei Banken den Dienst. Kunden anderer Banken müssen den Guthaben-Dienst Boon nutzen. Ein Massenphänomen dürfte Mobile Payment in Deutschland mit Google Pay daher so schnell nicht werden. Bisherige Angebote, wie etwa der Deutschen Bank oder über die Payback-App konnten sich ebenfalls nicht durchsetzen.Bargeld abheben 18.25h

Was ist mit Apple?

Vielleicht kommt im Herbst noch einmal Schwung in die Sache. Angeblich soll dann Apples mittlerweile vier Jahre alter Dienst Apple Pay auch nach Deutschland kommen. In der Testversion von iOS 12 wurde endlich die Unterstützung der in Deutschland so beliebten Debitkarten entdeckt. Bisher funktionierten nur Kreditkarten. Neben den komplizierten Verhandlungen mit den deutschen Banken galt die fehlende Unterstützung als wichtigstes Hindernis für den deutschen Marktstart.

In den USA ist Apple Pay ein gigantischer Erfolg. Mehr als die Hälfte der Läden in Apples Heimatmarkt unterstützen den Dienst, selbst Angebote wie die New Yorker U-Bahn lassen sich so mit dem iPhone bezahlen. Knapp 20 Millionen monatliche Nutzer hatte der Dienst laut „Recode“ im letzten Jahr. Mittlerweile ist Apple Pay in über 20 Ländern verfügbar, zuletzt waren etwa Polen und die Ukraine hinzugekommen.

Sollte der Dienst im Herbst tatsächlich nach Deutschland kommen, ist durchaus ein Apple-Effekt denkbar. In der Vergangenheit hatten sich Technologien schon häufiger schneller durchgesetzt, wenn Apple sie aufnahm, weil sie dadurch stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangten. Gut möglich also, dass Apple Pay auch in Deutschland Mobile Payment zum Thema macht. Bis es den Stellenwert des Bargelds erreicht, dürfte es aber noch ein paar Jahrzehnte dauern.Deutsche lieben ihr Bargeld_12.40

Schneller als Apple: Google bringt Smartphone-Bezahldienst nach Deutschland

Google bringt seinen Smartphone-Bezahldienst nach Deutschland und kommt damit dem Rivalen Apple zuvor. Bei Google Pay ersetzt ein Telefon mit dem Google-Betriebssystem Android die Kreditkarte, zum Zahlen hält man das Gerät im Laden an das Terminal.

Die Kassentechnik muss dafür kontaktloses Bezahlen per NFC-Funk unterstützen – ein großer Teil der Terminals in Deutschland wurde bereits entsprechend umgerüstet. Außerdem kann man mit Google Pay auch bei Online-Käufen sowie in Apps bezahlen.

Die Partner von Google Pay zum Start in Deutschland sind neben den Kreditkarten-Riesen Mastercard und Visa die Commerzbank zusammen mit Comdirect sowie die Online-Banken N26 und Boon. Folgen sollen demnächst die LBBW und Revolut. Bei Online-Zahlungen wird die mit dem Google-Konto verbundene Karte belastet – hier ist damit egal, von welcher Bank sie ist. Der Händler muss dafür Google Pay als Bezahloption unterstützen.

Deutschland ist das 19. Land mit Google Pay. Der Internet-Konzern sehe den Dienst als eine offene Plattform, sagte Google-Manager Philipp Justus am Dienstag in Berlin. «Wir freuen uns auf weitere Partner.» Zugleich gehen mehrere deutsche Bankengruppen auf eigene Faust ins Geschäft mit Smartphone-Zahlungen. So will die genossenschaftliche FinanzGruppe der Volksbanken und Raiffeisenbanken im August das kontaktlose Bezahlen per Handy anbieten.

Google bekomme keinen Anteil von den Transaktionen, betonte Konzernmanager Spencer Spinnell. Dem Internet-Konzern gehe es darum, Geschäfte zu ermöglichen und Android möglichst attraktiv zu machen. Nutzerdaten verwende Google lediglich dafür, um eine ausführliche Rechnung zu den Käufen zu erstellen. «Wir geben grundsätzlich keine Daten unserer Kunden weiter, auch nicht an Google», sagte Torsten Daenert von der Commerzbank.

In Deutschland ist das Bargeld nach wie vor viel populärer als in anderen Ländern, befindet sich aber allmählich auf dem Rückzug. Im vergangenen Jahr ging der Anteil der Barzahlungen am Umsatz nach Zahlen der Unternehmensberatung Oliver Wyman von über 53 Prozent auf unter 48 Prozent zurück. «Solange wie der Kunde mit dem Bezahlen mit Bargeld zufrieden ist, wird er nicht so schnell auf mobile Payment umsteigen», betont Oliver-Wyman-Experte Gökhan Öztürk. Die Kooperation der Mobil-Plattformen und der Banken biete die Chance, den Anteil der Barzahlungen weiter zu reduzieren – «aber ich rede hier nicht von zwei-drei Jahren, sondern langfristig».

Das Bezahlen per Smartphone gilt schon seit Jahren als Zukunftsvision, blieb jedoch bisher ein Nischengeschäft und ist im Volumen der deutschen Handelsumsätze kaum messbar. Frühe Modelle mit Strichcodes auf dem Bildschirm erwiesen sich als unpraktisch. Seit sich NFC-fähige Terminals im Handel ausbreiteten, gibt es inzwischen mehr Apps einzelner Banken, die kontaktloses Bezahlen anboten. Die iPhone-Besitzer sind davon vorerst ausgeschlossen: Die NFC-Schnittstelle der Telefone ist bisher nur für den hauseigenen Dienst Apple Pay zugänglich. Auch aus der deutschen Bankenbranche gab es bereits Forderungen nach einer breiteren Öffnung.

«Europäische Banken befürchten, obsolet zu werden, wenn morgen große Player wie Apple und Google – oder auch Amazon und Facebook – in den Markt für Finanzdienstleistungen reingehen sollen», sagte Öztürk. «Daher nutzen die Banken jetzt auch aus taktischen Gründen die Chance, mit diesen großen Plattform-Anbietern etwas gemeinsam zu machen.» Commerzbank-Manager Daenert betonte am Dienstag, im Smartphone-Markt müsse man auf Ebene der Betriebssysteme einen Fußabdruck hinterlassen, um Reichweite zu bekommen. Außerdem sei der Vorteil, dass die Lösung international funktioniere.

«Es gibt zwei unterschiedliche Ansätze: Es entweder komplett selber zu machen oder mit einem Partner wie Google – und wir werden beide im Markt sehen», sagte Branchenexperte Oliver Hommel von der Unternehmensberatung Accenture. In Deutschland sei es auch wichtig, die girocard beim mobilen Bezahlen zu unterstützen. Zum einen sei die Verbreitung von Kreditkarten viel geringer. «Das heißt, wer die Masse der Kunden bedienen und diesen nicht gleichzeitig zwangsweise eine Kreditkarte verkaufen will, muss die girocard einbinden.» Auch der Handel ziehe angesichts geringerer Transaktionsgebühren die girocard vor.

Abzuwarten bleibt auch, ob in Deutschland mit dem Erhöhten Datenschutz-Bewusstsein und der Skepsis gegenüber amerikanischen Internet-Riesen der Name Google eine Belastung sein könnte. «Das wird sicherlich eine spannende Frage sein und am Ende des Tages wird das der Markt beantworten», sagte Hommel.

Google überholt mit dem Start den Konkurrenten Apple auf dem deutschen Markt. Der iPhone-Konzern hat seit Herbst 2014 ein ähnlich funktionierendes Bezahlsystem für seine Telefone und Computer-Uhren, das schrittweise auch in europäischen Ländern eingeführt wird. Über einen anstehenden Start von Apple Pay in Deutschland wurde bereits mehrfach spekuliert, er blieb jedoch bisher aus. Apple verlangt einen Anteil von 0,15 Prozent von den Transaktionen.

Prozess in London: Uber beteuert Neuanfang nach Verlust von Taxi-Lizenz

Der Fahrdienst-Vermittler Uber hat sich nach eigenen Angaben seit dem Verlust seiner Taxi-Lizenz in London in Sachen Fahrgast-Sicherheit komplett neu aufgestellt. Das sagte der Anwalt des US-Unternehmens, Tom de la Mare, vor einem Gericht in London.

Die Nahverkehrsbehörde TfL (Transport for London) hatte im vergangenen September die Lizenz von Uber nicht verlängert. Das Start-up aus den USA agiere verantwortungslos, unter anderem was das Melden von Straftaten und medizinische Kontrollen der Fahrer angehe, hieß es zur Begründung. Uber erhob dagegen Einspruch. Bis eine endgültige Entscheidung gefällt ist, dürfen Uber-Fahrer in der britischen Hauptstadt aber weiter ihre Dienste anbieten.

Am ersten Tag der mehrtägigen Anhörung gab sich Uber nun reumütig: Die damalige Entscheidung sei richtig gewesen, sagte de la Mare der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge. Doch seitdem habe eine Rundum-Erneuerung stattgefunden – die Mängel seien behoben worden. Die Richterin am Westminster Magistrates‘ Court muss nun entscheiden, ob und für wie lange Uber eine neue Lizenz bekommt.

Nach Angaben des Fahrdienst-Anbieters nutzen etwa 3,5 Millionen Menschen in London die App, etwa 40 000 Menschen sind als Fahrer registriert. Mehr als 857 000 Menschen unterzeichneten eine Petition, in der TfL aufgerufen wurde, die Entscheidung rückgängig zu machen.

Auszeichnung: Unterhalten mit Relevanz: Grimme Online Award verliehen

Weltliteratur mit Playmobil-Figuren, leicht verständliche Wissenschaft auf YouTube, eine digitale Reise zurück in der Zeit: Herausragende Netz-Angebote mit Sinn für schlaue Unterhaltung sind mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden.

Zu den Preisträgern am Freitagabend in Köln gehörte zum Beispiel der YouTube-Kanal «maiLab» der Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim, die sich spielerisch mit Wissenschaftsthemen beschäftigt. Ebenfalls prämiert wurde «Sommers Weltliteratur to go». Auf dem YouTube-Kanal werden Klassiker der Literaturgeschichte mit Playmobil-Figuren nachgespielt. «Das hätte auch mir in der Schule geholfen», sagte der Schauspieler Wotan Wilke Möhring (51) bei seiner Laudatio.

Die Jury des Awards, der als wichtigster deutscher Preis für hochwertige Online-Angebote gilt, mahnte allerdings an, dass sich die Branche «aktuell in einer Phase der Konsolidierung» befinde. «Die Zeit der Experimente scheint vorbei, Standards in Aufbereitung und im Storytelling für digitale Formate haben sich etabliert», hieß es in einem Statement. Für die kommenden Jahre wünsche man sich wieder mehr Anlass, interaktive und mit den crossmedialen Möglichkeiten des Webs spielende Angebote auszeichnen zu können.

Die Kritik galt aber nicht den 28 Nominierten des Abends, die zu den herausragenden Angeboten zählen. Auch wenn es etwas überraschend in diesem Jahr keinen Gewinner in der Kategorie «Information» gab. Die Jury konnte bis zu acht Preise vergeben und tat das auch – sie musste sie aber nicht zwangsläufig auf alle Kategorien verteilen. Die meisten Gewinner gab es bei «Kultur und Unterhaltung».

Unter den Gewinnern war mit «Mädelsabende» vom WDR ein hintergründiger Account auf der Plattform Instagram. Mit «RiffReporter» gewann ein Angebot, das für neue Geschäftsmodelle im Netz steht – es ist als Genossenschaft organisiert. In der Kategorie «Spezial» wurde der Inklusionsaktivist Raul Krauthausen gewürdigt.

Der undotierte Grimme Online Award wird seit 2001 verliehen. Die diesjährigen Gewinner im Überblick:

«maiLab»: Auf ihrem YouTube-Kanal erklärt die promovierte Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim verständlich wissenschaftliche Zusammenhänge. Oft geht es um Alltagsfragen, etwa ob Smoothies wirklich gesünder sind als Cola. Das Format gehört zum jungen ARD/ZDF-Netzwerk Funk. Es gewann neben einem Jurypreis auch die Publikumsabstimmung.

«RiffReporter»: Das Besondere an «RiffReporter» ist vor allem das Geschäftsmodell – es handelt sich um eine Genossenschaft. Freie Journalisten können sich auf der Plattform eine Community für ihre Themen aufbauen. Leser können gezielt Lieblingsautoren unterstützen.

«Bewegte Jahre. Auf den Spuren der Visionäre»: Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg inszeniert mit dem Web-Journal kreativ seine Jugendstil-Sammlung. Man begleitet einen fiktiven Reporter auf seiner Reise durch das Europa um das Jahr 1900.

«Ein deutsches Dorf»: Der 37. Abschlussjahrgang der Henri-Nannen-Schule dokumentiert multimedial das Leben in einem Dorf im Emsland mit all seinen Facetten. Für das Projekt quartierten sich die Jungjournalisten zwei Wochen lang nahe dem Ort Werpeloh ein.

«Mädelsabende»: Der Instagram-Account des WDR will seine Follower zum Diskutieren anregen – mit Erfolg. Die Jury würdigte den Kanal, der für feministische Themen sensibilisiert, als herausragend in der «sonst recht oberflächlichen Instagram-Traumwelt».

«Sommers Weltliteratur to go»: Wer vor der Abi-Prüfung noch mal schnell das Wichtigste zu «Faust» in den Kopf kriegen muss, sollte auf dem YouTube-Kanal des Dramaturgen Michael Sommer vorbeischauen. Er erzählt das Meisterwerk – wie auch andere Literaturklassiker – sagenhaft schnell und unterhaltsam. Mit Playmobil-Figuren.

«Deutschland spricht»: Bei dem aufwendigen Projekt von «Zeit Online» wurden vor der Bundestagswahl Menschen mit extrem gegensätzlichen Meinungen zu einem Diskurs zusammengebracht. Urteil der Jury: «Ein Journalismus, der so der Polarisierung entgegenwirkt und den gegenseitigen Respekt politischer Gegner voranbringt.»

Raul Krauthausen: Der Aktivist Raul Krauthausen kämpft crossmedial für Inklusion. Er habe es geschafft, das Thema Behinderung auch Menschen näher zu bringen, die normalerweise nicht täglich damit in Kontakt kommen, erklärte die Jury. Er erhielt den Preis für seine persönliche Leistung.

Bundesjustizministerin: Barley: WhatsApp-Kommunikation in andere Dienste ermöglichen

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) will sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass Verbraucher von WhatsApp aus auch mit Nutzern anderer Messenger-Dienste kommunizieren können. Beim Mobilfunk sei das schon möglich, sagte Barley der Deutschen Presse-Agentur.

«Beim Telefonieren auf dem Handy kann zum Beispiel der eine bei Vodafone sein und der andere bei der Telekom – das spielt keine Rolle, das merkt man nicht einmal.» Bei den Messenger-Diensten wäre das technisch ebenso möglich, sagte sie.

Es müsse künftig machbar sein, «dass zum Beispiel WhatsApp-Nutzer auch mit den Nutzern anderer Messenger-Dienste wie zum Beispiel Threema oder Signal kommunizieren können», sagte sie. «Das müsste man gesetzlich auf europäischer Ebene regeln und die Betreiber verpflichten, entsprechende Schnittstellen zu öffnen.» Über diese Frage sei sie in Gesprächen mit ihren Amtskollegen aus anderen EU-Staaten und mit Vertretern der EU-Kommission.

Messenger-Dienste setzen zum Teil auf sehr unterschiedliche Protokolle und Verschlüsselungs-Systeme, was einen Datenaustausch grundsätzlich erschwert. So ist zum Beispiel Apples iMessage nur auf Geräten des iPhone-Konzerns verfügbar. Viele Dienste – wie unter anderem iMessage, WhatsApp oder Signal – arbeiten mit sogenannter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der Inhalte nur für Absender und Empfänger, aber nicht für den Dienst selbst im Klartext verfügbar sind.

Nachrichten in Online-Messengern haben für viele Nutzer weitestgehend die SMS abgelöst. Bei SMS ist Kommunikation zwischen Netzen verschiedener Anbieter problemlos möglich. Zugleich gibt es aber auch keine Komplett-Verschlüsselung und per Gesetz sind Überwachungsmöglichkeiten für Sicherheitsbehörden vorgesehen.

Facebook spielt eine besonders starke Rolle in dem Markt mit seinen Diensten WhatsApp und Facebook Messenger, die jeweils mehr als eine Milliarde Nutzer haben.

«Man muss die Monopole aufbrechen, denn die führen dazu, dass ein Konzern machen kann, was er will», mahnte Barley. «Wer in einer WhatsApp-Gruppe sein möchte, zum Beispiel im Sportverein oder an der Schule, hat keine andere Wahl, als diesen Messenger-Dienst zu installieren – egal was der Konzern mit den eigenen Daten macht.»

Bei den Messenger-Diensten gebe es bereits eine Vielzahl von Anbietern mit hohen Datenschutzstandards. «Wenn man das System öffnet und die verschiedenen Messenger-Dienste verknüpft, müssen sich Anbieter beim Datenschutz mehr anstrengen.» Wer die Privatsphäre seiner Nutzer schütze, hätte so eine größere Chance am Markt. «Die große Herausforderung ist, dass die Sicherheitsstandards dabei nicht absinken – auf das Niveau des Anbieters mit den schlechtesten Datenschutzvorgaben.»