Überraschende Studie: Von wegen Premium: Billigtelefonierer sind zufriedener als Kunden bei Telekom und Co.

Kunden der drei großen Mobilfunkanbieter Telekom, Vodafone und O2 sind unzufriedener als die der Billig-Provider. Das zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Institut für Service-Qualität (DISQ) mit erstaunlicher Klarheit. Sie verglich, wie zufrieden die Kunden der einzelnen Anbieter nach eigenen Angaben sind. Ausgerechnet Billigmarken schneiden am besten ab, die drei Großen – Telekom, O2 und Vodafone -landeten von 18 Providern unter den letzten vier Plätzen, O2 bildete gar das Schlusslicht. Testsieger ist der Discounter-Tarif Alditalk.

Für die Studie wurden 1820 Personen befragt. Sie sollten ihre Zufriedenheit mit dem Angebot, den Preisen, dem Service und eventuelle Ärgernisse mit ihrem Handy-Provider bewerten. Zudem sollten sie angeben, ob sie ihn weiterempfehlen würden.

+++ Irre Vertragsverhandlungen, Kündigung mit Tücken: Haben auch Sie schlechte Erfahrung mit Ihrem Handy- oder Internet-Provider gemacht? Schicken Sie uns Ihre Erfahrungen an achtungkunde@stern.de +++

Telekom, Vodafone und O2 ganz hinten

LTE Lüge 19.05Das Ergebnis erstaunt. Gleich sechs Billiganbieter schneiden in jedem einzelnen Punkt besser ab als die großen Provider. Alditalk, Smartmobil.de, Blau, Tchibo Mobil, 1&1 und die Telekom-Tochter Congstar haben durchweg zufriedenere Kunden als die klassischen Mobilfunkmarken.

Besonders auffällig: Die größten Unterschiede gibt es nicht beim Preis – sondern bei den Ärgernissen. Dabei ging es um die Frage, ob man sich schon einmal über seinen Anbieter geärgert hatte, etwa wegen des Service, falscher Abrechnungen oder auch zu hoher Mobilfunkkosten. Und: Auch die Erreichbarkeit der Hotline kann als Ärgernis angegeben werden. Gerade O2 hatte in diesem Punkt im letzten Jahr massive Probleme gehabt.O2 neue Tarife 8.10

Ärger bei den Großen

Doch die Telefonicá-Tochter war mit dem Ärger nicht allein: Die drei großen Provider haben bei den Ärgernissen die mit Abstand schlechtesten Werte im Test. Während alle anderen im Schnitt auf 79,16 Punkte kommen, sind es bei den drei Großen gerade mal 24 Punkte. Vor allem O2 schafft hier mit 17,5 Punkten den absoluten Tiefstwert unter allen Rubriken, Vodafone folgt mit 20 Punkten dichtauf. Die Telekom schafft immerhin 35. Zum Vergleich: Außer den drei Großen erreichte nur Klarmobil bei den Ärgernissen einen Wert unter 65 Punkten, liegt mit 45 aber immer noch weit vor den teuren Konkurrenten. Das sitzt.

Der Unterschied bei der Weiterempfehlungsrate ist dagegen weniger drastisch als man wegen der Ärgernisse erwarten würde. Während Alditalk mit 77,5 Prozent Weiterempfehlung den besten Wert einfährt, liegt der Letztplatzierte O2 mit 49 Prozent zwar merkbar dahinter, der Unterschied hätte aber deutlich größer ausfallen können.

Weil Zufriedenheit auch eine Frage der Erwartungen ist, stellt sich die Frage, ob die Kunden bei den drei großen Marken einfach höhere Ansprüche haben als die Billig-Telefonierer. So oder so sollten Telekom, Vodafone und O2 wohl dringend daran arbeiten, dass die Kunden zufriedener sind – und sich deutlich weniger ärgern.O2 Online statt Hotline 14:45h

Daten-Skandal: Facebook-Chef Zuckerberg räumt Fehler ein – entschuldigt sich aber nicht

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat im Skandal um den Missbrauch von Nutzerdaten durch die Firma Cambridge Analytica Fehler eingeräumt. Das Vertrauen der Nutzer, die ihre Daten dem Online-Netzwerk anvertrauen und erwarten, dass sie sicher sind, sei verletzt worden, schrieb Zuckerberg am Mittwoch in einer ersten Reaktion auf die seit dem Wochenende bekannten Enthüllungen. „Ich habe Facebook gestartet und am Ende des Tages trage ich die Verantwortung dafür, was auf unserer Plattform geschieht.“ Zugleich enthielt der lange Beitrag des Facebook-Chefs keine ausdrückliche Entschuldigung.

Daten bei Facebook wurden widerrechtlich weitergegeben

Zuckerberg verwies darauf, dass die Analyse-Firma Cambridge Analytica, die unter anderem für das Wahlkampfteam von Donald Trump arbeitete, unrechtmäßig an die Daten gekommen sei. Ein britischer Professor hatte eine Facebook-App mit einer Umfrage zu Persönlichkeits-Typen auf die Plattform gebracht – und dann Daten daraus heimlich an Cambridge Analytica weitergegeben. Medienberichten zufolge waren Informationen von rund 50 Millionen Nutzern betroffen; Zuckerberg nannte keine genaue Zahl, sondern sprach lediglich von mehreren Dutzend Millionen Nutzern.

Fünf Fragen zum Facebook-Skandal, 20.20

Mark Zuckerberg will Nutzerdaten besser schützen

Der Facebook-Chef versprach, die Nutzerdaten besser zu schützen. Ein Großteil der von ihm dafür angekündigten Maßnahmen zielt darauf, den Zugriff von App-Entwicklern einzuschränken. So sollen Facebook-Apps, die man drei Monate lang nicht genutzt hat, automatisch die Zugangsberechtigung verlieren.

21-Cambridge Analytica hat Chef suspendiert-5755414271001

Datenskandal: Ministerin Barley zitiert Facebook zu sich

Im Facebook-Skandal um millionenfach angezapfte Nutzerprofile will die neue Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) eine Erklärung des sozialen Netzwerks erzwingen. Das Facebook-Management in Europa müsse „zu diesem Skandal“ umfassend gegenüber der Bundesregierung Stellung beziehen, sagte Barley den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sie werde deshalb Vertreter des Unternehmens in das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz laden.

Man könne nicht hinnehmen, dass Nutzer in sozialen Netzwerken „gegen ihren Willen ausgeleuchtet werden, um sie ganz gezielt mit Wahlwerbung oder Hass gegen den politischen Gegner zu bombardieren“, kritisierte Barley. Solche Wahlkampfmethoden seien „eine Gefahr für die Demokratie“. Es müssten klare Regeln gelten.

Europa habe beim Datenschutz ein sehr viel strengeres Recht als die USA, betonte die Ministerin. Entscheidend sei die Einwilligung der Nutzer, die immer nur wirksam sein könne, wenn die Betroffenen genau wüssten, was mit ihren Daten passiere. Das künftige europäische Datenschutzrecht, das ab Mai gelte, sehe bei Verstößen empfindliche Sanktionen bis zu 4 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg gesteht Fehler ein, 21.50Auch die neue Staatsministerin für Digitales im Bundeskanzleramt, Dorothee Bär (CSU), kritisierte das Verhalten von Facebook und forderte rasche Aufklärung. „Facebook muss endlich realisieren, dass sein wichtigstes Kapital nicht die Werbeeinnahmen sind, sondern das Vertrauen seiner Nutzerinnen und Nutzer“, sagte Bär dem Magazin „Focus“.

Die bald in Kraft tretende europäische Datenschutzgrundverordnung schaffe „einen einheitlichen Rechtsrahmen für Datenschutz in allen EU-Mitgliedstaaten“, sagte Bär. Damit habe Europa künftig einen deutlich längeren Hebel. „Nichtssagende Antworten und der Verweis auf das amerikanische Hauptquartier reichen dann nicht mehr.“

Facebook-Chef Mark Zuckerberg räumt „Vertrauensbruch“ ein

In dem Skandal um mutmaßlichen gigantischen Datenmissbrauch für den US-Wahlkampf hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg zuvor in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme seine persönliche Verantwortung eingeräumt. Sein Unternehmen habe „Fehler“ begangen und einen „Vertrauensbruch“ im Verhältnis zu seinen weltweit zwei Milliarden Nutzern verursacht. Facebook wolle „aus dieser Erfahrung lernen“ und sein Online-Netzwerk sicherer für die Nutzer machen. 

21-Cambridge Analytica hat Chef suspendiert-5755414271001Das Unternehmen steht seit dem Wochenende in der Kritik, nachdem bekannt geworden war, dass die britische Analysefirma Cambridge Analytica laut Medienberichten die Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump eingesetzt haben soll. In den USA und Großbritannien leiteten die Behörden Untersuchungen gegen Facebook ein. Auch wollen mehrere Parlamente Zuckerberg zu dem Skandal befragen.

Fünf Fragen zum Facebook-Skandal, 20.20

Nach Daten-Skandal: Whatsapp-Gründer ruft auf: Löscht endlich Facebook

Mark Zuckerberg dürfte schon schönere Tage erlebt haben. Nach den Enthüllungen um missbrauchte Facebook-Daten (hier erfahren Sie mehr) steht der Konzern seit Tagen in einem immer lauter werdenden Sturm der Kritik. Die Folge: Eine ständig wachsende Anzahl von Nutzern wollen ihre Facebook-Accounts löschen. Nun hat die Bewegung einen prominenten Unterstützer: Ausgerechnet der Whatsapp-Gründer ruft ebenfalls zur Löschung auf.

+++ Sie wollen Ihren Facebook-Account löschen oder deaktivieren? So geht es Schritt für Schritt +++

„Es ist Zeit. Löscht Facebook“, schreibt Brian Acton knapp auf seinem Twitter-Account. Dabei verwendet er das Hashtag der jungen Bewegung #deletefacebook. Der Schritt ist insofern drastisch, weil Facebook Acton zum Milliardär machte. Er hatte 2009 gemeinsam mit dem deutlich bekannteren Jan Koum Whatsapp entwickelt. 2014 wurde das junge Unternehmen für unglaubliche 19 Milliarden Dollar an Facebook verkauft. Acton soll damals 20 Prozent der Firma besessen haben, dürfte also knapp 5 Milliarden Dollar für den Verkauf bekommen haben.Whatsapp Gründer Facebook Facebook: So sehen Sie, welche Apps Zugriff auf Ihre Daten haben_10.40

Verschlüsselung statt Datensammelei

Tatsächlich arbeitete er nach der Übernahme weiter an Whatsapp. Auch unter Facebooks Führung kümmerte er sich fortwährend um die technische Umsetzung des Messengers, bis er das Unternehmen Ende letzten Jahres verließ.

Ganz überraschend ist sein Löschaufruf aber trotzdem nicht. Während Facebook als Datensammel-Konzern Erfolg hatte, scheint Acton die Nutzer eher schützen zu wollen. So soll er es gewesen sein, der im Hintergrund leidenschaftlich die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Whatsapp vorantrieb, die dann 2016 eingeführt wurde. Auch Facebook soll seitdem die Nachrichten nicht mehr mitlesen können.

Ob sein Verlassen des Konzerns ebenfalls mit Datenschutz-Bedenken zu tun hat? Darüber kann man nur spekulieren. Es spricht aber einiges dafür. Seine nach dem Weggang gegründete gemeinnützige Organisation widmet sich dem Datenschutz, steckte etwa 50 Millionen Dollar in den offenen Verschlüsselungs-Messenger Signal. Erst vor wenigen Wochen wurde zu diesem Zweck die Signal Foundation gegründet. Vielleicht ist sein Aufruf also auch als Werbung für den Whatsapp-Konkurrenten zu verstehen. Oder Acton will einfach seinem alten Arbeitgeber eins auswischen.Whatsapp Warum ich gerne telefoniere 8.20