Sicherheitsforscher packt aus: So kann Ihr Smartphone Sie ausspionieren – obwohl Sie alles abgeschaltet haben

Zwei Kameras, mehrere Mikrofone, ein GPS-Modul und Unmengen private Daten der Nutzer: Smartphones sind die perfekten Überwachungsgeräte. Weil das den Herstellern durchaus bewusst ist, kann man Apps den Zugriff auf die kritischen Features verweigern. Wozu braucht schließlich ein Kinderspiel den Standort? Das Problem: Wer es unbedingt will, kann die Schutzfunktionen umgehen – und das fehlender Genehmigung Standort oder Tastatur-Eingaben mitschneiden. 

Das erklärt Guevara Noubir in einem Beitrag in „The Conversation“. Schuld an den scheiternden Schutzmaßnahmen sind aber nicht direkt die Hersteller, sondern die vielen zusätzlichen Sensoren der Smartphones, so der Experte. Er weiß, wovon er spricht: Noubir erforscht an der Northeastern University in Boston mit seinem Team so genannte „Sidechannel Attacks“, also Angriffe, die über ungewöhnliche Ansätze Sicherheitsmaßnahmen aushebeln.

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Über die Flanke erwischt

Die Idee hinter den „Sidechannel Attacks“ ist einfach: Man kann sein System nur dort absichern, wo man mit Angriffen rechnet. Noubir wählt einen einfachen Vergleich: „Autos sind dazu entworfen, die Insassen bei einem Zusammenstoß mit anderen Wagen, Gebäuden oder Telefonmasten zu schützen. Sie sind nicht dafür gebaut, Menschen vor den Folgen eines Sturzes von einer Klippe oder eines auf das Dach fallenden Felsens zu bewahren.“ Um im Bild zu bleiben: Wer ein Smartphone knacken will, muss also nur den passenden Felsen finden.

Und Noubirs Team sucht genau nach solchen Ansätzen. So fanden sie etwa heraus, wie man Passworteingaben über die Display-Tastatur mitscheiden kann. Ohne dass die für den Angriff genutzte App Zugriff auf die Tastatur hat. Stattdessen belauschten die Forscher über das Mikrofon die Anschläge des Fingers auf dem Display. Die Aufzeichnungen glichen sie mit den Daten des Gyroskops ab, also dem Sensor, der die Ausrichtung des Smartphones misst. Beim Tippen bewegt sich das Gerät nämlich ganz leicht – und zwar abhängig davon, wo genau man auf das Display drückt. „In 90 Prozent der Fälle haben wir richtig gelegen“, erklärt Noubir. Hilfreiche Apps 7.45

Ortung ohne GPS

Bei der Ortung ist es ähnlich. Der fehlende Zugriff auf GPS hält Angreifer nicht zwangsläufig davon ab, das Gerät orten zu können. „Die Route eines Fahrers lässt sich auf einige Wendungen herunterbrechen. Jede in eine bestimmte Richtung“, erklärt der Experte. Mit dem Kompass lasse sich die Richtung feststellen, das Gyroskop misst die Winkel beim Abbiegen, der Beschleunigungssensor weiß, ob das Auto stoppt oder schneller wird. Und schon hat man die Fahrt in eine optische Route umgewandelt. Nun muss man nur noch die Stelle finden, an der die Straßen so angeordnet sind.

„In unserem Falle wussten wir, in welcher Stadt wir die Leute trackten. Ein ähnlicher Ansatz könnte aber genutzt werden, um herauszufinden, in welcher Stadt eine Person sich aufhält.“ Innerhalb von Boston könne der Algorithmus die Route schon recht zuverlässig erkennen. Mit mehr Aufwand, genaueren Daten und Optimierungen ginge sicher noch mehr, vermutet Noubir.Facebook lauscht? 12-25

Daten lassen sich nicht sperren

Wirklich gruselig ist der Ansatz, wenn man sich bewusst macht, dass die genutzten Daten wirklich jeglichen Apps zur Verfügung stehen. Weder Apples iOS noch Googles System Android lassen den Zugriff auf das Gyroskop oder den Beschleunigungssensor sperren. Will ein Programmierer die darüber gesammelten Daten missbrauchen, kann ihn der Nutzer nicht davon abhalten.

Beim iPhone hilft immerhin, dass die Apps nach wenigen Minuten im Hintergrund eingefroren werden. Apps können also nur Daten sammeln, wenn sie aktiv genutzt werden. Bei Android ist das nicht der Fall. Auch bei Apple gibt es aber Ausnahmen wie Navigations- und Musik-Apps, die auch im Hintergrund aktiv sein dürfen. Und natürlich wurde auch diese Beschränkung bereits ausgenutzt: Die offizielle Facebook-App lief eine Zeit lang heimlich im Hintergrund – indem sie einen für den Menschen unhörbaren Ton abspielte. Facebook betonte, es habe sich um eine Fehlfunktion gehandelt.

Ob das stimmt, ist natürlich nicht nachvollziehbar. Sicher ist: Eine solche App wäre der Traum eines jedes Angreifers. Schließlich hat Facebook auf den meisten Smartphones auch Zugriff auf Kamera, Mikrofon und GPS. Ganz offiziell.Android Trojaner Humming Whale_18Uhr

Tech-Übernahme der Superlative: Broadcom will auch nach Qualcomm-Ablehnung nicht nachbessern

Der US-Chipkonzern Broadcom will sein jüngst erhöhtes Gebot für den Rivalen Qualcomm nicht erhöhen. Diese Offerte sei «die beste und die letzte», teilte der Konzern am Morgen mit.

Die Aussage kam als Antwort auf die erneute Ablehnung des Angebots durch das Qualcomm-Management am Donnerstagabend. Die Bewertung sei noch nicht angemessen, zudem stünden nach wie vor mögliche Probleme mit Regulierungsbehörden im Raum, hieß es von Qualcomm.

Broadcom hatte sein Gebot für den Rivalen am Montag auf 146 Milliarden Dollar hochgeschraubt. Zu den Konditionen wäre es die bisher teuerste Tech-Übernahme. Broadcom hatte am Montag auch betont, man wäre bereit, weitreichende Auflagen zu akzeptieren.

Das Gebot je Aktie wurde um 12 Dollar – in Form von Broadcom-Anteilen – auf 82 Dollar angehoben. Damit wird Qualcomm mit rund 121 Milliarden Dollar bewertet. Dazu kämen nach früheren Angaben noch Schulden von rund 25 Milliarden Dollar hinzu, falls Qualcomm wie geplant den Konkurrenten NXP übernimmt.

Konkurrenz für Alexa und Echo: Apple startet Verkauf seines HomePod-Lautsprechers

Apple hat heute seinen vernetzten Lautsprecher HomePod in den Handel gebracht und steigt damit in einen bisher von Amazon und Google besetzten Markt ein. Ähnlich wie bei der Konkurrenz kann der HomePod Musik abspielen und auf Sprachbefehle reagieren.

Apple will bei den Nutzern allerdings mit einer besseren Sound-Qualität als bei den Rivalen punkten. Zugleich kann Apples Assistenzsoftware Siri auf dem Gerät zum Start weniger als Amazons Alexa in den Echo-Lautsprechern und der Google Assistant in den Home-Geräten des Internet-Konzerns. Unterdessen ist der Preis mit 350 Dollar deutlich höher als bei den meisten Konkurrenz-Lautsprechern.

Als erste konnten am Freitag Kunden in Australien den HomePod ausprobieren, er kommt zum Debüt auch in Großbritannien und den USA auf den Markt. Der Start in Deutschland und Frankreich ist ohne konkreteren Termin für Frühjahr angekündigt.

Apple hatte den HomePod erstmals im Juni vorgestellt und wollte ihn ursprünglich noch bis Ende vergangenen Jahres herausbringen. Der Konzern konnte den Zeitplan jedoch nicht halten. Laut Medienberichten brauchte die Software länger – und an ihr wird weitergearbeitet. So ist zum Start ist die angekündigte Möglichkeit, zwei HomePods zu einem Paar zusammenzuschalten, noch nicht vorhanden. Und auch die Software AirPlay 2, mit der mehrere Lautsprecher in verschiedenen Räumen besser gesteuert werden können, ist noch nicht fertig. Die Funktionen sollen per Software-Update nachgereicht werden.

Amazon hatte den Markt für vernetzte Lautsprecher mit sprechenden Assistenten an Bord seit dem Start des ersten Echo-Modells Ende 2014 praktisch im Alleingang etabliert, Google folgte 2016 mit seinem Home-Gerät. Beide Unternehmen bauten inzwischen das Sortiment mit verschiedenen Modellen aus und versuchen zudem, ihre Assistenzsoftware in alle möglichen Geräte anderer Anbieter zu bringen, vom Kühlschrank bis zum Rauchmelder.

Apple arbeitete an dem HomePod bereits seit sechs Jahren und betont, dass es zuallererst ein Gerät für hochwertige Musik-Wiedergabe sein soll. Die HomePod-Software soll den Klang automatisch an die Akustik des Raums anpassen. In dem zylindrischen Lautsprecher steckt ein Ring aus sieben Hochtönern, die für einen räumlichen Sound zuständig sind.

Die Konkurrenz-Plattformen versuchen gerade auch, bei der Tonqualität nachzulegen. Google brachte den Lautsprecher Home Max heraus, der mit 399 Dollar noch teurer ist. Und Amazons Assistentin Alexa findet sich jetzt auch in einem Modell des Lautsprecher-Spezialisten Sonos.

Rezensionen von Profis: Wenn Wissenschaftler Alltagsgegenstände missbrauchen – und auf Amazon bewerten

Wenn wir bei Amazon shoppen, erwarten wir, dass alle Rezensenten die Produkte aus demselben Grund kaufen wie wir. Dass man ein Sieb etwa zum Nudeln abgießen verwendet oder eine Yogamatte, um darauf zu turnen. Aber: falsch gedacht!

Wissenschaftler aus der ganzen Welt besorgen sich auf dem Einkaufsportal Utensilien für ihren Job, die vom Hersteller sicher nie für diesen Zweck gedacht waren. Das ist ebenso interessant wie skurril. Unter dem Hashtag #reviewforscience teilten sie ihre Favoriten jetzt auf Twitter mit uns Normalos.

1. Kondome für Blutsauger

Für Jules Bristow dienen diese Schafsdarm-Verhüterli nicht zum leidenschaftlichen Geschlechtsverkehr – zumindest nicht vorrangig. Die Kondome aus Naturmaterial benutzt er lieber als „Membran“, um damit „hämatophage Insekten“ zu füttern. Solche also, die sich bevorzugt von Blut ernähren.

Das gezeigte Foto, kommentiert er selbst, ist aber nur halb korrekt: Die Kondome mit Gleitmittel taugen nichts, man sollte die Variante ohne verwenden. Auf Amazon vergibt er trotzdem nur strenge zwei Sterne. Denn „der Kauf wird (von Kollegen) kommentiert, wenn sie ihn auf der Abrechnung der laboreigenen Kreditkarte sehen“. Tja.

2. Vibrator für Höhlenforscher

Alastair Gibbons erforscht die Insektenpopulation, die in Höhlen zu finden ist. Spinnen, zum Beispiel. Und er hat ein tolles Hilfsmittel gefunden: „Man kann ihn auch als Massagestab verwenden, aber die Hauptfunktion – das habe ich gelernt – ist natürlich, Spinnen aus ihren Verstecken zu locken“, kommentiert er einen pinkfarbenen Vibrator.

Den Spinnen wird durch die Vibration an der Höhlenwand vorgegaukelt, dass ein potenzielles Mittagessen sich nähere. „Verschiedene Geschwindigkeitseinstellungen simulieren unterschiedliche Beutetiere“, lobt Alastair.

3. Interdental-Bürsten für Gehirne

Fünf Sterne bekommen diese kleinen Zahnzwischenraum-Bürstchen von der Wissenschaftlerin Amy Schwartz. Das Einsatzgebiet ist allerdings ein bisschen verstörend: „Wirklich exzellent, um die Gehirne aus sehr kleinen Vogelschädeln zu entfernen“, schreibt sie.

Wir wechseln lieber wieder zur Zahnseide …

4. Teesiebe für Ameisen

Wer glaubt, dass sich diese kugelförmigen Teesiebe nur für den abendlcihen Earl Grey eignen, hat sich getäuscht. Die Biologin Robyn Womack schätzt die Küchenutensilien ebenso wie ihr Kollege John Birch für Experimente mit Insekten. „Um ehrlich zu sein, habe ich sie nicht zum Teekochen, sondern für ein zoologisches Experiment mit Ameisen benutzt“, heißt es in der Amazon-Bewertung.

Und ganze vier Sterne gab’s für die Siebkugeln. „Ameisen einer Kolonie waren in einem der Teesiebe und wurden in einer anderen Kolonie platziert. Die Löcher waren klein genug, dass die Tiere nicht heraus konnten, aber groß genug, um eine Reaktion der beiden Gruppen aufeinander hervorzurufen.“

5. Kissenbezüge für Küstenvögel

Andere Menschen mögen weiche Kopfkissenbezüge, um darauf zu schlafen. Ornithologe Liam Berigan geht mit den weißen Stoffhüllen allerdings lieber auf Vogeljagd. Und auch dafür scheinen sie sich gut zu eignen.

„Perfektes Behältnis für große Möwen“, lobt er die Bezüge auf Amazon. Merken wir uns, wenn wir das nöchste Mal, äh, eine Möwe brauchen.

6. Flanell für Fledermäuse

Der Holzfäller-Style ist ja nicht nur gemütlich und warm, sondern auch noch immer recht angesagt. Fledermaus-Expertin Dani Rabaiotti schätzt dieses Karo-Hemd allerdings auch aus einem anderen Grund: „Die zuknöpfbaren Brusttaschen an diesem Shirt sind perfekt, um darin Fledermäuse unterzubringen, wenn alle Fledermaus-Behälter bereits voll sind“, klärt sie uns auf Amazon auf.

Allerdings gibt es  einen unangenehmen Nachteil: „Die rote Farbe zieht betrüblicherweise einige Bremsen an.“ Die fies beißenden Insekten kennt ja jeder, der sich gerne in der Nähe von Pferden aufhält. Unangenehm.

7. Thermometer für … Tiere

Der Wissenschaftler Alex Slavenko von der Tel Aviv University fasst es kurz und knapp zusammen, also wollen wir hier auch gar nicht so in die Tiefe gehen: „Passt perfekt in die Kloake einer Eidechse“, lobt er dieses Digitalthermometer auf Amazon. Okay.

Baby-Wollnashorn aus der Eiszeit_8Uhr