Teurer, aber nicht schneller: Die LTE-Lüge: Wie die Provider uns Schnecken-Tempo zum Aufpreis verkaufen

Es wurde als die Revolution des Internets verkauft: Mit LTE sollten endlich alle überall und mit Hochgeschwindigkeit im Internet surfen, so versprachen es die Provider. Dafür verlangten sie am Anfang auch noch kräftigen Aufpreis. Mittlerweile sind die Preise gepurzelt, den schnellen Datenstandard gibt es selbst beim Discounter. Doch LTE ist nicht gleich LTE: Billig-Highspeed hat oft einen gewaltigen Haken – und ist teilweise sogar langsamer als ältere Techniken.

Was den meisten Kunden nicht bewusst ist: Hinter LTE verbirgt sich kein einheitliches Geschwindigkeits-Versprechen. Auch, wenn die Broschüren der Provider uns das gerne weismachen wollen. Mit dem Kürzel, das eigentlich schlicht für „Long Term Evolution“ (Langfristige Entwicklung) steht, verkaufen die Provider eigentlich nur den Zugang zum gleichnamigen Mobilfunk-Standard – unabhängig davon, wie schnell der am Ende ist.

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Zwischen rasen und schleichen

Und die Unterschiede fallen gigantisch aus. Während in der Spitze Geschwindigkeiten von bis zu 500 Mbit die Sekunde winken, bremsen andere Tarife die Kunden kräftig aus. In Extremfällen werden dem Kunden LTE-Tarife mit 14,4 Mbit/s verkauft – als Maximalgeschwindigkeit. Selbst der zehn Jahre alte Standard HSPA+ bietet bis zu 42,2 Mbit/s. 

Die Drosselung findet sich bei fast allen Providern. Das zeigen die Angaben zur maximalen Surfgeschwindigkeit der jeweiligen Tarife auf den Webseiten der Provider. Nur Vodafone scheint in sämtlichen Tarifen die maximale Geschwindigkeit ohne künstliche Bremse zu bieten. Bei vielen kommt es schlicht auf den gewählten Tarif an. Die Telekom liefert etwa in den Smartphone- und den Daten-Tarifen die volle Geschwindigkeit, bei den Prepaid-Tarifen der Tochter Congstar sind aber maximal 20 Mbit/s drin. Bei O2 wiederum surft man bei Smartphone- und Prepaid-Tarifen ohne Einschränkung, dafür wird bei den reinen Datentarifen gedrosselt – im billigsten Tarif auf den mit 14,4 Mbit/s schlechtesten Wert unserer Recherche. o2 Ärger zwei, 19.15

Langsames Billig-LTE

Bei den günstigen Resellern scheint man nur in Ausnahmefällen Spitzengeschwindigkeiten erwarten zu dürfen. LTE gibt es ohnehin nur bei Tarifen, die auf das O2-Netz zugreifen. Doch selbst hier wird meist gedrosselt. Ob Tchibo, Aldi oder Discotel: Die meisten Spar-Provider bieten zwischen 20 und 50 Mbit die Sekunde. Bei anderen wie 1&1, WinSIM oder DeutschlandSIM haben nur die teureren LTE-Tarife keine Beschränkung, bei den günstigen kommen aber höchstens 50 Mbit/s an. 

Schlicht absurd ist das Angebot bei Klarmobil: Wer LTE will, zahlt dort drauf, bei schlechterer Leistung. 9,99 Euro kosten dort 1 GB Daten, trotz LTE-Netz kommen beim Kunde höchstens lahme 21,6 Mbit/s an. Alternativ kann man aber auch auf LTE verzichten – und erhält für 8,99 Euro ganze 2 GB Daten mit einer Geschwindigkeit von 42,2 Mbits/s. Wer sich LTE spart, bekommt also doppelt so viele Daten bei doppelter Geschwindigkeit. Und das bei einem Euro Ersparnis. Da ist die geringere Anzahl an Freiminuten gut zu verkraften.Klarmobil

Vorteil auch ohne Highspeed

Reine Geldverschwendung ist LTE aber auch bei gedrosselter Geschwindigkeit nicht. Die Netzbetreiber stellen sich immer mehr auf den neuen Standard ein. Neue Sendemasten setzen auf LTE, alte werden zum Teil abgeschaltet. Mit LTE hat man also häufig einen besseren Empfang – solange es am eigenen Standort verfügbar ist. Die Situation dürfte sich in den nächsten Jahren zu Gunsten des neueren Standards weiter verschärfen.

Wer unbedingt die schnellste Verbindung will, sollte auf den Zusatz „LTE Max“ achten, der sich bei immer mehr Providern durchsetzt. Er bedeutet schlicht, dass die maximal mögliche LTE-Übertragungsrate bis zum Kunden durchgereicht wird. Welche Geschwindigkeit konkret erreicht wird, hängt dann vom Standort und dem Netzbetreiber ab. Bei Vodafone liegt der Spitzenwert wie oben beschrieben bei 500 Mbit/s, im Telekom-Netz darf man aktuell höchstens 300 Mbit/s erwarten, O2 liefert bis zu 225 Mbit/s aus. Diese Werte stellen aber ohnehin nur die theoretisch mögliche Leistung eines Funkmastes dar. Mit jedem zusätzlichen Nutzer desselben Mastes geht der Wert nach unten. Welche Geschwindigkeiten die Netzbetreiber in einem aktuellen Test tatsächlich erreichten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Anmelden mit Mobiltelefon: Provider führen Identifikation für Netzdienste per Handy ein

Verbraucher in Deutschland sollen sich künftig mit ihrem Mobiltelefon sicher bei gängigen Internetdiensten anmelden können. Bei dem Verfahren «Mobile Connect» soll nicht mehr die Eingabe eines Benutzernamens und Passworts notwendig sein.

Das teilten die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica mit. Das Verfahren soll im Einkauf in Online-Shops und bei der Anmeldung in Internet-Portalen funktionieren. Später sei auch ein Log-in bei digitalen Behördengängen damit möglich. Der Dienst solle Mitte 2018 starten.

Als erster großer Partner in Deutschland werde die Identitäts- und Datenplattform verimi künftig das Verfahren anbieten. Verimi ist eine branchenübergreifende Datenplattform von mehreren Konzernen aus Deutschland, darunter Allianz, Axel Springer, Daimler, die Deutsche Bank mit der Postbank und dem Kartendienst Here. Sie wollen mit verimi gegen die Dominanz von US-Schwergewichten wie Google und Facebook ankämpfen.

Die Mobilfunkprovider betonten, das Log-in mit dem Mobiltelefon sei besonders unkompliziert und dabei sehr sicher. «Die Anbieter geben den Nutzern damit die Kontrolle über ihre eigenen Daten», sagte Alex Sinclair, Technikchef des internationalen Branchenverbandes GSMA. Der Dienst ermögliche es Nutzern, Unternehmen und Behörden bequem in einer privaten und vertrauenswürdigen Umgebung zu interagieren.

Wenn eine Website oder App die neue Log-in-Möglichkeit unterstützt, wird eine SMS an das Handy des Kunden mit einem Link verschickt. Über diesen Link kann der Anwender dann dem Netzbetreiber die verschlüsselte Übermittlung einer Kundenreferenznummer an den Portalbetreiber erlauben. Danach kann der Kunde auch ohne die Eingabe eines Passworts auf den geschützten Bereich zugreifen.

Bei dem System können die Anwender auch ihre Lieferadresse und Bankverbindung an einen Online-Shop sicher übertragen lassen. Dieser Datenaustausch müsse aber explizit freigegeben werden. «So wird sichergestellt, dass der Kunde jederzeit die volle Kontrolle über seine persönlichen Daten behält», teilten die Partner mit

Neben verimi wurde im vergangenen Jahr ein zweites Projekt aus Deutschland für ein übergreifendes Registrierungs- und Anmeldeverfahren im Internet angekündigt. In der «Log-in-Allianz» haben sich RTL Deutschland, ProSiebenSat.1 Media sowie die United Internet AG mit web.de und gmx zusammengetan. Der Dienst soll ebenfalls 2018 starten.

iPhone-Verkaufsverbot?: Zwei US-Giganten vor dem Münchner Landgericht

Der Chiphersteller Qualcomm will Apple den Verkauf seiner neuen iPhone-Modelle in Deutschland verbieten lassen. Im Prozess vor dem Landgericht München warf der Kläger Apple vor, in seinen Smartphones patentrechtlich geschützte Technologien zu verwenden, ohne dafür zu zahlen.

Apple wies das zurück und bezifferte den möglichen Schaden auf mehr als eine Milliarde Euro. Die Kammer betonte, es gebe noch sehr viele offene Fragen. Zum nächsten Verhandlungstermin am 8. November will die Kammer einen Sachverständigen laden. «Es sollte einer sein, der uns das auf deutsch sagt», meinte der Vorsitzende Richter. «Wir bewegen uns hier in einem dunklen Wald mit einer kleinen Taschenlampe.» Viele Patentdetails halten die Parteien bislang geheim. Zusätzliche Informationen erwarten die Richter auch aus Prozessen der beiden Parteien in den USA, in London und vor dem Landgericht Mannheim. In Mannheim wird am 5. Juni verhandelt, ein Urteil schon im September erwartet.

Bei den Klagen in Deutschland geht es um verschiedene Patente auf Techniken, die die Smartphones effizienter und leistungsstärker machen und den Stromverbrauch besser an die momentane Aufgabe anpassen soll. Das ist wichtig, vor allem wenn der Akku schwächelt. «Wenn man das nicht nachregelt, läuft die Heizung immer auf voll», sagte der Vorsitzende Richter.

Die Apple-Anwälte bestritten eine Patentverletzung. Darüber hinaus sei die Funktion in den neuen iPhone-Modellen gar nicht aktiv. Apple hatte bis 2016 fast ausschließlich Qualcomm-Chips in das iPhone eingebaut, inzwischen verwendet das Unternehmen auch Intel-Chips, in Europa sogar nur noch Kommunikationsbauteile von Intel.

Die EU-Kommission hatte Qualcomm im vergangenen Jahr mit einer Strafe von einer Milliarde Euro belegt, weil der Chiphersteller den Konkurrenten Intel mit Exklusivverträgen mit Apple wettbewerbswidrig ausgegrenzt habe. Diese Entscheidung ist aber noch nicht rechtskräftig. Qualcomm betonte in München, bei dem Verfahren gehe es gar nicht um die Breitbandchips, die im Fokus der EU-Entscheidung stehen, sondern um andere Patente.

Apple hat Qualcomm auch in den USA verklagt mit dem Vorwurf, der Halbleiter-Spezialist verlange zu viel für Patentlizenzen. Auch in den USA will Qualcomm Apple im Patentstreit die Einfuhr von iPhones mit Intel-Funkchips verbieten lassen

Beide Konzerne sind in Kalifornien zuhause. Die deutschen Gerichte gelten im Vergleich zu amerikanischen aber als schneller und freundlicher gegenüber Patentinhabern – auch deshalb klagt Qualcomm in München und in Mannheim. Wegen angeblicher Patentverletzung will Qualcomm nicht nur einen Einfuhr- und Verkaufsstopp für iPhones in Deutschland erreichen, sondern verlangt auch Schadenersatz.

Bisher nur rote Zahlen: Twitter schafft ersten Gewinn

Twitter hat knapp zwölf Jahre nach der Gründung seinen ersten Gewinn geschafft. Im vergangenen Quartal gab es schwarze Zahlen von 91 Millionen Dollar.

Anleger feierten den Meilenstein: Die Aktie sprang im vorbörslichen US-Handel um fast ein Viertel hoch. Twitter hatte bisher nur Verluste geschrieben, im Vorjahresquartal gab es noch ein Minus von 167 Millionen Dollar.

Zugleich gab es von Oktober bis Dezember kein Wachstum bei der Nutzerzahl – sie blieb bei 330 Millionen. Twitter verstärkte zuletzt den Kampf gegen gefälschte Accounts im Nachgang der aus Russland geführten Propaganda während der US-Präsidentenwahl. Dadurch könnten mehr Profile ausgesiebt worden sein. Twitter hängt bereits seit Ende März 2017 an der Marke von rund 330 Millionen monatlich aktiver Nutzer fest. Die Zahl täglich aktiver Nutzer legte laut Twitter im Jahresvergleich um zwölf Prozent zu – aber die Firma nennt keine konkreten Zahlen dazu.

Der Umsatz übertraf mit einem Plus von zwei Prozent auf 732 Millionen Dollar die Erwartungen der Analysten. Den Ausschlag dafür gab der Anstieg der Werbeerlöse, die allein im Vergleich zum dritten Quartal von 503 auf 644 Millionen Dollar hochsprangen. Dabei hängt das Twitter-Geschäft extrem vom Heimatmarkt USA: Dort leben zwar nur 68 Millionen Nutzer – sie brachten aber mit 342 Millionen Dollar mehr als die Hälfte der Umsätze ein.

Twitter-Mitgründer Jack Dorsey versucht als Firmenchef, den Dienst einfacher nutzbar zu machen und so das Wachstum anzukurbeln. Eine seiner Maßnahmen war, im vergangenen Herbst die Längen-Einschränkung für einen Tweet von 140 auf 280 Zeichen anzuheben. Außerdem verordnete er Twitter einen Fokus auf aktuelle News und Personalisierung verschrieben und setzt dabei unter anderem auch auf Video.

Telefonnummer und Geburtsdatum: Vier von zehn Verbrauchern geben falsche Daten im Netz an

Beim Online-Kauf von Produkten oder Dienstleistungen geben gut 41 Prozent der Verbraucher einer globalen Umfrage zufolge falsche personenbezogene Daten an. Die häufigsten falschen Angaben betreffen Telefonnummer, Geburtsdatum und die E-Mail-Adresse.

Das teilte das IT-Sicherheitsunternehmen RSA Security mit. Die wichtigsten Gründe dafür seien die Vermeidung unerwünschter Anrufe (59 Prozent) und befürchteter Marketingmaßnahmen (57 Prozent). Die Ergebnisse zeigten die anhaltende Skepsis der Verbraucher in Bezug auf den Umgang der Unternehmen mit solchen Daten. Das zum Computerbauer Dell gehörende Unternehmen hatte 7500 Erwachsene in Frankreich, Deutschland, Italien, Großbritannien und den USA befragt.

In der Umfrage gaben zudem 78 Prozent an, bewusst die Menge an personenbezogenen Informationen zu beschränken, die sie online weitergeben. Allerdings würden nur 55 Prozent der Befragten die Weitergabe ihrer Daten an ein Unternehmen vermeiden, von dem sie wüssten, dass es Daten ohne Einwilligung verkauft oder missbraucht habe. 90 Prozent der Teilnehmer haben demnach ihre Befürchtungen in Bezug auf Verlust, Diebstahl oder Manipulation ihrer Daten geäußert.

«Den Verbrauchern ist der Wert ihrer persönlichen Daten völlig klar, und trotz aller angebrachten Vorsicht sind sie auch bereit, diese unter den passenden Umständen weiterzugeben», sagte Rashmi Knowles, Manager bei RSA Security. Knapp ein Drittel sei überzeugt, so bessere und personalisierte Produkt-Angebote zu erhalten. Gut ein Viertel (26 Prozent) würden gern ihre Daten preisgeben, wenn sie dafür einen besseren Service erhielten.