Fünf Jahre Apple mit Tim Cook

Am 24. August 2011 beugte sich Steve Jobs dem Unausweichlichen. Der todkranke Apple-Mitgründer gab nach jahrelangem Kampf gegen den Krebs schließlich den Posten des Firmenchefs ab.

Jobs wechselte noch an die Spitze des Verwaltungsrates und versprach, für das Unternehmen dazusein – doch es dauerte keine eineinhalb Monate mehr, bis er am 5. Oktober starb.

Sein Lebenswerk legte er in die Hand von Tim Cook, der ihn schon zuvor bei Krankheits-Abwesenheiten vertrat und als Zuständiger für das operative Geschäft das Unternehmen in- und auswendig kannte. Die Planke hätte für den damals 50-Jährigen Cook kaum höher liegen können. Jobs hatte mit einer Erfolgsserie aus iMac, iPod, iPhone und iPad ganze Branchen umgepflügt und unter anderem den Smartphone-Boom in Gang gebracht. Viele Marktbeobachter stellten in Frage, dass Cook, der vor allem als Optimierer von Apples Produktionskette bekannt war, diesem Erbe gewachsen ist.

Fünf Jahre später sitzt Apple auf einem Geldberg von gut 230 Milliarden Dollar und hat gerade das milliardste iPhone verkauft. Zwischendurch fuhr der Konzern im vergangenen Weihnachtsgeschäft mit 18,4 Milliarden Dollar den höchsten Quartalsgewinn der Geschichte ein. Zugleich wurde das iPhone zum wichtigsten Apple-Produkt und brachte zeitweise mehr als zwei Drittel des Konzerngeschäfts ein. Und als in diesem Jahr die Anziehungskraft der iPhones nachließ, bedeutete das auch einen spürbaren Rückgang für das gesamte Apple-Geschäft.

Cook gab sich in einem jüngsten Interview mit der «Washington Post» trotzig: «Ja, für uns geht es dieses Jahr etwas runter. Es geht nicht jedes Jahr nach oben, wissen Sie.» Auch wenn das weltweite Smartphone-Geschäft derzeit schwächele, sei es auf lange Sicht «der beste Markt der Welt», weil schließlich jeder eins haben werde.

In Cooks Amtszeit stieß Apple bisher in eine neue Produktkategorie vor. Die im April 2015 gestartete Apple Watch eroberte zwar aus dem Stand die Marktführung bei Computer-Uhren. Doch Verbraucher zögern noch. Der Konzern veröffentlicht immer noch keine Zahlen, aber nach Einschätzung von Marktforschern verkaufte Apple im Start-Quartal noch 3,6 Millionen seiner Uhren, inzwischen sollen es um die eineinhalb Millionen pro Vierteljahr sein. Auch das wäre noch ein gutes Geschäft – aber nicht unbedingt die steile Erfolgskurve, die viele von Apple bei einem neuen Produkt erwarten.

Cook stellt weiterhin mehr in Aussicht. «Wir haben die Ausgaben für Forschung und Entwicklung hochgefahren, weil wir massiv in die Zukunft investieren – sowohl in heutige Produktlinien als auch in Dinge, die heute noch nicht sichtbar sind, unter anderem im Diensteangebot.» Die Tech-Welt hat sich in den fünf Jahren massiv verändert. Heute spielen künstliche Intelligenz und selbstlernende Maschinen eine zentrale Rolle. Und nicht nur Google arbeitet daran, sie in den Alltag zu bringen, sondern auch Facebook und Amazon: Eines der erfolgreichsten Produkte des weltgrößten Online-Händlers in den USA ist der vernetzte Lautsprecher Echo, mit dem sich Nutzer unterhalten können. Virtuelle Realität steht vor dem Sprung in den Massenmarkt, und die gesamte Autobranche wird von der Digitalisierung umgekrempelt.

Cooks Job ist es, den Platz von Apple in dieser neuen Welt zu sichern. Er kaufte in der bisher größten Übernahme des Konzerns für drei Milliarden Dollar den Kopfhörer-Anbieter Beats, um schneller ins Geschäft mit Musik-Streaming aus dem Netz zu kommen. Er betont die Anstrengungen des Konzerns bei künstlicher Intelligenz, angefangen mit der Sprachassistentin Siri. Er investierte eine Milliarde Dollar in den chinesischen Fahrdienst-Vermittler Didi Chuxing – und seit über einem Jahr gibt es Berichte, Apple baue ein Auto. Außerdem erklärte Cook für interessante Bereiche «Augmented Reality», die «erweiterte Realität», bei der künstliche und reale Objekte auf einem Display kombiniert werden, sowie Gesundheitsdienste. Hier wurde der Kauf des Start-ups Gliimpse bekannt, das Patientendaten speichert.

Das Apple von Tim Cook ist in vielem anders als das von Steve Jobs. Der Gründer beschränkte die Außendarstellung von Apple gern auf Produktkommunikation. Cook stellt Umweltschutz in den Vordergrund und ging einen öffentlich ausgetragenen Konflikt mit der US-Regierung ein, indem Apple sich weigerte, Software zum Entsperren von iPhones zu schreiben. «Ich bin der Meinung, dass ein Chef von Apple an der nationalen Debatte zu solchen Fragen teilnehmen sollte», sagte er der «Washington Post».

Jobs habe ihm vor dem Tod gesagt, er solle sich nie fragen, «was würde Steve jetzt tun?», sondern eigene Entscheidungen treffen, sagte Cook einmal. «Für mich ist Steve nicht ersetzbar. Durch niemanden», bekräftigt er jetzt. So wird Apple heute mehr als früher von einem Team geführt. Darunter sind Jobs-Vertraute wie der Designer Jony Ive. Inzwischen kamen etwa mit Software-Chef Craig Federighi auch neue Gesichter zum Führungszirkel dazu. Zugleich ging nach dem Debakel mit dem mies gestarteten Kartendienst 2012 der Veteran Scott Forstall, dem auch Ambitionen auf die Firmenspitze nachgesagt wurden.

Anders als Jobs schüttet Cook auch Geld an die Aktionäre aus, über 150 Milliarden Dollar durch Dividenden und Aktienrückkäufe. Der Kurs des Apple-Papiers verdoppelte sich unter Cook, und Apple ist weiterhin das teuerste Unternehmen der Welt vor Google. Für eine Bewertung der Ära Cook scheint es unterdessen nach fünf Jahren noch zu früh. «Ich denke, die Weisheit und das Erbe von Tim Cook werden danach bewertet werden, was in den nächsten fünf Jahren passiert», betont der bekannte Branchenanalyst Gene Munster, der lange vergeblich auf einen von ihm vorhergesagten Apple-Fernseher gewartet hatte.

Kurz vorm iPhone-7-Start: So krass hängt das ein Jahr alte iPhone 6s das neue Galaxy Note 7 ab

Jahr für Jahr war es dasselbe Spiel: Apple stellte das neue iPhone vor und es steckte erst mal alle Android-Smartphones in die Tasche. Dann kam Samsungs Galaxy-Serie und eroberte den Thron zurück. Doch jetzt durchbricht das iPhone 6s (hier bei uns im Test) diesen Zyklus. In einem Video wird das Galaxy Note 7 noch vor dem deutschen Marktstart gnadenlos zerlegt. Und das wenige Wochen bevor das iPhone 7 die Messlatte nochmal höher legen dürfte.

+++ Alle Gerüchte zum iPhone 7 finden Sie hier +++

Im Video lässt der Youtube-Kanal „PhoneBuff“ die beiden Spitzen-Smartphones in einem Test-Parcours gegeneinander antreten. Der ist vor allem darauf ausgelegt, die Alltags-Geschwindigkeit zu testen. Die Smartphones müssen eine Reihe festgelegter Apps und Spiele öffnen und zwischendurch ein Video umrechnen. Um das Multitasking zu testen, werden die Apps dann alle noch ein zweites Mal geöffnet.Galaxy Note 7 Vorstellung_18.15

Keine Chance für das Note 7

Zunächst sieht es für das Note noch ganz gut aus, es hat einen kleinen Vorsprung. Doch schon nach wenigen Apps ist das iPhone vorne. Ab der Berechnung des Videos ist das Rennen eigentlich schon gelaufen. Das Note benötigt viel länger für den rechenintensiven Testabschnitt, dass es immer noch am Rödeln ist, als das iPhone bereits die zweite Runde anfängt. Weil das iPhone in der Multitasking-Runde weiter Gas gibt, schafft es am Ende das Undenkbare – und überrundet das Note glatt.

Das Ergebnis lässt keinen Zweifel: Das iPhone benötigte 1 Minute und 51 Sekunden für den gesamten Parcours, das Note alleine 2:04 Minuten für die erste Runde. Für beide waren sogar 2:49 nötig – also fast eine Minute mehr.

Apple beweist mal wieder beeindruckend, wie sehr sich die Optimierung von Soft- und Hardware aufeinander auszahlt. Denn eigentlich sollte das Note 7 das iPhone gnadenlos abhängen. Es besitzt im Gegensatz zum iPhone 6s nicht nur zwei, sondern gleich vier Rechenkerne, zudem hat es die doppelte Menge Arbeitsspeicher. Und doch kann es weder bei der rechenintensiven Videoumrechnung noch beim Multitasking punkten.iphone 7 vorbestellen_18Uhr

Das iPhone 7 soll noch schneller werden

Bald wird sich Samsung noch wärmer anziehen müssen. Die Vorstellung des iPhone 7 wird für September erwartet. Allen Gerüchten zufolge ändert Apple wenig am Design, sondern setzt voll auf Detailverbesserungen als Verkaufsargument. Dazu verbaut man eine bessere Kamera, macht das iPhone wasserdicht – und vermutlich noch mal ein gutes Stück schneller. Harte Zeiten für die Android-Konkurrenz.Fotoduell iphone6s galaxy s7 14.15h

Skurrile iPhone-Enthüllung: Warum ausgerechnet Barbra Streisand weiß, wann das nächste iOS erscheint

Kaum ein Konzern legt soviel Wert auf Geheimhaltung wie Apple. Doch ob iPhone 7 oder iOS 10: Immer wieder kommen dann doch Infos nach draußen. Dass ausgerechnet die mittlerweile 74-jährige Sängerin Barbra Streisand mal Apple-Geheimnisse leaken würde, hat aber wohl keiner erwartet. Dabei wollte sie nur, dass man ihren Namen richtig ausspricht.

In einem Interview mit dem Radio-Sender NPR beichtete Streisand ihr Leid: Schon ihre ganze Karriere sprechen alle ihren Namen falsch aus, genauer gesagt den Nachnamen. Das zweite „S“ klänge bei vielen Amerikanern zu scharf. Dabei werde es wie im Wort Sand doch mit weichem „S“ ausgesprochen, beklagte sich die Entertainerin und Schauspielerin. Und sogar die iPhone-Assistentin Siri würde es einfach nicht richtig hinbekommen. Zum Glück dürfte das bald ein Ende haben.iPhone 7 Ticker 15.01

iOS 10 rettet die Ehre der Diva

Denn während wir Normalsterblichen uns mit einem solchen Fehler schlicht abfinden würden, hat eine Diva wie Frau Streisand da andere Ansprüche: Sie griff zum Telefon und beschwerte sich bei Apple. Und weil sie ein weltberühmter Star ist, tat sie das eben nicht bei der Hotline, sondern gleich ganz oben bei CEO Tim Cook.

Der hatte natürlich vollstes Verständnis, erzählte sie bei NPR: „Wunderbarerweise versprach er mir, es mit dem nächsten Update am 30. September zu beheben.“ 

Was ihr vermutlich nicht bewusst war: Von einem Update am 30. September hörte selbst der Technik-interessierte Teil der Welt zum ersten Mal. Das kommende iOS 10 wurde zwar bereits im Juni vorgestellt, der Releasetermin ist aber bisher streng geheim – vor allem, weil er mit dem Verkaufsstart des iPhone 7 zusammenfallen dürfte.iOS 10 Emojis 12.32

Kommt das iPhone 7 später?

Bislang erschienen neue iOS-Versionen immer wenige Tage vor dem Verkaufsstart der neuen Generation, die traditionell an einem Freitag in den Läden steht. Aktuell werden der 16. und der 23. September als mögliche Termine für den Verkaufsstart gehandelt. Wäre Streisands Termin korrekt, fielen beide als Verkaufsstart aus. Schließlich wird Apple kaum zuerst das iPhone 7 mit iOS 10 auf den Markt bringen und dann noch Wochen mit der allgemeinen Veröffentlichung des Systems warten.

Vielleicht gibt es aber auch eine ganz einfache Erklärung: Apple könnte schon das erste Update für iOS 10 einplanen, also iOS 10.0.1. Ein solches Update erscheint in der Regel ein bis zwei Wochen nach dem offiziellen Starttermin, um grobe Fehler auszumerzen. Und dass Siri den Namen weltberühmter Sängerinnen nicht aussprechen kann, fällt ganz sicher in diese Kategorie.ios public beta

Spotify-Listen: Sommerhit oder Flop? Besuch bei den Menschen, die wissen, was wir hören wollen

Eines Morgens hatte Manuela Wurm dieses Lied im Ohr. Es hieß „6 or 7 Weeks“. Gehört hatte sie es am Vorabend, bei einem Konzert der Indieband Nosoyo, irgendwo in Berlin-Kreuzberg. 50 Leute waren dort gewesen, mehr nicht.

Aber die Melodie hatte etwas. Sie trug Manuela Wurm in den Tag, in die U-Bahn, von Neukölln nach Mitte, bis ins Büro. Wurm lief zu ihrem Schreibtisch, fuhr den Rechner hoch, setzte ihren klobigen Kopf hörer auf, suchte das Lied, fand es, summte mit, hielt die Maustaste gedrückt – und schob die Melodie in die Liste „Pop Brandneu“.Spotify Tricks Foto-Strecke

Ein paar Tage später hatten auch andere das Lied gehört. Viele andere. Hunderttausendfach war es gespielt worden. Denn Wurm ist nicht irgendwer. Sie ist Listenmacherin bei Spotify, dem erfolgreichsten Streamingdienst für Musik.

Listen verdrängen Alben

Hundert Millionen Kunden hat Spotify weltweit. Immer weniger von ihnen hören Alben oder eigene Liedersammlungen. Sie machen es sich einfacher. Sie hören sich durch Listen von Profis. Es sind Listen für jede Lebenslage: Musik zum Laufen oder Lachen, zum Abendessen oder Einschlafen, zum Duschen oder Putzen. Und die Liste „Confidence Boost“ soll sogar das Ego steigern.

4500 dieser Sammlungen hat Spotify im Repertoire, 40 davon werden jeweils von mehr als einer Million Followern genutzt. Über eine Milliarde Lieder pro Woche, behauptet Spotify, werden über die Profilisten gehört. Die erfolgreichste in Deutschland zusammengestellte Liste heißt „Top Hits Deutschland“ , sie hat über 630.000 Follower. „Playlisten sind stärker denn je im Fokus der User“ , sagt Holger Christoph, bei der Plattenfirma Universal fürs digitale Geschäft in Europa zuständig. „Streamingdienste heuern derzeit viele Experten aus dem Radio, Musikfernsehen oder anderen Musikmedien an.“

Bei Spotify arbeiten 50 dieser Kuratoren, weltweit. Es sind Spezialisten für die verschiedenen Musikrichtungen darunter, aber auch für Regionen und Länder. Die Listenmacher müssen ihr Publikum genau kennen, um den Ton zu treffen. In Deutschland ist Manuela Wurm die Chef-Listenmacherin. Zu ihrem Team gehören Andreas, Experte für Deutsch-Hip-Hop, und Mandy. Mandy konzentriert sich auf Pop.Spotify-Tipps 12.16

Zwischen „The Hoff“ und Berghain

Das Berliner Spotify-Büro liegt in der Nähe des Potsdamer Platzes. Über einen leuchtend roten Teppich geht es die Treppe hinauf in den vierten Stock, in ein Großraumbüro mit langen Tischen, vielen Laptops und einigen verglasten Besprechungszimmern, die mehr oder weniger originelle Namen tragen: „The Wall“, „The Hoff“, „Berghain“. In einem Saal mit Bühne nehmen Bands ab und zu Songs auf, vor kleinem Publikum, für „Livesessions“.

Die Stimmung an diesem Tag ist aufgekratzt. Am Abend wollen sie Einweihung feiern. An der Decke taumeln silberne Luftballons mit grünem Firmenlogo, nachher wird die Bar für den Gin Tonic aufgebaut. Manuela Wurm ist 31, eine schmale Frau mit Longbobfrisur. In „The Wall“ legt sie ihr Werkzeug auf den Tisch: Laptop, Kopfhörer, Kaffeetasse. Sie stammt aus einem Dorf in den steirisch-niederösterreichischen Alpen. In den Sätzen schwingt die Melodie ihrer Heimat. Sie hat in Wien studiert, beim Radio und beim Musikfernsehen gejobbt, bei der Plattenfirma Sony Music gearbeitet. Irgendwann, sagt sie, habe sie aber näher herangewollt. An die Musik. An die Hörer.

Hat der Song das Zeug zum Hit?

Auf den ersten Blick macht Wurm das Gleiche wie ein Musikredakteur beim Radio. So hat sie ihren Beruf auch den Großeltern erklärt: „Das ist wie CDs sammeln fürs Radio, nur digital.“ Dabei hat sie ihnen unterschlagen, was der entscheidende Unterschied ist: die Daten. „Ich sehe viel sofort. Das macht das Streaming so faszinierend.“ Wurm klappt ihren Laptop auf und deutet auf den Bildschirm. Dort sind bunte Kuchengrafiken zu sehen. Sie zeigen, wie viele Leute ein Lied hören und mit wem Wurm es zu tun hat, männlich, weiblich, das Alter – über die Hälfte der Nutzer in Deutschland sind unter 30. Die Daten verraten, ob ein Song wieder und wieder gehört und in eigenen Sammlungen gespeichert wird, ob er viele – vielleicht alle! – begeistert, ob er das Zeug hat zum Hit. Die Daten vermessen das Gefühl, kühl und unbestechlich.Spotify-Vote

„Es gibt eine Art Netzwerk von Playlisten“ , sagt Wurm, ein Netzwerk mit unterschiedlichen Hörertypen und unterschiedlichen Reichweiten. Wenn ein Lied gut läuft, dann hilft sie ihm. Schiebt es von einer Liste in die nächste, zündet mit Maus und Melodie ein Feuerwerk in ihrer Listenwelt. „Es ist ein Gänsehautgefühl, wenn man erlebt, wie ein Hit entsteht und man ein bisschen Geschichte schreiben kann.“

Spotify trieb Streaming voran

Auch Spotify, 2006 von Daniel Ek gegründet, hat Musikgeschichte geschrieben. Die Schweden waren die Ersten, die das Streaming groß vorantrieben, die das Musikhören im Netz einfach, günstig und legal machten. Musik ist heute so verfügbar wie Wasser aus dem Wasserhahn. Es fließt sogar Geld. Die deutsche Musikindustrie macht knapp ein Viertel ihres Umsatzes mit Streaming. Dabei kaufen die Kunden die Musik nicht einmal, sie mieten sie.

Apple Music Zoff 14.44Ob sich das historische Verdienst für Spotify selbst auszahlt, ist ungewiss. Noch haben die Schweden keinen Euro Gewinn gemacht. Die Kosten für Lizenzen und neue Investitionen sind hoch. Immer wieder musste Daniel Ek Schulden machen, um mithalten zu können im immer härteren Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit und Zeit der Hörer. Die Herausforderer heißen Deezer, Tidal, Google Play Music oder sogar Aldi Life Musik, vor allem aber: Apple Music. 2015 ist der Gigant mit ungeheurer Wucht in den Markt eingestiegen.

Die harte Währung in dem Geschäft sind zahlende Abonnenten. Binnen eines Jahres hat Apple Music 15 Millionen für sich gewinnen können und damit heute schon halb so viele wie Spotify.

30, 40 Millionen Lieder haben alle

Zu den 30 Millionen Abonnenten der Schweden gehört inzwischen auch Wurms Vater. Sie kichert, als sie erzählt, wie sie ihn dazu brachte, daheim in Sankt Aegyd am Neuwalde. Am Anfang nutzte er ihr Profil. Dann hörte er mehr, immer mehr – bis sie ihn schließlich bat, seine Listen verborgen einzustellen. „Er liebt Schlager!“ Jetzt hat er sein eigenes Profil.

Abonnenten gewinnt, wer Besonderes bietet. Aber was soll das sein? Gigantische Musikbibliotheken mit 30, 40 Millionen Liedern haben alle. Auch der monatliche Abopreis von 9,99 Euro ist Standard, nur Aldi ist mit 7,99 Euro günstiger. Eine Besonderheit bei Spotify ist die Kostenlosversion, mit Werbung und ein paar Annehmlichkeiten weniger – die Musik kann nicht offline gehört werden, höchstens sechsmal pro Stunde darf ein Lied auf dem Smartphone übersprungen werden. Spotify hat so 70 Millionen Hörer zusätzlich gewonnen – ein Erfolg, auch wenn viele Künstler schimpfen, hier würden ihre Werke verschenkt.

Apple setzt auf exklusive Musik

Apple Music und Tidal setzen dagegen stärker auf exklusive Musik. So gab es „1989“ , das jüngste Album von Pop-Königin Taylor Swift, anfangs nur bei Apple zu hören. Spotify ist da noch nicht so weit. Die Schweden versuchen gerade, regionale Hörgewohnheiten besonders gut zu bedienen. Die Deutschen, heißt es in der Firmenzentrale in Stockholm, mögen das gesprochene Wort. Deshalb produziert Spotify jetzt den Podcast „Fest & Flauschig“, eine Talkshow von Moderator Jan Böhmermann und Musiker Olli Schulz. Das Format lief zuvor im öffentlich-rechtlichen Radio.

Die meistgestreamten Hochzeitssongs 2016Ohnehin träumen die Streamingdienste davon, eines Tages an die Stelle des Radios zu treten. Sie wollen beschallen, im Bad, in der Küche, im Auto – ihr Anspruch ist total. „Wir wollen jeden Moment des Lebens mit Musik anreichern“, sagt Nick Holmstén, Spotifys Programmchef und Oberlistenmacher. Mit Jeans, eng anliegendem schwarzen T-Shirt und silberner Halskette sieht der Endvierziger aus, als käme er direkt aus dem Übungskeller einer Band.

Dabei sitzt er nur im „Elton John“, einem Konferenzraum in der Stockholmer Firmenzentrale am Boulevard Birger Jarlsgatan. Für Holmstén ist klar: „Wenn wir unsere Hörer nicht verstehen, scheitern wir.“ Im Ringen der Streaminganbieter werde siegen, wer allen die exakt passende Musik für jede, wirklich jede Lebenslage liefere. Gewinnen werden die besten Listenmacher. Die schnellsten. Die kreativsten.

Das Wichtigste ist das Sequencing

„Wir beschäftigen uns die ganze Zeit damit, neue Use Cases zu ent wickeln“, sagt Manuela Wurm. Ein „Use Case“ ist ein Anwendungsfall. Wie duschen. Oder putzen. Musik ist zwar etwas Sinnliches. Aber wenn die Listenmacher ihre Use Cases erarbeiten, gehen sie vor wie Wissenschaftler. Zunächst stellen sie Hypothesen auf. In welchen Situationen wollen Nutzer Musik hören? Manuela Wurm hatte die Eingebung, eine Liste namens „Sonne“ anzulegen, darauf ist sie stolz. Sonne? „Na ja, das ist Musik, die so klingt, als würde man sie in der Sonne hören.“ Musik zum Wärmen, für einen seeblauen Tag.

Wurm suchte ein paar Charthits raus, ein paar Indiesongs, an die 50 Lieder. Dann arrangierte sie die Reihenfolge. Das „Sequencing“, die Dramaturgie, ist die zentrale handwerkliche Fähigkeit der Listenmacher.

Und? Hat die „Sonne“ funktioniert? Wieder zeigt Wurm auf die Kuchendiagramme. 205 000 Follower, Verweildauer 37 Minuten, 60 Prozent Männer, 40 Prozent Frauen, gehört wird die Liste vor allem sonntags zwischen 12 und 22 Uhr und am Montagnachmittag zwischen 16 und 19 Uhr. 37 Minuten also. Ist das gut? „Das ist gut“ , sagt Wurm. Ihre „Sonne“ gilt als Erfolg.

Auf der Jagd nach Störsongs

Wer Hörer hat, der will sie halten. Hunderte Listen muss Wurms Team ständig überprüfen, aktualisieren, manche einmal im Monat, andere zweimal in der Woche. Die drei jagen dann „Störsongs“. Dabei hilft ihnen die „Skippingrate“ . Als „geskipped“ , übersprungen, gilt ein Lied, wenn der Hörer es schon nach weniger als 30 Sekunden nicht mehr hören will. Wenn also Joel Adams eine Skippingrate von 32 Prozent hat, dann hatte ein Drittel der Hörer schnell genug von ihm.

Obama Musikgeschmack 19.51Nur, was heißt das? Ist Adams jetzt ein Störsänger? Wurm sagt, das hänge vom Kontext ab. Bei Listen mit Neuem zappen sich Nutzer eher fix durch. Sie wollen reinhören – und weiter. Hier liegen die Skipping raten bei 30, 40, 50 Prozent. Bei Listen zum Arbeiten oder Entspannen dagegen wollen sich Hörer gar nicht mit der Musik beschäftigen. Die soll im Hintergrund laufen. Die Skippingraten belaufen sich hier auf 15, 16 Prozent. Da stört schnell etwas – und muss aussortiert werden.

Algo oder Mensch?

An Ideen und Vorschlägen für neue Lieder mangelt es nicht. „Hey, Manu! Habt ihr das schon gesehen?“ , heißt es dann per Mail oder Videochat von den Kollegen aus Los Angeles oder New York. Die Kuratoren halten engen Kontakt zu den Plattenfirmen. Sie lesen Blogs, Feeds und besuchen Konzerte. Es geht immer um dasselbe: Läuft in den sozialen Netzwerken etwas viral? Gibt es einen neuen Star? Dabei helfen ihnen auch Maschinen: die Algorithmen. Wurm nennt sie, fast zärtlich, „die Algos“. Tempo, Gesangsanteil, Genre – sie kennen das Repertoire genau. Wurm setzt die Helfer dosiert ein. „Wenn es um Listen mit einem bestimmten Tempo geht, etwa für das Fitnesstraining – dann ja. Aber am Ende gibt es einen menschlichen Check.“ Bisweilen dürfen die Maschinen aber auch schon allein ran. „Dein Mix der Woche“ ist eine auf den Einzelnen zugeschnittene Liste. Der „Algo“ weiß, was der Nutzer sonst hört, daraus entwickelt er ein Muster und wählt aus. Sitzt Wurms härteste Konkurrenz also längst im eigenen Haus?

„Nein“, sagt sie, „der Maschine fehlen die Gefühle.“ „Nein“, sagt auch Nick Holmstén. Die Maschine, sie könne gar nicht so viel wahrnehmen wie der Mensch. Sie sei nicht im Jetzt einer Gesellschaft verankert, in ihrer Stimmung. Feiertags wollten die Menschen andere Musik hören als werktags. Als David Bowie gestorben sei, wollten alle seine Lieder hören. Ein menschlicher Listenmacher wisse das. „Eine Maschine“, sagt Holmstén, „kriegt das nicht mit.“

In „The Wall“ wird es jetzt eng, ein Kleiderständer wird reingeschoben. Entschuldigung, die Party. Manuela Wurm klappt ihren Laptop zu. Wenig später sitzt sie draußen auf dem Balkon. Ein DJ legt auf, der Himmel ist wolkenlos, das Licht weich und warm. Wurm lacht, sie hat ein Glas in der Hand. Eine Liste namens Sonne? Vielleicht käme das einer Maschine tatsächlich nie in den Sinn. Und auch jetzt, an diesem Sommerabend, entscheidet kein Algo, sondern ein DJ aus Fleisch und Blut über die musikalische Untermalung eines jeden Moments – und er trifft das Gefühl perfekt.DieDrei???_19.40

Das Spiel ist aus: 345 000 Besucher bei der Gamescom

Rund 345 000 Menschen haben die internationale Computer- und Videospielmesse Gamescom in Köln besucht. Das seien ebenso viele wie im Vorjahr, teilten die Veranstalter kurz vor dem Abschluss mit. Die Messegäste seien aus 97 Ländern angereist.

Die Zahl der Fachbesucher sank jedoch leicht auf 30 500. Zusammen mit dem Begleitprogramm rund um die eigentliche Messe – etwa dem Stadtfest oder den «Videodays» mit ihren YouTube-Sternchen – kamen den Angaben zufolge eine halbe Million Menschen in die Domstadt.

Auch am letzten Tag der Gamescom herrschte wieder dichtes Gedränge in den Messehallen. Ein Schwerpunkt der Ausstellung waren dieses Mal virtuelle Realitäten, in die man mit speziellen VR-Brillen eintauchen konnte. Zudem stand der E-Sport im Fokus.

Mit einer Konferenz für Spieleentwickler war die Gamescom-Woche am vergangenen Montag gestartet. Nach den Fachbesuchern öffneten sich am Donnerstag dann die Pforten für alle Gamer.

Parallel zur Gamescom gab es eine ungewöhnliche Veranstaltung im Kölner Dom: An drei Abenden war dort eine Licht- und Lasershow zu sehen, untermalt von elektronischer Musik des DJ-Duos Blank & Jones. Nach Angaben der Dompropstei kamen insgesamt knapp 50 000 Besucher. Am Samstag sei der Andrang so groß gewesen, dass aus Sicherheitsgründen nicht alle Wartenden in den Dom gelassen werden konnten.

«Pokémon Go»: Temporäres Smartphone-Verbot in Schulen?

Wegen des «Pokémon-Go»-Hypes haben Lehrer und Eltern kurz vor dem Ferienende in Nordrhein-Westfalen ein temporäres Smartphone-Verbot in Schulen gefordert.

«Solange das Pokémon-Fieber grassiert, brauchen wir eindeutige Richtlinien», sagte Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbandes in Nordrhein-Westfalen, der «Rheinischen Post». «Darum sollte es vor Unterrichtsbeginn und in den Pausen – solange es das Phänomen gibt – ein Nutzungsverbot für Smartphones geben.»

Auch die Landesvorsitzende des Elternvereins, Regine Schwarzhof, sprach sich in der Zeitung für ein solches Verbot aus – sie sieht außerdem Eltern in der Pflicht: «Entscheidend ist aber auch, dass die Eltern ihre Kinder darauf hinweisen, dass sie ihnen deutlich sagen und erklären, dass Smartphones in der Schule nichts zu suchen haben.»

In Deutschland gibt es das Smartphonespiel «Pokémon Go» erst seit Anfang Juli – da waren in vielen Bundesländern schon Ferien oder sie standen kurz bevor. In NRW beginnt das neue Schuljahr vielerorts am 24. August.