Justiz soll entlastet werden: Hamburg will Pilotprojekt für Online-Gerichtsverfahren

Hamburgs Justizsenator Till Steffen will bei der Entlastung von Gerichten neue Wege gehen. «Wir wollen vor allem dafür sorgen, dass kleinere Zivilverfahren schneller bearbeitet werden können», sagte der Grünen-Politiker im Interview mit dem «Hamburger Abendblatt».

Dazu habe die Hansestadt eine Initiative für ein Online-Schnellverfahren bei der Justizministerkonferenz der Länder eingebracht. «Im Rahmen eines Pilotprojekts soll es möglich sein, dass ein Bürger über eine Eingabemaske seine Klage in einem vereinfachten Zivilverfahren online einbringt», so Steffen.

Der neue Klageweg ist für Verfahren mit einem Streitwert unter 1000 Euro vorgesehen. Die Klage soll elektronisch bearbeitet werden, danach soll es schnell zu einer mündlichen Verhandlung und einer Entscheidung kommen. «Dass man online eine Klage per Eingabemaske bei Gericht einreichen kann, wäre bundesweit einmalig», sagte Steffen. Über die erforderliche Änderung der Zivilprozessordnung muss der Bundestag entscheiden.

Streaming: Wie Spotify beim Streaming immer mehr den Anschluss verliert

Unmengen Musik aus aller Welt auf Abruf, gegen eine kleine Gebühr: Als Spotify an den Start ging, gingen die Träume von Millionen Musikfans von einer Musikflatrate in Erfüllung. Seitdem ist viel passiert. Und trotz der mit Abstand größten Anzahl von Abonnenten und konstantem Wachstum droht Spotify langsam den Anschluss zu verlieren.

Denn die Konkurrenz schläft nicht. Von kleineren Diensten wie Deezer mal abgesehen, haben mit Apple Music, Amazon Prime Music und Google Play Music gleich mehrere Internet-Schwergewichte eigene Streaming-Angebote in den Markt geworfen – und lassen Spotify immer älter aussehen. Vor allem bei der immer wichtiger werdenden Sprachsteuerung sieht der Primus im Vergleich mächtig alt aus.Spotify legaler Scam_6.30

Spotify und die Sprache

Durch die Verbreitung von Sprachlautsprechern wird es immer beliebter, den Musikdienst seiner Wahl über Sprache zu steuern. Die Steuerung per Sprache ist die Zukunft, auch im Auto setzt sich das immer mehr durch. Und genau hier hängt Spotify mächtig hinterher, wie „Techchrunch“ in einer aktuellen Analyse zeigt. Während die Konkurrenten sich weitgehend über Sprache bedienen lassen, ist diese Funktion bei Spotify nur rudimentär möglich. Selbst, wenn man über den Titel sucht, findet Spotify viele Lieder demnach nicht. Doch die Konkurrenten sind längst zu viel mehr in der Lage.

Fragt man etwa Alexa nach einer bestimmten Songzeile, kann sie bei Amazon Music das passende Lied dazu finden. Siri lernt das Feature mit dem im Herbst kommenden iOS 12 ebenfalls, in Testversionen funktioniert es ganz ordentlich. Googles Assistant ist noch smarter – und kann neben der Suche über den Songtext sogar eine vorgesungene Melodie erkennen. Siri erkennt immerhin Lieder über den eingebauten Dienst Shazam, wenn man sie danach fragt. Spotify muss in diesem Bereich passen. Die Erkennung per Text wird zur Zeit nur in Japan angeboten, einen Zeitplan für andere Länder gibt es nicht.Spotify Tricks Foto-Strecke_17.35

Spotify fehlt die Hardware

Doch auch Sprachsteuerung an sich ist alles andere als Spotifys Stärke. In der US-Version der Smartphone-App kann man zwar per Halten des Suchsymbols eine Sprachsuche einschalten, die reine Sprachsteuerung ohne Berührung, wie man sie von Siri, Googles Assistant oder Alexa gewohnt ist, kann Spotify aber nicht bieten.

Hinzu kommt: Das Problem dürfte sich in Zukunft nur noch verstärken: Spotify vertreibt keinen eigenen Sprachlautsprecher – und ist damit auf die Geräte der Konzerne angewiesen, die dem Dienst nun mit eigenen Musikangeboten auf die Pelle rücken. Auf dem Amazon Echo oder dem Google Home spielt es aber nur die zweite Geige. Auf Apples Homepod oder auch der Apple Watch ist der Dienst aber gleich ganz ausgesperrt. 

Die gerade angekündigte Zusammenarbeit mit Samsung für den neuen Sprachlautsprecher Galaxy Home dürfte kaum helfen. Der darauf installierte Assistent Bixby gilt als weitgehend unnütz, zudem ist er nur auf Koreanisch und Englisch verfügbar. Ein Verkaufsschlager dürfte er also in nächster Zeit nicht werden.Spotify Börsengang 19.05

Wo sind die Songtexte?

Auch beim Umgang mit den Songtexten steht sich Spotify selbst im Weg. Vor zwei Jahren hatte der Dienst sein Feature zur Anzeige von Songtexten entfernt. Angeblich wollte man es überarbeiten, leider tauchte es aber nie wieder im vollen Umfang auf. Mit „Behind the Lyrcis“ hat Spotify zwar seinen eigenen, bisher einmaligen Ansatz, der den Text und die Entstehung der Lieder erklärt und dafür von Fans geschätzt wird. Ganz glücklich macht das Angebot aber nicht: Die Infos stehen nicht zu jedem Song zur Verfügung. Wer nur den Text will, hat diese Option nicht: Die „Behind the Lyrics“-kacheln überdecken aber immer wieder die Texte selbst.

Andere Dienste wie Apple Music oder Amazon Music leben dagegen sehr viel Wert auf die Lyrics. Beide betreiben eigene Teams, die sich nur darum kümmern. Amazons Echo Show zeigt etwa auf Wunsch die Texte für jedes gespielte Lied – und wird dadurch praktisch zur Mini-Karaokemaschine.

Wie die Zukunft aussieht, wird sich zeigen müssen. Noch geht es Spotify sehr gut, weltweit ist der Dienst auch bei den zahlenden Abonnenten weltweit immer noch Spitze. Doch die Änderung steht schon an: In den USA hat Apple Music die Schweden bei den zahlenden Kunden nun erstmals überholt, verkündete Tim Cook vor kurzem. Spotify sollte sich also langsam etwas einfallen lassen.Junge Walkman

So macht Bingen keinen Spaß: Netflix packt jetzt Werbung zwischen Serienfolgen

Früher konnte man sich fest darauf verlassen: Immer, wenn es spannend wurde, kam der Schnitt – und wir mussten erst einige Minuten Produktanpreisungen ertragen, bevor es weiterging. Der werbefreie Seriengenuss dürfte einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Streamingdienste sein. Jetzt macht Netflix dem ein Ende – und testet erstmals Werbung zwischen Serienfolgen.

Das bestätigte der Konzern gegenüber dem Techblog „Ars Technica“. Ganz so schlimm wie beim klassischen Fernsehen wird es – zumindest vorerst – aber noch nicht. Eine Unterbrechung der Sendungen gibt es nicht, stattdessen erscheint die Werbung während der Pause zwischen zwei Serienfolgen. Noch viel wichtiger: Netflix beschränkt sich auf Trailer für das eigene Angebot. Werbung für Fremdprodukte sei nicht geplant. Zudem sollen die Vorschauclips sich überspringen lassen.Netflix-Preise 12.31

Nutzer sollen schauen statt suchen

Das Ziel des Tests ist einfach: „Wir probieren aus, ob die Einblendung von Trailern zwischen Episoden den Nutzern hilft, Geschichten, die ihnen gefallen, schneller zu finden“, erklärt Netflix. Seit auf der TV-Oberfläche automatische Trailer angezeigt werden, hätte sich die Dauer des ziellosen Herumstöberns drastisch verringert,

Wie lange der Test läuft und ob auch deutsche Benutzer betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Auch ob der Test zunächst auf bestimmte Plattformen wie Fernseher oder Smartphones begrenzt ist, wollte Netflix gegenüber „Ars Technica“ nicht beantworten.NetflixQuiz 2 20.45

Die Fans sind sauer

Bei den Fans kommt der Test bisher nicht besonders gut an. In einer ganzen Reihe von Reddit-Threads machen viele ihrem Frust Luft. „Ich werde mein Abo kündigen, sobald ich das erste Mal einen solchen Clip sehe“, kündigt ein Nutzer dort an. „Und ich bin Kunde seit fünf Jahren.“ Andere sehen es ähnlich. Allerdings hatten gleich mehrere der Thread-Ersteller auch berichtet, dass der Trailer in ihrem Fall nicht überspringbar gewesen sei. Ob er den Button übersehen hatte oder Netflix den Test falsch kommuniziert, ist nicht bekannt.

Ob die Beschwerden helfen, wird sich zeigen müssen. Auch das bisherige Autoplay im Menü ist in sozialen Medien alles andere als beliebt. Man sei sich des „Geschwätzes“ (im Original „Chatter“) in den sozialen Medien“ bewusst, erklärte Netflix gegenüber „Ars Technica“. Man fokussiere sich aber lieber darauf, wie die Nutzer tatsächlich mit dem Werbeangebot umgehen. Solange also mehr Nutzer neue Serien schauen, sind die Beschwerden egal.Netflix – Twitter-Reaktionen 22.15